{"id":24361603,"date":"2025-08-21T07:00:37","date_gmt":"2025-08-21T05:00:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=24361603"},"modified":"2025-08-22T10:31:27","modified_gmt":"2025-08-22T08:31:27","slug":"vwl-alternative-wirtschaftstheorie-teil-10-bargeldbedarf-bankenliquiditaet-und-der-zentralbankzins","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/vwl-alternative-wirtschaftstheorie-teil-10-bargeldbedarf-bankenliquiditaet-und-der-zentralbankzins\/","title":{"rendered":"VWL: Alternative Wirtschaftstheorie &#8211; Teil 10: Bargeldbedarf, Bankenliquidit\u00e4t und der Zentralbankzins"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem wir im <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/vwl-alternative-wirtschaftstheorie-teil-9-die-freie-zinsbildung\/\" title=\"Alternative Wirtschaftstheorie \u2013 Teil 9: Die freie Zinsbildung \u203a \u00d6konomie und Sport\">letzten Beitrag<\/a> die Prinzipien der freien Zinsbildung kennengelernt haben, soll es nun um die Auswirkungen einer Ver\u00e4nderung des Bedarfs an <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bargeld\" title=\"Bargeld \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">baren Zahlungsmitteln<\/a> auf die Inanspruch-nahme des Bankensystems und demnach auch der Notenbank gehen.<\/p>\n<p><center><a title=\"Euro coins and banknotes by Avij (talk \u00b7 contribs) (Own work) [Public domain or Public domain], via Wikimedia Commons\" href=\"http:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3AEuro_coins_and_banknotes.jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"356\" alt=\"Euro coins and banknotes\" src=\"\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/6\/65\/Euro_coins_and_banknotes.jpg\/512px-Euro_coins_and_banknotes.jpg\"\/><\/a><br \/>\n<em>Euro-M\u00fcnzen und Banknoten<\/em><\/center><\/p>\n<p>Nach <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wilhelm_Lautenbach\" title=\"Wilhelm Lautenbach \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Wilhelm Lautenbach<\/a> hat die Ver\u00e4nderung der Beanspruchung sowohl der Banken als auch der Zentralbank durch die Zunahme oder Abnahme der Bargeldnachfrage haupts\u00e4chlich nur technische Bedeutung, wenn sie auf folgenden Gr\u00fcnden basiert:<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p><b>1. \u00c4nderungen in der Kassenhaltung<\/b><br \/>\nDiese treten immer dann auf, wenn Private oder Unternehmer mehr Bargeld  bei gleichbleibenden Ums\u00e4tzen und Einnahmen\/Einkommen in ihren &#8222;Kassen&#8220; zur\u00fcckhalten. Dazu z\u00e4hlt auch das Geld &#8222;im Strumpf&#8220; oder auch &#8222;unter dem Kopfkissen&#8220;. Eine solche Ver\u00e4nderung kann wirtschaftlich rational und damit durchaus gerechtfertigt erscheinen, wenn man Nachteile und Unbequemlichkeiten einer &#8222;knappen&#8220; Kasse vermeiden will.<\/p>\n<p>Eine erh\u00f6hte Kassenhaltung kann aber auch unnat\u00fcrlich sein, und damit ein Anzeichen des Mi\u00dftrauens gegen\u00fcber der \u00f6konomischen Situation oder dem Bankensystem sein. Lautenbach propagiert bei diesem Problem folgende L\u00f6sung:<\/p>\n<blockquote><p><b>Die gegebene Therapie dieses sozialen \u00dcbels ist bekanntlich: \u00abzahlen, zahlen, zahlen!