{"id":24367532,"date":"2025-09-11T07:00:13","date_gmt":"2025-09-11T05:00:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=24367532"},"modified":"2025-09-08T08:43:42","modified_gmt":"2025-09-08T06:43:42","slug":"vwl-alternative-wirtschaftstheorie-teil-11-wertpapier-kaeufe-und-bankenliquiditaet","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/vwl-alternative-wirtschaftstheorie-teil-11-wertpapier-kaeufe-und-bankenliquiditaet\/","title":{"rendered":"VWL: Alternative Wirtschaftstheorie \u2013 Teil 11: Wertpapier-k\u00e4ufe und Bankenliquidit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p>In diesem Beitrag geht es um die Auswirkungen, die bestimmte Umdispositionen der Sparer auf die Best\u00e4nde an Bankeinlagen haben. Legen n\u00e4mlich diese Sparer ihre Verm\u00f6gen, die als Scheck- oder Sparguthaben bei den Banken hinterlegt sind, in <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wertpapier\" title=\"Wertpapier \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Wertpapieren<\/a> an oder geben sie als Kredite heraus, so reduziert sich damit das Kreditvolumen der Banken. <\/p>\n<p><center><a title=\"Frankfurt Am Main, Neue B\u00f6rse von S\u00fcdosten by Mylius (Own work) [GFDL 1.2 (http:\/\/www.gnu.org\/licenses\/old-licenses\/fdl-1.2.html) or FAL], via Wikimedia Commons\" href=\"http:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3AFrankfurt_Am_Main-Neue_Boerse_von_Suedosten-20120222.jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"412\" alt=\"Frankfurt Am Main-Neue Boerse von Suedosten-20120222\" src=\"\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/1\/14\/Frankfurt_Am_Main-Neue_Boerse_von_Suedosten-20120222.jpg\/512px-Frankfurt_Am_Main-Neue_Boerse_von_Suedosten-20120222.jpg\"\/><\/a><br \/>\n<em>Das Geb\u00e4ude der Frankfurter Wertpapierb\u00f6rse<\/em><\/center><\/p>\n<p>Bemerkenswert ist es nach <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wilhelm_Lautenbach\" title=\"Wilhelm Lautenbach \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Wilhelm Lautenbach<\/a> dabei, dass durch solche Vorg\u00e4nge keinerlei Ver-\u00e4nderungen bei den laufenden Ersparnissen eintreten, stattdessen sich aber die Liquidit\u00e4t der Banken verbessert.<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Dies geschieht dadurch, dass es zumeist die Banken<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Debitor\" title=\"Debitor \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">debitoren<\/a>, also die Schuldner der Banken sind, die Wertpapiere verkaufen. Damit nimmt logischerweise das Bankenkreditvolumen ab, die Banken werden also weniger herangezogen, wenn die Bankeinlagen sinken.<\/p>\n<p>Lautenbach zufolge werden die Verf\u00fcgungen der Sparer hinsichtlich der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Effekten\" title=\"Effekten \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Effekten<\/a>k\u00e4ufe und -verk\u00e4ufe haupts\u00e4chlich von drei Erw\u00e4gungen bestimmt.<\/p>\n<p>1. Durch den Abstand des Zinssatzes, welcher auf Spareinlagen bewilligt wird zu der effektiven Verzin-sung der Wertpapiere,<br \/>\n2. Durch die Annahmen bez\u00fcglich der zuk\u00fcnftigen Entwicklung.<\/p>\n<p>Geht man davon aus, dass der Zins in Zukunft weiter ansteigt, demzufolge also die Kurse der Wert-papiere sinken, so wird man sich beim Kauf weiterer Papiere zur\u00fcckhalten. Besteht aber die Hoffnung auf weitere Kursanstiege, ist eine weiter wachsende Nachfrage durch diese Annahmen sehr wahrscheinlich, da ja neben dem Unterschied zwischen dem Zins auf Spareinlagen und der Verzinsung der Wertpapiere auch noch der Kursgewinn winkt.<\/p>\n<p>3. Durch das Liquidit\u00e4tsbed\u00fcrfnis der Sparer bzw. der Bankengl\u00e4ubiger. Bemerkenswert ist dabei allerdings, dass dieses Liquidit\u00e4tsbed\u00fcrfnis bei einer stabilen Entwicklung des Wertpapiermarktes nahezu vollst\u00e4ndig zur\u00fccktritt, da in solchen F\u00e4llen die Wertpapiere selbst quasi hochliquide und jederzeit handelbare Anlagen darstellen. <\/p>\n<p>\u00dcber die unmittelbaren Zusammenh\u00e4nge zwischen diesen Dispositionen schrieb Lautenbach weiter:<\/p>\n<blockquote><p><b>Es leuchtet ein, dass infolge der Wechselbeziehungen zwischen 2. und 3. jeder Tendenzumbruch oder leichter Stimmungswechsel mit einer gewissen Selbstinduktion ausgestattet ist. Beginnen die Wertpapiere erst einmal zu steigen, so \u00fcbt das einen m\u00e4chtigen Reiz auf die aus, die \u00fcber anlegbare Mittel verf\u00fcgen.