{"id":7325700,"date":"2018-02-06T07:15:10","date_gmt":"2018-02-06T06:15:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=7325700"},"modified":"2018-02-05T12:19:30","modified_gmt":"2018-02-05T11:19:30","slug":"griechenland-der-naechste-bailout-wartet-bereits-um-die-ecke","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/griechenland-der-naechste-bailout-wartet-bereits-um-die-ecke\/","title":{"rendered":"Griechenland &#8211; der n\u00e4chste Bailout wartet bereits um die Ecke"},"content":{"rendered":"<p>Als am 16. Juni 2017 die letzte Griechenland-Rettungsaktion zwischen der griechischen Regierung und der Europ\u00e4ischen Kommission sowie dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Internationaler_W%C3%A4hrungsfonds\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">IWF<\/a> abgeschlossen wurde, kam <a href=\"http:\/\/bilbo.economicoutlook.net\/blog\/?p=36276\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Bill Mitchell zu dem Schluss, dass sie von vornherein zum Scheitern verurteilt war<\/a>. <\/p>\n<p><Center><a href=\"https:\/\/i1.wp.com\/bilbo.economicoutlook.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Greece_Real_GDP_Index_2008_September_2017.jpg\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" border=\"0\" style=\"border:0;\" width=\"500\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/bilbo.economicoutlook.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Greece_Real_GDP_Index_2008_September_2017.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><br \/>\n<em>Entwicklung des realen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bruttoinlandsprodukt\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Bruttoinlandsproduktes (GDP)<\/a><br \/>\nGriechenlands von 2008 bis 2017<\/em><\/Center><\/p>\n<p>Trotz aller gegenteiligen Beteuerungen der Europ\u00e4ischen Kommission und des IWF best\u00e4tigen die Bedingungen dieser Vereinbarung mit der griechischen Regierung, dass diese Institutionen jegliche Vort\u00e4uschung aufgegeben haben, an einer ernsthaften Wirtschaftspolitik interessiert zu sein. <\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>F\u00fcr die Europ\u00e4ische Kommission ist der gew\u00fcnschte unwiderrufliche Status des Euro als politisches Statement alles, was an Griechenland interessant erscheint. Sie wollen einfach nicht zugeben, dass Griechenland in dieser W\u00e4hrungsunion nicht vern\u00fcnftig funktionieren kann. <\/p>\n<p>Dieser Deal verdr\u00e4ngte die Realit\u00e4t allerdings nur kurzfristig mit dem einzigen Ziel, Griechenland in einer W\u00e4hrung zu halten, die es sich nicht leisten kann. Und jetzt zeichnet sich die Wirklichkeit ab, in der die griechische Wirtschaft ein weiteres Rettungspaket ben\u00f6tigt, um eine weitere Periode \u00fcberleben zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Die neueste Analyse der deutschen Forschungsgruppe <a href=\"http:\/\/www.cep.eu\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Centrum f\u00fcr europ\u00e4ische Politik (cep)<\/a> zeigt nun, dass Griechenland in der N\u00e4he der Insolvenz steht und nicht in der Eurozone \u00fcberleben kann. Man muss sich fragen, wof\u00fcr all dieser Sparwahnsinn (auch Austerit\u00e4t genannt) gut gewesen sein soll, wenn der Patient 10 Jahre sp\u00e4ter immer noch auf Lebenserhaltungshilfen angewiesen ist. <\/p>\n<p>Wir kennen die Antwort. Es geht um die Charaktere innerhalb und au\u00dferhalb der Europ\u00e4ischen Kommission, die darauf bedacht sind den Status Quo der Eurozone zu bewahren, egal ob uns regelm\u00e4\u00dfig gesagt wird, dass die griechische Krise vor\u00fcber sei.