{"id":52897,"date":"2014-07-15T09:54:01","date_gmt":"2014-07-15T07:54:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=52897"},"modified":"2024-05-08T13:33:53","modified_gmt":"2024-05-08T11:33:53","slug":"gegen-den-mainstream-die-oekonomie-des-josef-steindl","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/gegen-den-mainstream-die-oekonomie-des-josef-steindl\/","title":{"rendered":"Gegen den Mainstream: die \u00d6konomie des Josef Steindl"},"content":{"rendered":"<p>Einer derjenigen Volkswirte, die sich vor allem auch mit den Auswirkungen von Wirtschaftskrisen besch\u00e4ftigten, war der hierzulande nahezu unbekannte <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Josef_Steindl\" title=\"Josef Steindl \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Josef Steindl<\/a>.<\/p>\n<p>Der \u00d6sterreicher z\u00e4hlte zu den umtriebigsten Wissenschaftlern des sogenannten <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Postkeynesianismus\" title=\"Postkeynesianismus \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Postkeynesianismus<\/a>, einer \u00f6konomischen Schule, die sich vor allem mit der Weiterentwicklung der Ideen von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/John_Maynard_Keynes\" title=\"John Maynard Keynes \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">John Maynard Keynes<\/a> besch\u00e4ftigte. <\/p>\n<p><center><a title=\"A view from the Member's Gallery inside the NYSE by Ryan Lawler (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons\" href=\"http:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3ANYSE127.jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"412\" alt=\"A view from the Member's Gallery inside the NYSE\" src=\"\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/3\/3e\/NYSE127.jpg\/512px-NYSE127.jpg\"\/><\/a><\/center><\/p>\n<p>In seinen ersten Jahren am Institut f\u00fcr Konjunkturforschung, dem heutigen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/%C3%96sterreichisches_Institut_f%C3%BCr_Wirtschaftsforschung\" title=\"\u00d6sterreichisches Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00d6sterreichischen Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung (WIFO)<\/a> lernte Steindl ebenso wie viele andere die \u00f6konomische Theorie unter dem Einfluss der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Neoklassische_Theorie\" title=\"Neoklassische Theorie \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Neoklassik<\/a> sowie der sogenannten <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/%C3%96sterreichische_Schule\" title=\"\u00d6sterreichische Schule \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00d6sterreichischen Schule<\/a>. Doch schon fr\u00fchzeitig \u00e4nderte sich seine Sicht der wirtschaftlichen Zusammenh\u00e4nge, als er erstmals mit der damals neuen Str\u00f6mung des <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Keynesianismus\" title=\"Keynesianismus \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Keynesianismus<\/a> in Kontakt trat, ma\u00dfgeblich aufgrund eines Seminars von Gerhard Tintner \u00fcber die &#8222;Allgemeine Theorie&#8220; von J. M. Keynes.<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Angesichts der unzureichenden Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze der g\u00e4ngigen Lehren zur damals herrschenden Massenarbeitslosigkeit wandte sich Steindl endg\u00fcltig von der \u00d6sterreichischen Schule ab und wechselte 1937 mit der Publikation seines Artikels &#8222;Der Konjunkturzyklus von Harrod&#8220; (Steindl, 1937), einer Rezension eines Buches von <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Roy_Harrod\" title=\"Roy Harrod - Wikipedia, the free encyclopedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Roy Harrod<\/a>, ins Lager der Anh\u00e4nger der von Keynes inspirierten neuen Lehre. <\/p>\n<p>1938 emigrierte Steindl nach dem <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Anschluss_(%C3%96sterreich)\" title=\"Anschluss \u00d6sterreichs \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Anschluss \u00d6sterreichs&#8220;<\/a> nach England und traf in Oxford u. a. <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Micha%C5%82_Kalecki\" title=\"Micha\u0142 