{"id":4780647,"date":"2017-02-19T07:02:12","date_gmt":"2017-02-19T06:02:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=4780647"},"modified":"2025-06-23T08:20:43","modified_gmt":"2025-06-23T06:20:43","slug":"besser-tot-als-schlecht-statuswettbewerb-unter-deutschen-jagdfliegern-waehrend-des-zweiten-weltkriegs","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/besser-tot-als-schlecht-statuswettbewerb-unter-deutschen-jagdfliegern-waehrend-des-zweiten-weltkriegs\/","title":{"rendered":"Besser tot als schlecht: Statuswettbewerb unter deutschen Jagdfliegern w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs"},"content":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges feierte das deutsche Milit\u00e4r \u00f6ffentlich die Leistungen seiner fliegenden Asse, um ihre Kollegen zu \u00e4hnlicher Performance anzuregen. <\/p>\n<p><Center><a title=\"Bundesarchiv, Bild 183-B12018 \/ CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/de\/deed.en)], via Wikimedia Commons\" href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3ABundesarchiv_Bild_183-B12018%2C_Geburtstag_Theo_Osterkamp%2C_G%C3%A4ste.jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"412\" alt=\"Bundesarchiv Bild 183-B12018, Geburtstag Theo Osterkamp, G\u00e4ste\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/3\/33\/Bundesarchiv_Bild_183-B12018%2C_Geburtstag_Theo_Osterkamp%2C_G%C3%A4ste.jpg\"\/><\/a><br \/>\n<em>Die deutschen Fliegerasse <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Adolf_Galland?uselang=de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Adolf Galland<\/a> (Mitte links) und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Werner_M%C3%B6lders?uselang=de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Werner M\u00f6lders<\/a> (Mitte rechts) w\u00e4hrend einer Geburtstagsfeier f\u00fcr ihren Vorgesetzten Generalmajor <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Theodor_Osterkamp?uselang=de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Theodor Osterkamp<\/a> (rechts)<\/em><\/Center><\/p>\n<p>Dieser Beitrag verwendet neu gesammelte Daten, um zu zeigen, dass die fliegenden Asse sehr viel besser wurden ohne mehr Risiken einzugehen, wenn ihre ehemaligen Kameraden Aufmerksamkeit erfuhren, w\u00e4hrend durchschnittliche Piloten nur wenig leistungsf\u00e4higer, daf\u00fcr aber viel h\u00e4ufiger get\u00f6tet wurden. Insgesamt k\u00f6nnten daher Anreize eher nachteilig wirken, was zu Vorsicht bei denjenigen f\u00fchren sollte, die heute \u00fcber Boni und Anreize f\u00fcr Mitarbeiter entscheiden, welche finanzielle Risiken eingehen.<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Eine der h\u00e4ufigsten Fragen in Management und \u00d6konomie behandelt das Thema Anreize f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten. Geld ist dabei nat\u00fcrlich wichtig, aber seit Adam Smith behaupten \u00d6konomen, dass die Steigerung des eigenen Ansehens in den Augen Anderer ebenfalls eine wichtige motivierende Kraft sein k\u00f6nnte. <\/p>\n<p>Nicht-finanzielle Belohnungen sind sowohl in Unternehmen als auch im \u00f6ffentlichen Sektor \u00fcblich &#8211; im Vereinigten K\u00f6nigreich zum Beispiel k\u00f6nnen verdiente Beamte, Industrie-Kapit\u00e4ne, Politiker und Akademiker die Ritterschaft