{"id":3895062,"date":"2016-10-30T17:03:28","date_gmt":"2016-10-30T16:03:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=3895062"},"modified":"2017-09-25T08:08:13","modified_gmt":"2017-09-25T06:08:13","slug":"makrooekonomische-politik-und-wahlen-in-den-dreissiger-jahren-deutschland-und-die-niederlande-waehrend-der-grossen-depression","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/makrooekonomische-politik-und-wahlen-in-den-dreissiger-jahren-deutschland-und-die-niederlande-waehrend-der-grossen-depression\/","title":{"rendered":"Makro\u00f6konomische Politik und Wahlen in den drei\u00dfiger Jahren: Deutschland (und die Niederlande) w\u00e4hrend der Gro\u00dfen Depression"},"content":{"rendered":"<p>Der franz\u00f6sische Anlageberater und Finanzmakler <a href=\"http:\/\/seekingalpha.com\/author\/erwan-mahe\/articles#regular_articles\" target=\"_blank\">Erwan Mahe<\/a> kritisierte schon seit einigen Jahren wiederholt die Politik der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Europ%C3%A4ische_Zentralbank\" target=\"_blank\">EZB<\/a> sowie der deutschen Regierung in der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Eurokrise\" target=\"_blank\">Eurokrise<\/a>.<\/p>\n<p><Center><a href=\"https:\/\/rwer.files.wordpress.com\/2012\/06\/jaren-dertig.png\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" border=\"0\" style=\"border:0;\" src=\"https:\/\/rwer.files.wordpress.com\/2012\/06\/jaren-dertig.png\"  width=\"412\" \/><\/a><br \/>\n<em>Wachstum des Bruttosozialproduktes (GDP) und Inflationsraten<br \/>\nin Deutschland und den Niederlanden, 1922-1939<\/em><\/Center><\/p>\n<p>Er verglich diese Situation mit der Endphase der Entwicklung in der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Weimarer_Republik\" target=\"_blank\">Weimarer Republik<\/a> und veranschaulichte mit obiger Grafik, dass es nicht die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutsche_Inflation_1914_bis_1923#Die_Hyperinflation_der_Jahre_1922_und_1923\" target=\"_blank\">Hyperinflation von 1923<\/a> war, die die Deutschen damals dazu brachte, die Nationalsozialisten zu w\u00e4hlen, sondern die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Weimarer_Republik#Auswirkungen_der_Weltwirtschaftskrise\" target=\"_blank\">wirtschaftliche Depression Anfang der 1930er Jahre<\/a>.<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Erg\u00e4nzt um Daten aus den Niederlanden macht dieses Diagramm auch sichtbar, dass es den Holl\u00e4ndern, die im Gegensatz zum Deutschen Reich im <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Goldstandard\" target=\"_blank\">&#8222;Gold-Block&#8220;<\/a> verblieben, nach 1933 sehr viel schlechter erging als Deutschland.  <\/p>\n<p>Diese Ansicht soll keineswegs Sympathie f\u00fcr die NSDAP oder die deutschen Wieder-aufr\u00fcstungsprogramme ausdr\u00fccken, trotzdem zeigt auch die Nachkriegsgeschichte eindeutig, dass die Gesamtausgaben einer Volkswirtschaft auch durch die steigende Kaufkraft der privaten Haushalte erh\u00f6ht werden kann. Vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht (Besch\u00e4ftigung, Produktion) hat daher die Ankurbelung der deutschen Wirtschaft durchaus funktioniert. <\/p>\n<p>Der derzeitige deutsche w\u00e4hrungspolitische Standpunkt basiert daher auf einem v\u00f6llig verzerrten Blick auf die eigene Geschichte. Es wird heute immer wieder behauptet, dass die Unnachgiebigkeit Deutschlands von der Angst vor einer R\u00fcckkehr der Hyperinflation der Weimarer Republik und des damit verbundenen Aufstiegs der NSDAP getrieben wird. <\/p>\n<p>Entgegen der vorherrschenden Ansicht wurden die Nazis nicht im Jahr 1933 durch die Angst vor einer Hyperinflation an die Macht getragen, die von 1921 bis 1924 datierte, sondern durch die v\u00f6llige Frustration der Bev\u00f6lkerung \u00fcber die extrem schmerzhafte von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Heinrich_Br%C3%BCning\" target=\"_blank\">Heinrich Aloysius Maria Elisabeth Br\u00fcning<\/a> verh\u00e4ngte <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deflationspolitik\" target=\"_blank\">Deflationspolitik<\/a> aus dem Jahre 1930!<\/p>\n<p>Man denke nur an die Abfolge der Ereignisse: Die Nazis erreichten bei den Wahlen zwischen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Reichstagswahl_Dezember_1924\" target=\"_blank\">1924<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Reichstagswahl_1928\" target=\"_blank\">1928<\/a> nur 2% und 3% der abgegebenen Stimmen. Dann schickte die Regierung die Wirtschaft 1930-33 in eine gewaltige deflation\u00e4re Depression, mit einer Arbeitslosigkeit von \u00fcber 30% im Jahre 1932 als H\u00f6hepunkt. Die Zustimmung f\u00fcr die Nazis schnellte daraufhin auf 37,3% der Stimmen bei den Wahlen im <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Reichstagswahl_Juli_1932\" target=\"_blank\">Juli 1932<\/a>, immerhin noch 33,1% im <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Reichstagswahl_November_1932\" target=\"_blank\">November des gleichen Jahres<\/a> und schlie\u00dflich 43,9% im <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Reichstagswahl_M%C3%A4rz_1933\" target=\"_blank\">M\u00e4rz 1933<\/a>.