{"id":24381895,"date":"2026-02-18T07:00:48","date_gmt":"2026-02-18T06:00:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=24381895"},"modified":"2026-03-26T10:45:08","modified_gmt":"2026-03-26T09:45:08","slug":"learn-vwl-mikrooekonomischer-erfolg-scheitern-in-der-makrooekonomie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/learn-vwl-mikrooekonomischer-erfolg-scheitern-in-der-makrooekonomie\/","title":{"rendered":"Learn VWL: Mikro\u00f6konomischer Erfolg, Scheitern in der Makro\u00f6konomie"},"content":{"rendered":"<p>Um die Makro\u00f6konomie verst\u00e4ndlicher zu machen kann man eine Analogie zwischen Hund und Knochen verwenden und so demonstrieren, dass die Makro\u00f6konomie nicht einfach nur gleich-bedeutend ist mit der \u201eAddition\u201c der Mikro\u00f6konomie.<\/p>\n<p><center><a title=\"ElsBrinkerink [CC BY-SA (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/)]\" href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:TaraNRV.jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"312\" alt=\"TaraNRV\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/4\/4a\/TaraNRV.jpg\"><\/a><br \/>\n<em>Ein Hund und sein Knochen<\/em><\/center><\/p>\n<p>Als Beispiel sei folgendes Beispiel angenommen: In einer Hunde- und Knochen\u00f6konomie versuchen zehn Hunde wiederholt neun im Hof \u200b\u200bvergrabene Knochen zu finden. In jeder Runde geht mindestens ein Hund leer aus. Dieses Ergebnis ist nicht wirklich w\u00fcnschenswert &#8211; eine Gesellschaft mit mehr als 10% &#8218;Hundeknochenarmut&#8216; und ewiger Hundearbeitslosigkeit erscheint alles andere als zufriedenstellend!<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Einige kluge Hunde\u00f6konomen bemerken, dass die Hunde, die einen Knochen verpassen normalerweise etwas langsamer sind oder andere Merkmale aufweisen, die sie zu relativ schlechten Leistungstr\u00e4gern machen. Somit existiert ein \u201eSkills Mismatch\u201c, dessen Korrektur die makro\u00f6konomischen Probleme in der Hundewirtschaft l\u00f6sen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Diese \u00d6konomen gehen noch weiter und f\u00fchren einige kontrollierte Zufallsstudien zu Markteingriffen durch, die vielversprechend erscheinen k\u00f6nnten:<\/p>\n<p>1. Man k\u00f6nnte den langsameren Hunden einen Vorsprung geben<br \/>\n2. Man k\u00f6nnte den erfolglosen Hunden Ratschl\u00e4ge geben, wo sich die Knochen befinden<br \/>\n3. Man trainiere die schw\u00e4cheren Hunde, damit sie die Knochen besser aufsp\u00fcren k\u00f6nnen<\/p>\n<p>Nachdem man alle diese Interventionen ausprobiert hat, erh\u00e4lt man am Ende die Ergebnisse. Und die sind erstaunlich! In jedem Experiment haben die Hunde, die in 75% der Zeit in der normalen Gruppe keinen Knochen gefunden haben, in der Behandlungsgruppe nur noch zu 5% Misserfolge.<\/p>\n<p>Die Forscher beantworteten Medienanfragen zu ihren Ergebnissen. &#8222;Dies ist der gr\u00f6\u00dfte Effekt, den wir jemals bei einer solchen sozialwissenschaftlichen Intervention gesehen habe&#8220;, sagten sie.<\/p>\n<p>Wenn es ma\u00dfstabsgetreu nachgebildet werden kann, haben die Experimentatoren m\u00f6glicherweise ein leistungsf\u00e4higes neues Werkzeug gefunden, um die Knochenarmut in der Hunde\u00f6konomie abzubauen. Die Politik ist nun bestrebt, in Hundeparks im ganzen Land in den Ausbau dieser Programme zu in-vestieren.<\/p>\n<p>Doch trotzdem bleibt es in der Hundewirtschaft dabei, dass es unabh\u00e4ngig vom mikro\u00f6konomischen Erfolg dieser Interventionen aufgrund der makro\u00f6konomischen Bedingungen immer noch zu \u201eHunde-armut\u201c und \u201eHundearbeitslosigkeit\u201c kommen wird. Es gibt immer nur neun Knochen und zehn Hunde. Mindestens ein Hund geht immer leer aus und leidet somit unter \u201eHundearmut\u201c.