<\/p>\n<p>Denken Sie daran, dass die Financial Times bereits im Jahr 2013 (30. Januar 2013) die Story brachte <a href=\"https:\/\/www.ft.com\/content\/91ca3d86-6a32-11e2-a3db-00144feab49a\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8222;In Griechenland ist das Schlimmste nun vor\u00fcber&#8220;<\/a> und einen griechischen Zentralbanker mit der Aussage zitierte, Griechenland habe &#8222;den Turnaround geschafft&#8220; und &#8222;das Vertrauen in die griechische Wirtschaft w\u00e4re durch die Forderung der Eurozone nach einer st\u00e4rkeren europ\u00e4ischen Integration&#8220; gef\u00f6rdert worden.<\/p>\n<p>So wird die Verweigerung als Integrationsnachricht verst\u00e4rkt!<\/p>\n<p>Und was war dann am 21. Juli 2015, als der neu ins Amt gerufene Pr\u00e4sident des deutschen Forschungszentrums ZEW dem CNBC sagte, dass &#8222;das Schlimmste f\u00fcr Griechenland vorbei ist&#8220; (siehe <a href=\"https:\/\/www.cnbc.com\/video\/2015\/07\/21\/is-the-worst-over-for-greece.html\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">hier<\/a>)?<\/p>\n<p>Und so geht es immer weiter.<\/p>\n<p>Im letzten Jahr (24. Juli 2017) gab der griechische Premierminister Alexis Tsipras dem britischen Guardian ein Interview Tsipras: <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2017\/jul\/24\/alexis-tsipras-the-worst-is-clearly-behind-us\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8222;Das Schlimmste liegt eindeutig hinter uns&#8220;<\/a> &#8211; in dem er:<\/p>\n<blockquote><p><b>&#8230;versprach, seinen Kritikern zu trotzen, indem er das Land aus seiner l\u00e4ngst vergangenen Krise herausholte.<\/b><\/p><\/blockquote>\n<p>Tsipras f\u00fchrte weiter aus:<\/p>\n<blockquote><p><b>Wir k\u00f6nnen jetzt mit Sicherheit sagen, dass es mit der Wirtschaft aufw\u00e4rts geht&#8230; nur langsam, langsam, doch was niemand geglaubt hat, was passieren k\u00f6nnte, wird passieren. Wir werden das Land aus der Krise holen&#8230;und am Ende wird das beurteilt werden.<\/b><\/p><\/blockquote>\n<p>Tats\u00e4chlich?<br \/>\nAm 15. Januar 2018 hat die griechische Regierung dem Parlament einen neuen Gesetzesentwurf (ein so genannter &#8222;Multi-Entwurf&#8220; von 1.531 Seiten) vorgelegt, der im Rahmen des letzten Rettungsplans der Troika ben\u00f6tigt wurde.<\/p>\n<p>Diese Gesetzesvorlage enth\u00e4lt einige interessante Komponenten, die von der Defend Democracy Press so beschrieben wurden, dass sie nur dazu dienen w\u00fcrden, &#8222;die Despotie des Kapitals zu vertiefen&#8220; (<a href=\"http:\/\/www.defenddemocracy.press\/destroying-greeks-plundering-greece-the-latest-update-by-leonidas-vatikiotis\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Quelle<\/a>):<\/p>\n<p>Doch Tsipras behauptete, dass der Gesetzentwurf keine neuen fiskalischen K\u00fcrzungen einf\u00fchre, was oberfl\u00e4chlich stimmte.<\/p>\n<p>Allerdings hatten bereits fr\u00fchere Rechtsvorschriften automatische Steuersenkungen eingef\u00fchrt, die darauf abzielten, bis 2022 einen prim\u00e4ren Haushalts\u00fcberschuss von 3,5 Prozent des BIP und bis 2060 einen dauerhaften \u00dcberschuss von 2 Prozent zu erreichen, unabh\u00e4ngig davon, wie sich der nichtstaatliche Sektor bis dahin entwickelt.<\/p>\n<p>Das neue Gesetz enthielt stattdessen:<br \/>\n1. &#8222;Elektronische Auktionen&#8220; &#8211; mit denen die \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit bei Immobilien-Zwangsversteigerungen von Haushalten mit Hypothekenausf\u00e4llen verringert werden soll.