{"id":5138109,"date":"2017-03-24T09:39:55","date_gmt":"2017-03-24T08:39:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=5138109"},"modified":"2020-08-31T07:33:10","modified_gmt":"2020-08-31T05:33:10","slug":"wilhelm-lautenbach-kapitalbildung-und-sparen-teil-6","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wilhelm-lautenbach-kapitalbildung-und-sparen-teil-6\/","title":{"rendered":"Wilhelm Lautenbach: Kapitalbildung und Sparen \u2013 Teil 6"},"content":{"rendered":"<p><em>Fortsetzung von <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wilhelm-lautenbach-kapitalbildung-und-sparen-teil-5\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Teil 5<\/a>:<\/em><\/p>\n<p>Um den Prozess ganz klar zu \u00fcberschauen, wollen wir einmal annehmen, alle L\u00f6hne und Geh\u00e4lter w\u00fcrden bargeldlos gezahlt. Au\u00dferdem wollen wir noch unterstellen, alle Unternehmer seien Bankschuldner. Das ist eine Versuchsanordnung, die den \u00dcberblick ungemein erleichtert und das Wesentliche scharf hervortreten l\u00e4sst.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/bilder\/verbrauchsgueter.jpg\" width=\"350\" title=\"Verbrauchsg\u00fcter und Investitionen\" alt=\"Anteile von Faktorkosten, Abschreibungen und Unternehmergewinn an den abgesetzten Verbrauchsg\u00fctern\"\/><br \/>\n<em>Zusammenhang zwischen Investition und Produktionsvolumen<\/em><\/center><\/p>\n<p>Die Gesamtbilanz aller Banken \u2013 wir k\u00f6nnen uns auch eine Universalbank vorstellen \u2013 zeigt am Tage vor dem Monatsletzten folgendes Bild:<br \/>\n<center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/bilder\/Bilanz3.jpg\" width=\"400\" title=\"\" alt=\"\"\/><\/center><\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Kreditoren w\u00e4ren hierbei ausschlie\u00dflich Nichtunternehmer, und ihre Guthaben h\u00e4tten den Charakter von Spareinlagen, weil es ja Betr\u00e4ge w\u00e4ren, die am Ende der Einkommens-periode noch nicht verausgabt sind. Nunmehr werden die L\u00f6hne und Geh\u00e4lter gezahlt; nehmen wir an 2 Milliarden. Das Bilanzbild ist demzufolge:<br \/>\n<center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/bilder\/Bilanz4.jpg\" width=\"400\" title=\"\" alt=\"\"\/><\/center><\/p>\n<p>G\u00e4ben nun die Lohn- und Gehaltsempf\u00e4nger ihr Gesamteinkommen im Laufe des folgenden Monats wieder aus, so w\u00e4re unmittelbar vor der n\u00e4chsten Gehaltszahlung die urspr\u00fcngliche Bilanz wieder hergestellt, und damit auch wieder die urspr\u00fcngliche Liquidit\u00e4t der Bank. W\u00fcrden sie aber nicht alles ausgeben, sondern, sagen wir, 10 % des Einkommens sparen, dann w\u00e4re vor der n\u00e4chsten Gehaltszahlung das Bilanzbild:<br \/>\n<center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/bilder\/Bilanz5.jpg\" width=\"400\" title=\"\" alt=\"\"\/><\/center><\/p>\n<p>Weil ja nur 1800 Millionen von den von den Unternehmern verausgabten Lohn- und Gehaltssummen an sie zur\u00fcckgeflossen w\u00e4ren. Mit anderen Worten: Der neuen Ersparnis von 200 Millionen aus L\u00f6hnen und Geh\u00e4ltern steht von vornherein eine um 200 Millionen h\u00f6here Schuld der Unternehmer gegen\u00fcber. <\/p>\n<p>Diese 200 Millionen sind nicht erst etwa auszuleihen, sondern sie waren schon im Moment der Gehaltszahlung ausgeliehen. Die Ersparnis der Gehaltsempf\u00e4nger hat die Liquidit\u00e4t der Unternehmer und zugleich auch die Liquidit\u00e4t der Bank