{"id":41,"date":"2013-05-17T10:15:12","date_gmt":"2013-05-17T08:15:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=41"},"modified":"2020-03-17T07:25:22","modified_gmt":"2020-03-17T06:25:22","slug":"der-zusammenhang-zwischen-der-eurokrise-und-der-agenda-2010","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/der-zusammenhang-zwischen-der-eurokrise-und-der-agenda-2010\/","title":{"rendered":"Der Zusammenhang zwischen der Eurokrise und der Agenda 2010"},"content":{"rendered":"<p>Mein erster eigener Beitrag zum Thema Makro\u00f6konomie:<\/p>\n<p>Ich versuche einmal, den Zusammenhang der Agenda 2010 zu dem entscheidenden Geburtsfehler der Eurozone entsprechend meinem Kenntnisstand etwas aufzudr\u00f6seln&#8230;<br \/>\n<!--more Weiterlesen...--><br \/>\nWenn Deutschland diese Reformen als ein Land mit einer eigenen W\u00e4hrung beschlossen h\u00e4tte, so bliebe uns tats\u00e4chlich heute in der Beurteilung der Richtigkeit eigentlich nur die Diskussion dar\u00fcber, ob f\u00fcr Deutschlands Wettbewerbsf\u00e4higkeit haupts\u00e4chlich der Binnenmarkt oder der Export wichtiger ist.<\/p>\n<p>Warum? Nun, als L\u00e4nder mit eigenen W\u00e4hrungen h\u00e4tten unsere Handelspartner die einfache Option gehabt, mit entsprechender Auf- oder Abwertung eben dieser ihrer W\u00e4hrung ihre Wettbewerbsf\u00e4higkeit an Deutschland anzupassen&#8230;das w\u00e4re zwar f\u00fcr das eine oder andere Land auch ziemlich schmerzhaft geworden, aber man h\u00e4tte zurecht sagen k\u00f6nnen, dieses Land ist selber schuld, wenn es das eben nicht getan h\u00e4tte&#8230;<\/p>\n<p>Der entscheidende Punkt, warum die Agenda 2010 mit ihrer Hauptauswirkung als Senkung der Lohnst\u00fcckkosten (und damit der Wettbewerbsf\u00e4higkeit) in Deutschland trotzdem definitiv falsch war, ist der, dass diese Reform von einem Land als Mitglied einer W\u00e4hrungsunion beschlossen wurde und ihre Hauptwirkung die Wettbewerbsf\u00e4higkeit Deutschlands nicht der gemeinsam vereinbarten Zielinflationsrate und damit der gemeinsamen Wettbewerbsf\u00e4higkeit angepasst hat, sondern diese weiter davon entfernt hat. (f\u00fcr die Krisenl\u00e4nder gilt dies nat\u00fcrlich genauso, nur eben in die andere Richtung&#8230;)<\/p>\n<p><strong>Warum aber ist dieser Punkt so wichtig?<\/strong><br \/>\nNun, mit der Entscheidung, die gemeinsam festgelegte und erw\u00fcnschte Wettbewerbsf\u00e4higkeit nicht anzustreben, haben die entsprechenden L\u00e4nder (Deutschland und die Krisenstaaten) den entscheidenden Sprengsatz f\u00fcr die Zerst\u00f6rung dieser gemeinsamen Wettbewerbsf\u00e4higkeit bereits bei der Gr\u00fcndung der Eurozone gelegt. Denn unterschiedliche Wettbewerbsf\u00e4higkeiten innerhalb einer W\u00e4hrungsunion f\u00fchren automatisch zu Leistungsbilanzungleichgewichten zwischen diesen L\u00e4ndern, die sich immer weiter verst\u00e4rken, wenn man nicht mit einer entsprechenden Anpassung der Lohnst\u00fcckkosten reagiert. <\/p>\n<p>Die weitere logische Entwicklung sind Marktanteilsverluste der Staaten, deren Lohnentwicklung dadurch zu hoch geworden ist. Dies f\u00fchrt dann auch zwangsweise zu einer entsprechenden Verschuldung dieser L\u00e4nder gegen\u00fcber den Staaten, deren Lohnst\u00fcckkosten unterhalb der Zielinflationsrate geblieben sind. <\/p>\n<p>Damit aber ist die gesamte W\u00e4hrungsunion (bzw. die nicht so stark verschuldeten L\u00e4nder) ebenso dazu gezwungen, Transferzahlungen an diese Staaten zu leisten, um ein Abst\u00fcrzen der Wirtschaft dort und insgesamt zu verhindern (Der Handel innerhalb der Eurozone macht ca. 80 Prozent des gemeinsamen BIPs aus!).