{"id":7041736,"date":"2018-01-10T07:11:31","date_gmt":"2018-01-10T06:11:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=7041736"},"modified":"2018-11-15T07:09:53","modified_gmt":"2018-11-15T06:09:53","slug":"ein-blick-in-die-buecher-die-bank-von-england-als-kreditgeber-der-letzten-instanz","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/ein-blick-in-die-buecher-die-bank-von-england-als-kreditgeber-der-letzten-instanz\/","title":{"rendered":"Ein Blick in die B\u00fccher: Die Bank von England als Kreditgeber der letzten Instanz"},"content":{"rendered":"<p>Stellen Sie sich vor, Sie k\u00f6nnten in die historischen B\u00fccher der britischen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bank_of_England\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Zentralbank<\/a> schauen und dabei die Bandbreite der Zinss\u00e4tze ersehen, die die Bank in der Vergangenheit f\u00fcr Notkredite in Rechnung gestellt hat. <\/p>\n<p><Center><a href=\"https:\/\/bankunderground.files.wordpress.com\/2017\/12\/banner-looking-inside-the-ledgers_the-bank-of-england-as-a-lender-of-last-resort-2.jpg\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" border=\"0\" style=\"border:0;\" width=\"500\" src=\"https:\/\/bankunderground.files.wordpress.com\/2017\/12\/banner-looking-inside-the-ledgers_the-bank-of-england-as-a-lender-of-last-resort-2.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><\/Center><\/p>\n<p>K\u00f6nnten Sie herausfinden, wie viele dieser Kredite nie zur\u00fcckgezahlt wurden und wie sich das auf den Gewinn der Bank auswirkte? Jetzt k\u00f6nnen Sie es. Wir haben die t\u00e4glichen Gesch\u00e4ftsb\u00fccher der Bank digital \u00fcbertragen und in einer <a href=\"https:\/\/www.bankofengland.co.uk\/working-paper\/2017\/the-bank-of-england-as-lender-of-last-resort-new-historical-evidence-from-daily-transactional-data\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Excel-Arbeitsmappe<\/a> abgelegt, die Sie nun erforschen k\u00f6nnen. Diese B\u00fccher enthalten eine F\u00fclle von Informationen \u00fcber jeden, der die Bank w\u00e4hrend der Krisen von <a href=\"https:\/\/bankunderground.co.uk\/2016\/12\/19\/the-ghost-of-crises-past-present-and-future-the-bank-charter-act-goes-on-trial-in-1847\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">1847<\/a>, <a href=\"https:\/\/bankunderground.co.uk\/2016\/12\/20\/the-nightmare-before-christmas-1857-financial-crises-go-global\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">1857<\/a> und <a href=\"https:\/\/bankunderground.co.uk\/2016\/12\/21\/unto-us-a-lender-of-last-resort-is-born-overend-gurney-goes-bust-in-1866\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">1866<\/a> um ein Darlehen gebeten haben.<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Die Datens\u00e4tze enthalten Hinweise darauf; ob ihre Antr\u00e4ge angenommen oder abgelehnt wurden; den Wert und das Volumen der Verm\u00f6genswerte, die sie gegen Bargeld eingetauscht haben; sowie den Preis (Zinssatz), zu dem sie dies taten. Neben den Hauptbuch-Daten enth\u00e4lt diese Excel-Datei detaillierte Daten zur Bilanz sowie der Gewinn- und Verlustrechnung der Zentralbank.<\/p>\n<p><b>Abbildung 1: Umwandeln der Eintr\u00e4ge in den B\u00fcchern (links) in Daten (rechts)<\/b><br \/>\n<Center><a href=\"https:\/\/bankunderground.files.wordpress.com\/2017\/12\/figure-1.png\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" border=\"0\" style=\"border:0;\" width=\"500\" src=\"https:\/\/bankunderground.files.wordpress.com\/2017\/12\/figure-1.png\" alt=\"\" \/><\/a><\/Center><\/p>\n<p>Diese Daten stehen im Mittelpunkt eines k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichten Arbeitspapiers (Link s. o.) des Forschungsstabes, in dem die Rolle der Bank of England als Kreditgeber der letzten Instanz untersucht wird. Der Beitrag analysiert das Ausma\u00df, in dem sich die Bank schon vor der Ver\u00f6ffentlichung seines Buches <a href=\"https:\/\/books.google.co.uk\/books\/about\/Lombard_Street.html?id=3WoGciKD3WYC&#038;redir_esc=y\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Lombard Street<\/a> an <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Walter_Bagehot\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Walter Bagehots<\/a> Diktum hielt, dass eine Zentralbank in Finanzkrisen im Gegenzug f\u00fcr &#8222;gute Sicherheiten&#8220; bares Geld zu einem Strafzins gro\u00dfz\u00fcgig verleihen sollte.