Kalecki \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Michae\u0142 Kalecki<\/a>, dessen \u00f6konomische Thesen sein Denken von da an entscheidend pr\u00e4gten. Zusammen mit ihm durchbrach er die statische Enge der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Neoklassische_Synthese\" title=\"Neoklassische Synthese \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">neoklassischen Synthese<\/a> und erg\u00e4nzte die klassische \u00d6konomie um dynamische Elemente. Unter dem Einfluss Kaleckis wurden vor allem die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Karl_Marx#Kritik_der_politischen_.C3.96konomie\" title=\"Karl Marx, Kritik der politischen \u00d6konomie \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Marxschen Themen<\/a> <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Monopol\" title=\"Monopol \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Monopol<\/a>\/<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Oligopol\" title=\"Oligopol \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Oligopol<\/a> und Wirtschaftskrisen die zentralen Grundz\u00fcge seiner wirtschaftspolitischen Arbeiten. <\/p>\n<p>So erkl\u00e4rte Steindl in seinem Buch &#8222;Maturity and Stagnation in American Capitalism&#8220; (1952) die Stagnation der amerikanischen Wirtschaft zwischen den Weltkriegen mit Tendenzen zur Oligopolisierung. Bei M\u00e4rkten mit nahezu vollst\u00e4ndiger Konkurrenz (<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Polypol\" title=\"Polypol \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">polypolistischer<\/a> Wettbewerb) entwickeln sich die Gewinnspannen sehr flexibel, bei schwacher Nachfrage sinken die Preise und \u00dcberkapazit\u00e4ten werden dadurch relativ schnell beseitigt. <\/p>\n<p>Bei Industrien mit wenigen Anbietern dagegen sorgen deren gr\u00f6\u00dfer werdender Anteil zu einer Verringerung der Kapazit\u00e4tsauslastung und damit auch der Investitionen. Je st\u00e4rker dieser Konzentrationsprozess sich entwickelt, umso l\u00e4nger dauert die Erholung einer solchen Wirtschaft nach einem Konjunkturabschwung.<\/p>\n<p>Nur aufgrund einer Reihe von Faktoren, die Steindl gr\u00fcndlich eruierte, f\u00fchrten diese und \u00e4hnliche Oligopolisierungs- und Konzentrationstendenzen zwischen den f\u00fcnfziger und siebziger Jahre nicht zu einer Stagnation der f\u00fchrenden Volkswirtschaften, sondern zum sogenannten &#8222;Goldenen Zeitalter des Kapitalismus&#8220;.<\/p>\n<p>Steindl zufolge waren diese Faktoren:<br \/>\n1. ein wachsender \u00f6ffentlicher Sektor, der mit antizyklischen Ma\u00dfnahmen die Nachfrage auch in Zeiten konjunktureller Schw\u00e4chen hochhielt,<br \/>\n2. die damalige internationale Zusammenarbeit der Wirtschaftspolitik, vor allem auf den Feldern der Konjunktur- und W\u00e4hrungspolitik (Stichwort <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bretton-Woods-System\" title=\"Bretton-Woods-System \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bretton Woods<\/a>),<br \/>\n3. die Entwicklung technischer Innovationen und neuer Produkte, durch die besondere Investitionsanreize entstanden,<br \/>\n4. eine stabile Lohnquote durch die Zusammenarbeit von Unternehmern und Gewerkschaften.  <\/p>\n<p>Es geh\u00f6rt nicht viel Erkenntnis dazu, festzustellen, dass alle diese Faktoren in der heutigen \u00f6konomischen Politik bis vor kurzem so gut wie keine Rolle mehr gespielt haben. In Europa tun sie es auch heute noch nicht.<\/p>\n<p>Damals dagegen st\u00e4rkten die steigenden \u00f6ffentlichen Ausgaben die effektive Nachfrage. Solange diese Ausgaben durch h\u00f6here Steuern auf Gewinne refinanziert werden, haben sie expansive Auswirkungen. In den letzten Jahrzehnten aber sanken die Steuers\u00e4tze mit Hinweis auf die internationale Konkurrenz und die \u00f6ffentlichen Ausgaben wurden zunehmend aus der h\u00f6heren Besteuerung der Lohn- und Gehaltseinkommen gedeckt, was im Zusammenhang mit steigenden Importquoten den Multiplikator \u00f6ffentlicher Ausgaben erheblich verringerte. <\/p>\n<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg erreichte man auch mit internationaler Kooperation in der Wirtschaftspolitik (Bretton-Woods-Sytem) eine Stabilisierung der \u00f6konomischen Systeme. Durch die Liberalisierung des Kapitalverkehrs allerdings ging diese Zusammenarbeit und ebenso die koodinierte Rezessionsbek\u00e4mpfung weitestgehend verloren.