{"id":4234590,"date":"2017-04-11T08:21:30","date_gmt":"2017-04-11T06:21:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=4234590"},"modified":"2026-03-11T13:44:49","modified_gmt":"2026-03-11T12:44:49","slug":"synchronisation-und-die-bruttogeldmenge","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/synchronisation-und-die-bruttogeldmenge\/","title":{"rendered":"Synchronisation und die Bruttogeldmenge"},"content":{"rendered":"<p>Angenommen, Sie entscheiden sich dazu, ein Geldsystem von Grund auf neu zu erstellen. Sie weisen daf\u00fcr jedem Teilnehmer ein Girokonto auf Ihrem Computer zu, mit einem Ausgangssaldo von null (Geld-)Einheiten. <\/p>\n<p><Center><a title=\"Bargeld von Nic McPhee from Morris, Minnesota, USA (London - 14-15 Dec 2007 - 034) [CC BY-SA 2.0 (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/2.0)], via Wikimedia Commons\" href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3AFlickr_-_Nic's_events_-_London_-_14-15_Dec_2007_-_034.jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"312\" alt=\"Flickr - Nic&#039;s events - London - 14-15 Dec 2007 - 034\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/e\/e1\/Flickr_-_Nic%27s_events_-_London_-_14-15_Dec_2007_-_034.jpg\"\/><\/a><br \/>\n<em>Bargeld verschiedener W\u00e4hrungen<\/em><\/Center><\/p>\n<p>Wenn nun Andy Bananen von Betty kauft und ihr 100 Einheiten daf\u00fcr bezahlt, hat Betty jetzt eine positive Bilanz und Andy nun eine negative Bilanz. Die Netto-Geldmenge bleibt bei null Einheiten, aber die Brutto-Geldmenge betr\u00e4gt jetzt 200 Einheiten.<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Wenn die Zahlungen und Bareinnahmen (was nicht das gleiche ist wie Einkommen und Ausgaben, weil wir auch Nicht-Geld-Verm\u00f6genswerte f\u00fcr Geld kaufen und verkaufen) jedes Einzelnen perfekt synchronisiert werden (so dass Andy \u00c4pfel im Wert von 100 Einheiten an Carol verkauft, die wiederum Karotten im Wert von 100 Einheiten an Betty verkauft, die Bananen im Wert von 100 Einheiten an Andy verkauft, alle genau zur gleichen Zeit), dann w\u00e4re die Brutto-Geldmenge immer Null. <\/p>\n<p>In einem repr\u00e4sentativen Agentenmodell (wie in der einfachsten Version des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Neukeynesianismus\" target=\"_blank\">New-Keynesian<\/a>-Modells) ist die vollkommene Synchronisation genau das, was passiert (weshalb das Geld aus den einfachen New-Keynesian-Modellen zu verschwinden scheint).<\/p>\n<p>Aber wenn Agenten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Heterogenit%C3%A4t\" target=\"_blank\">heterogen<\/a> handeln, wird eine perfekte Synchronisation von Zahlungen und Bargeldeinnahmen nicht automatisch erfolgen. Und es ist f\u00fcr Einzelpersonen sehr kostspielig, ihre Zahlungen und Geldeinnahmen zu synchronisieren. So bleibt die Brutto-Geldmenge stets positiv und wird sich zu einer Funktion des zunehmenden Umfangs der Nicht-Synchronisierung von Zahlungen und Bargeldeinnahmen entwickeln.<\/p>\n<p>Eine M\u00f6glichkeit den Grad der Synchronisation zu erh\u00f6hen besteht f\u00fcr Individuen mit positiven Bilanzen auf ihren Girokonten darin, Geld an diejenigen mit negativen Salden zu verleihen. Ihr Anreiz zur Synchronisation h\u00e4ngt dabei von der Spanne zwischen dem auf positiven Salden gezahlten Zinssatz (dem &#8222;Einlagenzins&#8220;) und der Belastung der negativen Salden (der &#8222;Bankzinssatz&#8220;) ab. <\/p>\n<p>Je gr\u00f6\u00dfer diese Spanne, desto h\u00f6her ist der Anreiz f\u00fcr Einzelpersonen, sich gegenseitig Geld zu leihen und zu verleihen. Doch wenn dieser Unterschied Null ist und die Zentralbank keinerlei Grenzen setzt, wie gro\u00df eine negative Bilanz f\u00fcr Individuen sein darf, gibt es keinen Anreiz f\u00fcr individuelle Kreditaufnahme und Kreditvergabe.