<\/p>\n<p>Dieser Mechanismus tritt zwangsl\u00e4ufig sofort in jeder W\u00e4hrungsunion in Kraft, in der die wichtigste gemeinsame Stellgr\u00f6\u00dfe (n\u00e4mlich die gemeinsame Wettbewerbsf\u00e4higkeit in Form der vereinbarten Zielinflationsrate) nicht von Anfang an eingehalten wird.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft dann aber auch nichts anderes, als dass man sich auf das Entstehen von Verschuldung und entsprechend ausgleichenden Zahlungen bereits dann eingelassen hatte, bevor man \u00fcberhaupt als W\u00e4hrungsunion in den Wettbewerb mit anderen Staaten wie z. B. China, Japan oder den USA eintreten konnte.<\/p>\n<p>Die Agenda 2010 hat dann diese Entscheidung entsprechend versch\u00e4rft, weil ja bei ihrer Einf\u00fchrung immer noch keine gemeinsame Wettbewerbsf\u00e4higkeit bestand.<\/p>\n<p>Deutschland (und nat\u00fcrlich auch die Krisenl\u00e4nder) hatte also den falschen Schritt (Abweichung der eigenen Wettbewerbsf\u00e4higkeit nach unten) vor dem eigentlich notwendigen ersten Schritt (Angleichung an eine gemeinsame Wettbewerbsf\u00e4higkeit innerhalb der W\u00e4hrungsunion) getan.<\/p>\n<p>Dieser erste Fehler ist aber der entscheidende f\u00fcr das Entstehen der Eurokrise, alle anderen Probleme haben diese erst aufgedeckt (die Banken- bzw. Finanzkrise) bzw. weiter verst\u00e4rkt (Korruption, Immobilienblasen, unterschiedliche Steuers\u00e4tze, falsche Wirtschaftspolitik, \u00fcberdimensionierte Bankensektoren, Staatsschulden usw. und so fort&#8230;).<\/p>\n<p>Sicherlich muss man zur Beseitigung dieser Probleme m\u00f6glichst viel tun, aber ohne eine gleichzeitige Behebung des Hauptfehlers der auseinandergelaufenen Wettbewerbsf\u00e4higkeiten von beiden Seiten wird das nichts an der eigentlichen Eurokrise \u00e4ndern, ganz im Gegenteil, statt dessen wird diese immer weiter schwelen.<\/p>\n<p><strong>Kurz zusammengefasst:<\/strong><br \/>\nDeutschland und die Krisenl\u00e4nder haben von Anfang an das Funktionieren dieser W\u00e4hrungsunion entsprechend ihrem eigentlichen Sinne &#8222;wirkungsvoll&#8220; torpediert&#8230;und die Agenda 2010 war ein Teil dieser falschen Politik&#8230;<\/p>\n<p>H\u00e4tte Deutschland allein als wichtigsten Zweck seiner Wirtschaftspolitik die Erlangung eines Wettbewerbsvorteils gegen\u00fcber anderen Staaten mittels Lohndumping gesehen, so h\u00e4tte es logischerweise niemals dieser W\u00e4hrungsunion beitreten d\u00fcrfen&#8230;<\/p>\n<p>Standortwettbewerb oder W\u00e4hrungsunion&#8230;beides zusammen ging nie und geht so auch heute nicht&#8230;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein erster eigener Beitrag zum Thema Makro\u00f6konomie: Ich versuche einmal, den Zusammenhang der Agenda 2010 zu dem entscheidenden Geburtsfehler der Eurozone entsprechend meinem Kenntnisstand etwas aufzudr\u00f6seln&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[34,16,32,18],"class_list":["post-41","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-oekonomie","tag-inflation","tag-lohnstueckkosten","tag-schulden","tag-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/41","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=41"}],"version-history":[{"count":21,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/41\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13568489,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/41\/revisions\/13568489"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=41"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=41"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=41"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}