<br \/>\nIn der Europ\u00e4ischen Union wurde die Konjunkturpolitik im Gegensatz zur USA auf die Geldpolitik beschr\u00e4nkt und antizyklische Budgetpolitik verteufelt. <\/p>\n<p>Auch die stabile Lohnquote, durch die die Massenkaufkraft gesichert wurde, fiel der neoliberalen Konterrevolution zum Opfer. In den letzten Jahrzehnten ging sie in den europ\u00e4ischen L\u00e4ndern stark zur\u00fcck, da die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften durch hohe Arbeitslosigkeit und die Drohung der Produktionsverlagerung gebrochen werden konnte.<\/p>\n<p>Nur die technische Innovation (und die antizyklische Politik der USA) ist der noch einzige dieser Faktoren, der der von Steindl beschriebenen Schw\u00e4chetendenz oligopolistischer Wirtschaften heute noch entgegenwirkt.<br \/>\nDaher erscheint es nur logisch, dass die Depressionsphase in der Euro-Region nach dem Einbruch durch die Wirtschaftskrise mehr als doppelt so lange anhielt wie in fr\u00fcheren Konjunktur zyklen.<\/p>\n<p>Die dieser Problematik zugrunde liegende Politik der Preisstabilit\u00e4t und Haushaltskonsolidierung ohne gleichwertige Ber\u00fccksichtigung von Wachstum und Besch\u00e4ftigung bezeichnete Josef Steindl als &#8222;Stagnationspolitik&#8220;. So sei es auch vor allem die Ver\u00e4nderung der politischen Haltung -und weniger die objektiven \u00f6konomischen Gr\u00fcnde- gewesen, die die Wachstumsraten der f\u00fcnfziger und sechziger Jahre halbiert h\u00e4tten und damit zu Massenarbeitslosigkeit f\u00fchrten.<\/p>\n<p>Heute ist diese durchgehend hohe Besch\u00e4ftigungslosigkeit wieder zu dem zentralen wirtschaftspolitischen Problem in Europa geworden, versch\u00e4rft noch durch die unsinnige Austerit\u00e4tspolitik seit der Eurokrise. Nach Steindl ist es endg\u00fcltig an der Zeit, die &#8222;Bourbonen&#8220; des Feudalismus wieder zu vertreiben und zur\u00fcck zu dem Weg zu finden, mit dem fr\u00fcher Vollbesch\u00e4ftigung erreicht wurde.  <\/p>\n<p>Zusammen mit seinem Lehrmeister Kalecki erarbeitete Steindl einen der wichtigsten Gr\u00fcnde, weshalb gerade auch die Unternehmen letztlich eine Abkehr von der Politik der Vollbesch\u00e4ftigung anstrebten:<br \/>\n&#8211; durch die Reduzierung der Arbeitslosigkeit werde die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften und Betriebsr\u00e4te gest\u00e4rkt, w\u00e4hrend das Gegenteil diese zugunsten der Unternehmen verschiebt,<br \/>\n&#8211; damit seien dann auch gesteigerte Forderungen nach voller Teilhabe der Besch\u00e4ftigten an der Produktivit\u00e4tszunahme, Mitbestimmung und einer Ausdehnung des Sozialstaates verkn\u00fcpft, die in der heutigen Diskussion dagegen fast vollst\u00e4ndig in den Hintergrund getreten sind.<\/p>\n<p>So trifft Steindls Beschreibung einer absichtlichen Stagnationspolitik auf wesentliche Elemente des \u00f6konomischen Rahmens der Europ\u00e4ischen Union zu. Obwohl der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Vertrag_von_Maastricht\" title=\"Vertrag von Maastricht \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Maastrichter Vertrag<\/a> vor allem Stabilit\u00e4t und Wachstum versprochen hatte, dominieren heute eine schwache Konjunktur und hohe Erwerbslosigkeit.<\/p>\n<p>1988 stellte Josef Steindl in einem kurzen Essay seine Kritik an der Wirtschaftspolitik der EU besonders heraus: er verglich das &#8222;Europa der EU&#8220; mit dem &#8222;Europa nach Keynes&#8220; und stellte fest, dass eine \u00f6konomisch erfolgreiche EU die gemeinsamen Interessen heraustellen und vor allem f\u00fcr einen Ausgleich zwischen Schuldner- und Gl\u00e4ubigerl\u00e4ndern sorgen m\u00fcsse. Es m\u00fcsse zudem verhindert werden, dass Staaten mit hohen Defiziten in der Leistungsbilanz zu massiven restriktiven Handlungen gezwungen werden, durch die Arbeitslosigkeit und Rezession entstehen.