<br \/>\n2. &#8222;Streikverbote&#8220; &#8211; neue Regeln, die es den Gewerkschaften erschweren, Streiks anzurufen.<br \/>\n3. &#8222;Integration von 14 \u00f6ffentlichen Diensten und Versorgern (sogenannte DEKOs) in den Privatisierungs-Megafonds&#8220; &#8211; um deren Zwangsverkauf (Privatisierung) zu beschleunigen. Gegenw\u00e4rtig sind 40.000 Arbeitnehmer in diesen \u00f6ffentlichen Einrichtungen besch\u00e4ftigt.<br \/>\n4. &#8222;Leistungsk\u00fcrzungen&#8220; &#8211; weitere Restriktionen, wer staatliche Einkommensunterst\u00fctzung erhalten sollen &#8211; &#8222;nur die extrem Armen&#8220; werden nun f\u00fcr staatliche Subventionen in Frage kommen.<br \/>\n5. &#8222;Energy Stock Markets&#8220; &#8211; die Finanzialisierung von Energie, um mehr Privatisierung und h\u00f6here Energiekosten f\u00fcr die Verbraucher zu f\u00f6rdern.<br \/>\n6. &#8222;Neue Kasino-Lizenzen&#8220; &#8211; mit Steuererleichterungen und staatlichen Subventionen f\u00fcr den Baubereich, womit Griechenland weiterhin der Geldw\u00e4sche und sogenanntem &#8222;Schwarzgeld&#8220; ausgesetzt wird.<br \/>\nUnd so weiter&#8230;<\/p>\n<p>Und w\u00e4hrenddessen erfuhren wir, da in Griechenland noch ein Weihnachtsbonus an Arbeitnehmer gezahlt werden muss, &#8222;einige Arbeitgeber&#8230;[Mitarbeiter] entlassen haben, die sich geweigert hatten, den Weihnachtsbonus zur\u00fcckzuzahlen&#8220;, nachdem die Bosse diese R\u00fcckgabe gefordert hatten.<\/p>\n<p>Der lokale Sender ERT TV berichtete, dass einige Unternehmen (<a href=\"http:\/\/www.defenddemocracy.press\/workers-fired-after-they-refused-to-return-the-christmas-bonus-to-employer\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Quelle<\/a>):<\/p>\n<blockquote><p><b>&#8230;sogar eine Art &#8222;Mobber&#8220; zugeteilt hatten, der die Arbeitnehmer zu den Geldautomaten begleiten w\u00fcrde, um den Anteil des Arbeitgebers am Bonus zur\u00fcckzubekommen.<\/b><\/p><\/blockquote>\n<p> Das moderne Griechenland.<\/p>\n<p><b>Die griechische Wirtschaftsrealit\u00e4t &#8211; updated<\/b><br \/>\nDie obige Grafik zeigt den Index des realen BIP (viertelj\u00e4hrliche saisonbereinigte Daten der <a href=\"http:\/\/www.statistics.gr\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Hellenic Statistical Authority<\/a>) vom H\u00f6chststand im M\u00e4rz-Quartal 2008 bis zum September-Quartal 2017 (letzte verf\u00fcgbare Daten). Und das nennt die Europ\u00e4ische Kommission eine wirtschaftliche Erholung.<\/p>\n<p>Das reale Bruttoinlandsprodukt ist seit Beginn der Krise um 25,6 Prozent geschrumpft und steigt seit 2012 nicht mehr \u00fcber diese Marke. Das andere bemerkenswerte Kennzeichen ist die Tatsache, dass die Troika die Depression in den Jahren 2009 und 2010 bis 2012 selbst inszenierte und dann Griechenland in eine Warteschleife verfrachtete &#8211; allem Gerede \u00fcber wachstumsfreundliche Sparpolitik zum Trotz.<\/p>\n<p>Seit 2013 hat sich daran kaum etwas verbessert. Tats\u00e4chlich lag der Index des realen BIPs am tiefsten Punkt im Dezember-Quartal 2013 bei 72,9 Punkten und im September-Quartal 2017 nur wenig ver\u00e4ndert bei 74,4 Punkten (s. obige Grafik).<\/p>\n<p>Die n\u00e4chste Grafik zeigt die Entwicklung des realen BIP, des privaten Verbrauchs und der Bruttoanlageinvestitionen (Kapitalbildung) vom H\u00f6hepunkt im M\u00e4rz-Quartal 2008 bis zum September-Quartal 2017 &#8211; 9,5 Jahre Leidenszeit f\u00fcr die griechische Nation.