{"id":4952,"date":"2013-07-31T10:07:40","date_gmt":"2013-07-31T08:07:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=4952"},"modified":"2017-05-22T07:21:45","modified_gmt":"2017-05-22T05:21:45","slug":"saldenmechanik-erklaerende-und-vertiefende-beispiele","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/saldenmechanik-erklaerende-und-vertiefende-beispiele\/","title":{"rendered":"Saldenmechanik &#8211; erkl\u00e4rende und vertiefende Beispiele"},"content":{"rendered":"<p>Wie in dem Beitrag <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/volkswirtschaftliche-saldenmechanik-vergessene-grundlage-der-geldtheorie\/\" title=\"Volkswirtschaftliche Saldenmechanik\">Volkswirtschaftliche Saldenmechanik<\/a> ja bereits angesprochen, soll es in diesem Artikel vor allem um Beispiele zum besseren Verst\u00e4ndnis der Saldenmechanik gehen.<\/p>\n<p><center><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Datei:SPARPARADOXON_(Saldenmechanik).png&#038;filetimestamp=20130107160726&#038;\" target=\"_blank\"> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/8\/80\/SPARPARADOXON_%28Saldenmechanik%29.png\" width=\"508\" height=\"293\" alt=\"Sparparadoxon\"\/><\/a><br \/>\n<em>Saldenmechanik und Sparparadoxon: Wenn alle sparen, steht sofort die Wirtschaft still<br \/>\nGrafik: Wolfgang Waldner<\/em><\/center><\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Hier ein einfaches Beispiel aus dem Buch &#8222;Volkswirtschaftliche Saldenmechanik&#8220; von Wolfgang St\u00fctzel (1978, S. 44):<\/p>\n<blockquote><p>\nEine Gesellschaft von zehn Personen sitze um einen runden Tisch. Jede habe einen bestimmten Anfangsbestand an Spielm\u00fcnzen. Der Gesamtbestand bleibe gleich. Jeder der Beteiligten schiebe den \u00fcbrigen je nach unserer Verf\u00fcgung wechselnde Mengen von Spielm\u00fcnzen zu. Wir verf\u00fcgen nun zun\u00e4chst willk\u00fcrlich, da\u00df nur die H\u00f6he der &#8222;Ausgaben&#8220; unabh\u00e4ngige Variable sei, die einzelnen also auf die H\u00f6he ihrer Einnahmen keinen willk\u00fcrlichen Einflu\u00df nehmen, und wir unterstellen au\u00dferdem, da\u00df jeder einzelne seine Ausgaben <i>ganz gleichm\u00e4\u00dfig<\/i> auf die \u00fcbrigen verteilt. Dann gelten:<\/p>\n<p><i><strong>Partialsatz:<\/strong><\/i> Bei jedem Spieler wird durch die Vermehrung der Ausgaben der Kassenbestand kleiner, als er w\u00e4re, wenn er seine Ausgaben nicht vermehren w\u00fcrde.<\/p>\n<p><i><strong>Gr\u00f6\u00dfenmechanik:<\/strong><\/i> Jede Person (oder Gruppe) verkleinert nur in dem Falle und in dem Ma\u00dfe ihre Kasse, in dem sie ihre Ausgaben st\u00e4rker vermehrt (oder weniger vermindert) als die Komplement\u00e4rgruppe.<\/p>\n<p><i><strong>Globalsatz:<\/strong><\/i> Die Gesamtheit kann durch Vermehrung ihrer Ausgaben ihren Kassenbestand <strong>nicht<\/strong> ver\u00e4ndern.\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Anhand dieses Beispiels lassen sich dann auch noch zwei Fachbegriffe zur Saldenmechanik n\u00e4her erl\u00e4utern:<\/p>\n<p><b>Vorsprungs- und Nachhinkeeffekte<\/b><br \/>\nDa die im Satz zur <strong>Gr\u00f6\u00dfenmechanik<\/strong> gemeinten effektiven Ver\u00e4nderungen offensichtlich stets dann, aber auch nur dann eintreten, wenn die in Frage stehende Gruppe gegen\u00fcber ihrer Komplement\u00e4rgruppe einen Vorsprung erzielt (oder erleidet), oder auch gegen\u00fcber den \u00fcbrigen &#8222;nachhinkt&#8220;, sprechen wir auch zuweilen von der Mechanik der <strong><em>Vorsprungs- und Nachhinkeeffekte<\/em><\/strong>.