{"id":31493,"date":"2014-07-07T07:39:44","date_gmt":"2014-07-07T05:39:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=31493"},"modified":"2017-02-06T15:16:14","modified_gmt":"2017-02-06T14:16:14","slug":"der-amerikanische-buergerkrieg-1861-bis-1865-die-folge-einer-verfehlten-krisenpolitik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/der-amerikanische-buergerkrieg-1861-bis-1865-die-folge-einer-verfehlten-krisenpolitik\/","title":{"rendered":"Der amerikanische B\u00fcrgerkrieg 1861 bis 1865 &#8211; die Folge einer verfehlten Krisenpolitik?"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/die-erste-weltwirtschaftskrise-1857-und-ihr-erstaunlich-schnelles-ende\/\" title=\"Die erste Weltwirtschaftskrise 1857 und ihr erstaunlich schnelles Ende \u203a \u00d6konomie und Sport\" target=\"_blank\">Bekanntlich<\/a> endete die erste <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wirtschaftskrise_von_1857\" title=\"Wirtschaftskrise von 1857 \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Weltwirtschaftskrise von 1857<\/a> nach nur wenigen Jahren vor allem deshalb, weil in vielen L\u00e4ndern die L\u00f6hne w\u00e4hrend und nach der Krise entgegen heutiger Annahmen gerade nicht in gleichem Ma\u00dfe dem Absinken der vorher spekulationsbedingt hohen Preise folgten oder diese noch unterboten.<\/p>\n<p><center><a title=\"Photograph of the field at Antietam, American Civil War. Confederate dead by a fence at the Hagerstown Turnpike by Alexander Gardner [Public domain], via Wikimedia Commons\" href=\"http:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3ABodies_on_the_battlefield_at_antietam.jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"412\" alt=\"Photograph of the field at Antietam, American Civil War. Confederate dead by a fence at the Hagerstown Turnpike\" src=\"\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/9\/9e\/Bodies_on_the_battlefield_at_antietam.jpg\/512px-Bodies_on_the_battlefield_at_antietam.jpg\"\/><\/a><\/center><\/p>\n<p>Der Historiker <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hans_Rosenberg_(Historiker)\" title=\"Hans Rosenberg (Historiker) \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Hans Rosenberg<\/a> beschrieb in seinem Werk <em><b>Die Weltwirtschaftskrise 1857\u20131859<\/b><\/em>, Vandenhoeck &#038; Ruprecht, 2. Auflage G\u00f6ttingen 1974 (1. Auflage Stuttgart 1932), wie die Krise vor allem wegen der Konsumausgaben der Verbraucher, die aufgrund der erhaltenen Kaufkraft ihrer L\u00f6hne einen Zusammenbruch der Verbrauchsg\u00fcterindustrie weitestgehend verhinderten, relativ z\u00fcgig \u00fcberwunden werden konnte.<\/p>\n<p>Doch nicht alle Staaten folgten dieser wirtschaftlichen Logik, mit der Nachfragesteigerung nach Fertigg\u00fctern und dank gleichzeitigem Anziehen der Preise auch die heimische Investitionsg\u00fcterindustrie wieder anzukurbeln und so der Stagnierungs- und Schrumpfungsgefahr der Wirtschaftskrise zu entgehen.<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Wie alle gro\u00dfen Krisen des 19. und 20. Jahrhunderts beschr\u00e4nkte sich die Wirkung der Rezession von 1857 nicht nur auf St\u00f6rungen des \u00f6konomischen Kreislaufsystems, sondern beeinflusste auch die externe Wirtschaftspolitik vieler L\u00e4nder, da sie in den Augen vieler zeitgen\u00f6ssischer Beobachter vor allem als eine internationale Handelskrise angesehen wurde.<\/p>\n<p>So erscheint es auch nicht verwunderlich, dass gerade von vielen der arg in Bedr\u00e4ngnis geratenen Unternehmer und Produzenten der Ruf nach Hilfe des Staates, nach unterst\u00fctzenden und protektionistischen Eingriffen in die wirtschaftlichen Abl\u00e4ufe, ja nach grunds\u00e4tzlichen Reformen der Wirtschaftspolitik laut wurde.<\/p>\n<p>Nicht anders als heute sollte mit diesen Forderungen die Privatisierung der Gewinne mit der Sozialisierung der Verluste verkn\u00fcpft werden und die B\u00fcrde der nachlassenden Konjunktur auf die \u00f6ffentliche Hand, die Verbraucher und Gehaltsempf\u00e4nger sowie die ausl\u00e4ndische Konkurrenz abgeschoben werden.  <\/p>\n<p>1857 und in den folgenden Jahren konzentrierte sich die Suche nach dem &#8222;S\u00fcndenbock&#8220; vor allem auf die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Handelspolitik\" title=\"Handelspolitik \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Handelspolitik<\/a>, deren wichtigstes Instrument, die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zoll_(Abgabe)\" title=\"Zoll (Abgabe) \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Schutzz\u00f6lle<\/a>, schon immer ein besonderes Ziel politischer Streitigkeiten darstellte.<\/p>\n<p>Doch w\u00e4hrend viele Staaten auf andere \u00f6konomische L\u00f6sungen setzten und im Gro\u00dfen und Ganzen den <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Freihandel\" title=\"Freihandel \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Freihandel<\/a> als wichtigstes Element des europ\u00e4isch-amerikanischen Konkurrenzkapitalismus pr\u00e4ferierten, konnte sich die Schutzzollbewegung nur in \u00d6sterreich, im <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutscher_Zollverein\" title=\"Deutscher Zollverein \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Deutschen Zollverein<\/a> und ausgerechnet in Nordamerika durchsetzen.<\/p>\n<p>Dazu notierte Hans Rosenberg bedeutungsvoll:<\/p>\n<blockquote><p><b><br \/>\nEinen wirklich gro\u00dfen Sieg von wahrhaft weltgeschichtlicher<br \/>\nTragweite hat die durch die Krise ausgel\u00f6ste Schutzzollagitation<br \/>\nnur in den Vereinigten Staaten von Nordamerika davongetragen.<br \/>\n<\/b><\/p>\n<p><em>Hans Rosenberg: Die Weltwirtschaftskrise 1857\u20131859, S. 196<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Der Zwist um die Erhebung von Schutzz\u00f6llen bestand eigentlich schon seit der Gr\u00fcndung der Vereinigten Staaten und war die Folge eines der bedeutendsten politischen Konflikte innerhalb der USA, des Streits um die Kompetenzen der Einzelstaaten und der Zentralregierung. Bereits um 1820 brandete erstmalig der Widerstand einiger s\u00fcdlicher Staaten gegen die rigide Zollgesetzgebung der Regierung auf, 1832\/33 h\u00e4tte die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nullifikationskrise\" title=\"Nullifikationskrise \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Nullifikationskrise<\/a> beinahe schon einen B\u00fcrgerkrieg ausgel\u00f6st.<\/p>\n<p>Doch 1846 entspannte sich die \u00f6konomische Situation etwas, als die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Demokratische_Partei_(Vereinigte_Staaten)\" title=\"Demokratische Partei (Vereinigte Staaten) \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Demokraten<\/a> einen auf die Interessen der Baumwoll- und Getreideexporteure in den West- und S\u00fcdstaaten optimierten Zolltarif durchsetzen konnten. Und nur wenige Monate vor dem Beginn der Krise trat wohl unter dem Eindruck der durch eine allgemeine wirtschaftliche Prosperit\u00e4t gepr\u00e4gten 1850er Jahre ein noch mehr auf den Freihandel zugeschnittenes Zollgesetz im M\u00e4rz 1857 in Kraft.<\/p>\n<p>Es wird auch heute nicht verwundern, dass aufgrund des Konjunkturaufschwungs in den USA ab 1850 vor allem der Einnahme\u00fcberschuss in der Staatskasse sowie der Glaube an die nicht endende wirtschaftliche Boomphase f\u00fcr eine erhebliche Deeskalation der erbitterten Auseinandersetzungen \u00fcber die nationale Zollpolitik sorgten.<\/p>\n<p>Mit dem Ausbruch der Krise aber war es mit dieser freih\u00e4ndlerischen Tarifpolitik vor allem im Nordosten, wo der Absatz der Textil- und Stahlindustrie ins Stocken geriet und die sich vermehrtem Druck der ausl\u00e4ndischen Konkurrenz ausgeliefert sah, schnell vorbei. Zus\u00e4tzlich sorgte ein Einbruch der Staatseinnahmen und das Auftreten eines erheblichen Budgetdefizits infolge der Krise f\u00fcr weitere lautstarke Forderungen nach Zollerh\u00f6hungen.   <\/p>\n<p>Rosenberg schrieb dazu:<\/p>\n<blockquote><p><b><br \/>\nDer Schutzzollagitation war damit vollends T\u00fcr und Tor ge\u00f6ffnet. Sahen sich doch die Anh\u00e4nger einer Tarifreform in protektionistischem Sinne nunmehr in der gl\u00fccklichen Lage, ihre gesch\u00e4ftlichen Sonderinteressen als volkswirtschaftliche Gesamt- und \u00f6ffentliche Wohlfahrts- und Fiskalinteressen ausgeben zu k\u00f6nnen.<br \/>\n<\/b><\/p>\n<p><em>Hans Rosenberg: Die Weltwirtschaftskrise 1857\u20131859, S. 198<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Politisch erhielt diese Schutzzollbewegung einen erheblichen Auftrieb, als die 1854 in Wisconsin (wohlgemerkt einem Farmerstaat) gegr\u00fcndete Partei der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Republikanische_Partei\" title=\"Republikanische Partei \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Republikaner<\/a> die Beseitigung des Freihandels als einen der wichtigsten Punkte in ihr Parteiprogramm aufnahm. Diese Partei sorgte zudem f\u00fcr eine Ann\u00e4herung zwischen den Farmerstaaten des Nordwestens (die seit dem Ende des <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Krimkrieg\" title=\"Krimkrieg \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Krimkrieges<\/a> 1856 unter der Wiederaufnahme der preisg\u00fcnstigen Weizenlieferungen Russlands an Europa litten) und den Industriestaaten des Nordostens, weil sie bei den kommenden Pr\u00e4sidentschaftswahlen f\u00fcr ihren Kandidaten <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Abraham_Lincoln\" title=\"Abraham Lincoln \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Abraham Lincoln<\/a> auf die Wahlm\u00e4nnerstimmen aus den Industriestaaten angewiesen war.<\/p>\n<p>Einen echten H\u00f6hepunkt erreichte dieser Streit zwischen Nord und S\u00fcd am 12. M\u00e4rz 1860, als der Abgeordnete <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Justin_Smith_Morrill\" title=\"Justin Smith Morrill - Wikipedia, the free encyclopedia\" target=\"_blank\">Justin Smith Morrill<\/a> im Repr\u00e4sentantenhaus einen Gesetzentwurf einbrachte, der vor allem den 1846 beschlossenen Zolltarif widerherstellen sollte und massive Zollerh\u00f6hungen f\u00fcr Eisen und Wolle vorsah, um die heimische Wirtschaft im Norden zu sch\u00fctzen und den Absatz der dort produzierten Industrieg\u00fcter zu verbessern. <\/p>\n<p>Doch da dieser sogenannte <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Morrill_Tariff\" title=\"Morrill Tariff - Wikipedia, the free encyclopedia\" target=\"_blank\">Morrill-Tarif<\/a> in erster Instanz im demokratisch beherrschten Senat durchfiel, konnte diese Regelung erst ein Jahr sp\u00e4ter, nachdem Lincolns Wahl dem Schutzzollsystem zum Durchbruch verholfen hatte, am 02. M\u00e4rz 1861 in Kraft treten. Trotzdem muss man diesem Zoll-Tarif eine geradezu epochemachende Wirkung bescheinigen. Obwohl er nur wenige Monate galt, brachte er doch mit seiner durch die wirtschaftliche Krise geborenen protektionistischen Grundtendenz den Ansto\u00df f\u00fcr die Beendigung der von den Sklavenhaltern und Gro\u00dfgrundbesitzern des S\u00fcdens bestimmten bisherigen Handelspolitik der Vereinigten Staaten.  <\/p>\n<p>Da der S\u00fcden aber kaum Industrieg\u00fcter herstellte, war er vor allem auf den Import aus dem Ausland und dem Norden angewiesen. Ein Preisanstieg auf die Einfuhren aufgrund der starken Zollerh\u00f6hung h\u00e4tte die Wirtschaft des S\u00fcdens wohl massiv getroffen. Ohne die Zollpolitik aber litt der Norden unter den g\u00fcnstigen Importen aus Europa und sah sich durch hohe Arbeitslosigkeit und drohende massive Unruhen gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p>Die endg\u00fcltige Entscheidung brachte die Wahl Abraham Lincolns zum Pr\u00e4sidenten im November 1860, mit der sich die Republikaner und ihr protektionistisches Programm gegen die in Nord und S\u00fcd gespaltenen Demokraten durchsetzen konnten. Damit war klar, dass der freih\u00e4ndlerische Weg des S\u00fcdens in der Union gescheitert war und nicht weiter durchf\u00fchrbar sein w\u00fcrde. Es folgte der Austritt der meisten Staaten des S\u00fcdens aus der Union im Winter 