<\/p>\n<p>Die privaten Konsumausgaben sind jetzt um 25 Prozent niedriger als zu der Zeit, als Griechenland in die Krise eintrat. Dar\u00fcber hinaus sind die Investitionsausgaben zur Kapitalbildung um atemberaubende 76 Prozent gefallen und im Laufe des Jahres 2017 noch einmal weiter zur\u00fcckgegangen. Die Dezimierung der Produktionskapazit\u00e4ten Griechenlands ist somit in vollem Gange.<\/p>\n<p><Center><a href=\"https:\/\/i2.wp.com\/bilbo.economicoutlook.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Greece_GDP_C_I_2008_2017Q3.jpg\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" border=\"0\" style=\"border:0;\" width=\"500\" src=\"https:\/\/i2.wp.com\/bilbo.economicoutlook.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Greece_GDP_C_I_2008_2017Q3.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><\/Center><\/p>\n<p>Die andere bemerkenswerte Tatsache ist die, dass trotz all der laufenden &#8222;internen Abwertung&#8220;, die die L\u00f6hne, Renten und Arbeitskosten im Allgemeinen senkt, um angeblich die internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Nation zu erh\u00f6hen, der Exportindex von 100 im M\u00e4rz-Quartal 2008 bis zum M\u00e4rz-Quartal 2017 auf 97 Punkte gesunken ist. Keinerlei Fortschritte!<\/p>\n<p>Verbessert die interne Abwertung &#8211; die h\u00f6fliche Umschreibung f\u00fcr die Auswirkungen der Sparma\u00dfnahmen &#8211; tats\u00e4chlich die externe Wettbewerbsf\u00e4higkeit?<\/p>\n<p>Der BIZ-Index der realen effektiven Wechselkurse (REER), welcher international ein anerkannter Ma\u00dfstab der internationalen Wettbewerbsf\u00e4higkeit ist und die nominalen Wechselkurse an andere Daten \u00fcber die inl\u00e4ndischen Inflations- und Produktionskosten anpasst, k\u00f6nnte bei der Ermittlung der Antwort helfen. Wenn der reale effektive Wechselkurs f\u00fcr eine Nation steigt (sinkt), signalisiert dies einen Verlust (Gewinn) seiner internationalen Wettbewerbsf\u00e4higkeit.<\/p>\n<p>Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung der realen effektiven Wechselkurse f\u00fcr zwei verschiedene Zeitr\u00e4ume. Die erste Datenreihe (hellblau) bildet die Zeit des Wachstums von Januar 1996 bis Dezember 2007 ab, dann folgt der Zeitraum von Januar 2008 bis Dezember 2017 (die neuesten Daten) in gr\u00fcn. Die Grafik erlaubt weiterhin einen Vergleich ausgew\u00e4hlter L\u00e4nder der Eurozone.<\/p>\n<p>Angesichts der Handelsdominanz Deutschlands innerhalb und au\u00dferhalb der Eurozone w\u00fcrde man sich w\u00fcnschen, dass der griechische REER st\u00e4rker gefallen w\u00e4re als der deutsche, um die relative internationale Position der Nation innerhalb der Eurozone gegen\u00fcber fr\u00fcher zu verbessern.<\/p>\n<p>Die Daten zeigen, dass nach der Einf\u00fchrung des Euro die internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit f\u00fcr alle angezeigten L\u00e4nder zur\u00fcckgegangen ist, au\u00dfer in Frankreich, Deutschland und Finnland. Im \u00fcbrigen hatte Deutschland relativ zu den anderen ebenfalls zugelegt.<\/p>\n<p>Nach der Krise war die allgemeine Tendenz, dass die realen effektiven Wechselkurse zur\u00fcckgingen. Allerdings fiel dieser Wechselkurs f\u00fcr Griechenland im Dezember 2017 trotz des massiven Sparprogramms nur um 8,2 Prozent niedriger als im Januar 2008. Im Vergleich dazu sank der reale effektive Wechselkurs f\u00fcr Deutschland im gleichen Zeitraum fast gleichlaufend um 8,1 Prozent. Von den angezeigten L\u00e4ndern der Eurozone verbesserten sich in diesem Zeitraum nur Frankreich und Irland gegen\u00fcber Deutschland.