des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Order_of_the_British_Empire\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Order of the British Empire<\/a> erhalten. <\/p>\n<p>Ebenso k\u00f6nnen Preise einen gewissen Status verliehen, wie etwa der Angestellte des Monats bis hin zum Nobelpreis. Sowohl theoretische als auch empirische Untersuchungen deuten darauf hin, dass nichtfinanzielle Belohnungen durchaus effektiv sein k\u00f6nnen, um damit Mitarbeiter zu motivieren (Kosfeld und Neckermann 2011, Ashraf, Bandiera und Lee 2014, Besley und Ghatak 2008, Moldovanu et al., 2007).<\/p>\n<p>Gleichzeitig aber, wie schon Winston Churchill beobachtete, &#8222;gl\u00e4nzt eine Medaille, doch sie wirft auch einen Schatten&#8220;. Auszeichnungen sind nur dann wertvoll, wenn sie selten ausfallen. F\u00fcr jeden Empf\u00e4nger eines solchen Ehrenzeichens erhalten viele andere es eben nicht. <\/p>\n<p>Eine wachsende Literatur argumentiert inzwischen, dass ein solcher Statuswettbewerb korrosive Effekte entwickeln kann. Die Nachbarn von Lotteriegewinnern t\u00e4tigen oft extravagante statusf\u00f6rdernde Eink\u00e4ufe (Kuhn et al., 2011) und gehen daher auch eher in Konkurs (Agarwal, Mikhed und Scholnick 2016). Card et al. (2012) und Ashraf et al. (2014) zeigen, dass die Zufriedenheit der Mitarbeiter und die Leistung leiden, wenn es direkte Rankings und explizite Vergleiche mit anderen in der gleichen Gruppe gibt.<\/p>\n<p>In einer vorhergehenden Arbeit wurden der Statuswettbewerb und die Anreizwirkung nichtfinanzieller Verg\u00fctungen zusammen analysiert (Ager et al., 2017). Dabei wurde gefragt, wie sich der Statuswettbewerb durch die \u00f6ffentliche Anerkennung auf Leistung und Risikobereitschaft auswirkt. <\/p>\n<p>Dazu wurden neu gesammelte Daten \u00fcber die beanspruchten Erfolge deutscher Jagdflieger w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges untersucht und festgestellt, dass Piloten stark auf offizielle Anerkennungen reagierten, mit denen ehemalige Geschwaderkollegen \u00fcberh\u00e4uft wurden. Die Wirkung unterschied sich durch die Qualit\u00e4t. Die besten Piloten erzielten mehr Absch\u00fcsse, wenn ein ehemaliger Kollege Best\u00e4tigung erfuhr, aber ohne dabei \u00f6fter ums Leben zu kommen. Durchschnittlichen und schlechten Piloten dagegen gelangen nur wenig mehr Erfolge und sie starben dabei viel h\u00e4ufiger.<\/p>\n<p>Mit anderen Worten: Statuswettbewerb kann dich umbringen.<\/p>\n<p><strong>Auf der Jagd trotz Niederlage<\/strong><br \/>\nDie <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Luftschlacht_um_England\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Luftschlacht um England<\/a> im Jahre 1940 war wohl eine der entscheidenden Luftschlachten des Zweiten Weltkriegs. Die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Luftwaffe_(Wehrmacht)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Luftwaffe<\/a> (die deutsche Luftstreitkraft) versuchte &#8211; letztlich erfolglos &#8211; die Luftherrschaft am Tage \u00fcber den britischen Inseln zu erreichen. Eine wieder erstarkte Royal Air Force bereitete ihr gen\u00fcgend Verluste, um sie zur Aufgabe der Schlacht und die Deutschen zur Verschiebung ihrer geplanten Invasion auf unbestimmte Zeit zu zwingen (Bungay 2001).