<\/p>\n<p>Jemandem zu helfen, die Warteschlange f\u00fcr den Zugriff auf knappe Ressourcen zu \u00fcberspringen, wird dieser Person offensichtlich helfen. Es kann jedoch nicht jedem in der Warteschlange helfen.<\/p>\n<p>Und doch sind diese mikro\u00f6konomischen &#8222;Queue-Jumping&#8220;-Politiken politisch attraktiv. Die Berufs-ausbildung wird allgemein als wichtiges Instrument zur L\u00f6sung der Erwerbslosigkeit angesehen. Wenn die Arbeitslosen jedoch um knappe Arbeitspl\u00e4tze konkurrieren, kann die Berufsausbildung nur die bevorzugte Reihenfolge der Bewerber \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Eine schon vor Jahren popul\u00e4re Politik in diesem Sinne war die besonders \u201e<a href=\"https:\/\/www.vox.com\/future-perfect\/2019\/8\/4\/20726427\/raj-chetty-segregation-moving-opportunity-seattle-experiment\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">intensive Wohnungs-beratung<\/a>\u201c. Diese beinhaltete das Lobbying bei Vermietern im Namen von Mietern mit Wohngutscheinen und das Anweisen dieser Mieter in &#8222;Bereiche mit besseren M\u00f6glichkeiten&#8220; zu ziehen. Es \u00fcberrascht nicht, dass diese Mieter die ihnen angebotene professionelle Beratung und Unterst\u00fctzung auch in Anspruch nahmen.<\/p>\n<p>Wie ein Mieter feststellte, haben die Wohnungsberater nach der Entscheidung wohin man ziehen m\u00f6chte, \u201eden Rest erledigt. Ich gab ihnen meine Informationen, sie gaben meine Informationen an das Vermietungsb\u00fcro, sie beantragten alles f\u00fcr mich und sie halfen mit der Miete f\u00fcr den ersten Monat und trugen ein Jahr die Versicherung des Mieters.&#8220;<\/p>\n<p>Es ist gro\u00dfartig, ein Haus zu finden und dann mieten zu k\u00f6nnen. Dagegen ist erst einmal nichts einzuwenden.<\/p>\n<p>Doch dann erinnern wir uns an unser Experiment. Wie bei den neun Hunden und den zehn Knochen kann nicht jeder Mieter von einem Bereich mit \u201egeringen Chancen\u201c in einen Bereich mit \u201ehohen Chancen\u201c umziehen. <\/p>\n<p>Und tats\u00e4chlich bieten diese Gebiete, wenn die Menschen anfangen sie zu verlassen noch weniger wirtschaftliche M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Bewohner, die letztendlich dort bleiben oder hinziehen m\u00fcssen! Diese Politik kann trotz ihres Erfolges auf der Mikroebene nicht einfach zum Makrobereich \u201eaufaddiert\u201c werden.<\/p>\n<p>Welche politischen M\u00f6glichkeiten funktionieren denn dann \u00fcberhaupt in der Makro\u00f6konomie?<\/p>\n<p>In der Hundewirtschaft funktioniert es, die \u201eKnochenverteilung\u201c zu komprimieren: Nehmen Sie die neun Knochen, schneiden Sie ein Zehntel jedes Knochens ab und lassen Sie die zehn Hunde auf jeweils 9\/10 eines Knochens zugreifen. <\/p>\n<p>Alternativ kann ein Hundef\u00fchrer einige Knochen in Reserve halten, um sie unter den Hunden zu ver-teilen, die nichts abbekommen. Makro\u00f6konomischer Erfolg erfordert einen Mechanismus, der die Natur des Spiels selbst und nicht das individuelle Verhalten innerhalb des Spiels ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p><em>(Eigene \u00dcbersetzung eines schon \u00e4lteren Blogbeitrages des US-amerikanischen \u00d6konomen <a href=\"https:\/\/ideas.repec.org\/f\/pmu365.html\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Cameron K. Murray<\/a>)<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um die Makro\u00f6konomie verst\u00e4ndlicher zu machen kann man eine Analogie zwischen Hund und Knochen verwenden und so demonstrieren, dass die Makro\u00f6konomie nicht einfach nur gleich-bedeutend ist mit der \u201eAddition\u201c der Mikro\u00f6konomie. 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