<\/p>\n<p>Daraus schlie\u00dfen wir, dass die massiven internen Abwertungen, die Griechenland, Italien, Portugal, Spanien und Finnland in diesem Zeitraum erlitten haben, die Wettbewerbsf\u00e4higkeit gegen\u00fcber Deutschland nicht wiederhergestellt haben.<\/p>\n<p>Fazit: wof\u00fcr war das alles gut? Eigentlich ist da keine weitere Antwort erforderlich. Es war ein Teil der geplanten Zerst\u00f6rung des Widerstands in Griechenland in Vorbereitung auf die &#8222;Kolonisation&#8220;.<\/p>\n<p><Center><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/bilbo.economicoutlook.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Greece_BIS_REER_Changes_December_2017.jpg\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" border=\"0\" style=\"border:0;\" width=\"500\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/bilbo.economicoutlook.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Greece_BIS_REER_Changes_December_2017.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><\/Center><\/p>\n<p>Betrachten Sie den Arbeitsmarkt: Die nachfolgende Grafik zeigt das Verh\u00e4ltnis der Erwerbst\u00e4tigen zur Bev\u00f6lkerung im erwerbsf\u00e4higen Alter \u00fcber 15 Jahre (EPOP). Im September-Quartal 2008 (das h\u00f6chste Besch\u00e4ftigungsquartal vor der Krise) betrug die Quote 49,2 Prozent. Im September-Quartal 2017 betr\u00e4gt die Quote 41,7 Prozent.<\/p>\n<p>W\u00e4re die Quote bei 49,2 Prozent geblieben, w\u00e4re die Gesamtbesch\u00e4ftigung um 686.000 h\u00f6her als heute. Das ist ein guter Ma\u00dfstab f\u00fcr die Gr\u00f6\u00dfenordnung des Schadens, der dem hellenischen Arbeitsmarkt zugef\u00fcgt wurde.<\/p>\n<p><Center><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/bilbo.economicoutlook.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Greece_EPOP_2001_September_2017.jpg\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" border=\"0\" style=\"border:0;\" width=\"500\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/bilbo.economicoutlook.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Greece_EPOP_2001_September_2017.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><\/Center><\/p>\n<p>Man sollte au\u00dferdem beachten, dass das EPOP-Verh\u00e4ltnis in diesem Fall etwas irref\u00fchrend ist. Warum? Weil es aus einem Z\u00e4hler (der Besch\u00e4ftigung) und einem Nenner (der Bev\u00f6lkerung im erwerbsf\u00e4higen Alter) besteht. Normalerweise w\u00fcrde der Nenner stetig positiv wachsen.<\/p>\n<p>Das Ausma\u00df der Krise war jedoch so gro\u00df, dass die Bev\u00f6lkerung im erwerbsf\u00e4higen Alter Griechenlands im Zeitraum vom September-Quartal 2008 bis zum September-Quartal 2017 um rund 263.000 (oder 2,8 Prozent) zur\u00fcckgegangen ist. Ber\u00fccksichtigt man daher den absoluten R\u00fcckgang der Gesamtbesch\u00e4ftigung, so sank sie seit dem September-Quartal 2008 um 815.900 (17,6 Prozent).<\/p>\n<p>Die j\u00fcngsten Zuw\u00e4chse bei der EPOP-Quote liegen schlicht zum gr\u00f6\u00dften Teil daran, dass die Bev\u00f6lkerung im erwerbsf\u00e4higen Alter \u00fcber Jahre hinweg zur\u00fcckgegangen ist, obwohl Besch\u00e4ftigungsgewinne erzielt wurden.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chste Grafik zeigt den R\u00fcckgang der Besch\u00e4ftigung (indexiert auf 100 im M\u00e4rz-Quartal 2008) und das reale BIP bis zum September-Quartal 2017. Dem Diagramm wurde das reale BIP hinzugef\u00fcgt, weil es uns erlaubt zu schlussfolgern, dass das Produktivit\u00e4tswachstum in diesem Zeitraum ebenfalls eingebrochen ist, was angesichts des dramatischen Verlusts bei den Investitionsausgaben keine \u00dcberraschung darstellt.