herabgesetzt, denn in einem System des reinen bargeldlosen Verkehrs m\u00fcssten wir allein das Bankkredit-volumen und den Umschlag auf den Debitorenkonten als Liquidit\u00e4tskriterium nehmen. <\/p>\n<p>Je h\u00f6her das Bankvolumen und je geringer der Umschlag auf den debitorischen Konten, je geringer die Liquidit\u00e4t und umgekehrt. Es ist evident, dass nach diesen Liquidit\u00e4ts-kriterien die Liquidit\u00e4t der Bank gr\u00f6\u00dfer ist, wenn die Gehalts- und Lohnempf\u00e4nger nicht sparen. <\/p>\n<p>Mit anderen Worten: das Sparen versteift den Bankkredit und erh\u00f6ht den Zins, f\u00fchrt also keineswegs automatisch zu einer Vermehrung der Investition, sondern, da ein steigender Zins die Investitionslust d\u00e4mpft, tendenziell zu einer Verminderung. Man darf diese Feststellung nicht falsch verstehen, n\u00e4mlich nicht in dem Sinne, als ob sie beweise, dass Sparen Unsinn ist. Sie soll nur zeigen, dass Sparwille und privatwirtschaftliche Ersparnisse nicht automatisch Investitionslust und entsprechend vermehrte Investitionen ausl\u00f6sen. <\/p>\n<p>Sie soll ferner zeigen, dass die oft gebrauchte Formel von der Wiederausleihung \u201eechter\u201c Ersparnisse h\u00f6chst problematisch ist, genau so problematisch wie der andere als Gegensatz hierzu gebrauchte Begriff der Kreditsch\u00f6pfung. <\/p>\n<p>Ich muss mich darauf beschr\u00e4nken, dies hier nur anzudeuten: Das Kreditvolumen unserer Universalbank kann bei der von uns gew\u00e4hlten Versuchsanordnung \u00fcberhaupt nur wachsen, wenn die Nichtunternehmer Sparen. Anderseits k\u00f6nnten die Unternehmer beliebig viel investieren, ohne dass die Bankschuld w\u00fcchse, obwohl sie eigene fl\u00fcssige Mittel gar nicht zur Verf\u00fcgung haben, sondern alle verschuldet sind, vorausgesetzt nur, dass sie allesamt und ziemlich gleichm\u00e4\u00dfig<Sup><a href=\"#eins\"><b>1<\/b><\/a><\/Sup> investieren, der Einzelne mindestens soviel, dass er nicht Bankgl\u00e4ubiger wird. <\/p>\n<p>Wenn n\u00e4mlich ein Unternehmer mehr Kredit in Anspruch nimmt, um zu investieren, so treten in der H\u00f6he, wie L\u00f6hne und Geh\u00e4lter gezahlt werden, die Einkommensdepositen von Nichtunternehmern auf.<\/p>\n<p>Diese aber flie\u00dfen ja im Laufe der Einkommensperiode an den Unternehmerkreis zur\u00fcck, bis auf den geringen Rest, der von den Einkommensbeziehern gespart wird. Was aber anderen Unternehmern zuflie\u00dft, f\u00fchrt ja nur zu einer Reduktion von deren Bankschuld, so dass die Gesamtschuldsumme der Unternehmer immer gleich bleibt, wenigstens solange gleich bleibt, wie nicht einzelne von ihnen v\u00f6llig entschuldet und damit Kreditoren [\u201eNettosparer\u201c]<Sup><a href=\"#zwei\"><b>2<\/b><\/a><\/Sup> werden. <\/p>\n<p>Das aber tritt nicht ein, wenn jeder die Mittel, die ihm zuflie\u00dfen auch wieder investiert. Ebenso aber wie die Unternehmer allesamt in beliebiger H\u00f6he investieren k\u00f6nnen, ohne sich deshalb mehr zu verschulden, so k\u00f6nnen sie auch pro rata ihres Umsatzes allesamt beliebig viel verbrauchen, ohne sich mehr zu verschulden. <\/p>\n<p>Dieser kreditwirtschaftliche Prozess ist Reflex und zugleich Best\u00e4tigung der Erkenntnis, die wir aus der oben entwickelten Formel f\u00fcr das Unternehmereinkommen ableiteten, n\u00e4mlich dass Investitionen und Eigenverbrauch der Unternehmer ihr Einkommen positiv, die Ersparnisse der Nichtunternehmer es aber negativ bestimmen.