<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des H\u00f6hepunkts diese Konflikts taten im Sommer 1940 zwei der besten Jagdfliegerasse Deutschlands etwas Unerwartetes: Sie gingen auf die Jagd. Werner M\u00f6lders, der ein Jagdgeschwader an der Kanalk\u00fcste befehligte, wurde von Hermann G\u00f6ring, dem Chef der deutschen Luftwaffe zu einer Konferenz \u00fcber drei Tage auf seinem Landsitz Karinhall eingeladen. M\u00f6lders weigerte sich zun\u00e4chst, da er mit Adolf Galland um die Ehre des Piloten mit den meisten Absch\u00fcssen konkurrierte. M\u00f6lders gab schlie\u00dflich nur unter der Bedingung nach, dass auch Galland drei Tage nicht starten d\u00fcrfe. G\u00f6ring, der im Ersten Weltkrieg ebenfalls Jagdflieger gewesen war, stimmte zu und nahm Galland mit auf den Jagdausflug (Galland 1993).<\/p>\n<p>So wurden also in der Mitte der wichtigsten Schlacht f\u00fcr die deutsche Luftwaffe zwei ihrer besten Piloten aus der Front abgezogen &#8211; und einer von ihnen noch nicht einmal aus operativen oder administrativen Gr\u00fcnden, sondern nur um das &#8222;Abschuss-Niveau&#8220; gegen\u00fcber seinem direkten Konkurrenten gleich zu halten. <\/p>\n<p>Der Statuswettbewerb bei deutschen Piloten fiel sehr intensiv aus. Er stand hinter dem ausgekl\u00fcgelten System von Auszeichnungen und Medaillen, welches das gesamte Milit\u00e4r durchdrang. \u00c4hnliche Preise und Auszeichnungen sind auch typisch in vielen anderen Bereichen des Lebens, von der Hochschule bis hin zu den f\u00fchrenden Bereichen von Wirtschaft und Politik.<\/p>\n<p><strong>Erbsenz\u00e4hlen f\u00fcr den Sieg<\/strong><br \/>\nDie meisten Luftwaffen w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs widmeten eine betr\u00e4chtliche b\u00fcrokratische Aufmerksamkeit auf die Einreichung, das Bezeugen, die Entscheidung \u00fcber und das Aufsummieren der Siegesanspr\u00fcche ihrer Piloten. <\/p>\n<p>Im deutschen System mussten die Piloten die Netzkoordinaten, den Flugzeugtyp, die Art der Zerst\u00f6rung (Piloten-Rettung, Aufprall, Explosion usw.) und die genaue Zeit f\u00fcr eine Anerkennung des Abschusses angeben. Der Anspruch musste von einem anderen Piloten best\u00e4tigt werden, um \u00fcberhaupt eine Chance auf Akzeptanz zu haben. Forderungen mussten an eine Zentralstelle der Luftwaffe zur Entscheidung gesandt werden, wo viele zur\u00fcckgewiesen wurden.<\/p>\n<p>Dieses aufw\u00e4ndige System war notwendig, weil Auszeichnungen und Medaillen eng an die Abschusszahlen gebunden waren. Die Luftwaffe verlieh Medaillen, die auf informellen Quoten basierten. Zum Beispiel musste Anfang 1942 ein Pilot 100 Luftsiege nachweisen k\u00f6nnen, um \u00fcberhaupt eine Chance zu haben, das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ritterkreuz_des_Eisernen_Kreuzes\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ritterkreuz<\/a> mit Eichenlaub und Schwertern zu erhalten.<\/p>\n<p>Zur Auswertung gelangten Daten \u00fcber die Anspr\u00fcche auf Luftsiege von mehr als 5.000 Piloten f\u00fcr den gesamten Konflikt von 1939-45. Diese Piloten behaupteten, sie h\u00e4tten 54.800 feindliche Flugzeuge abgeschossen. Siege waren dabei extrem ungleich verteilt. Erich Hartmann, der erfolgreichste deutsche Jagdflieger, beanspruchte mehr als 350 Siege f\u00fcr sich, und die Top-100-Piloten erzielten fast so viele Siege wie die untersten 4.900. Die maximale monatliche Anzahl an Absch\u00fcssen betrug 68, aufgezeichnet 1943 an der Ostfront.