<\/p>\n<p><Center><a href=\"https:\/\/i2.wp.com\/bilbo.economicoutlook.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Greece_Emp_GDP_Index_2008_September_quarter_2017.jpg\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" border=\"0\" style=\"border:0;\" width=\"500\" src=\"https:\/\/i2.wp.com\/bilbo.economicoutlook.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Greece_Emp_GDP_Index_2008_September_quarter_2017.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><\/Center><\/p>\n<p>Aus einer anderen Perspektive zeigt die n\u00e4chste Grafik die tats\u00e4chliche Arbeitslosenquote seit dem M\u00e4rz-Quartal 2001 bis September-Quartal 2017. W\u00e4hrend die Europ\u00e4ische Kommission \u00fcber Fortschritte im Rahmen der Rettungspl\u00e4ne redet, liegt die Arbeitslosenquote in Wirklichkeit  bei mehr als 20 Prozent, und das seit 6 Jahren. Eine f\u00fcrchterliche Verschwendung menschlicher Ressourcen.<\/p>\n<p><Center><a href=\"https:\/\/i1.wp.com\/bilbo.economicoutlook.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Greece_UR_Rate_2001_September_quarter_2017.jpg\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" border=\"0\" style=\"border:0;\" width=\"500\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/bilbo.economicoutlook.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Greece_UR_Rate_2001_September_quarter_2017.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><\/Center><\/p>\n<p>Die verf\u00fcgbaren statistischen Indikatoren weisen alle auf die gleiche Schlussfolgerung hin &#8211; nach der Schaffung einer Depression haben die Euro-Manager (die eigentlichen Kolonialherren) Griechenland in ein Stagnationsmuster gebracht, das ein gewisses Wachstum erm\u00f6glicht, welches allerdings nur durch das generelle globale Wachstum angeschoben wird.<\/p>\n<p>Sie k\u00f6nnen aber nicht behaupten, dass eine Steigerung des allgemeinen Wohlstandes mit den derzeitigen politischen Strukturen unmittelbar bevorsteht.<\/p>\n<p>Der andere Punkt, der im Vergleich mit den verschiedenen Graphen zu beachten w\u00e4re, ist der, dass es unm\u00f6glich ist, die Entwicklung der griechischen Wirtschaft auf strukturelle Rigidit\u00e4ten zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Der Zusammenhang zwischen dem Zusammenbruch von Produktion und Besch\u00e4ftigung &#8211; verbunden durch die verringerte Nachfrage nach letzterem als Folge des ersteren &#8211; und die \u00dcbereinstimmung zwischen der Nachfrageseite des Arbeitsmarktes (Besch\u00e4ftigung) und der Arbeitslosenquote l\u00e4sst jede Begr\u00fcndung, diese Krise sei durch angebotsseitige Pr\u00e4ferenzverschiebungen der Arbeitnehmer oder durch Rigidit\u00e4ten ausgel\u00f6st worden, die sich aus dem Besch\u00e4ftigungsschutz, dem Mindestlohn oder anderen Verd\u00e4chtigen ergeben, die von IWF, OECD und der Europ\u00e4ischen Kommission immer bevorzugt genannt werden, um von der eigenen Schuld abzulenken.<\/p>\n<p>Dies ist vielmehr eine massive nachfrageseitige Depression, mit der sich Griechenland konfrontiert sieht &#8211; absichtlich zugef\u00fcgt und weiter beharrlich verfolgt von der Troika.