<\/p>\n<p><b>Anmerkungen:<\/b><br \/>\n<Sup><a name=\"#eins\"><b>1<\/b><\/a><\/Sup> <em>Siehe auch Saldenmechanik der Unternehmensinvestitionen &#8211; <a href=\"http:\/\/www.saldenmechanik.info\/index.php\/saldenmechanik-der-unternehmensinvestitionen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Selbstfinanzierung der Investitionen bei Ausgabengleichschritt<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><Sup><a name=\"#zwei\"><b>2<\/b><\/a><\/Sup> <em>Die Unternehmen selbst zu \u201eNettosparern\u201c werden, Einnahme\u00fcbersch\u00fcsse kumulieren \u2013 seit den 1970ern ist die Abnahme realwirtschaftlicher Investitionen zu Gunsten finanzwirtschaftlicher Spekulation zu bemerken \u2013 damit entzieht der Unternehmenssektor realwirtschaftliche Einnahmen \u2013 sich selbst sowie der Gesamtwirtschaft. Staatliche Defizite haben diese monet\u00e4ren \u201eEntzugseffekte\u201c bislang teilweise kompensiert. Vgl. Stephan Schulmeister (2013): <a href=\"http:\/\/www.saldenmechanik.info\/files\/saldenmechanik\/Schulmeister_-_Der_neoliberale_Wechselschritt.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Der neoliberale Wechselschritt<\/a> (PDF; 288 kB) [Anm. C.G.BRANDSTETTER].<\/em><\/p>\n<p><em><b>Weiter hier demn\u00e4chst mit dem <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wilhelm-lautenbach-kapitalbildung-und-sparen-teil-7-letzter-teil\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">letzten Beitrag (Teil 7)<\/a>.<\/b><\/em><\/p>\n<p><em>Auszug aus einem <a href=\"http:\/\/www.saldenmechanik.info\/files\/saldenmechanik\/Lautenbach_-_Kapitalbildung_und_Sparen.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Vortrag<\/a> von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wilhelm_Lautenbach\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wilhelm Lautenbach<\/a> vom 28. Oktober 1937, gehalten im \u201eVerein zur Bef\u00f6rderung des Gewerbeflei\u00dfes von 1821\u201c \u2013 aus altdeutscher Schrift \u00fcbertragen durch <a href=\"http:\/\/www.saldenmechanik.info\/index.php\/impressum\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">C.G.BRANDSTETTER<\/a>.<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fortsetzung von Teil 5: Um den Prozess ganz klar zu \u00fcberschauen, wollen wir einmal annehmen, alle L\u00f6hne und Geh\u00e4lter w\u00fcrden bargeldlos gezahlt. Au\u00dferdem wollen wir noch unterstellen, alle Unternehmer seien Bankschuldner. Das ist eine Versuchsanordnung, die den \u00dcberblick ungemein erleichtert<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[27,36,28,32,29,37,44,18],"class_list":["post-5138109","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-oekonomie","tag-investition","tag-lautenbach","tag-saldenmechanik","tag-schulden","tag-sparen","tag-stuetzel","tag-volkswirtschaftslehre","tag-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5138109","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5138109"}],"version-history":[{"count":10,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5138109\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14936160,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5138109\/revisions\/14936160"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5138109"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5138109"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5138109"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}