{"id":5227,"date":"2013-07-22T12:05:07","date_gmt":"2013-07-22T10:05:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=5227"},"modified":"2020-03-17T07:38:30","modified_gmt":"2020-03-17T06:38:30","slug":"zeit-artikel-mythos-weltmarkt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/zeit-artikel-mythos-weltmarkt\/","title":{"rendered":"ZEIT-Artikel: Mythos Weltmarkt"},"content":{"rendered":"<p>Es geschehen doch noch manchmal Zeichen und Wunder:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mark_Schieritz\" title=\"Mark Schieritz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Mark Schieritz<\/a> hat in einem bemerkenswerten <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2013\/29\/europa-wirtschaft-wettbewerbsfaehigkeit\/komplettansicht\" title=\"Mythos Weltmarkt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Artikel in der Wochenzeitung DIE ZEIT<\/a> die Phrase der &#8222;Verbesserung der internationalen Wettbewerbsf\u00e4higkeit&#8220;, die momentan ja gerade in Europa und nat\u00fcrlich schon seit l\u00e4ngerem auch in Deutschland \u00f6konomisch offenbar in aller Munde ist, kritisch hinterfragt.<\/p>\n<p>Es ist schon erstaunlich, wie lange es gedauert hat, bis dieses Thema auch in der ZEIT einmal in dieser Deutlichkeit angesprochen wird. Andere waren schon viel fr\u00fcher soweit.<br \/>\n<!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Bereits 2005 schrieb die Hans-B\u00f6ckler-Stiftung dazu:<\/p>\n<blockquote><p>Die deutsche Lohnzur\u00fcckhaltung hat die Exporte befl\u00fcgelt und die Binnenwirtschaft geschw\u00e4cht. Tun die anderen Europ\u00e4er es den Deutschen gleich, droht ganz Euroland ein realer Abwertungswettlauf, der letztlich in eine Deflation m\u00fcnden k\u00f6nnte&#8230;<\/p><\/blockquote>\n<p>Auch Heiner Flassbeck hat auf den Artikel von Schieritz in seinem Blog <a href=\"http:\/\/www.flassbeck-economics.de\/mythos-weltmarkt\/\" title=\"Flassbeck Economics\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Flassbeck Economics<\/a> kurz reagiert.<\/p>\n<p>Er weist ebenfalls darauf hin, dass die Argumentation von Mark Schieritz von ihm und seinem Team (u. a. vor allem Friederike Spiecker) schon seit langem vertreten wird. Weiter vermutet Flassbeck, dass es dabei haupts\u00e4chlich um eine Verwechselung von \u201cWett\u00adbe\u00adwerbs\u00adf\u00e4\u00adhig\u00adkeit\u201d und \u201cPro\u00adduk\u00adti\u00advi\u00adt\u00e4t\u201d geht. <\/p>\n<p>Interessant sind auch die vielen Diskussionsbeitr\u00e4ge im ZEIT-Forum zu diesem Artikel, die u. a. &#8222;ganz begeistert die R\u00fcckkehr der Vernunft&#8220; feiern und das Zitat von Schieritz <strong>&#8222;Nicht die Wettbewerbsf\u00e4higkeit, sondern die Produktivit\u00e4t bestimmt die Leistungsf\u00e4higkeit einer Volkswirtschaft&#8220;<\/strong> betonen.<\/p>\n<p>Es fehlt auch dort nicht der berechtigte Hinweis, <strong>&#8222;dass Wettbewerbsf\u00e4higkeit auf Basis niedriger Lohnkosten nichts anderes kann als eine Spirale nach unten anzutreiben &#8211; denn jedes Land muss nachziehen, wenn ein anderes seine Wettbewerbsf\u00e4higkeit auf Basis der Lohnkosten verbessert hat.&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Besser als der <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2013\/29\/europa-wirtschaft-wettbewerbsfaehigkeit\/komplettansicht?commentstart=17#cid-2909577\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">ZEIT-User &#8222;WolfHai&#8220;<\/a> kann man die Problematik eigentlich nicht zusammenfassen:<\/p>\n<blockquote><p>Frau Merkel (und viele mit ihr) verwechselt Wettbewerbsf\u00e4higkeit mit Produktivit\u00e4t.<\/p>\n<p>&#8211; Wettbeswerbsf\u00e4higkeit ist die F\u00e4higkeit, die eigenen Waren trotz der Konkurrenz anderer zu verkaufen. <strong>Es ist ein *relatives* Konzept: die \u00fcberragende Wettbewerbsf\u00e4higkeit eines Landes bedeutet automatisch die fehlende Wettbewerbsf\u00e4higkeit eines anderen.<\/strong> Wenn einer seine Wettbewerbsf\u00e4higkeit erh\u00f6ht, dann sinkt die eines anderen.<br \/>\n&#8211; Produktivit\u00e4t misst, wieviel mit gleichem Input (etwa: einer Stunde Arbeit) an Wert produziert wird. <strong>Es ist ein absolutes Konzept: Alle L\u00e4nder k\u00f6nnen ihre Produktivit\u00e4t erh\u00f6hen.<\/strong><\/p>\n<p>Es folgt:<br \/>\n1. Wer produktiver wird, wird nicht automatisch wettbewerbsf\u00e4higer. Die Produktivit\u00e4tserh\u00f6hung wird oft durch Lohnerh\u00f6hungen und\/oder Aufwertungen wettgemacht.<br \/>\n2. <strong>Es k\u00f6nnen alle produktiver werden, aber es k\u00f6nnen nicht alle wettbewerbsf\u00e4higer werden.<\/strong> Durch Lohnsenkungen wird man nur bei festen Wechselkursen wettbewerbsf\u00e4higer; bei flexiblen Wechselkursen gleicht eine Aufwertung dies aus.<br \/>\n3. Die ganze Eurozone kann wegen der flexiblen Wechselkurse des Euro zu Drittw\u00e4hrungen nicht wettbewerbsf\u00e4higer werden. Wenn Frau Merkel dies propagiert, wei\u00df sie nicht wovon sie redet. (Die Eurozone ist insgesamt sehr wohl &#8222;wettbewerbsf\u00e4hig&#8220;, wie man an der leicht aktiven Leistungsbillanz ablesen kann.)<br \/>\n4. <strong>Innerhalb der Eurozone m\u00fcssen die Krisenl\u00e4nder Wettbewerbsf\u00e4higkeit gewinnen, damit sie sich nicht immer weiter verschulden. D.h. <em>dass Deutschland an Wettbewerbsf\u00e4higkeit verlieren muss.<\/em><\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p>Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzuf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Bliebe nur noch die Hoffnung, dass auch Frau Merkel und ihr Kabinett sowie ihre wirtschaftspolitischen Berater diesen Text mal zu lesen bek\u00e4men.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es geschehen doch noch manchmal Zeichen und Wunder: Mark Schieritz hat in einem bemerkenswerten Artikel in der Wochenzeitung DIE ZEIT die Phrase der &#8222;Verbesserung der internationalen Wettbewerbsf\u00e4higkeit&#8220;, die momentan ja gerade in Europa und nat\u00fcrlich schon seit l\u00e4ngerem auch in<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[24,16,15,18],"class_list":["post-5227","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-oekonomie","tag-globalisierung","tag-lohnstueckkosten","tag-produktivitaet","tag-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5227","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5227"}],"version-history":[{"count":36,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5227\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13568806,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5227\/revisions\/13568806"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5227"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5227"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5227"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}