\u00bb<\/b><\/p>\n<p><em>Lautenbach: Zins, Kredit und Produktion (1952), S. 65<\/em>\n<\/p><\/blockquote>\n<p><b>2. \u00c4nderung der Zahlungssitten<\/b><br \/>\nDies tritt ein, wenn sich z. B. Zahlungstermine oder die Lohn- und Gehaltsperioden ver\u00e4ndern. Fr\u00fcher geschah das beispielsweise dadurch, dass der Wochenlohn in eine 14t\u00e4gige Gehaltszahlung umge-wandelt wurde und sich damit der Geldbedarf erh\u00f6hte.<\/p>\n<p>W\u00fcrden dagegen die Zahlungstermine so verschoben, dass die Monatsgeh\u00e4lter f\u00fcr die eine H\u00e4lfte der Arbeitnehmer z. B. zur Monatsmitte, f\u00fcr die andere aber am Monatsende gezahlt w\u00fcrden, so w\u00fcrde sich der Bargeldbedarf verringern. Ver\u00e4nderungen in dieser Art sind aber eher selten und halten sich daher auch meistens in einem sehr bescheidenden Rahmen.<\/p>\n<p>Sehr viel st\u00e4rker k\u00f6nnen dagegen Abweichungen durch eine Ausdehnung des bargeldlosen Zahlungs- verkehrs oder im entgegengesetzten Fall der Verringerung des unbaren Verkehrs auftreten. Dabei ist der Ausbau des bargeldlosen Zahlungsverkehrs eine v\u00f6llig unbedenkliche normale Entwicklung, w\u00e4hrend die Abkehr in der Regel aufgrund au\u00dfergew\u00f6hnlicher pathologischer Wirtschaftsentwick-lungen wie z. B. dem Schwarzhandel hervorgerufen wird.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich sollten solche annormalen Entwicklungen bek\u00e4mpft werden, allerdings hielt Lautenbach eine Restriktion oder Drosselung der Geldnotenausgabe f\u00fcr ein untaugliches Mittel mit \u00e4u\u00dferst sch\u00e4dlichen Folgen.  <\/p>\n<p><b>Weitere wirtschaftspolitische Ursachen<\/b><br \/>\nAu\u00dfer diesen technisch begr\u00fcndeten Ver\u00e4nderungen des Bargeldbedarfs existieren auch noch andere, \u00f6konomisch bedingte Gr\u00fcnde: Hierbei geht es vor allem um die Zunahme oder Verringerung der gesamtwirtschaftlichen Lohnsummen aufgrund der Entwicklung der Besch\u00e4ftigtenzahl und\/oder der H\u00f6he der Lohn- und Gehaltss\u00e4tze.<\/p>\n<p>Nach Lautenbach gilt es als selbstverst\u00e4ndlich, dass nur technisch bedingte <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Liquidit%C3%A4t\" title=\"Liquidit\u00e4t \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Liquidit\u00e4ts<\/a>ver\u00e4nderungen  nicht schon an sich eine Korrektur des Zinses rechtfertigen.<\/p>\n<p>Zwar k\u00f6nne die Notenbank durch ihre <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Offenmarktpolitik\" title=\"Offenmarktpolitik \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Offenmarktpolitik<\/a> auf den Marktzins in bestimmter Weise einwir-ken, sie d\u00fcrfe aber nie ihre Zinspolitik von Ver\u00e4nderungen des Bargeldbedarfs abh\u00e4ngig machen, die sie selbst nicht beeinflussen kann. <\/p>\n<p>Sie k\u00f6nne immer, wenn mehr Zahlungsmittel in bar nachgefragt werden, dieses Verlangen durch erh\u00f6hte Notenausgabe decken. Dies sei auch notwendig um eine Kredit- und Bankenkrise zu ver-hindern. Ferner d\u00fcrfe sie die Banknotenausgabe auch nicht bremsen, soweit es neben der h\u00f6heren Nachfrage keine anderen Gr\u00fcnde gibt, die eine Zinserh\u00f6hung legitimieren w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Selbst wenn der gestiegene Zahlungsmittelbedarf \u00f6konomisch bedingt ist (durch erh\u00f6hte Lohnzah-lungen oder Zunahme der Besch\u00e4ftigung), muss eine Zinsanpassung nach oben nicht zwangsl\u00e4ufig erfolgen, da der R\u00fcckgang der Arbeitslosigkeit wirtschaftlich ja durchaus w\u00fcnschenswert und letztlich Ziel der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Geldpolitik\" title=\"Geldpolitik \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Geldpolitik<\/a> der Zentralbank sein sollte.