<\/p>\n<p><b>Bereitwillige Kreditvergabe<\/b><br \/>\nW\u00e4hrend der Krisen des neunzehnten Jahrhunderts stellte die Bank den Finanzm\u00e4rkten Liquidit\u00e4t zur Verf\u00fcgung, indem sie &#8222;Pakete&#8220; von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wechsel_(Urkunde)\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Wechseln<\/a> (sog. <a href=\"http:\/\/www.investopedia.com\/terms\/b\/billofexchange.asp\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8222;bills of Exchange&#8220;<\/a>) aufkaufte. Diese Pakete waren wie moderne <a href=\"http:\/\/www.investopedia.com\/terms\/c\/cdo.asp\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">CDOs<\/a>, indem sie verschiedene Zahlungsanweisungen b\u00fcndelten. Das Diskont-B\u00fcro der Bank verzinste diese B\u00fcndel normalerweise zu einem einheitlichen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Diskontsatz\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Diskontsatz<\/a>. Zum Beispiel zeigt Abbildung 2, dass am 23. Oktober 1847 <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Overend,_Gurney_and_Co.\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Overend Gurney<\/a> ein Paket von 80 Wechseln mit einem Nennwert von \u00a3 68.460 einreichte und daf\u00fcr einen Kredit mit einem Diskontsatz von 9 Prozent erhielt. Sie gingen mit \u00a3 62.299, knapp unter \u00a3 6 Millionen nach heutigen Bedingungen.<\/p>\n<p><b>Abbildung 2: Auszug aus den Bankb\u00fcchern. Transaktion mit Overend Gurney hervorgehoben.<\/b><br \/>\n<Center><a href=\"https:\/\/bankunderground.files.wordpress.com\/2017\/12\/figure-21.png\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" border=\"0\" style=\"border:0;\" width=\"500\" src=\"https:\/\/bankunderground.files.wordpress.com\/2017\/12\/figure-21.png\" alt=\"\" \/><\/a><\/Center><\/p>\n<p><b>Abbildung 3: Kreditvergabe der Bank of England an Gesch\u00e4ftspartner des privaten Sektors in Prozent des Gesamtverm\u00f6gens der Bank<\/b><br \/>\n<Center><a href=\"https:\/\/bankunderground.files.wordpress.com\/2017\/12\/figure-3.png\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" border=\"0\" style=\"border:0;\" width=\"500\" src=\"https:\/\/bankunderground.files.wordpress.com\/2017\/12\/figure-3.png\" alt=\"\" \/><\/a><\/Center><\/p>\n<p>Abbildung 3 zeigt die Kreditvergabe der Bank an den privaten Sektor zwischen 1844 und 1870. Sie verdeutlicht, dass die Bank w\u00e4hrend der Krisen von 1847, 1857 und 1866 als Kreditgeber letzter Instanz agierte, indem sie zumindest im Vergleich zu Nichtkrisenjahren Kredite freiz\u00fcgiger gew\u00e4hrte.<\/p>\n<p>Die Gro\u00dfz\u00fcgigkeit der Bank <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/228151851_Where_it_All_Began_Lending_of_Last_Resort_and_the_Bank_of_England_During_the_Overend_Gurney_Panic_of_1866\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">fiel jedoch recht unterschiedlich aus<\/a> &#8211; typischerweise erhielt das obere F\u00fcnftel der Kreditnehmer mehr als drei Viertel der verliehenen Betr\u00e4ge (Abbildung 4). Es gibt offenbar aber keine Beweise daf\u00fcr, dass die Bank Darlehen an ihre Bestandskunden, d. h. diejenigen, die Girokonten bei der Zeichnungsstelle der Bank unterhielten, gegen\u00fcber anderen bevorzugt behandelte. In der Tat zeigt Abbildung 5, dass die Kontoinhaber der Bank, zu denen die Regierung und eine Vielzahl von Privatpersonen und Institutionen geh\u00f6rten, etwas weniger erfolgreich waren, wenn sie Wechsel \u00fcber das Handelsb\u00fcro (Drawing Office) verkaufen wollten.