<\/p>\n<p>Dabei versteht es sich nach den bisherigen Ausf\u00fchrungen von selbst, da\u00df sich Vorsprungseffekt und Nachhinkeffekt strikt wechselseitig bedingen: Eine Gruppe erzielt oder erleidet immer dann und nur dann einen Vorsprungseffekt, wenn die Komplement\u00e4rgruppe den entsprechenden Nachhinkeffekt erzielt bzw. erleidet und umgekehrt.<\/p>\n<p>S\u00e4tze aus der Mechanik der Vorsprungs- und Nachhinkeffekte sind f\u00fcr die Einzelplanungen von Haushalten, Betrieben, Banken und \u00f6ffentlichen Stellen nur dann von Bedeutung, wenn die planende Instanz<br \/>\n1. damit rechnen kann, da\u00df das Verhalten der \u00fcbrigen wesentlich von ihrem eigenen Verhalten abh\u00e4ngt, und zugleich<br \/>\n2. das wahrscheinliche Verhalten der \u00fcbrigen voraussehen und seine Auswirkungen beurteilen kann.<br \/>\n(St\u00fctzel 1978, S. 27)<\/p>\n<p>Hiermit aber kommen wir in den Bereich der Oligopole (wenige Anbieter bestimmen einen Markt) oder gar der Monopole (ein einziger Anbieter bestimmt den Markt). Es ist n\u00e4mlich zu unterscheiden, ob einzelne oder Gruppen von Wirtschaftssubjekten ihre Dispositionen nur auf die Logik der direkten Gr\u00f6\u00dfenbeziehungen (Partials\u00e4tze) st\u00fctzen oder sich aber die Mechanik der Vorsprungs- und Nachinkeffekte zu Nutze machen wollen.<\/p>\n<p>Damit l\u00e4sst sich dann auch festlegen, ob ein Angebot in einer Konkurrenzsituation entsteht oder aber als oligopolistisch oder gar monopolistisch bezeichnet werden kann. St\u00fctzel zufolge sind diese Grunds\u00e4tze der effektiven Gr\u00f6\u00dfenver\u00e4nderungen \u00fcber die betriebswirtschaftliche Einzelplanung hinaus auch f\u00fcr die volkswirtschaftliche Theorie von sehr gro\u00dfer Bedeutung (S. 28):<\/p>\n<p>-So beruht z. B. die (nie sichere, nur m\u00f6gliche) effektive Vergr\u00f6\u00dferung eines Gesamtverm\u00f6gens durch Einschr\u00e4nkung der Konsumausgaben auf einem reinen Vorsprungseffekt (Sparen im Sinne der Bildung eines Einnahme\u00fcberschusses ist ein Partialbegriff. Was f\u00fcr den einzelnen sich als &#8222;Sparen&#8220; in diesem Sinne darstellt, ist beim Blick auf die Gesamtwirtschaft lediglich eine Geldverm\u00f6gensumschichtung von der Komplement\u00e4rgruppe zu den Sparern).<\/p>\n<p>-Weiter beruht der effektive Gesamtbedarf einer Wirtschaft an kredit f\u00fcr Investitionen allein auf Vorsprungseffekten.<\/p>\n<p>-Ebenso ist die Gesamtnachfrage des Banksystems am Geldmarkt im wesentlichen eine Funktion von Vorsprungseffekten usw. usf. <\/p>\n<p><b>&#8222;Gleichschritt&#8220;<\/b><br \/>\nBedeutsam ist noch der von St\u00fctzel sogenannte Fall des Gleichschritts: Dieser liegt dann vor, wenn bei den (einzelnen oder Gruppen von) Wirtschaftssubjekten keinerlei Vorsprungseffekte vorliegen. <\/p>\n<p>Anders gesagt:<Strong> \u201eGleichschritt herrscht, wenn zuf\u00e4llig f\u00fcr jede Einzelwirtschaft dasselbe gilt, was f\u00fcr die Gesamtheit von vornherein gilt\u201c <\/strong>(St\u00fctzel 1978, S. 29). <\/p>\n<p>Bezogen auf das obige Beispiel von Einnahmen und Ausgaben beim M\u00fcnzspiel bedeutet es: <\/p>\n<blockquote><p><b><br \/>\nGleichschritt herrscht, wenn bei jeder Einzelwirtschaft die Eing\u00e4nge gerade so hoch sind wie die Ausg\u00e4nge, also gerade keine Salden auftreten.