{"id":3178208,"date":"2016-06-16T07:11:18","date_gmt":"2016-06-16T05:11:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=3178208"},"modified":"2016-09-23T10:16:21","modified_gmt":"2016-09-23T08:16:21","slug":"john-maynard-keynes-preis-rigiditaeten-und-arbeitslosigkeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/john-maynard-keynes-preis-rigiditaeten-und-arbeitslosigkeit\/","title":{"rendered":"John Maynard Keynes: Preis-Rigidit\u00e4ten und Arbeitslosigkeit"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt leider immer noch viele Mainstream-\u00d6konomen, die weiterhin der Ansicht sind, dass Preis- und Lohnrigidit\u00e4ten die Hauptursachen f\u00fcr Arbeitslosigkeit seien. Noch schlimmer ist dabei allerdings, dass einige von ihnen sogar glauben, dass diese Starrheiten auch f\u00fcr <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/John_Maynard_Keynes\" target=\"_blank\">John Maynard Keynes<\/a> als Begr\u00fcndung f\u00fcr die hohe Arbeitslosigkeit in der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Great_Depression\" target=\"_blank\">Gro\u00dfen Depression<\/a> galten. <\/p>\n<p><CENTER><a title=\"Bundesarchiv, Bild 102-10246 \/ CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/de\/deed.en)], via Wikimedia Commons\" href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3ABundesarchiv_Bild_102-10246%2C_England%2C_Arbeitslose_vor_Gewerkschaftshaus.jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"412\" alt=\"Bundesarchiv Bild 102-10246, England, Arbeitslose vor Gewerkschaftshaus\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/a\/a7\/Bundesarchiv_Bild_102-10246%2C_England%2C_Arbeitslose_vor_Gewerkschaftshaus.jpg\"\/><\/a><br \/>\n<em> Arbeitslose vor einem Gewerkschaftshaus in London (1930)<\/em> <\/center><\/p>\n<p>Doch das ist nat\u00fcrlich blanker Unsinn. Denn obwohl Keynes dem Thema der Lohn- und Preisrigidit\u00e4ten betr\u00e4chtliche Aufmerksamkeit in seinem Werk <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Allgemeine_Theorie_der_Besch%C3%A4ftigung,_des_Zinses_und_des_Geldes\" target=\"_blank\">&#8222;General Theory&#8220;<\/a> gewidmet hatte, vertrat er diese Ansicht ganz sicherlich <em>nicht<\/em>.<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Seitdem die Gewerkschaften und Arbeitnehmer nominale Lohnverhandlungen f\u00fchrten, waren sie nach Keynes bereit, im Gegensatz zu den klassischen Annahmen durch Preissteigerungen verursachte geringere Reall\u00f6hne eher zu akzeptieren, jedoch sich aufgrund niedrigerer Nominall\u00f6hne fallenden Reall\u00f6hnen zu widersetzen. <\/p>\n<p>Allerdings hielt Keynes es trotzdem f\u00fcr falsch, &#8222;zyklische&#8220; Erwerbslosigkeit diesem unterschiedlichen Agentenverhalten zuzuschreiben. W\u00e4hrend der Depression waren die Geldl\u00f6hne deutlich gesunken, w\u00e4hrend &#8211; wie Keynes anmerkte &#8211; die Arbeitslosigkeit trotzdem weiter anwuchs. Selbst wenn also die Nominall\u00f6hne gesenkt werden, verringern sie nicht generell die Erwerbslosigkeit.<\/p>\n<p>In jedem spezifischen Arbeitsmarkt k\u00f6nnten niedrigere L\u00f6hne nat\u00fcrlich die Nachfrage nach Arbeitskr\u00e4ften erh\u00f6hen. Doch eine allgemeine Senkung der Geldl\u00f6hne w\u00fcrde die Reall\u00f6hne mehr oder weniger unver\u00e4ndert lassen. Die Begr\u00fcndung der klassischen \u00d6konomen war nach Keynes ein eklatantes Beispiel f\u00fcr einen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Trugschluss_der_Komposition\" target=\"_blank\">&#8222;Trugschluss der Verallgemeinerung&#8220;<\/a>. <\/p>\n<p>Mit der Annahme, dass, da die Arbeitnehmer und ihre Vertreter in einem bestimmten Arbeitsmarkt Reallohnsenkungen durch Senkung der Nominall\u00f6hne aushandeln k\u00f6nnten, sie im Allgemeinen das Gleiche tun w\u00fcrden, w\u00fcrden die Klassiker Mikro mit Makro verwechseln.<\/p>\n<p>Das Absenken der Nominall\u00f6hne sorgt nach Keynes nicht f\u00fcr eine komplette R\u00e4umung des Arbeitsmarktes. Die Verringerung der L\u00f6hne &#8211; und m\u00f6glicherweise auch der Preise &#8211; k\u00f6nnte vielleicht f\u00fcr niedrigere Zinsen und erh\u00f6hte Investitionen sorgen. Doch f\u00fcr Keynes w\u00e4re es wesentlich einfacher, diesen Effekt durch eine Erweiterung der Geldmenge zu erreichen. In jedem Fall wurden Lohnsenkungen von Keynes nicht als ein allgemeiner Ersatz f\u00fcr eine expansive Geld- oder Fiskalpolitik angesehen.<\/p>\n<p>Auch wenn es potenziell positive Auswirkungen durch Lohnsenkungen gibt, existieren gleichzeitig sehr viel st\u00e4rker ins Gewicht fallende negative Auswirkungen &#8211; Verschlechterung der Beziehungen zwischen Gewerkschaften und den Unternehmern, aufgrund weiterer Lohnabsenkungen erwartete verz\u00f6gerte Investitionen, Schuldendeflation usw.<\/p>\n<p>Was also Keynes eigentlich in seiner &#8222;General Theory&#8220; ausf\u00fchrte, war, dass die klassische These, durch die Absenkung der L\u00f6hne die Arbeitslosigkeit zu verringern und damit letztlich die Volkswirtschaften aus der Depressionen zu f\u00fchren, unbegr\u00fcndet und grunds\u00e4tzlich falsch sei.<\/p>\n<p>F\u00fcr Keynes w\u00fcrden flexible L\u00f6hne alles nur noch schlimmer machen, indem sie zu unberechenbaren Preisschwankungen f\u00fchrten. Die grundlegende Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Arbeitslosigkeit sei eine unzureichend aggregierte Nachfrage, und diese werde vor allem au\u00dferhalb des Arbeitsmarktes bestimmt.<\/p>\n<p><em>(eigene \u00dcbersetzung eines <a href=\"https:\/\/rwer.wordpress.com\/2016\/05\/06\/price-rigidities-and-unemployment\/\" target=\"_blank\">Blogbeitrages<\/a> des schwedischen \u00d6konomen <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Lars_P%C3%A5lsson_Syll\" target=\"_blank\">Lars Syll<\/a>)<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt leider immer noch viele Mainstream-\u00d6konomen, die weiterhin der Ansicht sind, dass Preis- und Lohnrigidit\u00e4ten die Hauptursachen f\u00fcr Arbeitslosigkeit seien. 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