{"id":7008,"date":"2013-09-29T13:19:41","date_gmt":"2013-09-29T11:19:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=7008"},"modified":"2026-04-24T08:27:01","modified_gmt":"2026-04-24T06:27:01","slug":"der-kollektive-buddenbrooks-effekt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/der-kollektive-buddenbrooks-effekt\/","title":{"rendered":"Der kollektive Buddenbrooks-Effekt"},"content":{"rendered":"<p><b>Oder die Selbstwiderspr\u00fcchlichkeit der Mittelschicht<\/b><br \/>\nWie sehr die <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/volkswirtschaftliche-saldenmechanik-vergessene-grundlage-der-geldtheorie\/\" title=\"Volkswirtschaftliche Saldenmechanik \u2013 vergessene Grundlage der Geldtheorie\">volkswirtschaftliche Saldenmechanik und ihre Grunds\u00e4tze<\/a> aus dem kollektiven Bewu\u00dftsein verschwunden sind, kann man am besten mit einer Suche im Internet feststellen. <\/p>\n<p><center><a title=\"By Andreas Geick (Own work) [GFDL (http:\/\/www.gnu.org\/copyleft\/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0 (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0)], via Wikimedia Commons\" href=\"http:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3ABuddenbrookhaus_Luebeck_(Germany)_by_night.jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"156\" alt=\"Buddenbrookhaus Luebeck (Germany) by night\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/1\/1e\/Buddenbrookhaus_Luebeck_%28Germany%29_by_night.jpg\"\/><\/a><br \/>\n<em>Das Buddenbrooks-Haus in L\u00fcbeck<\/em><\/center><\/p>\n<p>Nur noch wenige Perlen einer alternativen Sichtweise auf die wirklichen Zusammenh\u00e4nge zwischen Schulden und Verm\u00f6gen sind da zu finden. Eine gro\u00dfe Ausnahme stellt dabei das Blog <a href=\"http:\/\/guthabenkrise.wordpress.com\/\" title=\"Guthabenkrise | Die Schuldenkrise endet erst, wenn wir sie Guthabenkrise nennen.\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Guthabenkrise<\/a> dar.<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Dort habe ich z. B. einen Hinweis auf die Studie <a href=\"http:\/\/guthabenkrise.wordpress.com\/2012\/04\/26\/der-kollektive-buddenbrooks-effekt\/\" title=\"Der kollektive Buddenbrooks-Effekt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Der kollektive Buddenbrooks-Effekt<\/a> von <a href=\"https:\/\/www.econstor.eu\/handle\/10419\/43888\" title=\"Ch. Deutschmann \u2013 Max-Plank Institut f\u00fcr Gesellschaftsforschung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Christoph Deutschmann vom Max-Plank Institut f\u00fcr Gesellschaftsforschung<\/a> gefunden.<\/p>\n<p>Bereits 2008 kam Deutschmann damit zu einem bemerkenswerten Fazit zur deutschen Mittelschicht und ihrem Verh\u00e4ltnis zu den Finanzm\u00e4rkten: <\/p>\n<blockquote><p> Wir haben es mit einem in hohem Grade selbstwiderspr\u00fcchlichen Handeln der Verm\u00f6gensbesitzer zu tun, nicht nur der Superreichen, sondern auch der zahlreichen Anleger in der Mittelschicht. Die Anleger glauben, ein Naturrecht auf Gewinne zu haben. Sie geben sich der egozentrischen Illusion absoluten Reichtums hin, w\u00e4hrend sie mit ihrem faktischen Handeln beziehungsweise mit den kollektiven Folgen dieses Handelns die Bedingungen f\u00fcr die Produktion realen Reichtums zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p>Der heutige Finanzmarkt-Kapitalismus hat Eigentum und unternehmerische T\u00e4tigkeit in einem historisch beispiellosen Ma\u00df entkoppelt. <B>Millionen von Aktien- und Fondsanteilbesitzer erwarten \u201eErtr\u00e4ge\u201c auf ihr Geld, ohne sich die geringsten Gedanken dar\u00fcber zu machen, wo die Schuldner herkommen sollen und ohne selbst ein unternehmerisches Risiko zu \u00fcbernehmen.<\/B> Das hohe Lied der unternehmerischen Tugenden predigt man lieber den anderen. Dass es dort, wo es keine sch\u00f6pferische Zerst\u00f6rung mehr gibt, auch keinen Kapitalgewinn mehr geben kann, will man nicht wahrhaben. <B>Mit dem exzessiven Wachstum der Geldverm\u00f6gen m\u00fcsste es ja auch entsprechend mehr und immer h\u00e4rter arbeitende Schuldner geben<\/B>. <\/p><\/blockquote>\n<p>Im Fazit seiner Studie hat Christoph Deutschmann in ein paar S\u00e4tzen das ganze Dilemma unserer heutigen wirtschaftlichen Situation kurz und pr\u00e4zise analysiert.