<br \/>\nAls \u201agleichschrittige Ver\u00e4nderung\u2018 aber wollen wir einen Verlauf bezeichnen, in dem der \u201ainput\u2018 (Eingang) jeder Einzelwirtschaft gerade um den gleichen absoluten (nicht prozentualen) Betrag w\u00e4chst (schrumpft) wie der \u201aoutput\u2018 (Ausgang), so da\u00df der Saldo gleich gro\u00df bleibt.<\/b><\/p>\n<p><em>(St\u00fctzel 1978, S. 50)<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Mit dem Fall, dass alle Betriebe &#8222;im Gleichschritt&#8220; disponieren w\u00fcrden, also die Preise von allen im gleichen Ma\u00dfe heraufgesetzt oder eben nicht ge\u00e4ndert w\u00fcrden, entfiele die ganze Problematik.<\/p>\n<p>Da br\u00e4uchte dann niemand auf Vorsprungseffekte zu setzen oder die Nachhinkeffekte zu f\u00fcrchten, die ihn sonst zwingen w\u00fcrden, sich an die Partials\u00e4tze zu halten, obwohl sich die Situation f\u00fcr die Gesamtheit nicht verbessern w\u00fcrde. <\/p>\n<p>Aufgrund der normalerweise herrschenden Konkurrenzsituation kann aber eigentlich niemand mit so einem Gleichschritt rechnen, es sei denn, er k\u00f6nnte ein Kartell oder eine Monopolsituation herbeif\u00fchren. <\/p>\n<p><b>Konkurrenzparadoxon<\/b><br \/>\nEiner der klassischen F\u00e4lle zur theoretischen Anwendung der saldenmechanischen Schemata ist das sogenannte &#8222;Konkurrenzparadoxon&#8220;. Damit wird in der Volkswirtschaft eine Situation bezeichnet, in der sich Ma\u00dfnahmen, die f\u00fcr ein einzelnes Wirtschaftsobjekt oder f\u00fcr eine Gruppe von Wirtschaftsobjekten Wettbewerbsvorteile bieten, aufheben, wenn sich die Gesamtheit ebenso verh\u00e4lt. In der Regel ist dann im Endeffekt der erzielte Vorteil aller geringer als zuvor (siehe <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Konkurrenzparadoxon\" title=\"Konkurrenzparadoxon\" target=\"_blank\">wikipedia: Konkurrenzparadoxon<\/a>).<\/p>\n<p>Es ist dabei hervorzuheben, dass die Entscheidungen der einzelnen in einer Konkurrenzsituation durchaus als &#8222;rational&#8220; und &#8222;richtig&#8220; anzusehen sind, weil sie ja ohne Kenntnis des Gesamtergebnisses versuchen, sich durch ihre Dispositionen besser zu stellen als ohne sie. Dass es dabei im Endeffekt f\u00fcr alle zumeist anstelle von h\u00f6heren nur niedrigere Gewinne gibt, erkl\u00e4rt somit die Verwendung des Bergriffs &#8222;Paradoxon&#8220;.<\/p>\n<p>Es gibt eine ganze Anzahl von Beispielen f\u00fcr das Vorkommen von Konkurrenzparadoxa:<\/p>\n<p>so z. B. im Bereich der Werbung: Jeder einzelne Unternehmer kann durch Werbung seinen Absatz ausdehnen, f\u00fcr ihn ist Reklame also sinnvoll. Bleibt die Gesamtnachfrage allerdings gleich, so erh\u00f6hen alle Unternehmer nur ihre Werbeausgaben, der Absatz aller \u00e4ndert sich nicht, durch h\u00f6here Kosten sinken die Gewinne.<\/p>\n<p>Beim Ladenschluss: F\u00fcr einen einzelnen Betrieb kann es sinnvoll sein, durch l\u00e4ngere \u00d6ffnungszeiten seinen Absatz ausdehnen zu wollen. Wenn aber alle anderen bei unver\u00e4nderten Konsumausgaben nachziehen, so bleibt der Gesamtabsatz gleich, es steigen wiederum nur die Kosten. <\/p>\n<p>Auf die Auswirkungen dieses Paradoxons im Bereich der internationalen Lohnpolitik, also beim sogenannten &#8222;Wettbewerb der Nationen&#8220;, werde ich noch in einem gesonderten Artikel n\u00e4her eingehen.