{"id":654164,"date":"2015-02-11T07:05:46","date_gmt":"2015-02-11T06:05:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=654164"},"modified":"2026-04-29T14:48:34","modified_gmt":"2026-04-29T12:48:34","slug":"schalke-04-ein-sieg-der-besseren-taktik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/schalke-04-ein-sieg-der-besseren-taktik\/","title":{"rendered":"Schalke 04: Ein Sieg der besseren Taktik"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt spannende und dramatische Spiele einerseits und von Taktik gepr\u00e4gte Begegnungen andererseits. Je nach Standpunkt war das Gastspiel von Borussia M\u00f6nchengladbach am letzten Freitag in Gelsenkirchen beides.<\/p>\n<p><Center><a title=\"Schachbrett von Bin im Garten (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0)], via Wikimedia Commons\" href=\"http:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3AChess_board_with_chess_set_in_opening_position_2012_PD_03.jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"412\" alt=\"Chess board with chess set in opening position\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/9\/9c\/Chess_board_with_chess_set_in_opening_position_2012_PD_03.jpg\"\/><\/a><\/Center><\/p>\n<p>Es werden nicht gerade wenige Gladbach-Fans gewesen sein, die wahrscheinlich auch recht laut ihrem Frust freien Lauf lie\u00dfen: unattraktiver Rasenschach, Betonfussball, typisch italienischer <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Catenaccio\" title=\"Catenaccio \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Catenaccio<\/a>, so oder so \u00e4hnlich d\u00fcrften sich die Beschwerden \u00fcber die Schalker Defensivtaktik angeh\u00f6rt haben.<\/p>\n<p>Nun gut, wenn man sich das 1:4 aus dem Hinspiel noch einmal ins Ged\u00e4chtnis ruft, kann man sogar Verst\u00e4ndnis f\u00fcr solche Ansichten haben. Schlie\u00dflich hatten die Schalker damals noch unter Cheftrainer Jens Keller alles nur M\u00f6gliche getan, um den Gastgebern ein attraktives Fu\u00dfballspiel zu erm\u00f6glichen:<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Hoch stehende Au\u00dfenverteidiger, schludrige Absicherung der eigenen R\u00e4ume an den Linien, wenn eben diese Fl\u00fcgelspieler in der Vorw\u00e4rtsbewegung den Ball verloren. Situationen, die in der Fr\u00fchphase der Saison \u00f6fters vorkamen, und die den Offensivkr\u00e4ften der Gladbacher, allen voran dem Brasilianer Raffael sowie dem zweifachen Torsch\u00fctzen Andre Hahn alle Freiheiten der Welt lie\u00dfen, um \u00fcber Konter den eigenen Erfolg zu sichern.<\/p>\n<p>Bl\u00f6d nur, dass Schalkes neuer Trainer Roberto Di Matteo sehr wahrscheinlich genau diese Begegnung herausgesucht haben wird, um seiner Mannschaft die gro\u00dfen Defizite aufzuzeigen, die zu einigen unn\u00f6tigen Niederlagen und letztlich zur Demission seines Vorg\u00e4ngers gef\u00fchrt hatten. Nicht umsonst predigte bei jeder Gelegenheit, dass man in erster Linie erst einmal an der defensiven Stabilit\u00e4t zu arbeiten habe, um eben Situationen wie im Hinspiel zuk\u00fcnftig zu vermeiden.<\/p>\n<p>Nun, mit Stand Anfang Februar 2015, muss man feststellen, dass Di Matteo diese Aufgabenstellung mit einigem Erfolg gel\u00f6st hat. Eine Dreier-Innenverteidigung H\u00f6wedes-Matip-Nastasic erledigte ihren Job unaufgeregt aber h\u00f6chst effizient und lie\u00df den Gladbacher St\u00fcrmern wenig Raum zur Entfaltung ihrer besonderen St\u00e4rken, und unterband mit Hilfe der gesamten Mannschaft den ber\u00fcchtigten Konterfussball Favrescher Schule nahezu v\u00f6llig. <\/p>\n<p>Davor beherrschte eine F\u00fcnferkette das Mittelfeld und die Halbr\u00e4ume vor dem Gelsenkirchener Sechzehner und zwang die Gladbacher dazu, ihr Spiel in die Breite zu verlagern und h\u00e4ufig auf die Fl\u00fcgel auszuweichen, ohne dabei den Ball tats\u00e4chlich gef\u00e4hrlich vor das Schalker Tor bringen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wie so oft in letzter Zeit \u00fcberlie\u00dfen die Blauen dem Gegner fast vollst\u00e4ndig das runde Leder und verlegten sich auf gelegentliche Vorst\u00f6\u00dfe, die aber dann mit einer massiven Vorverlagerung und fr\u00fchem Pressing schon weit in der Gladbacher H\u00e4lfte einhergingen.<\/p>\n<p>Der Mannschaft von Trainer Lucien Favre passten diese zwar eher seltenen, dann aber sehr effektiv gef\u00fchrten Angriffe auf das eigene Aufbauspiel sichtlich \u00fcberhaupt nicht, und so war es auch kein Wunder, dass das 1:0 schon sehr fr\u00fch genau nach einer solchen Aktion fiel.      <\/p>\n<p>Zentral vor dem eigenen Strafraum vert\u00e4ndelte der diesmal eher schwache Raffael den Ball, und Jan Kirchhoff in seinem bisher besten Spiel f\u00fcr Schalke setzte Kevin-Prince Boateng auf der rechten Au\u00dfenbahn ein. Dessen genau getimte Flanke auf den kurzen Pfosten verwertete Tranquillo Barnetta gedankenschnell zum einzigen Treffer der Partie. <\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich spielte dieses fr\u00fche Tor den Schalkern nahezu optimal in die H\u00e4nde, mussten doch die Gladbacher jetzt, wenn sie Punkte aus der Veltins-Arena mitnehmen wollten, noch mehr f\u00fcr die eigene Offensive tun. Und so sah sich die eigentlich von Favre auf schnellen Konterfussball getrimmte Mannschaft dazu gezwungen, zu ungeliebtem Ballbesitzspiel \u00fcberzugehen, da sich die Blau-Wei\u00dfen nun noch mehr hinter die Mittellinie zur\u00fcckzogen. <\/p>\n<p>Trotzdem standen nach Spielende 10:8 Torsch\u00fcsse <b>f\u00fcr Schalke<\/b> in der Statistik zu Buche, ein klares Indiz einerseits f\u00fcr die Hilflosigkeit der Fohlenelf gegen den massiven Abwehrriegel der Gelsenkirchener, aber auch f\u00fcr die taktische \u00dcberlegenheit der Schalker, die das Konzept ihres Trainers hervorragend umsetzten und sogar noch die gr\u00f6\u00dfte Chance auf einen zweiten Treffer durch Choupo-Moting und Prince Boateng besa\u00dfen.  <\/p>\n<p>Demnach lautet das Fazit aus meiner Sicht: zugegebenerma\u00dfen kein Fu\u00dfball-Leckerbissen, taktisch trotzdem hochklassisch und ein verdienter Sieg f\u00fcr Schalke, nicht zuletzt deshalb, weil Di Matteo seinen Kontrahenten Lucien Favre systemtechnisch &#8222;Schachmatt&#8220; setzte.<\/p>\n<p>Und wer auch nur ann\u00e4hernd wei\u00df, wie sehr der Schweizer Borussen-Coach normalerweise f\u00fcr seine taktischen Winkelz\u00fcge gesch\u00e4tzt wird, kann damit die Leistung der Schalker und ihres \u00dcbungsleiters richtig einordnen. Die Gelsenkirchener setzen damit ihre Erfolgsserie in der R\u00fcckrunde fort, Siege gegen Hannover und Gladbach sowie ein Punkt aus M\u00fcnchen k\u00f6nnen sich durchaus sehen lassen. Und nicht zu vergessen, dank der tatkr\u00e4ftigen Unterst\u00fctzung der Liga bedeutet das auch vorerst Rang 3 in der Tabelle.  <\/p>\n<p>Also muss man wohl oder \u00fcbel zugeben, dass Di Matteos Defensivtaktik weitestgehend aufgegangen ist. Er hat der Mannschaft einen neuen Anstrich verpasst, weg vom Ballbesitzspiel a la Keller mit hoch stehenden Au\u00dfenverteidigern und eingebauter Konteranf\u00e4lligkeit hin zu einem defensiv gefestigten System, dass dem Gegner das Leder \u00fcberl\u00e4sst und nur gelegentlich, dann aber sehr effektiv nach vorn aufr\u00fcckt. <\/p>\n<p>Solange die gegnerischen Teams dabei mitmachen und sich von der Aussicht auf m\u00f6gliche Punkte dazu verleiten lassen, den Spielaufbau zu \u00fcbernehmen, ist das eine durchaus akzeptable und erfolgversprechende Strategie. Worauf Di Matteo allerdings noch keine Antwort gefunden hat, zeigten der 1. FC K\u00f6ln und der Hamburger SV zum Ende der Hinrunde.<\/p>\n<p>Die Gei\u00dfb\u00f6cke lie\u00dfen sich nicht aus der Reserve locken, behielten ihrerseits ihre defensive Taktik konsequent bei und setzten auf Konter. Und gegen die Hanseaten wollten sich aus den wenigen Chancen der Schalker einfach keine Tore generieren lassen.<\/p>\n<p>Doch im Moment sehe ich solche Situationen noch als Ausnahmen an, in Frankfurt kann beispielsweise erwartet werden, dass die Eintracht auf eigenem Platz punkten will und daher auch bereit sein wird, daf\u00fcr etwas mehr zu investieren. Und f\u00fcr die weitere Zukunft sehe ich auch die M\u00f6glichkeit, dass Di Matteo nach und nach vom 3-5-2 abr\u00fcckt und wieder offensiver spielen l\u00e4sst. Das aber wird davon abh\u00e4ngen, wann Spieler wie Leon Goretzka, Jefferson Farfan und Julian Draxler wieder fit sein werden. Im Moment ist das taktische System eben auch der Verletzungsmisere geschuldet.   <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt spannende und dramatische Spiele einerseits und von Taktik gepr\u00e4gte Begegnungen andererseits. Je nach Standpunkt war das Gastspiel von Borussia M\u00f6nchengladbach am letzten Freitag in Gelsenkirchen beides. 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