<\/p>\n<p>Ebenso kann auch die Erh\u00f6hung der L\u00f6hne durchaus statthaft sein, wenn sie der Entwicklung der Produktivit\u00e4t folgt und die Preise daher nicht steigen. <\/p>\n<p>Genau dies besagt \u00fcbrigens die heutige goldene Lohnregel: die Rate des nominalen Stundenlohn-wachstums soll gleich der Rate des Stundenproduktivit\u00e4tszuwachses plus der Zielinflationsrate sein. Wird diese eingehalten, so wird der Produktivit\u00e4tszuwachs m\u00f6glichst gerecht auf die Gesamt-bev\u00f6lkerung verteilt und ein Eingreifen der Zentralbank mittels &#8222;Zinskeule&#8220; ist nicht notwendig.<\/p>\n<p>Zur Nichteinhaltung dieser Regel zeigte der \u00d6konom Lautenbach geradezu be\u00e4ngstigende prophetische Gaben und schrieb weiter:<\/p>\n<blockquote><p><b>Wenn die Lohnsteigerung gesamtwirtschaftlich verfehlt ist, so trifft die Verantwortung die f\u00fcr die Lohnpolitik zust\u00e4ndigen Stellen und es w\u00e4re ein Schildb\u00fcrgerstreich, eine a priori verfehlte Lohnpolitik a posteriori durch die Banken korrigieren zu wollen. <\/p>\n<p><em>Denn diese Korrektur w\u00e4re eine Eisenbartkur, sie erzwingt die Heilung durch Einschr\u00e4nkung der Produktion und Arbeitslosigkeit.<\/em><\/b><\/p>\n<p><em>Lautenbach: Zins, Kredit und Produktion (1952), S. 67<\/em>\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Ist dagegen die erh\u00f6hte Nachfrage nach Bargeld nicht durch eine Steigerung der Lohns\u00e4tze erzwungen, sondern durch eine Zunahme der gesamten Lohnsumme bei gleichbleibenden Geh\u00e4ltern und damit also einer Ausweitung der Besch\u00e4ftigung geschuldet, so sei es keineswegs klar, dass dieser Abbau der Arbeitslosigkeit wirtschaftlich heikel w\u00e4re.<\/p>\n<p>Der niedrige Zinssatz rege ja zudem auch die Investitionen an. Damit aber sei in der Regel ebenso eine Ausdehnung der Verbrauchsg\u00fcterproduktion verbunden, welche die Besch\u00e4ftigung und die Produktion um ein mehrfaches des Arbeitseinsatzes und der get\u00e4tigten Investitionen steigen lie\u00dfe.<\/p>\n<p>Wom\u00f6glich k\u00f6nnte eine Reduzierung des Bargeldbedarfs durch ein Verringern der Kredite buchst\u00e4blich inflation\u00e4re Folgen haben und damit die kompensatorische Erweiterung der Verbrauchsindustrie ver-hindern, die zur Schaffung des \u00f6konomischen Gleichgewichts und des ausgewogenen Verh\u00e4ltnisses zwischen Investition und Verbrauchsg\u00fcterproduktion notwendig w\u00e4re.<\/p>\n<p>Im n\u00e4chsten Beitrag geht es dann um die Auswirkungen von Effekten(Wertpapier)-K\u00e4ufen auf die Entwicklung der Bankenliquidit\u00e4t. <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem wir im letzten Beitrag die Prinzipien der freien Zinsbildung kennengelernt haben, soll es nun um die Auswirkungen einer Ver\u00e4nderung des Bedarfs an baren Zahlungsmitteln auf die Inanspruch-nahme des Bankensystems und demnach auch der Notenbank gehen. 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