<\/p>\n<p>Diese Erfolge wurden zu einem hohen Preis erzielt (siehe Abbildung 1). In einem durchschnittlichen Monat starben 3,3% der Piloten. Nach zwei Jahren des Dienstes war etwa die H\u00e4lfte der Piloten mit niedrigen Abschusszahlen get\u00f6tet worden. Unter den besseren Piloten hatte nur ein Viertel \u00fcberlebt. Gegen Ende des Krieges wurden die Verlustraten extrem hoch, durchschnittlich 25% oder mehr ab dem Fr\u00fchjahr 1944 (Murray 1996).<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/voxeu.org\/sites\/default\/files\/image\/FromMay2014\/agerfig1.png\" width=\"350\" title=\"\" alt=\"Erfolgsanspr\u00fcche und Verlustrate der deutschen Jagdflieger je Monat\"\/><br \/>\n<em>Abbildung 1: Erfolgsanspr\u00fcche und Verlustrate der deutschen Jagdflieger je Monat<\/em><\/center><\/p>\n<p><strong>Anerkennung von Kameraden<\/strong><br \/>\nUm die Auswirkungen der offiziellen Auszeichnungen zu identifizieren, wurden die Konkurrenten ausgemacht, f\u00fcr die sich die Piloten interessierten, und welche Art von Anerkennung verwendet wurden.<\/p>\n<p>Zu den Auszeichnungen konzentrierte sich die Forschung auf Erw\u00e4hnungen im Wehrmachtbericht, dem Tagesbulletin der deutschen Wehrmacht. Er wurde auf deutschem Territorium weit verbreitet und in den Kommandostationen ausgelegt, in Zeitungen nachgedruckt und f\u00fcr Radiosendungen verwendet. In der Regel wurden alle milit\u00e4rischen Ereignisse des Tages in ihm zusammengefasst. Manchmal, im Falle von hervorragenden Leistungen, hob es auch die Leistung eines einzelnen Soldaten hervor. <\/p>\n<p>Beispiele beinhalteten U-Boot-Kapit\u00e4ne, die viele Schiffe versenkten, Panzerkommandanten, die zahlreiche feindliche Tanks abschossen oder Kampfflieger, die viele feindliche Flugzeuge vom Himmel geholt hatten. So betonte der Wehrmachtbericht etwa auch die Erfolge von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hans-Joachim_Marseille\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hans-Joachim Marseille<\/a>, einem jungen Piloten, der zehn britische Flugzeuge an einem Tag in Nordafrika abgeschossen hatte. Der Fokus lag auf solchen und \u00e4hnlichen Erw\u00e4hnungen, da sie nicht so vorhersehbar waren wie die Vergabe von Medaillen (die teilweise aufgrund von Quoten ausgeteilt wurden). Sie stellten zudem auch eine fl\u00fcchtige Art von Anerkennung dar, ohne direkt durch Orden belohnt zu werden.<\/p>\n<p>Es l\u00e4sst sich nicht viel dar\u00fcber aussagen, was die Leistungen der Piloten antrieb, die zur gleichen Zeit in der gleichen Einheit dienten. Die Kameraden von Marseille hielten sich ganz gut in der Zeit, als er im Wehrmachtsbericht erw\u00e4hnt wurde, doch dies spiegelte sowohl ihre Motivation als auch die Kampfbedingungen in der nordafrikanischen W\u00fcste wider, die mit dem Erfolg von Marseille korrelierten.<\/p>\n<p>Daher wurden f\u00fcr diese Arbeit nur ehemalige Kollegen n\u00e4her betrachtet. Wenn zwei Piloten zusammen in der Vergangenheit gedienten hatten und einer von ihnen sp\u00e4ter ausgezeichnet wurde, war es das Ziel dieser Untersuchung, festzustellen, ob der ehemalige Kamerad dieses &#8222;Starperformers&#8220; pl\u00f6tzlich auch besser geworden war. In vielen F\u00e4llen dienten die Piloten nicht nur in verschiedenen Einheiten, sondern auch Hunderte oder sogar Tausende von Meilen voneinander enfernt.