{"id":436519,"date":"2014-12-03T07:07:20","date_gmt":"2014-12-03T06:07:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=436519"},"modified":"2026-04-29T10:39:28","modified_gmt":"2026-04-29T08:39:28","slug":"schalke-04-die-psychologie-des-fruehen-tores","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/schalke-04-die-psychologie-des-fruehen-tores\/","title":{"rendered":"Schalke 04: Die Psychologie des fr\u00fchen Tores?"},"content":{"rendered":"<p>Keine zehn Minuten war die Begegnung zwischen dem FC Schalke 04 und dem FSV Mainz alt, da rappelte es bereits das erste Mal im Kasten von Loris Karius. Wie aus dem Nichts hatte der Gelsenkirchener Goalgetter Klaas-Jan Huntelaar den Mainzer Keeper mit einem cleveren Heber \u00fcberwunden, assistiert vom blendend aufgelegten Eric-Maxim Choupo-Moting.  <\/p>\n<p><Center><a title=\"Der Mainzer Keeper Lorius Karius musste in Schalke viermal hinter sich fassen von Schnederpelz (Eigenes Werk) [CC-BY-SA-3.0 (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0)], via Wikimedia Commons\" href=\"http:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3ALorisKarius2014.jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"256\" alt=\"LorisKarius2014\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/d\/dc\/LorisKarius2014.jpg\"\/><\/a><\/Center><\/p>\n<p>Und das, obwohl die Rheinhessen bis dahin gar nicht mal schlecht gespielt hatten, nur der richtige Zugriff auf die beiden Schalker Angriffsspitzen gelang ihnen offenbar nicht.<\/p>\n<p>Lag es daran, dass S04-Trainer Roberto Di Matteo wieder, ganz im Gegensatz zum uns\u00e4glichen Chelsea-Spiel, auf die 5-3-2-Formation zur\u00fcckgegriffen hatte? Schon nach der Begegnung gegen den VFL Wolfsburg hatte ich ja bereits meinen Eindruck kundgetan, dass mir Choupo-Moting als zweiter St\u00fcrmer effektiver erscheint, als wenn er an der Au\u00dfenlinie rauf und runter rennen muss.<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Diesmal also Huntelaar: drei Tore gelangen dem holl\u00e4ndischen Nationalst\u00fcrmer gegen Mainz, w\u00e4hrend er in den letzten Begegnungen im traditionellen 4-2-3-1 als alleinige Spitze immer wieder wirkungslos in der Luft hing. Und auch Choupo-Moting erwies sich im neuen System als wieder torgef\u00e4hrlicher und spielst\u00e4rker. <\/p>\n<p>Doch ist es wirklich nur die neue Taktik, die den Unterschied macht zwischen Desaster und neuer Hoffnung? Ganz so einfach w\u00fcrde ich es mir da nicht machen, schlie\u00dflich haben die Schalker auch vorher schon Spiele noch mit dem alten System gewonnen.<\/p>\n<p>Beim Vergleich zwischen Chelsea und Mainz f\u00e4llt stattdessen als Erstes der Zeitpunkt der beiden fr\u00fchen Tore auf. W\u00e4hrend das 0:1 gegen die Engl\u00e4nder bereits fiel, als die Schalker fast noch in der Kabine hockten, sorgte der erste Huntelaar-Streich bereits nach neun Minuten f\u00fcr klare Verh\u00e4ltnisse gegen die Mainzer.<\/p>\n<p>Offensichtlich war der ultrafr\u00fche R\u00fcckstand gegen Chelsea ein psychologischer Nackenschlag, der durch die Umst\u00e4nde bei den beiden anderen Gegentreffern (Fehler von Ralf F\u00e4hrmann und Eigentor von Jan Kirchhoff) noch verst\u00e4rkt, zu einem erheblichen Mangel an Vertrauen in die eigenen F\u00e4higkeiten f\u00fchrte. <\/p>\n<p>Man konnte die Verunsicherung der Spieler f\u00f6rmlich bis ins eigene Wohnzimmer sp\u00fcren, die ohnehin nur klitzekleine Chance auf einen Erfolg gegen die Millionentruppe von Jose Mourinho schien wie eine Seifenblase geplatzt zu sein. Die eigenen Anspr\u00fcche und die grausame Wirklichkeit lasteten wie Backsteine an den Beinen der Akteure und viele von ihnen kamen damit klar erkennbar nicht zurecht.