<\/p>\n<p><b>Der n\u00e4chste Rettungsplan f\u00fcr Griechenland<\/b><br \/>\nDie Deutsche Forschungsgruppe Centrum f\u00fcr europ\u00e4ische Politik ver\u00f6ffentlichte ihren j\u00e4hrlichen cepDefault-Index, der die Kreditw\u00fcrdigkeit der Mitgliedstaaten der Eurozone bewertet. Eine solche \u00dcbung f\u00fcr Nationen mit eigener W\u00e4hrung w\u00e4re sinnlos, da sie keinerlei Ausfallrisiko tragen m\u00fcssen (es sei denn, die Politiker werden verr\u00fcckt und weigern sich freiwillig, ihre Verbindlichkeiten zu bezahlen).<\/p>\n<p>Doch f\u00fcr die 19 Mitgliedstaaten der Eurozone, die alle eine Fremdw\u00e4hrung (den Euro) verwenden, ist das Konzept des Kredit- und Ausfallrisikos sehr real. Es gab dazu einen interessanten Artikel in der konservativen deutschen Tageszeitung Die Welt vom 20. Januar 2018 &#8211; <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/finanzen\/article172642152\/Griechenland-Bruessels-Plaene-sind-eine-grosse-Illusion.html\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8222;Br\u00fcssels Pl\u00e4ne f\u00fcr Griechenland sind eine gro\u00dfe Illusion&#8220;<\/a>.<\/p>\n<p>Die CEP-Forschung wird darin diskutiert und der Artikel f\u00fchrt schlie\u00dflich zu der Schlussfolgerung, dass Griechenland ohne weitere Rettungsfonds nicht \u00fcberleben kann. Er stellt fest, dass trotz der Rhetorik der griechischen Regierung (Tsipras behauptet, &#8222;Griechenland sei nur einen Atemzug davon entfernt, sich von der Troika zu befreien&#8220;), die die Unruhen in Athen letzte Woche ausgel\u00f6st hat, die griechische Wirtschaft immer noch auf dem Sterbebett liege. In dem Artikel hei\u00dft es weiter, Tsipras sei in den &#8222;Augen seiner Landsleute vom Rebellen der Euro-Zone zum Handlanger der Geldgeber mutiert&#8220;.<\/p>\n<p>Starker Tobak.<\/p>\n<p>Der j\u00fcngste CEP-Bericht (noch nicht \u00f6ffentlich) von der Welt zitiert, kommt zu folgendem Schluss:<\/p>\n<blockquote><p><b>Die drei Rettungsaktionen seit 2010 haben nichts ver\u00e4ndert. Griechenland wird nicht ohne ein viertes Rettungspaket auskommen k\u00f6nnen.<\/b><\/p><\/blockquote>\n<p>Der neueste cepDefault-Index bewertet die Kreditw\u00fcrdigkeit der Gesamtwirtschaft &#8211; sowohl der staatlichen als auch der nichtstaatlichen Sektoren. Das letzte Ergebnis f\u00fcr Griechenland zeigte:<\/p>\n<blockquote><p><b>F\u00fcr das erste Halbjahr 2017 weist das Barometer einen R\u00fcckgang von minus sechs Prozent aus &#8211; eine deutliche Verschlechterung gegen\u00fcber dem Vorjahr und gleichzeitig das niedrigste Niveau seit 2012.<\/b><\/p><\/blockquote>\n<p>Die Welt erstellte die folgende Grafik f\u00fcr Griechenland: Die farbigen Punkte \u00e4hneln dabei Verkehrsampeln &#8211; rot bedeutet &#8222;Risikokategorie 4: verst\u00e4rkt abnehmende Solvenz&#8220;.<\/p>\n<p>Ein echt hoffnungsloser Fall.<\/p>\n<p><Center><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/bilbo.economicoutlook.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Welt_CEP_graph_Greece_January_20_2017.png\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" border=\"0\" style=\"border:0;\" width=\"500\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/bilbo.economicoutlook.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Welt_CEP_graph_Greece_January_20_2017.png\" alt=\"\" \/><\/a><\/Center><\/p>\n<p>Das Hauptproblem ist der &#8222;fortgesetzte Verfall des Privatsektors&#8220;, verst\u00e4rkt und verursacht durch das Streben nach Haushalts\u00fcbersch\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die Bewertung ergab, dass Griechenlands<\/p>\n<blockquote><p><b>&#8230;Kapitalstock 2017 mehr als je zuvor schrumpfte. Mit anderen Worten, das Land&#8230;investiert nicht l\u00e4nger in neue Fabriken, Maschinen und Fabriken oder Patente.