{"id":4505095,"date":"2017-01-09T07:21:27","date_gmt":"2017-01-09T06:21:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=4505095"},"modified":"2020-08-31T07:28:19","modified_gmt":"2020-08-31T05:28:19","slug":"wilhelm-lautenbach-kapitalbildung-und-sparen-teil-3","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wilhelm-lautenbach-kapitalbildung-und-sparen-teil-3\/","title":{"rendered":"Wilhelm Lautenbach: Kapitalbildung und Sparen &#8211; Teil 3"},"content":{"rendered":"<p><em>Fortsetzung von <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wilhelm-lautenbach-kapitalbildung-und-sparen-teil-2\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Teil 2<\/a>:<\/em><\/p>\n<p>Unter welchen Bedingungen wird nun das in einer Periode hergestellte Verbrauchsgut zu Preisen abgesetzt werden k\u00f6nnen, die den Grenzkosten entsprechen?<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/bilder\/verbrauchsgueter.jpg\" width=\"350\" title=\"Verbrauchsg\u00fcter und Investitionen\" alt=\"Anteile von Faktorkosten, Abschreibungen und Unternehmergewinn an den abgesetzten Verbrauchsg\u00fctern\"><br \/>\n<em>Zusammenhang zwischen Investition und Produktionsvolumen<\/em><br \/>\n<\/center><\/p>\n<p>Wann wird also, indem wir das vorhin [<a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wilhelm-lautenbach-kapitalbildung-und-sparen-teil-2\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">in Teil 2<\/a>] gebrauchte Zahlenbeispiel wieder aufgreifen und ein Unternehmereinkommen von 21 als \u201enormal\u201c postulieren, eine Verbrauchsgutmenge, deren Produktionswert 120 ist (n\u00e4mlich F + A + U = 84 + 15 + 21) tats\u00e4chlich auch zu 120 abgesetzt werden?<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Wir wissen, dass der gr\u00f6\u00dfte Teil der bei der Produktion aufgewendeten Kosten Einkommen der an der Produktion direkt oder indirekt Beteiligten ist, und weiter, dass wiederum der gr\u00f6\u00dfte Teil des Einkommens f\u00fcr den Verbrauch ausgegeben wird, w\u00e4hrend nur ein verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig geringer Teil gespart wird.<\/p>\n<p>Wir wissen auch, dass von dem Einkommen aus unselbst\u00e4ndiger Arbeit verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig wenig gespart wird, weil der gr\u00f6\u00dfte Teil des Einkommens zur Deckung des Lebensbedarfs erforderlich ist, w\u00e4hrend von dem Unternehmereinkommen ein verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig geringer Teil f\u00fcr den Verbrauch ausgegeben wird.<\/p>\n<p>Wie es sich auch immer im einzelnen verhalten mag, gewi\u00df ist folgendes: Die Nachfrage nach Verbrauchsg\u00fctern, die durch die Produktion von Verbrauchsg\u00fctern unmittelbar selbst ins Leben gerufen wird, ist unter Umst\u00e4nden geringer, und zwar nicht unerheblich geringer als der Gesamtkostenaufwand.<\/p>\n<p>In dem [obigen] Diagramm ist das Verbrauchseinkommen, das bei der Herstellung von Verbrauchsg\u00fctern selbst erzeugt wird und als Nachfrage von Verbrauchsg\u00fctern an den Markt kommt, in der zweiten S\u00e4ule schwarz ausgef\u00fcllt und schematisch mit etwa drei Vierteln des Kostenwertes der hergestellten Verbrauchsg\u00fcter angesetzt worden, also mit 90, wobei wir annehmen k\u00f6nnen, dass etwa 80 jenem Einkommen entstammen, das durch Faktorkosten gebildet wird, und 10 aus Unternehmereinkommen.<\/p>\n<p>Von dem den Faktorkosten entsprechenden Einkommen, das schematisch mit 84 angenommen wurde, w\u00e4ren also 4 gespart worden (Nettoersparnis der Nichtunternehmer), und von dem Unternehmereinkommen w\u00fcrden 11 gespart werden, vorausgesetzt, dass das Produkt zu den kalkulierten Preisen von 120 abgesetzt wird. Damit aber dieser Gesamterl\u00f6s erzielt wird, fehlt uns noch eine Nachfrage von 30, da durch die Verbrauchsg\u00fcterproduktion selbst nur eine Nachfrage von 90 entsteht.<\/p>\n<p>Diese Nachfrage von 30 w\u00e4re dann zu erwarten, wenn au\u00dfer den an die Verbraucher abgesetzten G\u00fctern noch andere G\u00fcter hergestellt w\u00fcrden, die nicht f\u00fcr den Verbrauch bestimmt sind, also Investitionsg\u00fcter, und zwar in einem ganz bestimmten Quantum. Wenn die Investitionsg\u00fcter hergestellt werden, entsteht nat\u00fcrlich genau in der gleichen Weise Einkommen, wie wenn Verbrauchsg\u00fcter hergestellt werden.