<\/p>\n<p>Eines der schlechtesten Spiele der letzten Jahre und ein fluchtartiges Davonst\u00fcrmen der Zuschauer aus der Veltins-Arena waren die Folge einer \u00dcberforderung der Mannschaft durch eigene Fehler und Unzul\u00e4nglichkeiten von Anfang an.<\/p>\n<p>Ganz anders gegen den FSV Mainz: Eiskalt und hoch effektiv waren die Schalker immer dann zur Stelle, wenn der Gegner sich gerade wieder etwas berappelt hatte und seinerseits gef\u00e4hrlich werden wollte. Nat\u00fcrlich profitierten sie dabei enorm von Huntelaars Geniestreich aus der neunten Minute, der Mainz schon nach kurzer Zeit in Zugzwang brachte, wenn die Mannschaft von Trainer Kasper Hjulmand noch etwas Z\u00e4hlbares aus Gelsenkirchen mitnehmen wollte.<\/p>\n<p>Auch nach dem Pausentee gelang es den Schalkern erneut, mit dem ersten Angriff mitten in die Mainzer Druckphase den alten Zwei-Tore-Vorsprung wiederherzustellen. Der \u00fcberraschende Treffer von Tranquillo Barnetta zeigte Wirkung: die vorher druckvollen Angriffe der Rheinhessen wurden nun immer weniger zwingend und nicht mehr so zielstrebig. Mit dem 4:1 schlie\u00dflich sorgte wieder Huntelaar f\u00fcr die endg\u00fcltige Entscheidung.<\/p>\n<p>Auch gegen den VfL Wolfsburg hatten die Blau-Wei\u00dfen von fr\u00fchen Toren enorm profitieren k\u00f6nnen. Immerhin reichten die beiden Siege nun f\u00fcr 20 Punkte und den sechsten Tabellenrang in der Bundesliga, w\u00e4hrend in der Champions League noch das gro\u00dfe Zittern um den Einzug ins Achtelfinale angesagt ist.<\/p>\n<p>Was aber war nun der &#8222;echte&#8220; FC Schalke 04? Der gegen Chelsea oder der gegen Wolfsburg und Mainz? Oder doch eher beide?<\/p>\n<p>Fakt ist auf jeden Fall, dass der Kopf bei den Gelsenkirchenern eine gewichtige Rolle mitspielt. Liegt man gegen eine europ\u00e4ische Spitzenmannschaft bereits innerhalb k\u00fcrzester Zeit zur\u00fcck, so hat das eine desastr\u00f6se Auswirkung auf das Nervenkost\u00fcm der ganzen Mannschaft. Sie erscheint nicht gefestigt genug, um dann noch einmal den Hebel umzulegen und erstarrt stattdessen wie das Kaninchen vor der Schlange.<\/p>\n<p>In der Bundesliga dagegen wirken fr\u00fchzeitige eigene Erfolgserlebnisse wie Balsam auf der Schalker Seele. Woran das letztlich liegt, ist allerdings eher schwer festzustellen. Sicherlich spielt auch der Trainerwechsel mitten in der Saison eine gewichtige Rolle. Roberto Di Matteo unterscheidet sich in Auftreten und Arbeitsweise stark von seinem Vorg\u00e4nger Jens Keller. Doch auch er hat den Stein der Weisen bei den Knappen noch nicht wirklich gefunden, obwohl die Systemumstellung auf ein 5-3-2 m\u00f6glicherweise schon die richtige Richtung aufzeigen k\u00f6nnte.   <\/p>\n<p>Doch ein anderer Faktor hat wohl noch sehr viel mehr Einfluss auf die Psyche der Spieler. Damit ist die nicht enden wollende Verletzungsserie gemeint. Wie in der letzten Saison fehlt dem S04 st\u00e4ndig eine ganze Reihe von Akteuren nach Operationen, durch Erkrankungen und diverse Verletzungen.