<\/p>\n<p><b>Ego trips bis ins Grab<\/b><br \/>\nAbbildung 2 fasst die wichtigsten Ergebnisse zusammen. Gute Piloten &#8211; diejenigen, deren durchschnittliche monatliche Siegausbeute sie in die Top 20% der Verteilung brachten &#8211; verbesserten im Durchschnitt ihre Abschusszahlen um 50% von weniger als zwei auf mehr als drei im Monat, nachdem die Erfolge ihrer fr\u00fcheren Kollegen gew\u00fcrdigt worden waren. <\/p>\n<p>Piloten in den unteren 80% erzielten insgesamt weniger Siege, doch auch sie verbesserten sich, allerdings in viel geringerem Ausma\u00df. Auff\u00e4llig ist dabei, dass die Ergebnisse f\u00fcr die &#8222;Exitraten&#8220; unterschiedlich sind (&#8222;Exit&#8220; bedeutete gew\u00f6hnlich den Tod). Gute Piloten starben im Durchschnitt zwar h\u00e4ufiger, allerdings auch nicht \u00f6fter nach Auszeichnungen ihrer fr\u00fcheren Kameraden. <\/p>\n<p>Das Gegenteil galt f\u00fcr den Durchschnitt und die schlechten Piloten, deren &#8222;Exitraten&#8220; um fast die H\u00e4lfte anstiegen. Mit anderen Worten, die Asse versuchten mehr, wenn ein ehemaliger Kollege einen \u00f6ffentlichen &#8222;Patch&#8220; auf den R\u00fccken geheftet bekam, aber ohne dabei viel mehr Risiken einzugehen. Durchschnittliche oder schlechte Piloten taten das auch, waren dabei aber nur ein bisschen erfolgreicher und tendierten dann allerdings auch dazu, sich \u00f6fter umbringen zu lassen.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/voxeu.org\/sites\/default\/files\/image\/FromMay2014\/agerfig2a.png\" width=\"350\" title=\"Siegesanspr\u00fcche und Exit- (Todes-)raten von Piloten\" alt=\"\"\/><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/voxeu.org\/sites\/default\/files\/image\/FromMay2014\/agerfig2b.png\" width=\"350\" title=\"Siegesanspr\u00fcche und Exit- (Todes-)raten von Piloten\" alt=\"\"\/><br \/>\n<em>Abbildung 2: Siegesanspr\u00fcche und Exit- (Todes-)raten von Piloten in Zeiten, in denen fr\u00fchere Kameraden ausgezeichnet oder nicht ausgezeichnet wurden, nach Qualit\u00e4tsgruppen<\/em><\/center><\/p>\n<p><em>Anmerkung<\/em>: Aces = die oberen 20% nach durchschnittlichen monatlichen Luftsiegen; Non-Aces = die unteren 80%.<\/p>\n<p>Diese Ergebnisse blieben gleich, auch wenn die Variablen f\u00fcr den Flugzeugtyp, den Frontabschnitt, an dem der Piloten diente, Erfahrung und die Jahreszeit ( die Flugzeiten waren im Sommer viel l\u00e4nger als im Winter) ge\u00e4ndert wurden. Trotzdem gab es noch zwei m\u00f6gliche Probleme mit diesen Interpretationen:<\/p>\n<p>Es w\u00e4re m\u00f6glich gewesen, dass die Piloten nicht unbedingt auf ihren relativen Status reagierten, der vermindert wurde, wenn ein Kamerad eine Anerkennung erhielt. Stattdessen k\u00f6nnten ihre Verbesserungen schlicht ein Ergebnis ihrer ohnehin schon herausragenden Leistungsf\u00e4higkeit gewesen sein. Um diese M\u00f6glichkeit auszuschlie\u00dfen, wurde die Stichprobe der &#8222;behandelten&#8220; Piloten aufgeteilt in diejenigen, die bereits \u00e4hnlich gut waren als der ausgezeichnete Pilot und die, die bis dahin schlechter waren. Die Ergebnisse sind f\u00fcr beide Gruppen identisch.