<\/p>\n<p>Freilich ist an sich nicht notwendig, dass sich dabei die Kosten genau in der gleichen Weise aufgliedern wie bei der Herstellung von Verbrauchsg\u00fctern und ebensowenig, dass das bei der Erzeugung von Investitionsg\u00fctern erzeugte Verbrauchseinkommen genau die gleiche Quote ausmacht wie bei der Herstellung von Verbrauchsg\u00fctern.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite liegt aber auch kein Grund vor, mit starken Abweichungen zu rechnen, und da es im Augenblick nur darauf ankommt, den Sachverhalt schematisch dazustellen und das Grundprinzip herauszuarbeiten, so d\u00fcrfen wir zur Vereinfachung annehmen, dass bei der Herstellung von Investitionsg\u00fctern im Grunde genommen die Verh\u00e4ltnisse in jeder Beziehung denen der Verbrauchsg\u00fctererzeugung \u00e4hnlich seien, dass wenigstens die Verbrauchsquote (q), d. h. das Verh\u00e4ltnis von Verbrauchseinkommen zu Gesamtkostenaufwand, die gleiche sei wie in der Verbrauchsg\u00fcterproduktion.<\/p>\n<p>Dann aber w\u00e4re eine Investition im Kostenaufwand von 40 notwendig, um jenes Verbrauchseinkommen im Betrage von 30 zu erzeugen, das die Nachfragel\u00fccke schlie\u00dft, die Gesamtnachfrage nach Verbrauchsg\u00fctern also auf 120 bringt. Im Diagramm ist dies durch das kleine S\u00e4ulenpaar dargestellt: Die rechte kleine S\u00e4ule (J) entspricht der linken gro\u00dfen S\u00e4ule (V): Sie zeigt die Menge der hergestellten Investitionsg\u00fcter, gemessen und aufgegliedert nach den aufgewendeten urspr\u00fcnglichen Kosten; das dabei gebildete Verbrauchseinkommen ist in der anderen kleinen S\u00e4ule schwarz ausgef\u00fcllt und f\u00fcllt, wie zu sehen ist, genau die L\u00fccke von 30 aus, die in der gro\u00dfen S\u00e4ule daneben noch geblieben ist.<\/p>\n<p>W\u00fcrde weniger investiert werden, nehmen wir an 20, dann entst\u00fcnde hierbei, gleichbleibende Verbrauchsquote vorausgesetzt, ein Verbrauchseinkommen von 15, und die Gesamtnachfrage nach Verbrauchsg\u00fctern w\u00e4re 90 + 15 =105. Unter diesen Umst\u00e4nden w\u00fcrden die Preise der Verbrauchsg\u00fcter scharf zur\u00fcckgehen, und die Produktion w\u00fcrde infolgedessen stark gedrosselt werden.<\/p>\n<p>Umgekehrt w\u00fcrde, wenn beispielsweise Investitionen mit einem Kostenaufwand von 60 vorgenommen w\u00fcrden, das hieraus resultierende Verbrauchseinkommen 45 betragen, die Nachfrage nach Verbrauchsg\u00fctern demzufolge 90 + 45 = 135, d. h. die Preise w\u00fcrden steigen und die Produktion m\u00e4chtig angeregt und ausgedehnt werden.<\/p>\n<p>Das Zahlenbeispiel soll selbstverst\u00e4ndlich nur den Sachverhalt verdeutlichen, die Beziehungen greifbar machen. Wenn dabei eine Verbrauchsquote von drei Vierteln angenommen wird, so ist das willk\u00fcrlich. Um die Bedingungen des wirtschaftlichen Gleichgewichts zu verstehen \u2013 denn um nichts anderes handelt es sich hier \u2013, braucht man aber auch nicht zu wissen, wie hoch denn nun tats\u00e4chlich die Verbrauchsquote sei.<\/p>\n<p>Es gen\u00fcgt vollst\u00e4ndig zu wissen, dass sie ein wirksamer Faktor ist. Zu beobachten ist jedoch, dass die Verbrauchsquote sehr stark schwankt. Sie steigt, d. h. es wird verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig weniger gespart, wenn Produktion und Besch\u00e4ftigung zur\u00fcckgehen, und nimmt ab, also es wird verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig mehr gespart, wenn Produktion und Besch\u00e4ftigung steigen.<\/p>\n<p><em>Weiter hier demn\u00e4chst mit <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wilhelm-lautenbach-kapitalbildung-und-sparen-teil-4\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Teil 4<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><em>Auszug aus einem <a href=\"http:\/\/www.saldenmechanik.info\/files\/saldenmechanik\/Lautenbach_-_Kapitalbildung_und_Sparen.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Vortrag<\/a> von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wilhelm_Lautenbach\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wilhelm Lautenbach<\/a> vom 28. Oktober 1937, gehalten im \u201eVerein zur Bef\u00f6rderung des Gewerbeflei\u00dfes von 1821\u201c \u2013 aus altdeutscher Schrift \u00fcbertragen durch <a href=\"http:\/\/www.saldenmechanik.info\/index.php\/impressum\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">C.G.BRANDSTETTER<\/a>.<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fortsetzung von Teil 2: Unter welchen Bedingungen wird nun das in einer Periode hergestellte Verbrauchsgut zu Preisen abgesetzt werden k\u00f6nnen, die den Grenzkosten entsprechen? 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