{"id":7818491,"date":"2018-03-10T07:15:49","date_gmt":"2018-03-10T06:15:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=7818491"},"modified":"2019-07-08T07:11:05","modified_gmt":"2019-07-08T05:11:05","slug":"sollte-eine-regierung-versuchen-das-glueck-zu-maximieren","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/sollte-eine-regierung-versuchen-das-glueck-zu-maximieren\/","title":{"rendered":"Sollte eine Regierung versuchen das Gl\u00fcck zu maximieren?"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Money can\u2019t buy me love (Geld kann mir keine Liebe kaufen)&#8220;, sangen die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/The_Beatles\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Beatles<\/a> fr\u00fcher einmal, obwohl es zweifelhaft erscheint, dass dies wirklich ein strenger empirischer Anspruch war. <\/p>\n<p><Center><a title=\"The Beatles von Omroepvereniging VARA (Beeld en Geluidwiki - Gallery: The Beatles) [CC BY-SA 3.0 nl (https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/nl\/deed.en)], via Wikimedia Commons\" href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3APaul%2C_George_%26_John.png\"><img decoding=\"async\" width=\"356\" alt=\"Paul, George &#038; John\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/0\/04\/Paul%2C_George_%26_John.png\"\/><\/a><br \/>\n<em>Paul McCartney, George Harrison und John Lennon performen<br \/>\n&#8222;Can&#8217;t buy me love&#8220; (1964)<\/em><\/Center><\/p>\n<p>Dennoch bestreitet niemand, dass es mehr im Leben gibt als Geld und ein neues Buch, <a href=\"https:\/\/www.goodreads.com\/book\/show\/37651095-the-origins-of-happiness\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">The Origins of Happiness<\/a> argumentiert, dass Gl\u00fcck und Zufriedenheit ein Leitfaden f\u00fcr die Regierungspolitik sein sollten.<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Vor zwei Jahren w\u00e4re das ein Teil des Zeitgeistes gewesen: Einer von Barack Obamas leitenden Beratern, der \u00d6konom Alan Krueger, war ein bekannter Experte f\u00fcr &#8222;subjektives Wohlergehen&#8220; (Gl\u00fcck f\u00fcr Sie und mich), w\u00e4hrend sich der fr\u00fchere britische Premier-minister David Cameron ebenfalls f\u00fcr diese Idee einsetzte. <\/p>\n<p>Es scheint jedoch heute seltsamerweise nicht mehr in die Zeit zu passen: Was auch immer Sie meinen m\u00f6gen, was Gro\u00dfbritanniens derzeitige Ministerpr\u00e4sidentin Theresa May oder den US-Pr\u00e4sidenten Donald Trump antreibt, es erscheint unwahrscheinlich, dass dies eine Erhebung der Lebenszufriedenheit ist.<\/p>\n<p>Dennoch ist es immer noch einfach, mit Thomas Jeffersons Bemerkung zu sympathisieren, kurz nachdem er als US-Pr\u00e4sident zur\u00fcckgetreten war: &#8222;Die Sorge f\u00fcr das menschliche Leben und Gl\u00fcck, und nicht ihre Zerst\u00f6rung, ist das erste und einzige legitime Objekt einer guten Regierung.&#8220;<\/p>\n<p>Die Frage ist, was das f\u00fcr die Regierungspolitik bedeutet &#8211; und ob das akademische Studium des Wohlbefindens dabei helfen kann. Die f\u00fcnf Autoren von The Origins of Happiness, darunter Professor Richard Layard von der London School of Economics, konzentrieren sich auf einer Skala von 0-10 auf Antworten auf die Frage &#8222;Wie zufrieden sind Sie heute insgesamt mit Ihrem Leben?&#8220;.<\/p>\n<p>Es ist keine absurde Frage, aber wenn eine Gruppe von Akademikern vorschl\u00e4gt, die wirtschaftlichen Institutionen und die industrielle Strategie eines Landes auf der Grundlage von Antworten auf Fragen wie diese zu reformieren: &#8222;Wie reich sind Sie insgesamt in diesen Tagen auf einer Skala von 0-10?&#8220;, k\u00f6nnten wir vern\u00fcnftigerweise einwenden, dass unsere Evidenzbasis zu unscharf sei, um eine wirkliche Orientierung zu bieten.<\/p>\n<p>Es ist auch nicht klar, ob jemand, der auf der Skala von drei auf vier wechselt, den gleichen Gl\u00fccksschub genie\u00dft wie jemand, der von sieben auf acht wechselt. Und was bedeutet &#8222;10&#8220; wirklich? Ist es buchst\u00e4blich unm\u00f6glich, von dort noch gl\u00fccklicher zu werden &#8211; oder sollte es nicht doch Platz bis zur &#8222;11&#8220; geben?<\/p>\n<p>Diese Fragen k\u00f6nnten vielleicht tats\u00e4chlich nur die Philosophen beunruhigen, doch Lord Layard und seine Mitautoren schreiben von einer &#8222;Revolution in der Politikgestaltung&#8220;, basierend auf Erkenntnissen wie &#8222;ein zus\u00e4tzliches Jahr der Bildung erh\u00f6ht direkt dein eigenes Gl\u00fcck um durchschnittlich 0,03 Punkte im Laufe des Lebens&#8220;. Dies deutet auf eine sehr selbstbewusste politische Analyse hin, der ich allerdings so nicht ganz folgen kann.