<\/p>\n<p>Angesichts der momentanen Eurokrise eine erschreckend aktuelle Einsch\u00e4tzung, gerade was die Probleme der S\u00fcdeurop\u00e4er angeht. <\/p>\n<p>Entgegen der heutigen Betonung der Angebotspolitik in der EU, deren Bilanz schon Steindl als \u00e4u\u00dferst d\u00fcrftig voraussah, trat er immer f\u00fcr eine expansive Wirtschaftspolitik mit einer langfristig ausgerichteten Nachfragestimulierung ein. Damit grenzte sich Steindl klar von der neoklassischen Theorie ab. Wichtig war ihm dabei vor allem, dass die Nachfragepolitik nicht nur auf die kurze Frist beschr\u00e4nkt sei, eine Trennung von Konjunkturzyklus und langfristigem Trend (wie sie die moderne neoliberale Wirtschaftspolitik predigt) lehnte er entschieden ab.<\/p>\n<p>In drei Bereichen hielt Steindl eine langfristig orientierte Nachfragepolitik f\u00fcr besonders  notwendig: bei der Stimulierung von Innovationen, der Reduzierung der Sparquoten und der besseren Zusammenarbeit der internationalen Politik.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Stagnation nach 1975 war nach Steindl vor allem die hohe Sparneigung der privaten Haushalte verantwortlich. Die steigenden Sparraten als das Ergebnis wachsenden Lebensstandards f\u00fchren zu mangelnder Konsumnachfrage, die empirische Analyse anhand der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Volkswirtschaftliche_Gesamtrechnung#Gesamtwirtschaftliche_Finanzierungsrechnung\" title=\"Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnung<\/a> erkl\u00e4rt diesen Zusammenhang: Wenn die privaten Haushalte mehr sparen, dann d\u00e4mpft dies Konsumnachfrage, BIP und Gewinne, die Schulden des Staates, der Unternehmen oder des Auskandes m\u00fcssen daher steigen, da die Summe der Finanzierungssalden aller Gruppen logischerweise stets null ergibt.<\/p>\n<p>Steindl verlie\u00df sich stets auf die Empirie und achtete darauf, gesamtwirtschaftliche Ph\u00e4nomene nicht mit individuellen Handlungen zu verwechseln. So war f\u00fcr ihn das Sparen keineswegs eine Frage der Moral wie bei <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Friedrich_August_von_Hayek\" title=\"Friedrich August von Hayek \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Friedrich August von Hayek<\/a> oder eine Voraussetzung f\u00fcr Investitionen, wie es von den Neoklassikern gesehen wird.<\/p>\n<p>Auch heute best\u00e4tigt der Vergleich der \u00f6konomischen Entwicklung der Industriestaaten die Ansichten Steindls \u00fcber das Sparen. In den letzten Jahren war vor allem in den L\u00e4ndern das Wirtschaftswachstum hoch, in denen der gesparte Anteil des Einkommens gesunken war. Die Staaten mit steigender Sparneigung der privaten Haushalte dagegen litten unter schwachem Wachstum und Arbeitslosigkeit. <\/p>\n<p>Das Auseinanderbrechen des Bretton-Woods-Systems mit dem \u00dcbergang zu flexiblen Wechselkursen sowie die Erosion gesamtwirtschaftlicher Lohnvereinbarungen galten Steindl als Beispiele f\u00fcr den Niedergang der wirtschaftspolitischen Zusammenarbeit. Auch die Probleme der EU, die ja eigentlich mit dem Ziel der verbesserten Kooperation zwischen den Staaten gegr\u00fcndet worden war, lassen sich mit mangelnder \u00f6konomischer Zusammenarbeit in den Bereichen der Haushaltspolitik, des sch\u00e4dlichen Steuerwettbewerbs sowie der fehlenden Abstimmung der Geldpolitik und Lohnpolitik erkl\u00e4ren. Es sei vor allem die politische Einstellung zugunsten von Preisstabilit\u00e4t, Sparpolitik und Wettbewerb auf Kosten von Wachstum, Besch\u00e4ftigung und Verteilung, durch die die EU ihre wirtschaftlichen Potentiale nicht ausnutzen k\u00f6nne. <\/p>\n<p>Der eklatante Gegensatz zwischen Steindls Theorien und dem Br\u00fcsseler Konsens von EU-Kommission und OECD k\u00f6nnte eigentlich nicht gravierender sein. Die Misserfolge der EU-Politik auch und gerade in der Euro-Krise sollten Europa langsam aufr\u00fctteln. Doch tats\u00e4chlich schlummern Steindls Ideen weiter im Verborgenen und die EU st\u00fcmpert vor sich hin.<\/p>\n<p>Es wird endlich Zeit, sich wie Josef Steindl gegen den Mainstream zu erheben und \u00c4nderungen zu verlangen, ehe es zu sp\u00e4t ist&#8230;   <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einer derjenigen Volkswirte, die sich vor allem auch mit den Auswirkungen von Wirtschaftskrisen besch\u00e4ftigten, war der hierzulande nahezu unbekannte Josef Steindl. 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