<\/p>\n<p><b>Abbildung 4: Verteilung der Diskontgesch\u00e4fte in den drei Krisen<\/b><br \/>\n<Center><a href=\"https:\/\/bankunderground.files.wordpress.com\/2017\/12\/figure-4.png\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" border=\"0\" style=\"border:0;\" width=\"500\" src=\"https:\/\/bankunderground.files.wordpress.com\/2017\/12\/figure-4.png\" alt=\"\" \/><\/a><\/Center><\/p>\n<p><b>Abbildung 5: Erfolgsquote der Darlehensantr\u00e4ge, aufgeteilt nach Drawing Office und Nicht-Drawing Office-Kunden<\/b><br \/>\n<Center><a href=\"https:\/\/bankunderground.files.wordpress.com\/2017\/12\/figure-5.png\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" border=\"0\" style=\"border:0;\" width=\"500\" src=\"https:\/\/bankunderground.files.wordpress.com\/2017\/12\/figure-5.png\" alt=\"\" \/><\/a><\/Center><\/p>\n<p>Wer hat also Kredite von der Bank bekommen? In Abbildung 6 sind die f\u00fcnf wichtigsten Gegenparteien der Bank nach Kreditanteilen in jeder Krise aufgef\u00fchrt. Einige Gegenparteien erscheinen \u00fcber Jahre hinweg. Overend Gurney zum Beispiel war unter den ersten f\u00fcnf in den Jahren 1847 und 1857, doch fatalerweise nicht im Jahr 1866, als ihre Pleite eine Krise \u00e4hnlich wie die von Lehman Brothers im Jahr 2008 verursachte.<\/p>\n<p>Aber Geld von der Bank zu bekommen, garantiert keineswegs das \u00dcberleben. Die  gelb markierten Firmen scheiterten an der R\u00fcckzahlung der Kredite. Einige waren sogar zwei Mal bei den Verlierern. Zum Beispiel Bruce &#038; Co und Sanderson &#038; Co, schon im Jahre 1847 in Verzug, rekonstituierten sich mit etwas anderen Partnern &#8230; und gingen 1857 dennoch wieder pleite.<\/p>\n<p>Beachten Sie auch die Vielfalt der Institutionen, denen die Bank Geld verliehen hatte. Im Gegensatz zu 1866, als die meisten Gegenparteien Banken waren, lieh die Bank 1847 und 1957 vor allem an Gegenparteien wie Wechselbanken (Diskont-Banken), deren Bilanzen denen von heutigen <a href=\"https:\/\/www.investopedia.com\/terms\/s\/shadow-banking-system.asp\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Schattenbanken<\/a> \u00e4hnelten.<\/p>\n<p><b>Abbildung 6: Die f\u00fcnf wichtigsten Gegenparteien der Bank in den Krisenjahren<\/b><br \/>\n<Center><a href=\"https:\/\/bankunderground.files.wordpress.com\/2017\/12\/figure-6.png\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" border=\"0\" style=\"border:0;\" width=\"500\" src=\"https:\/\/bankunderground.files.wordpress.com\/2017\/12\/figure-6.png\" alt=\"\" \/><\/a><\/Center><\/p>\n<p><b>Die Bedeutung der historischen Zinss\u00e4tze<\/b><br \/>\nVor den 1840er Jahren \u00e4nderte die Bank selten ihren Diskontzinssatz, in \u00dcbereinstimmung mit Anti-Wuchergesetzen, die die Zinss\u00e4tze von 1714 bis 1833 auf 5% begrenzten. Sobald diese Gesetze aufgehoben wurden, verlagerte die Bank ihre Leitzinsen jedoch viel h\u00e4ufiger und in gr\u00f6\u00dfere H\u00f6hen (Abbildung 7).<\/p>\n<p><b>Abbildung 7: Bank Rate vor und nach 1833<\/b><br \/>\n<Center><a href=\"https:\/\/bankunderground.files.wordpress.com\/2017\/12\/figure-7.png\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" border=\"0\" style=\"border:0;\" width=\"500\" src=\"https:\/\/bankunderground.files.wordpress.com\/2017\/12\/figure-7.png\" alt=\"\" \/><\/a><\/Center><\/p>\n<p>Doch der Zinssatz erz\u00e4hlt nur einen Teil der Geschichte. Der Rest kommt zum Vorschein, wenn man sich in die Daten der Bankb\u00fccher vertieft. Abbildung 8 zeigt zum Beispiel das Spektrum der Zinss\u00e4tze, die die Bank verschiedenen Kunden im Jahr 1847 in Rechnung stellte. Wir sehen, dass einige Wechsel tats\u00e4chlich unterhalb des Bankzinssatzes abgezinst wurden. Allgemeiner ausgedr\u00fcckt lag der Bankzinssatz unter den auf dem Markt vorherrschenden Zinss\u00e4tzen.