<\/p>\n<p><b>Sparparadoxon<\/b><br \/>\nAuch das Sparparadoxon geh\u00f6rt zu den allgemeinen Anwendungsf\u00e4llen der volkswirtschaftlichen Saldenmechanik. Dabei geht es um Sparen durch die K\u00fcrzung der Ausgaben, was f\u00fcr den Einzelnen immer zu einem Einnahme\u00fcberschuss, also einer Ersparnis von Geld f\u00fchrt. Sobald aber die Gesamtheit (also die Summe aller einzelnen Wirtschaftsobjekte) an den Ausgaben spart, sinken nur die Einnahmen in der Gesamtwirtschaft:<\/p>\n<p><center><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Datei:Sparparadoxon_(Deflation).png&#038;filetimestamp=20120725101732&#038;\" target=\"_blank\"> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/c\/c8\/Sparparadoxon_%28Deflation%29.png\" width=\"506\" height=\"293\" alt=\"Sparparadoxon\"\/><\/a><br \/>\n<em>Ausgabenk\u00fcrzungen mindern anderer Sektoren Einnahmen und initiieren Spardruck<br \/>\nGrafik: Wolfgang Waldner<\/em><\/center><br \/>\nIn der von St\u00fctzel entwickelten &#8222;Theorie wirtschaftlicher Gesamtgef\u00fcge&#8220; bedeutet das:<\/p>\n<p><strong>Partialsatz:<\/strong> Je geringer die Ausgaben, desto gr\u00f6\u00dfer der Einnahme\u00fcberschuss.<\/p>\n<p><strong>Gr\u00f6\u00dfenmechanik:<\/strong> Der Ausgabenr\u00fcckgang einer Gruppe der \u00d6konomie kann nur dann zu einem Einnahme\u00fcberschuss f\u00fchren, wenn die Komplement\u00e4rgruppe einen Ausgaben\u00fcberschuss vor- und hinnimmt.<\/p>\n<p><strong>Globalsatz:<\/strong> Ein allgemeiner Ausgabenr\u00fcckgang f\u00fchrt immer zu einem Einnahmer\u00fcckgang und nie zu einem Einnahme\u00fcberschuss.<\/p>\n<p>siehe <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sparparadoxon\" title=\"Sparparadoxon\" target=\"_blank\">wikipedia: Sparparadoxon<\/a> und <a href=\"http:\/\/acemaxx-analytics-dispinar.blogspot.de\/2009\/05\/spar-paradoxon.html\" title=\"Spar-Paradoxon\" target=\"_blank\">ACEMAXX-ANALYTICS: Spar-Paradoxon<\/a><\/p>\n<p>Auch f\u00fcr das Auftreten von Sparparadoxa lassen sich in der Wirtschaftsgeschichte eine ganze Anzahl von F\u00e4llen ausmachen, aktuell sind z. b. die Auswirkungen der Austerit\u00e4tspolitik der Europ\u00e4ischen Union in den Krisenl\u00e4ndern ein geradezu klassisches Beispiel. <\/p>\n<p>Zur weiteren Vertiefung des Themas m\u00f6chte ich zudem noch folgende Seiten empfehlen:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.wolfgang-waldner.com\/volkswirtschaftslehre\/saldenmechanik\/\" title=\"Wolfgang Waldner: Die Saldenmechanik\" target=\"_blank\">Wolfgang Waldner: Die Saldenmechanik<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/guthabenkrise.wordpress.com\/category\/grundlegendes\/\" title=\"J\u00f6rg Buschbeck: Guthabenkrise\" target=\"_blank\">J\u00f6rg Buschbeck: Guthabenkrise<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie in dem Beitrag Volkswirtschaftliche Saldenmechanik ja bereits angesprochen, soll es in diesem Artikel vor allem um Beispiele zum besseren Verst\u00e4ndnis der Saldenmechanik gehen. 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