<\/p>\n<p>Angesichts des parallelen Aufstiegs der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kommunistische_Partei_Deutschlands\" target=\"_blank\">deutschen Kommunistischen Partei<\/a> (entstanden aus dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Spartakusbund\" target=\"_blank\">Spartakusbund<\/a>), die damals weit revolution\u00e4rer war als heute, entschied sich Pr\u00e4sident <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Paul_von_Hindenburg\" target=\"_blank\">Hindenburg<\/a> dazu, Hitler am <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Machtergreifung\" target=\"_blank\">30. Januar 1933 zum Kanzler der Republik zu ernennen<\/a>. Dieser Aufschwung der extremistischen Formationen kann durchaus in einigen Ereignissen von heute wieder beobachtet werden.<\/p>\n<p>Aufgrund dieser wirtschaftshistorischen Entwicklung ist die deutsche Obsession um die Preisstabilit\u00e4t auf Kosten der anderen makro\u00f6konomischen Indikatoren nur schwer verst\u00e4ndlich. Die Arbeitslosenquote in der Eurozone spiegelt dagegen die eher katastrophale Art und Weise wieder, mit der die EZB bisher ihr Mandat interpretiert hat. Und das trotz vorliegender eigener Expertisen, die ihr eindeutig gro\u00dfen Spielraum f\u00fcr Interventionen bescheinigen , wie es in dem folgenden Auszug zu lesen ist:<\/p>\n<p>&#8222;ohne Beeintr\u00e4chtigung des Zieles der Preisstabilit\u00e4t sollte die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Europ%C3%A4isches_System_der_Zentralbanken\" target=\"_blank\">ESZB<\/a> die allgemeine Wirtschaftspolitik in der Gemeinschaft im Hinblick auf einen Beitrag zur Erreichung der Ziele der Gemeinschaft unterst\u00fctzen, wie sie in Artikel 2 angef\u00fchrt sind&#8220;. (Artikel 105.1)<\/p>\n<p>&#8222;Die Ziele der Union (Artikel 2 des Vertrags \u00fcber die Europ\u00e4ische Union) sind ein hohes Besch\u00e4ftigungsniveau und ein best\u00e4ndiges, nicht-inflation\u00e4res Wachstum&#8220;.<\/p>\n<p>Um Deutschland die Dramatik des falschen Weges zu verdeutlichen, den seine Regierung eingeschlagen hat, sollte die obige Grafik im ganzen Land in allen Zeitungen ver\u00f6ffentlicht und in allen Schulr\u00e4umen  ausgeh\u00e4ngt werden.<\/p>\n<p>Es sollte eigentlich gen\u00fcgen, die Bewegungen dieser Kurven mit den Stimmenanteilen der NSDAP zu vergleichen, um verstehen zu k\u00f6nnen, dass die moralistischen Einstellungen der Br\u00fcnings-<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pierre_Laval\" target=\"_blank\">Lavals<\/a>&#8211;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Andrew_Mellon\" target=\"_blank\">Mellons<\/a>-Sch\u00e4ubles nur zur Katastrophe f\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die modernen Enthusiasten einer restriktiven Fiskalpolitik, die von einer R\u00fcckkehr zum Goldstandard mit einem Euro unter v\u00f6lliger Kontrolle einer von Deutschland dominierten Zentralbank tr\u00e4umen, sollten durch die Ereignisse in den letzten Jahren eigentlich eines besseren belehrt sein, wenn sie denn mit sich selbst wirklich ehrlich sein w\u00fcrden.<\/p>\n<p><em>(Grundlage dieses Beitrages ist ein von mir \u00fcbersetzter <a href=\"https:\/\/rwer.wordpress.com\/2012\/06\/29\/macro-economic-policy-and-votes-in-the-thirties-germany-and-the-netherlands-during-the-great-depression\/\" target=\"_blank\">Artikel<\/a> des niederl\u00e4ndischen \u00d6konomen <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/profile\/Merijn_Knibbe\" target=\"_blank\">Merijn Knibbe<\/a>)<\/em><\/p>\n<p>PS: In wirtschaftshistorischer Hinsicht stimmt dieser Artikel von Knibbe \u00fcbrigens weitestgehend mit meinen Analysen der <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/der-lautenbach-plan-1931-teil-1-geld-und-kreditpolitik-der-weimarer-republik-in-der-weltwirtschaftskrise\/\" target=\"_blank\">Geld- und Kreditpolitik in der Weimarer Republik<\/a> sowie des <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/nachtrag-zum-lautenbach-plan-das-versagen-von-spd-und-konservativen-ebnete-hitler-den-weg\/\" target=\"_blank\">Versagens der etablierten Parteien jener Zeit<\/a> \u00fcberein. <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der franz\u00f6sische Anlageberater und Finanzmakler Erwan Mahe kritisierte schon seit einigen Jahren wiederholt die Politik der EZB sowie der deutschen Regierung in der Eurokrise. Wachstum des Bruttosozialproduktes (GDP) und Inflationsraten in Deutschland und den Niederlanden, 1922-1939 Er verglich diese Situation<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[33,34,29,18],"class_list":["post-3895062","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-oekonomie","tag-deflation","tag-inflation","tag-sparen","tag-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3895062","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3895062"}],"version-history":[{"count":26,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3895062\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9660830,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3895062\/revisions\/9660830"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3895062"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3895062"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3895062"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}