<\/b><\/p>\n<p><em>Lautenbach: Zins, Kredit und Produktion (1952), S. 68<\/em>\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Weiterhin befeuern diese durch ihre K\u00e4ufe die Aufw\u00e4rtsbewegungen der Kurse, die wiederum durch die Spekulation noch weiter beschleunigt werden. Dieser Automatismus laufe dann weiter \u00fcber die Banken-kredite der Spekulanten, die ihrerseits damit die Bankenschuldner abl\u00f6sen, die nun entweder selbst Wertpapiere verkaufen oder neu emittieren. Ebenso k\u00f6nnten sie aber auch Wertpapiere erwerben, die nun ihrerseits von den Banken verkauft werden. <\/p>\n<p>Dreht sich die Tendenz, so wird der Sturz wiederum gebremst durch die Unwilligkeit vieler Anleger, Kursverluste zu realisieren. Hiervon betroffen sind in der Regel diejenigen, die bei hohen Kursen einge-stiegen sind sowie vor allem die Aktion\u00e4re, die auch eine l\u00e4ngere Flaute durchstehen k\u00f6nnen, weil sie keine Schulden haben.<\/p>\n<p>Nach der Betrachtung dieser automatischen Zusammenh\u00e4nge der Zins- und Wertpapierentwicklungen ist es erforderlich, nun auch die Einfl\u00fcsse der volkswirtschaftlichen Produktionsprozesse und der Ein-kommensbildung mit zu ber\u00fccksichtigen.   <\/p>\n<p>In fr\u00fcheren Beitr\u00e4gen haben wir bereits erfahren, dass der Gesamtgewinn der Unternehmer umso h\u00f6her ist, je mehr investiert wird. Gleichzeitig steigen auch der Durchschnittsgewinn sowie ebenso das Ge-samteinkommen, da neben dem Gewinn der Unternehmer auch das Einkommen der Nichtunternehmer zunimmt, wenn die Gesamtproduktion insgesamt w\u00e4chst. <\/p>\n<p>Weiterhin dehnt sich durch die Investitionen auch die Verbrauchsg\u00fcterproduktion aus. Es ist daher keineswegs verwunderlich, wenn in einem solchen wirtschaftlichen Klima der Optimismus auch zu einer Hausse an den Kapitalm\u00e4rkten f\u00fchren kann.<\/p>\n<p>Eine wichtige Bedingung f\u00fcr eine solche Entwicklung sind allerdings hohe Best\u00e4nde an fr\u00fcheren Erspar-nissen in Form von Bankguthaben (<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bankguthaben\" title=\"Bankguthaben \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Depositen<\/a>) und Spareinlagen, w\u00e4hrend laufende Ersparnisse wenig oder auch gar nicht ins Gewicht fallen.<\/p>\n<p>Dies liegt vor allem daran, dass Hausse-Situationen an der B\u00f6rse wesentlich mehr als nur die Anlage der momentanen Ersparnisse in Aktien voraussetzen. Hierbei handelt es sich stattdessen jeweils um eine gewaltige Umschichtung durch die Verwendung von fr\u00fcheren Spareinlagen und Spekulations-krediten zum Wertpapierkauf. <\/p>\n<p>Dabei f\u00e4llt auch auf, dass es gerade die Kreditpolitik der Banken ist, die durch die \u00fcberm\u00e4\u00dfige Gew\u00e4hrung von Spekulationskrediten am st\u00e4rksten zu den \u00dcbertreibungen beitr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Auch hierbei entdeckte Lautenbach eine erhebliche Neigung zu systematischer Fehlentwicklung:<\/p>\n<blockquote><p><b>Wenn eine solche Tendenz zur Umschichtung erst einmal einsetzt, kann sie sich kraft ihrer Selbstinduktion und Selbstbeschleunigung sehr ausdehnen und intensivieren und dies kann leicht geschehen, wenn die klimatischen Bedingungen einigerma\u00dfen g\u00fcnstig sind, d. h. wenn die Ertr\u00e4gnisse der Unternehmungen sich g\u00fcnstig gestalten und eine weitere Besserung erwartet wird. <\/p>\n<p>Die bankm\u00e4\u00dfige Bereitstellung von Ersparnissen funktioniert unter solchen Umst\u00e4nden au\u00dferordentlich gut und automatisch so wundervoll, dass selbst Diskonterh\u00f6hungen oder die spezielle Verteuerung der B\u00f6rsenkredite wenig oder gar nichts dagegen ausrichten. <\/p>\n<p>Hier handelt es sich wiederum um eine ausgesprochene Fehlleistung der Automatik.<\/b><\/p>\n<p><em>Lautenbach: Zins, Kredit und Produktion (1952), S. 70<\/em>\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Es sei eigentlich logisch, dass die Grundbedingung eines Wirtschaftsaufschwungs eine relativ hohe Investition sei, die nach und nach durch die &#8222;Zinsbremse&#8220; auf das notwendige Ma\u00df beschr\u00e4nkt werden m\u00fc\u00dfte, um eine \u00dcberhitzung der Konjunktur zu vermeiden.<\/p>\n<p>Stattdessen kommt es w\u00e4hrend einer Aktienhausse zu einer solch gewaltigen Entwicklung des Wert-papiermarktes, durch die auch die Zinssteuerung praktisch wirkungslos wird.  <\/p>\n<p>Inwieweit die Zentralbanken durch Manipulationen der Zinss\u00e4tze gerade solchen widersinnigen auto-matischen Entwicklungen begegnen k\u00f6nnen oder eine gew\u00fcnschte Konjunkturbewegung selbst induzieren k\u00f6nnen, wird Thema des n\u00e4chsten Beitrags sein.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem Beitrag geht es um die Auswirkungen, die bestimmte Umdispositionen der Sparer auf die Best\u00e4nde an Bankeinlagen haben. 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