1860\/61 und die Gr\u00fcndung der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Konf%C3%B6derierte_Staaten_von_Amerika\" title=\"Konf\u00f6derierte Staaten von Amerika \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Konf\u00f6deration<\/a>. Am 12. April 1861 begann der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sezessionskrieg\" title=\"Sezessionskrieg \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">amerikanische B\u00fcrgerkrieg<\/a> mit der Beschie\u00dfung von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Angriff_auf_Fort_Sumter\" title=\"Angriff auf Fort Sumter \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Fort Sumter<\/a>, pikanterweise eine Zollstation. <\/p>\n<p>Rosenberg res\u00fcmierte \u00fcber die weitreichenden Auswirkungen des Morrill-Tarifs:<\/p>\n<blockquote><p><b><br \/>\nEr hat den Auftakt gebildet nicht allein zu jener bis zur unmittelbaren Gegenwart reichenden protektionistischen Abschlie\u00dfung der Vereinigten Staaten gegen\u00fcber der ausl\u00e4ndischen Konkurrenz, sondern auch zu der Revolutionierung und Radikalreform der \u00f6ffentlichen Finanzwirtschaft, die den B\u00fcrgerkrieg begleitete, seine Durchf\u00fchrung und den endg\u00fcltigen Sieg des Nordens \u00fcberhaupt erst m\u00f6glich machte. <\/p>\n<p>Schlag auf Schlag erfolgten im fiskalischen Einnahme- sowohl wie im politisch-\u00f6konomischen Machtinteresse vom August 1861 bis zum Fr\u00fchjahr 1865 Zollerh\u00f6hungen auf Zollerh\u00f6hungen. <\/p>\n<p>Dazu traten die Schaffung und der Ausbau eines neuen, ertragreichen, die Papiergeldinflation abl\u00f6senden Bundessteuersystems und die Aufnahme gro\u00dfer Kriegsanleihen, die die \u00f6ffentliche Schuld der Vereinigten Staaten von 90,9 Millionen $ im Jahre 1861 auf 2.682,6 Millionen $ im Jahre 1865 anwachsen lie\u00df.<br \/>\n<\/b><\/p>\n<p><em>Hans Rosenberg: Die Weltwirtschaftskrise 1857\u20131859, S. 199\/200<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Entgegen der bis heute meistens vertretenen Ansichten war es demnach nicht die Sklavenfrage, die den Hauptgrund f\u00fcr die Er\u00f6ffnung der Feindseligkeiten lieferte. Lincoln galt als eher gem\u00e4\u00dfigter Gegner der Sklaverei, in verschiedenen Reden im Wahlkampf lie\u00df er zudem unterschiedliche Haltungen zur Gleichstellung der Farbigen anklingen. Auch im S\u00fcden stand das Thema nicht wirklich an der Spitze der politischen Agenda, schon allein deshalb, weil nicht einmal 30 Prozent der Bev\u00f6lkerung im Dixie Country \u00fcberhaupt Sklaven besa\u00df.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich aber war die Sklaverei eher das Hauptthema eines unabl\u00e4ssigen Propagandakampfes zwischen Nord und S\u00fcd, der immer wieder von den ideologischen Hitzk\u00f6pfen beider Seiten befeuert und am Leben gehalten wurde. <\/p>\n<p>Und erst nach der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schlacht_am_Antietam\" title=\"Schlacht am Antietam \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Schlacht am Antietam<\/a> im September 1862 erkl\u00e4rte die Lincoln-Regierung mit der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Emanzipations-Proklamation\" title=\"Emanzipations-Proklamation \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Emanzipations-Proklamation<\/a> die Abschaffung der Sklaverei in den S\u00fcdstaaten, haupts\u00e4chlich offenbar um eine Parteinahme der europ\u00e4ischen M\u00e4chte England und Frankreich f\u00fcr die Konf\u00f6deration moralisch unm\u00f6glich zu machen. Konsequenterweise waren die Sklavenhalterstaaten der Union zudem von dieser Regelung nicht betroffen.<\/p>\n<p>Vielmehr muss man den Blick auf die \u00f6konomischen Gr\u00fcnde f\u00fcr den Kriegsausbruch richten. Und hier ist nun mal in erster Linie die Zollproblematik zu nennen. Der verzweifelte Versuch des Nordens, mit seiner protektionistischen Handelspolitik die eigenen Industrien gegen die billigen Importe aus Europa zu sch\u00fctzen und mit den geplanten Einnahmen die Verdienstausf\u00e4lle aus der Wirtschaftskrise abzufedern, traf das auf Export von Baumwolle und Agrarprodukten (und den dringend erforderlichen Import aller anderen G\u00fcter) angewiesene Wirtschaftsmodell des S\u00fcdens mitten ins Herz.   <\/p>\n<p>Mit der Wahl Lincolns, der in der Frage der Z\u00f6lle und Abgaben sehr viel kompromissloser war als in seiner Haltung zur Sklaverei, hatten sich die Vereinigten Staaten insgesamt in eine aussichtslose Lage man\u00f6vriert. Keine Seite wollte und konnte mehr nachgeben. Beide, sowohl die Konf\u00f6deration als auch die Union, waren kompromisslos darauf aus, ihre eigenen Interessen durchzusetzen. Der S\u00fcden, indem er an dem System der menschenverachtenden Sklavenhaltung festhielt (das ihm zudem einen nahezu uneinholbaren Konkurrenzvorteil in Form niedrigster Lohnkosten gegen\u00fcber allen anderen Staaten garantierte), der Norden, indem er eine f\u00fcr die exportorientierten S\u00fcdstaaten fatale Zollgesetzgebung verfolgte.<\/p>\n<p>Dabei ist es besonders tragisch, dass der Norden der irrigen Ansicht anhing, mit protektionistischen Ma\u00dfnahmen die Folgen der Krise von 1857 bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen. W\u00e4hrend im S\u00fcden der Wohlstand langsam wieder zunahm, weil man immer mehr Baumwolle in die durch steigende Konsumausgaben prosperierenden europ\u00e4ischen Staaten liefern konnte, darbten die Bauern, Fabrikanten und Arbeiter der Union, verarmten immer mehr Menschen, da im Norden die dringend notwendige Nachfrage fehlte.<\/p>\n<p>Erst der B\u00fcrgerkrieg und die mit Staatsverschuldung bezahlten R\u00fcstungsauftr\u00e4ge befreiten die Staaten des Nordens endg\u00fcltig aus der Stagnation der Krise, allerdings nicht ohne auch weiterhin f\u00fcr Unruhen aufgrund sozialer Missst\u00e4nde (wie z. B. die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Draft_Riots\" title=\"Draft Riots \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Draft Riots<\/a> im New Yorker Armenviertel <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Five_Points\" title=\"Five Points \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Five Points<\/a> 1863) zu sorgen.<\/p>\n<p>In Anbetracht des Nachwirkens der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise von 2007 sollte man heute die Tragik einer verfehlten Wirtschaftspolitik wie die der Union vor 1861 besonders genau analysieren. Sie kann als ein Fanal dienen, was mit einer gutgemeinten aber sachlich falschen Krisenstrategie letztendlich angerichtet werden kann. Heute sind Austerit\u00e4t und Angebotspolitik das, was damals die protektionistische Zollpolitik darstellte. Gerade wir B\u00fcrger der Eurozone, die noch immer unter dem Eindruck der Eurokrise stehen, sollten diese Einblicke als mahnende Erkenntnis ansehen und ein besonderes Augenmerk auf die von unseren Regierungen betriebene Krisenpolitik werfen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bekanntlich endete die erste Weltwirtschaftskrise von 1857 nach nur wenigen Jahren vor allem deshalb, weil in vielen L\u00e4ndern die L\u00f6hne w\u00e4hrend und nach der Krise entgegen heutiger Annahmen gerade nicht in gleichem Ma\u00dfe dem Absinken der vorher spekulationsbedingt hohen Preise<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[47,24,32,29,18],"class_list":["post-31493","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-oekonomie","tag-austeritaet","tag-globalisierung","tag-schulden","tag-sparen","tag-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31493","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=31493"}],"version-history":[{"count":59,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31493\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":50531,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31493\/revisions\/50531"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=31493"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=31493"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=31493"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}