{"id":24384349,"date":"2026-01-11T07:00:04","date_gmt":"2026-01-11T06:00:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=24384349"},"modified":"2026-03-11T15:33:19","modified_gmt":"2026-03-11T14:33:19","slug":"learn-vwl-sparen-als-voraussetzung-fuer-investition-und-wachstum","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/learn-vwl-sparen-als-voraussetzung-fuer-investition-und-wachstum\/","title":{"rendered":"Learn VWL: Sparen als Voraussetzung f\u00fcr Investition und Wachstum"},"content":{"rendered":"<p>Dem Dr\u00e4ngen auf die Schaffung von Anreizen f\u00fcr den Einzelnen mehr zu sparen, wird allgemein nach-gesagt die Investitionen und das Wirtschaftswachstum zu stimulieren. Dabei scheint man von der Annahme einer unver\u00e4nderten volkswirtschaftlichen Gesamtleistung auszugehen, so dass das, was nicht verzehrt wird zwangsl\u00e4ufig und automatisch zur Kapitalbildung verwendet wird.<\/p>\n<p><Center><a title=\"Dollar-Symbol von Svilen.milev (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0) oder GFDL (http:\/\/www.gnu.org\/copyleft\/fdl.html)], via Wikimedia Commons\" href=\"http:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3ADollar_symbol.jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"312\" alt=\"Dollar symbol\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/b\/be\/Dollar_symbol.jpg\"\/><\/a><br \/>\n<em>Dollar-Symbol<\/em><\/Center><\/p>\n<p>Auch hier ist eigentlich das genaue Gegenteil der Fall. In einer Geldwirtschaft bedeutet f\u00fcr die meisten Menschen der Versuch, mehr zu sparen gleichzeitig die Entscheidung daf\u00fcr, weniger auszugeben.<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Weniger Ausgaben durch die Sparer bedeutet dagegen weniger Einkommen und weniger Ersparnisse f\u00fcr die Lieferanten und Produzenten, w\u00e4hrend die gesamtwirtschaftliche Ersparnis dabei nicht steigt, stattdessen wird das Nationaleinkommen dadurch verringert, dass die Anbieter ihrerseits ihre Eink\u00e4ufe reduzieren und sich damit die nationale Ersparnis verringert. <\/p>\n<p>Einem einzelnen Individuum mag es dabei tats\u00e4chlich gelingen, seine eigenen Ersparnisse zu steigern, aber nur auf Kosten der noch gr\u00f6\u00dferen Verringerung der Ertr\u00e4ge und Ersparnisse anderer.<\/p>\n<p>Wo die Einsparung aus reduzierten Ausgaben f\u00fcr nicht lagerf\u00e4hige Dienstleistungen besteht, wie bei-spielsweise bei einem Haarschnitt, ist der Effekt auf Einkommen und Ersparnisse des Anbieters un-mittelbar und offensichtlich. <\/p>\n<p>Ist dagegen eine speicherbare Ware dabei involviert, so k\u00f6nnen zwar kurzfristige tempor\u00e4re Inves-titionen ins Inventar die Folge sein, diese werden jedoch bald verschwinden, weil der Verk\u00e4ufer die Auftr\u00e4ge an seine Lieferanten reduzieren muss, um seine Lager auf ein normales Niveau zur\u00fcckzu-f\u00fchren, was schlie\u00dflich zu einem Abbau von Produktion, Besch\u00e4ftigung und Einkommen f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Ersparnisse erschaffen keine &#8222;Kreditmittel&#8220; aus dem Nichts. Es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass die erweiterte Bilanz des Sparers die F\u00e4higkeit seiner Bank zur Vergabe von Krediten mehr vergr\u00f6\u00dfert als gleichzeitig die M\u00f6glichkeiten der Bank des Verk\u00e4ufers zur Darlehensversorgung reduziert werden. <\/p>\n<p>Wenn \u00fcberhaupt ist es wahrscheinlicher, dass der Verk\u00e4ufer auf den Aktienm\u00e4rkten aktiver wird oder durch seine Verk\u00e4ufe gedeckte Kredite f\u00fcr die Investition in sein Gesch\u00e4ft nutzt, als das ein Sparer auf Anreize wie die Freistellung oder die Stundung von Steuern auf die R\u00fcckstellungen von Pensionsfonds und dergleichen reagiert, so dass durch den Nettoeffekt des Sparanreizes die Gesamtausdehnung der Bankkredite reduziert wird. <\/p>\n<p>Der Versuch zu sparen mit entsprechender gleichzeitiger Reduzierung der Ausgaben tut nichts daf\u00fcr, die Bereitschaft der Banken und anderer Kreditgeber zur ausreichenden Finanzierung vielversprech-ender Investitionsprojekte zu verbessern. <\/p>\n<p>Bei nicht voll ausgelasteten Produktionsfaktoren und Ressourcen ist Sparen weder die Voraussetzung noch ein Anreiz f\u00fcr die Kapitalbildung, sondern eher eine Folge der Schaffung von Sachkapital, da die Ertr\u00e4ge aus dieser Kapitalbildung eine Quelle f\u00fcr zus\u00e4tzliche Einsparungen darstellen.<\/p>\n<p><em>(Grundlage dieses Beitrags ist der Artikel <a href=\"https:\/\/www.pnas.org\/doi\/full\/10.1073\/pnas.95.3.1340\" title=\"Vickrey, William. 1996. 15 Fatal Fallacies of Financial Fundamentalism\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">15 Fatal Fallacies of Financial Fundamentalism<\/a> von <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/William_Vickrey\" title=\"William Vickrey - Wikipedia, the free encyclopedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">William Vickrey<\/a>)<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dem Dr\u00e4ngen auf die Schaffung von Anreizen f\u00fcr den Einzelnen mehr zu sparen, wird allgemein nach-gesagt die Investitionen und das Wirtschaftswachstum zu stimulieren. 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