<\/p>\n<p><b>Abbildung 8: Spread der Diskontzinss\u00e4tze im Jahr 1847<\/b><br \/>\n<Center><a href=\"https:\/\/bankunderground.files.wordpress.com\/2017\/12\/figure-8.png\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" border=\"0\" style=\"border:0;\" width=\"500\" src=\"https:\/\/bankunderground.files.wordpress.com\/2017\/12\/figure-8.png\" alt=\"\" \/><\/a><\/Center><\/p>\n<p>Im Jahr 1866 kehrte sich die Situation jedoch um (Abbildung 9). Die Bankrate war nun in der Regel h\u00f6her als die markt\u00fcblichen S\u00e4tze, was \u00fcbrigens schon einige Jahre fr\u00fcher der Strafzinsregel von Bagehot entsprach, bevor er sie \u00fcberhaupt zu Papier brachte.<\/p>\n<p><b>Abbildung 9: Spread der Diskonts\u00e4tze im Jahr 1866<\/b><br \/>\n<Center><a href=\"https:\/\/bankunderground.files.wordpress.com\/2017\/12\/figure-9.png\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" border=\"0\" style=\"border:0;\" width=\"500\" src=\"https:\/\/bankunderground.files.wordpress.com\/2017\/12\/figure-9.png\" alt=\"\" \/><\/a><\/Center><\/p>\n<p><b>Nachweise f\u00fcr gute Sicherheiten<\/b><br \/>\nBei Wechseln handelte es sich in der Regel <a href=\"https:\/\/www.investopedia.com\/terms\/u\/unsecureddebt.asp\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">unbesicherte<\/a> Schulden. Die &#8222;G\u00fcte&#8220; dieser Wertpapiere war somit mit den Individuen und Institutionen verbunden, die sie aufgelegt hatten, sowie mit dem letzten Schuldner, auf den sie ausgestellt waren. W\u00e4hrend die Tagesdiskont-B\u00fccher diese Details nicht zur Verf\u00fcgung stellen, findet man sie f\u00fcr die Kunden der Bank in den Hauptb\u00fcchern. Wenn man diese B\u00fccher durchbl\u00e4ttert, sieht man, dass Schuldner, die aus einer Vielzahl von Branchen stammten, als &#8222;gute&#8220; Namen betrachtet wurden. Dazu geh\u00f6rten Schreiner, M\u00e4ntelproduzenten, Flachsspinner, Verleger und Schirmhersteller. Und diese Schulden kamen aus allen Teilen der Welt, von Birmingham \u00fcber Bombay, dem chinesischen Kanton bis nach Kapstadt.<\/p>\n<p>Der beste Beweis daf\u00fcr, dass die von der Bank gekauften Wechsel solide waren, ist der niedrige Grad an &#8222;faulen&#8220; Krediten in ihren B\u00fcchern. Wie Abbildung 10 zeigt, waren Abschreibungen eher selten. W\u00e4hrend die Zahlungsr\u00fcckst\u00e4nde in Krisenzeiten ihre H\u00f6hepunkte hatten, lag ihr Gesamtniveau sogar 1857 und 1866 nur bei oder unter 1%.<\/p>\n<p><b>Abbildung 10: Abschreibungen und versp\u00e4tete Zahlungen in den B\u00fcchern der Bank<\/b><br \/>\n<Center><a href=\"https:\/\/bankunderground.files.wordpress.com\/2017\/12\/figure-10.png\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" border=\"0\" style=\"border:0;\" width=\"500\" src=\"https:\/\/bankunderground.files.wordpress.com\/2017\/12\/figure-10.png\" alt=\"\" \/><\/a><\/Center><\/p>\n<p>Die niedrigen Forderungsverluste, die wir in den Daten beobachten, k\u00f6nnten die globale Diversifizierung des Wechselbuchs der Bank sowie deren kurze Laufzeiten widerspiegeln. Abbildung 11 zeigt, dass die durchschnittliche Laufzeit der diskontierten Wechsel zwischen 1849 und 1870 knapp \u00fcber 60 Tagen schwankte und nie ann\u00e4hernd das Risikolimit der Bank von 95 Tagen erreichte.