{"id":3608928,"date":"2016-07-20T06:52:23","date_gmt":"2016-07-20T04:52:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=3608928"},"modified":"2026-05-18T09:37:36","modified_gmt":"2026-05-18T07:37:36","slug":"krisenloesung-marke-europa-massenexodus-junger-menschen-aus-griechenland-spanien-portugal-und-irland","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/krisenloesung-marke-europa-massenexodus-junger-menschen-aus-griechenland-spanien-portugal-und-irland\/","title":{"rendered":"Krisenl\u00f6sung Marke Europa: Massenexodus junger Menschen aus Griechenland, Spanien, Portugal und Irland"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.ekathimerini.com\/210072\/article\/ekathimerini\/news\/nearly-half-a-million-greeks-have-left-bank-of-greece-report-finds\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Fast eine halbe Million junger Griechen seit 2008<\/a>, nahezu die gleiche Anzahl Spanier zwischen 2011 und 2014, <a href=\"https:\/\/generatione.correctiv.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">200.000 Portugiesen in den letzten vier Jahren<\/a>, mehr als <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/politik\/irland-kein-aufschwung-in-sicht,1472596,31295810.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">120.000 Iren seit 2010<\/a>, so sieht die neue &#8222;V\u00f6lkerwanderung&#8220; in Europa aus.<\/p>\n<p><Center><a href=\"..\/bilder\/Urlaub2015\/IMG_0817.JPG\"><img decoding=\"async\" src=\"..\/bilder\/Urlaub2015\/IMG_0817.JPG\" width=\"430\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/a><br \/>\n<em>Stra\u00dfenszene in dem kleinen Dorf Metamorfosi auf der Halbinsel <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Chalkidiki\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Chalkidiki<\/a>\/Griechenland<\/em><\/Center><\/p>\n<p>R\u00fcckblende, Oktober 2015 auf der &#8222;Autobahn&#8220; A67 von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Thessaloniki\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Thessaloniki<\/a> Richtung <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Chalkidiki#Kassandra\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Halbinsel Kassandra<\/a>: rund um den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Flughafen_Thessaloniki\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Flughafen<\/a> der zweitgr\u00f6\u00dften Stadt Griechenlands erscheint die Infrastruktur noch in Ordnung, Mietwagenfirmen, Airline-Catering, Hotels und Schnellrestaurants erwecken den Eindruck einer ganz normalen Tourismus-Region.  <\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Doch wenn man genauer hinsieht, sind die Spuren der Krise schon hier nicht mehr zu \u00fcbersehen. Dort ein leeres Ladenlokal oder hier ein brach liegendes Firmengel\u00e4nde. Je weiter man sich vom Flughafen Richtung S\u00fcden entfernt, desto bedr\u00fcckender wird die Szenerie. Es dauert nicht lange, bis leerstehende und verlassene Betriebe links und rechts der Schnellstra\u00dfe das Bild bestimmen.<\/p>\n<p>Baum\u00e4rkte, Restaurants, Autoh\u00e4ndler und Klempner &#8211; alles verfallen oder vernagelt, selbst die meisten Tankstellen erzielen offenbar nicht mehr gen\u00fcgend Umsatz und sind geschlossen. Die traurige B\u00fchne f\u00fcr das depressive Schauspiel einer akuten Wirtschafts-krise.<\/p>\n<p>Schon hier wird klar, dass Griechenland leidet, fiebrig und entkr\u00e4ftet vom Verlust an Kaufkraft und Nachfrage, erdr\u00fcckt von der B\u00fcrde gewaltiger Schulden, hoffnungslos \u00fcberlastet durch die hohe Arbeitslosigkeit und im Schraubstock der Spar- und Austerit\u00e4tspolitik der europ\u00e4ischen Gl\u00e4ubiger.<\/p>\n<p>Der noch mitf\u00fchlende Tourist wird immer schweigsamer ob der Bilder dieser Katastrophe, ein solcher Verfall von Industrie, Handel und Infrastruktur inmitten eines Stammlandes westlicher Demokratie und &#8222;freier&#8220; Marktwirtschaft erscheint ungeheuerlich und deprimierend. <\/p>\n<p>Doch es wird noch schlimmer: inmitten der Urlaubsregionen der Halbinseln Kassandra und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Chalkidiki#Sithonia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sithonia<\/a>, auf denen zumindest die touristischen Zentren noch halbwegs funktionieren, liegen kleine D\u00f6rfer, die eher an die Dritte Welt denn an Orte in Griechenland erinnern. <\/p>\n<p>Die Gemeinde Metamorfosi, ein kleiner Weiher mit rund 500 Einwohnern an der Stra\u00dfe zur Halbinsel Sithonia, ist ein solch winziger Ort. Auch wenn es bereits Herbst wird und die Hauptreisezeit l\u00e4ngst hinter uns liegt, kann man sich kaum vorstellen, dass das Szenario im Sommer sehr viel besser aussehen kann. <\/p>\n<p>Geschlossene Restaurants und L\u00e4den verst\u00e4rken allerdings jetzt noch die trostlose Kulisse. Die Stra\u00dfen erscheinen fast ausgestorben, auch gegen Abend bev\u00f6lkern sie sich kaum sp\u00fcrbar mehr. Die einzigen jungen Leute, die ich arbeiten sehe, besch\u00e4ftigen sich vor einem heruntergekommenen Gesch\u00e4ft mit einer Olivenpresse, ein Bild mit fast schmerzhaftem Symbolgehalt, gelten doch Oliven als eines der wenigen griechischen Exportprodukte.  <\/p>\n<p>Ansonsten bestimmen schwarz gekleidete, oft offenbar eher mi\u00dfmutig gestimmte \u00e4ltere Personen das Stra\u00dfenbild. Sie sitzen mit St\u00fchlen auf den B\u00fcrgersteigen oder vor dem einzigen weit und breit ge\u00f6ffneten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kafenio\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kafenio<\/a>, wartend, die wenigen Touristen beobachtend, die sich im Oktober noch hierhin verlaufen haben.<\/p>\n<p>Besonders auffallend ist aber vor allem der absolute Mangel an j\u00fcngeren Menschen. Au\u00dfer den an der Olivenpresse Besch\u00e4ftigten erscheint das ganze Dorf wie leer gefegt. Selbst in den wenigen noch ge\u00f6ffneten Touristenl\u00e4den sind es vornehmlich schon gesetztere Herren, die hinter den Kassen sitzen. <\/p>\n<p>\u00dcberdies l\u00e4sst sich selbst nach Einbruch der D\u00e4mmerung kaum noch jemand sehen, unheimlicher-weise streunen zeitweilig mehr herrenlose Stra\u00dfenhunde herum als Menschen erkennbar sind. Das ganze Szenario hatte etwas von Dritter Welt, und das mitten in Europa.<\/p>\n<p>Vor dem Antritt der Reise hatte ich ja noch geglaubt, durch Medienberichte auf die Verh\u00e4ltnisse in Griechenland vorbereitet zu sein. Doch die Wirklichkeit \u00fcbertraf noch meine schlimmsten Bef\u00fcrch-tungen. Auch andere Orte wie die Bezirkshauptstadt <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Polygyros\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Polygyros<\/a> sind \u00e4hnlich von der Wirtschaftskrise betroffen. Selbst der Gro\u00dfraum Thessaloniki wurde davon vor allem in den Au\u00dfenbezirken nicht verschont.  <\/p>\n<p>Warum ich das alles gerade jetzt hier noch einmal aus dem Ged\u00e4chtnis hervorkrame und nieder-schreibe? Nun, es war vor allem der <a href=\"https:\/\/www.fuw.ch\/article\/nmtm-exodus-statt-exit\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Blogbeitrag<\/a> von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tobias_Straumann\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tobias Straumann<\/a> zum Jahrestag des griechischen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Griechisches_Referendum_2015\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Oxi-Referendums<\/a> \u00fcber die Folgen und Fehler der wirtschaftlichen Entwicklung in der hellenischen Republik, insbesondere dem nicht enden wollenden Exodus der jungen Generation.<\/p>\n<p>Ja, das war es, was ich auch pers\u00f6nlich vor Ort wahrgenommen hatte. So muss ein Land mit einer offiziellen Arbeitslosenquote von weiterhin \u00fcber 25 Prozent, einer Jugenderwerblosigkeit von 50 Prozent und einer Kontraktion der Wirtschaftskraft um ein Viertel wohl aussehen. Und offensichtlich hat sich seitdem nicht wirklich viel zum Besseren gewandelt. <\/p>\n<p>Wie aber soll es dann weitergehen mit Griechenland und den anderen Krisenl\u00e4ndern? L\u00f6sungsvor-schl\u00e4ge aus diesem Blog:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/die-eurokrise-vorlaeufiger-hoehepunkt-des-transferproblems-teil-3\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Eurokrise \u2013 vorl\u00e4ufiger H\u00f6hepunkt des Transferproblems \u2013 Teil 3<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/deutschland-1999-bis-2004-die-wahre-geschichte-vom-kranken-mann-europas\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Deutschland 1999 bis 2004: Die wahre Geschichte vom \u201ekranken Mann\u201c Europas<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/mythos-new-deal-teil-7-lehren-fuer-den-kampf-gegen-europas-krise\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mythos New Deal \u2013 Teil 7: Lehren f\u00fcr den Kampf gegen Europas Krise<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/leistungsbilanzsalden-von-der-schuld-der-kreditgeber\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Leistungsbilanzsalden: von der \u201eSchuld\u201c der Kreditgeber<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/strukturreformen-in-griechenland-ohne-vollbeschaeftigung-das-falsche-mittel\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Strukturreformen in Griechenland \u2013 ohne Vollbesch\u00e4ftigung das falsche Mittel<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/griechenland-reformieren-oder-untergehen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Griechenland \u2013 Reformieren oder untergehen?<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fast eine halbe Million junger Griechen seit 2008, nahezu die gleiche Anzahl Spanier zwischen 2011 und 2014, 200.000 Portugiesen in den letzten vier Jahren, mehr als 120.000 Iren seit 2010, so sieht die neue &#8222;V\u00f6lkerwanderung&#8220; in Europa aus. 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