<\/p>\n<p>Dennoch ist ein wenig Einsicht besser als gar keine, und es w\u00e4re fahrl\u00e4ssig zu ignorieren, was die Leute uns dar\u00fcber sagen, wie sie sich f\u00fchlen. Also, was lernen wir daraus?<\/p>\n<p>Erstens haben wir eine Art Hassliebe zu unseren Jobs. Wir wissen aus Paneldaten (die gleichen Leute werden mehr als einmal interviewt), dass Arbeitslosigkeit ungl\u00fccklich macht und dies \u00fcber viele Jahre hinweg auch so bleibt. Dies ist ein gutes Argument f\u00fcr Ma\u00dfnahmen, die eine niedrige Erwerbslosigkeit f\u00f6rdern &#8211; etwas, das Japan, Deutschland, Gro\u00dfbritannien und die USA geschafft haben, und Frankreich, Italien und Spanien eben nicht.<\/p>\n<p>Doch auch wenn die Arbeitslosigkeit deprimierend erscheint, ist selbst die Arbeit an sich kein Paradies. Selbstst\u00e4ndige sind im gleichen Ma\u00dfe gl\u00fccklicher als Erwerbst\u00e4tige wie Arbeitslose ungl\u00fccklicher sind. Und Alan Krueger sowie der Nobelpreistr\u00e4ger und  Psychologe Daniel Kahneman haben gezeigt, dass von all den allt\u00e4glichen Aktivit\u00e4ten, die wir machen, das Pendeln zum Job und die Arbeit an sich am wenigsten Spa\u00df machen &#8211; w\u00e4hrend von all den Leuten, mit denen wir Zeit verbringen, die Kollegen als schlecht und die Chefs als noch viel schlimmer wahrgenommen werden.<\/p>\n<p>Die Antwort auf diese Probleme sind nat\u00fcrlich mehr und bessere Jobs. Und es scheint, dass auch mehr Zeit f\u00fcr die Befriedigung romantischer Beziehungen helfen w\u00fcrde &#8211; doch dabei ziehe ich es vor, die Regierung drau\u00dfen zu lassen.<\/p>\n<p>Lord Layard und seine Kollegen argumentieren im Allgemeinen f\u00fcr die Bewertung der Staatsausgaben unter Verwendung einer &#8222;Methode der Kosteneffizienz, bei der die Vorteile in Einheiten des Gl\u00fccks gemessen werden&#8220;. Einige Richtlinien &#8211; wie die Lieferung von Fertigbetonb\u00f6den f\u00fcr arme Haushalte in Mexiko &#8211; bestehen diesen Test problemlos. Andere nicht.<\/p>\n<p>Lord Layard ist seit langem ein Verfechter von mehr Ressourcen f\u00fcr die Behandlung von Depressionen und Angstzust\u00e4nden. Er hat recht damit. Selbst eine bescheidene Erfolgsrate w\u00fcrde hier einen langen Anlauf rechtfertigen. Doch dar\u00fcber hinaus h\u00e4ngt viel von den F\u00e4higkeiten einer Regierung ab, das Richtige zu liefern. Bessere Schulen, so hei\u00dft es, verbessern das emotionale Wohlbefinden von Kindern, was eine ausgezeichnete Investition f\u00fcrs Gl\u00fccklichsein darstellt. Gut, aber niemand ist f\u00fcr schlechtere Schulen, und die Forscher geben zu, wenig dar\u00fcber zu wissen, welche Merkmale einer Schule mit gl\u00fccklichen Sch\u00fclern zusammenh\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Es gibt viel an der Idee einer aktivistischen Gl\u00fcckspolitik um jeden mit Laissez-faire-Instinkten zu unterhalten oder aber auch zu erschrecken. Doch in dem Ma\u00dfe, in dem wir der Ansicht sind, dass Regierungen manchmal einen Weg zur Verbesserung der menschlichen Situation einschlagen sollten, w\u00e4re auch zu pr\u00fcfen, was die Leute uns dar\u00fcber mitteilen, wie sie mit ihrem Leben gl\u00fccklich sind.<\/p>\n<p>Als Vorsichtsma\u00dfnahme biete ich jedoch Adam Smiths Warnung vor derjenigen Person an, die &#8222;sich vorzustellen scheint, dass er die verschiedenen Mitglieder einer gro\u00dfen Gesellschaft mit so viel Leichtigkeit arrangieren kann, wie seine Hand dies mit den verschiedenen Figuren auf einem Schachbrett tut&#8220;. Ob ein Politiker nun versucht, das Nationaleinkommen oder aber das Nationalgl\u00fcck zu maximieren, Smiths Kritik klingt in etwa gleich zutreffend.<\/p>\n<p><em>(Eigene \u00dcbersetzung eines <a href=\"http:\/\/timharford.com\/2018\/02\/should-the-government-try-to-maximise-happiness\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Blogbeitrages<\/a> des britischen \u00d6konomen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tim_Harford\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Tim Harford<\/a>)<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Money can\u2019t buy me love (Geld kann mir keine Liebe kaufen)&#8220;, sangen die Beatles fr\u00fcher einmal, obwohl es zweifelhaft erscheint, dass dies wirklich ein strenger empirischer Anspruch war. 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