<br \/>\nEs ist dabei mehr als bezeichnend, dass er die Saldenmechanik mit keinem Wort erw\u00e4hnt, aber im Ergebnis seiner Studie ihre Grunds\u00e4tze im Prinzip explizit best\u00e4tigt.<\/p>\n<p>Ich sch\u00e4tze mal, dass selbst Wolfgang St\u00fctzel die Anwendbarkeit seiner &#8222;S\u00e4tze&#8220; zur formalen Theorie wirtschaftlicher Gesamtgef\u00fcge (S. 20 ff. seines Buches &#8222;Volkswirtschaftliche Saldenmechanik&#8220;) nicht besser h\u00e4tte nachweisen k\u00f6nnen, als dies hier Christoph Deutschmann in seiner Studie gelungen ist. <\/p>\n<p>Es w\u00e4re daher mehr als angebracht, wenn Politik, Medien und Wirtschaftswissenschaften <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/volkswirtschaftliche-saldenmechanik-vergessene-grundlage-der-geldtheorie\/\" title=\"Volkswirtschaftliche Saldenmechanik \u2013 vergessene Grundlage der Geldtheorie\">die einfachen Lehrs\u00e4tze der Saldenmechanik<\/a> wieder aufgreifen w\u00fcrden:<\/p>\n<blockquote><p>\n<strong>a) Einnahmen = Ausgaben<\/strong><br \/>\nDie Ausgaben des Einen sind die Einnahmen des Anderen und umgekehrt.<br \/>\n<strong>b) Geldforderungen = Geldschulden<\/strong><br \/>\nEine \u00d6konomie kann durch das Sparen von Geld nicht reicher werden. Die Summe aller Geldverm\u00f6gen und Schulden ist immer Null. Die H\u00f6he der Geldverm\u00f6gen bestimmt die H\u00f6he der Schulden.<br \/>\n<strong>c) Einnahmen\u00fcberschuss eines Sektors der \u00d6konomie = Ausgaben\u00fcberschuss der anderen Sektoren<\/strong><br \/>\nSobald alle Sektoren einer \u00d6konomie konsequent und unbeirrbar versuchen w\u00fcrden, weniger auszugeben als sie einnehmen, w\u00fcrde die \u00d6konomie sofort zum v\u00f6lligen Stillstand kommen = Sparparadoxon.\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Doch ganz ehrlich gesagt, hege ich da eher wenig Hoffnung auf Besserung.<\/p>\n<p>Die absolute Dominanz einzelwirtschaftlicher Vorurteile pr\u00e4gt weiterhin die \u00f6konomische Diskussion unserer Tage. Mit Schuldenbremsen und erzwungener Austerit\u00e4t f\u00fcr die europ\u00e4ischen &#8222;S\u00fcnder&#8220;-L\u00e4nder feiert diese verheerende Ansicht weiter fr\u00f6hliche Urst\u00e4nd in Europa und vor allem in Deutschland. <\/p>\n<p>Ein gro\u00dfer Teil der Bev\u00f6lkerung glaubt offenbar immer noch an die absolute G\u00fcltigkeit der Prinzipien der schw\u00e4bischen Hausfrau auch in gesamtwirtschaftlichen Belangen, flei\u00dfig unterst\u00fctzt von vielen Politikern, \u00d6konomen und den meisten Medien.<\/p>\n<p>Auch um diese Irrglauben zu berichtigen, Unwissenheit zu beseitigen und versch\u00fcttetes volkswirtschaftliches Wissen wieder freizulegen, gibt es dieses Blog.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oder die Selbstwiderspr\u00fcchlichkeit der Mittelschicht Wie sehr die volkswirtschaftliche Saldenmechanik und ihre Grunds\u00e4tze aus dem kollektiven Bewu\u00dftsein verschwunden sind, kann man am besten mit einer Suche im Internet feststellen. Das Buddenbrooks-Haus in L\u00fcbeck Nur noch wenige Perlen einer alternativen Sichtweise<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[47,48,27,28,32,29,41,37,18],"class_list":["post-7008","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-oekonomie","tag-austeritaet","tag-geldtheorie","tag-investition","tag-saldenmechanik","tag-schulden","tag-sparen","tag-sparparadoxon","tag-stuetzel","tag-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7008","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7008"}],"version-history":[{"count":43,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7008\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2197069,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7008\/revisions\/2197069"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7008"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7008"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7008"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}