<\/p>\n<p>Auch k\u00f6nnte der gemeinsame Dienst in der Vergangenheit beiden Piloten etwas n\u00fctzliches gelehrt haben. Der Wert dieses &#8222;Etwas&#8220; im Kampf k\u00f6nnte im Laufe der Zeit variieren, was zu einer falschen Korrelation bei den Erfolgszahlen f\u00fchren k\u00f6nnte. <\/p>\n<p>Ein Weg, dies entsprechend zu ber\u00fccksichtigen, bestand darin, bei der Betrachtung der Erfolge eines Piloten \u00fcber alle Perioden hinweg auch die Anzahl der Luftsiege seines fr\u00fcheren Kameraden zu kontrollieren, um festzustellen, ob sich die Korrelation in Monaten, in denen der ehemalige Kollege ausgezeichnet wurde, verst\u00e4rkt hatte. Dies war der Fall, was darauf hindeutet, dass die ausgesuchten Piloten erst auf die Erfolge ihrer fr\u00fcheren Kameraden reagierten, und dies keineswegs die Auswirkung bereits bestehender Verbindungen waren.<\/p>\n<p><b>Killer-Einblicke f\u00fcr das Risikomanagement<\/b><br \/>\nDeutsche Piloten w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges erreichten die meisten jemals verzeichneten Luftsiege. Die besten 100 Jagdflieger <em>aller Zeiten<\/em> sind allesamt deutsch. Die Luftwaffe betrieb ein ausgekl\u00fcgeltes System von Auszeichnungen und Anerkennungen. Es wurden eindeutige \u00dcbertragungseffekte aufgrund dieser Belobigungen ausgemacht, und zwar in dem Sinne, dass ehemalige Kollegen von ausgezeichneten Piloten ihre Leistung erh\u00f6hten.<\/p>\n<p>Doch einige nahmen dabei auch mehr Risiken auf sich, die direkt zu h\u00f6heren Verlustraten f\u00fchrten. Der Nettoeffekt kann dabei durchaus zerst\u00f6rerisch gewirkt haben. Anerkennung &#8211; in diesem Fall durch Erw\u00e4hnung im t\u00e4glichen Bulletin der Wehrmacht &#8211; reduzierte die durchschnittliche Zahl der abgeschossenen feindlichen Flugzeuge im Austausch f\u00fcr den Verlust eines deutschen Piloten. Dies deutet darauf hin, dass diese Anreize insgesamt geschadet haben k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Sollten wir uns \u00fcberhaupt nach mehr als 70 Jahren f\u00fcr die Motivation eines jungen, testosteronbeladenen Mannes interessieren, der f\u00fcr Nazi-Deutschland k\u00e4mpfte? Man k\u00f6nnte damit argumentieren, dass viele Gesch\u00e4ftsbedingungen heutzutage durchaus Ma\u00dfnahmen beinhalten, bei denen man sich nicht nur um Leistungen, sondern auch um Risiken k\u00fcmmern sollte. <\/p>\n<p>Wertpapier-H\u00e4ndler von Banken und Hedge-Fonds oder auch Vertriebsmitarbeiter in gro\u00dfen Firmen k\u00f6nnten beispielsweise sehr \u00e4hnlichen Risiko-Rendite-Verh\u00e4ltnissen unterliegen (allerdings mit deutlich geringeren Eins\u00e4tzen). W\u00e4hrend nur sehr wenige der heutigen Risiko-Manager tats\u00e4chlich einen gewaltsamen Tod riskieren, k\u00f6nnten ihre Handlungen andererseits gen\u00fcgend Chaos verursachen, sodass sich die Gesellschaft schon um die Anreize k\u00fcmmern sollte, die wir ihnen anbieten.<\/p>\n<p><em>(eigene \u00dcbersetzung eines <a href=\"http:\/\/voxeu.org\/article\/how-status-competition-killed-german-wwii-fighter-pilots\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Beitrages<\/a> der \u00d6konomen Philipp Ager, Leonardo Bursztyn und Joachim Voth)<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges feierte das deutsche Milit\u00e4r \u00f6ffentlich die Leistungen seiner fliegenden Asse, um ihre Kollegen zu \u00e4hnlicher Performance anzuregen. 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