<\/p>\n<p><b>Abbildung 11: Durchschnittliche F\u00e4lligkeit der von der Bank gekauften Wechsel<\/b><br \/>\n<Center><a href=\"https:\/\/bankunderground.files.wordpress.com\/2017\/12\/figure-11.png\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" border=\"0\" style=\"border:0;\" width=\"500\" src=\"https:\/\/bankunderground.files.wordpress.com\/2017\/12\/figure-11.png\" alt=\"\" \/><\/a><\/Center><\/p>\n<p>Der Beweis f\u00fcr die &#8222;G\u00fcte&#8220; war vor allem der Gewinn. Die Bank profitierte von den gr\u00f6\u00dferen Risiken, die sich daraus ergaben, als Kreditgeber letzter Instanz in Finanzkrisen zu agieren. Abbildung 12 zeigt, dass sich die Zinsertr\u00e4ge aus rediskontierten Wechseln in den Berichtsperioden unmittelbar nach jeder der drei Krisen erh\u00f6hten, was auf die gr\u00f6\u00dfere Menge an Wechseln zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, die die Bank in Krisenzeiten aufgekauft hatte sowie den h\u00f6heren Zinssatz, den sie daf\u00fcr verlangte. Zunehmende Zinsertr\u00e4ge erh\u00f6hten wiederum die Gewinne. <\/p>\n<p>Da die Bank zu diesem Zeitpunkt ihren gesamten Gewinn als Dividende ausgesch\u00fcttet hatte, gestaltete sich dies als ein Segen f\u00fcr die Aktion\u00e4re. Im Februar 1848, nach der Krise von 1847, und im Februar 1858, nach der Krise von 1857, stiegen die Gewinne und damit die Dividenden um fast 18% gegen\u00fcber dem Vorjahr. Im August 1866, nach der Krise von Overend Gurney im Mai desselben Jahres, stiegen die Gewinne und Dividenden im Jahresvergleich sogar um fast 38%. Wie Gold heute war die Aktie der Bank of England daher vor allem ein antizyklischer Verm\u00f6genswert.<\/p>\n<p><b>Abbildung 12: Gewinne und Zinsertr\u00e4ge aus diskontierten Wechseln, 1845-1870<\/b><br \/>\n<Center><a href=\"https:\/\/bankunderground.files.wordpress.com\/2017\/12\/figure-12.png\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" border=\"0\" style=\"border:0;\" width=\"500\" src=\"https:\/\/bankunderground.files.wordpress.com\/2017\/12\/figure-12.png\" alt=\"\" \/><\/a><\/Center><\/p>\n<p><b>Nun ben\u00f6tigt die Bank weitere Hilfe<\/b><br \/>\nZusammenfassend l\u00e4sst sich somit feststellen, dass sich die Bank im Laufe der drei gro\u00dfen Krisen in der Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem Kreditgeber der letzten Instanz entwickelt hat. Auffallenderweise geschah dies schon, bevor Bagehot seinen kanonischen Text schrieb.<\/p>\n<p>Doch diese Forschungsarbeit kratzte kaum an der Oberfl\u00e4che der historischen Sch\u00e4tze, die noch unterhalb der Threadneedle Street in den Archiven der Bank vergraben ruhen.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte noch sehr viel mehr ausgraben.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.zooniverse.org\/projects\/mkang\/the-bank-of-england-as-lender-of-last-resort-new-historical-evidence-from-daily-transactional-data\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Hier<\/a> ver\u00f6ffentlichen wir eine Website, auf der Sie noch mehr Daten aus den Hauptb\u00fcchern \u00fcbertragen k\u00f6nnen. F\u00fcr diejenigen, die gerne programmieren, haben wir auch eine <a href=\"https:\/\/github.com\/boeml\/ledgerrecogniser\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">GitHub-Seite<\/a> erstellt, auf der wir einen <a href=\"https:\/\/www.bankofengland.co.uk\/working-paper\/2017\/machine-learning-at-central-banks\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">maschinellen Lernalgorithmus<\/a> ver\u00f6ffentlicht haben, um die \u00dcbertragung von Bilanz-Daten zu automatisieren. Auf diese Weise hoffen wir, die Instrumente von morgen in einer Weise in die Vergangenheit der Bank einbringen zu k\u00f6nnen, die hoffentlich die zeitgen\u00f6ssischen Debatten \u00fcber die Rolle der Zentralbanken als Kreditgeber letzter Instanz beeinflussen kann.<\/p>\n<p><em>(eigene \u00dcbersetzung eines <a href=\"https:\/\/bankunderground.co.uk\/2017\/12\/11\/looking-inside-the-ledgers-the-bank-of-england-as-a-lender-of-last-resort\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Blogbeitrages<\/a> des Forschungsstabes der Bank von England)<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stellen Sie sich vor, Sie k\u00f6nnten in die historischen B\u00fccher der britischen Zentralbank schauen und dabei die Bandbreite der Zinss\u00e4tze ersehen, die die Bank in der Vergangenheit f\u00fcr Notkredite in Rechnung gestellt hat. 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