<\/p>\n<p>Wenn der Zentralbanker, welcher das Geldsystem erschafft, keine Grenzen setzt, wie gro\u00df ein negatives Saldo f\u00fcr ein Individuum ausfallen darf (\u00dcberziehungsgrenzen), ist das System offen f\u00fcr jeglichen Missbrauch. <a href=\"http:\/\/www.dictionaryofeconomics.com\/article?id=pde2008_T000218\" target=\"_blank\">Transversalit\u00e4tsbedingungen<\/a> (=der aktuelle Wert einer Variablen konvergiert gegen Null, wenn der Planungshorizont auf Unendlich zur\u00fcckweicht) werden sich nicht von allein durchsetzen. Stattdessen hat jeder Einzelne einen Anreiz, eine unbegrenzte Menge an Konsumg\u00fctern zu kaufen und dann mit einem unendlich gro\u00dfen negativen Kontensaldo und einem negativen Nettoverm\u00f6gen zu sterben. <\/p>\n<p>Und wenn Konten als anonyme Nummernkonten eingerichtet, die nicht auf eine bestimmte Person zur\u00fcckgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen, w\u00fcrden Einzelpersonen einen Anreiz haben, eine unbegrenzte Anzahl von nummerierten Konten mit jeweils negativem Saldo zu er\u00f6ffnen, es sei denn, die Zentralbank beschr\u00e4nkte diese nummerierten Konten auf nicht-negative Salden. (Die Nummernkonten w\u00fcrden damit wie eine Papierw\u00e4hrung funktionieren, die gleicherma\u00dfen anonym ist und nicht in negativen Mengen gehalten werden kann.)<\/p>\n<p>Es ist nicht leicht zu verstehen, warum individuelle Kreditaufnahme und Kreditvergabe existieren w\u00fcrden. Wenn die Zentralbank nicht bereit ist, einem Einzelnen eine gr\u00f6\u00dfere negative Bilanz zu erlauben, warum sollte dann ein anderer Mensch bereit sein, ihm einen Kredit zu geben? Die Zentralbank verf\u00fcgt zudem \u00fcber eine zus\u00e4tzliche Strafe, die sie auf diejenigen anwenden kann, die in Zahlungsverzug geraten: sie kann damit <a href=\"https:\/\/syntheticassets.wordpress.com\/2016\/10\/12\/re-imagining-money-and-banking\/\" target=\"_blank\">drohen, den k\u00fcnftigen Zugang zum Zahlungssystem zu verweigern<\/a>. <\/p>\n<p>Vielleicht hat der einzelne Kreditgeber private Informationen \u00fcber die Kreditw\u00fcrdigkeit des Kreditnehmers? Und warum sollte die Zentralbank eine Spanne zwischen dem Einlagenzins und dem Bankenzinssatz berechnen, mit der die Gewinne des Handels auf die individuelle Kreditaufnahme und -vergabe \u00fcbergehen? M\u00fcsste es die Zentralbank nicht vorziehen, diese Vorteile f\u00fcr sich selbst zu nutzen? <\/p>\n<p>Vielleicht, weil die Zentralbank eine Monopolstellung hat, einer nach unten geneigten Nachfragekurve gegen\u00fcber steht und nicht  preisdiskriminierend wirken will oder kann, indem sie geringere Spreads f\u00fcr diejenigen anbietet, die die besseren M\u00f6glichkeiten zum Leihen oder Verleihen haben?<\/p>\n<p>Sind die Limits f\u00fcr negative Salden unverbindlich, reagiert die Brutto-Geldmenge automatisch, um Schwankungen im Synchronisationsgrad von Zahlungen und Einnahmen auszugleichen, auch wenn die Zentralbank die Netto-Geldmenge exogen fixiert. Aber in der realen Welt, wo die Grenzen der negativen Salden manchmal verbindlich sind, muss die Zentralbank die Netto-Geldmenge anpassen, um Schwankungen im Synchronisations- grad zu gl\u00e4tten.<\/p>\n<p><em>(Eigene \u00dcbersetzung eines Blogbeitrages des kanadischen \u00d6konomens Nick Rowe)<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angenommen, Sie entscheiden sich dazu, ein Geldsystem von Grund auf neu zu erstellen. Sie weisen daf\u00fcr jedem Teilnehmer ein Girokonto auf Ihrem Computer zu, mit einem Ausgangssaldo von null (Geld-)Einheiten. 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