<\/p>\n<p>Zuletzt gesellten sich nach Joel Matip und Kaan Ayhan auch Kevin-Prince Boateng und wieder einmal Felipe Santana dazu, w\u00e4hrend Jefferson Farfan, Sead Kolasinac, Leon Goretzka, Fabian Giefer, Sidney Sam, Chinedu Obasi und Julian Draxler sowieso noch l\u00e4ngerfristig fehlen.<\/p>\n<p>So liegt eine gesamte Elf in Gelsenkirchen &#8222;auf Eis&#8220; und zwingt zus\u00e4tzlich auch immer wieder zu Ver\u00e4nderungen in der Startaufstellung. Die R\u00fcckrunde in der letzten Saison hat zwar gezeigt, dass so ein &#8222;letztes&#8220; Aufgebot durchaus auch zu erstaunlichen Leistungen in der Lage sein kann, doch ist das nicht unbedingt die Regel.<\/p>\n<p>Wahrscheinlicher scheint eher der gegenteilige Effekt zu sein, dass eine solche Verletzungsserie, die die Mannschaft bereits seit der Vorbereitung begleitet, f\u00fcr enorme Verunsicherung sorgen kann, vor allem, wenn immer wieder andere Spieler ausfallen. So entscheidet dann nicht taktisches Kalk\u00fcl oder individuelle Leistungsbereitschaft sondern schlicht die k\u00f6rperliche Gesundheit dar\u00fcber, wen Di Matteo \u00fcberhaupt noch aufstellen kann. <\/p>\n<p>Damit stehen regelm\u00e4\u00dfig auch nicht die besten Spieler auf dem Platz, sondern lediglich die, die \u00fcberhaupt noch fit sind. Und wenn sich dann die wenigen gestandenen Akteure auf der Ersatzbank nicht aufdr\u00e4ngen, wird eine Auswahl nach Leistung endg\u00fcltig ad absurdum gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Wohlgemerkt, all das hier Geschriebene kann ein Ansatz sein, die stark schwankenden Auftritte der Schalker Profis in den letzten Wochen zu erkl\u00e4ren, entschuldigen kann man sie damit aber nur zum Teil. Jeder moderne Fu\u00dfballer sollte heute gen\u00fcgend Eigenverantwortung f\u00fcr sich \u00fcbernehmen k\u00f6nnen und so zumindest in der Lage sein, mangelnde Form \u00fcber Einsatzbereitschaft zu kompensieren. Gehen wir also davon aus, dass die Blauen die Zeichen der Zeit erkannt haben und das Chelsea-Spiel in Zukunft eine Ausnahme bleiben wird.<\/p>\n<p>Denn trotz allem sind die Saisonziele noch immer erreichbar: Rang 6 in der Bundesliga bedeutet nur ein paar P\u00fcnktchen bis zu den Champions-League-Pl\u00e4tzen, und das Endspiel um das \u00dcberleben in der K\u00f6nigsklasse steht noch unmittelbar bevor. Mit einem Sieg in Maribor und einem zu erwartenden Chelsea-Erfolg gegen Sporting Lissabon w\u00e4re auch das noch m\u00f6glich. <\/p>\n<p>Somit kann man beim FC Schalke 04 momentan nicht wirklich von einer Krise sprechen. Der Weg zum Erreichen der selbst vorgegebenen Ziele mag zwischenzeitlich arg holprig sein, das Weiterkommen in der Champions League nur noch mit fremder Hilfe m\u00f6glich sein, doch wer eine richtige Misere erleben will, der muss schon weiter \u00f6stlich zu unserem &#8222;hei\u00df geliebten&#8220; schwarz-gelben Revierrivalen schauen. <\/p>\n<p>Noch ein paar Worte zum n\u00e4chsten Spiel: Stuttgart wartet, mit einem neuen Trainer und einem Sieg im Gep\u00e4ck. Seit f\u00fcnf Jahren gab es keinen Ausw\u00e4rtserfolg mehr bei den Schwaben, bei zuletzt vier Niederlagen in Folge. Alles andere als einfach also, da muss man den Namen des neuen \u00dcbungsleiters eigentlich gar nicht mehr wissen: Huub Stevens. <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Keine zehn Minuten war die Begegnung zwischen dem FC Schalke 04 und dem FSV Mainz alt, da rappelte es bereits das erste Mal im Kasten von Loris Karius. 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