{"id":3256985,"date":"2016-05-30T07:46:26","date_gmt":"2016-05-30T05:46:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=3256985"},"modified":"2020-03-17T10:24:20","modified_gmt":"2020-03-17T09:24:20","slug":"wilhelm-lautenbach-ueber-verstaerktes-sparen-und-seine-fatalen-folgen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wilhelm-lautenbach-ueber-verstaerktes-sparen-und-seine-fatalen-folgen\/","title":{"rendered":"Wilhelm Lautenbach \u00fcber verst\u00e4rktes &#8222;Sparen&#8220; und seine fatalen Folgen"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>&#8230;Wir wollen einmal unterstellen, eine Wirtschaft bef\u00e4nde sich auf m\u00e4\u00dfigem Besch\u00e4ftigungsniveau im Gleichgewicht und nunmehr veranlasste irgendein \u00e4u\u00dferer Umstand die Angeh\u00f6rigen dieser Wirtschaft, sich im Verbrauch mehr zu beschr\u00e4nken, ohne da\u00df sich im Warenangebot oder im Einkommen bis dahin schon etwas ge\u00e4ndert habe.<\/p>\n<p>Unterstellen wir, die Einkommenbezieher w\u00fcrden durch eine wirkungsvolle Propaganda veranla\u00dft, weniger auszugeben und mehr zu sparen! So etwas w\u00e4re zwar ein Schildb\u00fcrgerstreich, aber durchaus nicht au\u00dfer dem Bereich der M\u00f6glichkeit.<\/p><\/blockquote>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<blockquote><p>\nDenn schon oft hat man f\u00fcr eine depressive Lage Kapitalmangel verantwortlich gemacht und -ein fatales quid pro quo- verst\u00e4rktes Sparen als Rezept zur Heilung dieses Mangels empfohlen. <\/p>\n<p>W\u00fcrde nun wirklich mehr gespart, so k\u00f6nnte auch der Besch\u00e4ftigungsstand nur aufrechterhalten werden, wenn die Investition ausgedehnt w\u00fcrde; denn die Senkung der Verbrauchsquote bedingt eine h\u00f6here Investitionsquote und somit eine absolut h\u00f6here Investition, damit Produktion und Einkommen auf dem gleichen Stand erhalten bleiben. <\/p>\n<p>Was wir hier so etwas umst\u00e4ndlich ausdr\u00fccken, wird einfacher, und durchaus klar in diesem Falle, durch die altbekannte Formel zum Ausdruck gebracht, \u00abwenn mehr gespart wird, kann mehr investiert werden und wird mehr investiert\u00bb; aber in dieser Form gilt sie nicht.<\/p>\n<p>Die Formel dr\u00fcckt nur ein \u201eSollen\u201c aus, es m\u00fc\u00dfte so sein, damit nicht ein h\u00f6chst unerw\u00fcnschter Erfolg, n\u00e4mlich ein R\u00fcckgang der Produktion und der Besch\u00e4ftigung eintritt.<\/p>\n<p>Ob dies automatisch eintritt, h\u00e4ngt gerade davon ab, ob das Banksystem zweckentsprechend reagiert, billiger und mehr Kredit anbietet und zwar sehr prompt und sehr gro\u00dfz\u00fcgig. Denn wenn die Investition nicht alsbald von der Kreditseite her etwas angeregt w\u00fcrde, w\u00fcrde sie statt zuzunehmen sogar zur\u00fcckgehen: <\/p>\n<p>Eine Verschlechterung der Gesch\u00e4ftslage der Verbrauchsg\u00fcterindustrie, die ja die erste Folge der freiwilligen Verbrauchsbeschr\u00e4nkung und des freiwilligen Sparens w\u00e4re, veranla\u00dft die Unternehmer a tempo selbst auf ihre Liquidit\u00e4t bedacht zu sein; das \u00e4u\u00dfert sich darin, da\u00df sie sich selbst bei allen nicht unbedingt technisch notwendigen Betriebsausgaben Reserve auferlegen, d. h. Neuinvestitionen nicht vornehmen und Ersatzinvestitionen m\u00f6glichst verschieben, unter Umst\u00e4nden sogar die laufende Produktion einschr\u00e4nken.<br \/>\n&#8230;<br \/>\n<em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wilhelm_Lautenbach\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Lautenbach<\/a>: <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wilhelm-lautenbach-der-deutsche-keynes\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Zins, Kredit und Produktion<\/a> (1952), S. 61\/62<\/em>\n<\/p><\/blockquote>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230;Wir wollen einmal unterstellen, eine Wirtschaft bef\u00e4nde sich auf m\u00e4\u00dfigem Besch\u00e4ftigungsniveau im Gleichgewicht und nunmehr veranlasste irgendein \u00e4u\u00dferer Umstand die Angeh\u00f6rigen dieser Wirtschaft, sich im Verbrauch mehr zu beschr\u00e4nken, ohne da\u00df sich im Warenangebot oder im Einkommen bis dahin schon<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[34,27,43,36,14,32,29,18],"class_list":["post-3256985","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-oekonomie","tag-inflation","tag-investition","tag-keynes","tag-lautenbach","tag-lohn","tag-schulden","tag-sparen","tag-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3256985","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3256985"}],"version-history":[{"count":14,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3256985\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4750531,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3256985\/revisions\/4750531"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3256985"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3256985"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3256985"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}