<\/b><\/p><\/blockquote>\n<p>Sowohl die staatlichen als auch die nichtstaatlichen Investitionen sind gesunken. Die fiskalischen Sparma\u00dfnahmen haben derart erschreckende Inlandsnachfragebedingungen geschaffen, dass private Investoren keinerlei Anreize sehen, ihre Produktionskapazit\u00e4ten zu erweitern.<\/p>\n<p>Das CEP kam zu dem Schluss, dass die Situation nur dann umgekehrt werden kann, wenn sich die Bedingungen f\u00fcr neue Investitionen verbessern m\u00fcssen, was unter anderem eine Erh\u00f6hung der \u00f6ffentlichen Ausgaben erfordert.<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><br \/>\nEs liegt auf der Hand, dass die Verhandlungen der Europ\u00e4ischen Kommission mit Griechenland nichts mit wirtschaftlichen \u00dcberlegungen zu tun haben, obwohl die Formulierung dieser Abmachungen in \u00f6konomischen Aggregaten ausgedr\u00fcckt werden.<\/p>\n<p>Die Kommission scheint nur daran interessiert zu sein, Griechenland in der Eurozone zu halten. Sie wei\u00df offenbar genau, dass die Dominosteine anfangen w\u00fcrden zu \u200b\u200bfallen wenn Griechenland aussteigen w\u00fcrde, da das Land dann aufgrund seiner neu gefundenen W\u00e4hrungshoheit sofort anfangen w\u00fcrde zu wachsen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich m\u00f6chte die Kommission diese Realit\u00e4t verhindern, um andere Mitgliedstaaten (wie Italien) auf Linie zu halten. Es handelt sich aber um ein Szenario, das zum Scheitern verurteilt ist. Die n\u00e4chste Episode dieses Scheiterns steht kurz bevor.<\/p>\n<p>Und der inkompetente Alexis Tsipras f\u00fchrt unterdessen weiterhin die Befehle derer aus, die seine Nation zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p>Und die Europ\u00e4ische Linke sagt sich immer wieder, dass die Reformen schon kommen&#8230; und kommen&#8230;man muss nur einfach geduldig sein. Doch die Sozialdemokraten verschwinden gerade selbst in der politischen Irrelevanz.<\/p>\n<p><em>(Eigene \u00dcbersetzung eines <a href=\"http:\/\/bilbo.economicoutlook.net\/blog\/?p=37880\" target=\"_blank\">Blogbeitrages<\/a> des australischen \u00d6konomen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bill_Mitchell_(%C3%96konom)\" target=\"_blank\">Bill Mitchell<\/a>)<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als am 16. Juni 2017 die letzte Griechenland-Rettungsaktion zwischen der griechischen Regierung und der Europ\u00e4ischen Kommission sowie dem IWF abgeschlossen wurde, kam Bill Mitchell zu dem Schluss, dass sie von vornherein zum Scheitern verurteilt war. Entwicklung des realen Bruttoinlandsproduktes (GDP)<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[47,24,27,32,29,18],"class_list":["post-7325700","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-oekonomie","tag-austeritaet","tag-globalisierung","tag-investition","tag-schulden","tag-sparen","tag-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7325700","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7325700"}],"version-history":[{"count":20,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7325700\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":24402161,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7325700\/revisions\/24402161"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7325700"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7325700"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7325700"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}