{"id":24355711,"date":"2025-07-06T07:00:27","date_gmt":"2025-07-06T05:00:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=24355711"},"modified":"2025-07-14T07:50:13","modified_gmt":"2025-07-14T05:50:13","slug":"vwl-alternative-wirtschaftstheorie-teil-8-lautenbachs-kritik-an-der-klassischen-zinstheorie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/vwl-alternative-wirtschaftstheorie-teil-8-lautenbachs-kritik-an-der-klassischen-zinstheorie\/","title":{"rendered":"VWL: Alternative Wirtschaftstheorie &#8211; Teil 8: Lautenbachs Kritik an der klassischen Zinstheorie"},"content":{"rendered":"<p>Mit den get\u00e4tigten Schlussfolgerungen aus den ersten sieben Teilen dieser Serie stellte <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wilhelm_Lautenbach\" title=\"Wilhelm Lautenbach \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Wilhelm Lauten-bach<\/a> die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zins#Zinstheorien\" title=\"Zins \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">klassische Zinstheorie<\/a> fundamental in Frage.<\/p>\n<p><center><a title=\"Money crunch von Serge Melki from Indianapolis, USA (Money crunch Uploaded by russavia) [CC-BY-2.0 (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/2.0)], via Wikimedia Commons\" href=\"http:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3AMoney_crunch_(3209512811).jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"412\" alt=\"Money crunch (3209512811)\" src=\"\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/1\/13\/Money_crunch_%283209512811%29.jpg\/512px-Money_crunch_%283209512811%29.jpg\"\/><\/a><br \/>\n<em>Verschiedene US-M\u00fcnzen<\/em><\/center><\/p>\n<p>Die Grundlage seiner Kritik war dabei die Kl\u00e4rung der Behauptung, die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Klassische_National%C3%B6konomie\" title=\"Klassische National\u00f6konomie \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">klassische Theorie<\/a> der Bildung und Leistung des Zinses k\u00f6nne f\u00fcr die geschlossene Wirtschaft irgendwelchen Erkl\u00e4rungswert haben.<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Nach Lautenbach erkl\u00e4rt die klassische Zinstheorie den Begriff <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kapital\" title=\"Kapital \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Kapital<\/a> als sogenannte &#8222;vorgetane&#8220; Arbeit, damit sind im weitesten Sinne die durch Arbeit entstandenen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Produktionsmittel\" title=\"Produktionsmittel \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Produktionsmittel<\/a> (Geb\u00e4ude, Maschinen und Anlagen) gemeint.<\/p>\n<p>Das Kapitalangebot soll dabei von der Gesamtmenge der Ersparnisse bestimmt werden, die auch als ein Vorrat an Mitteln zum Lebensunterhalt (Subsistenzmittel) verstanden werden, die von den Sparern nicht unmittelbar konsumiert wurden.<\/p>\n<p>Demnach sei immer ein bestimmter Fonds an Ersparnissen gegeben, der Zins soll dabei die Kapital-verwendung insgesamt auf den Betrag dieses Sparfonds begrenzen. Logischerweise m\u00fcsste dann der Theorie entsprechend das Sparen eine Funktion des Zinses sein, es also eine Abh\u00e4ngigkeit zwischen diesen beiden Gr\u00f6\u00dfen geben.<\/p>\n<p>Da der Zins als eine Art Lohn oder Pr\u00e4mie f\u00fcr das Sparen, d. h. f\u00fcr den Verzicht auf den Konsum in der Gegenwart zugunsten einer zuk\u00fcnftigen Verwendung gesehen wird, so w\u00e4re es anzunehmen, dass das Sparen auf den Zins reagiert. Sinkt der Zins, wird weniger gespart, steigt er, so steigt auch das Sparen.<\/p>\n<p>Die Empirie und auch unsere theoretische Betrachtung (siehe <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/vwl-alternative-wirtschaftstheorie-teil-6-der-beschaef-tigungspolitisch-optimale-zins\/\" title=\"Alternative Wirtschaftstheorie: der besch\u00e4ftigungspolitisch optimale Zins \u2013 Teil 6\">Alternative Wirtschaftstheorie: der besch\u00e4ftigungspolitisch optimale Zins \u2013 Teil 6<\/a>) widerlegen aber eine solche systemgerechte Funktion.<\/p>\n<p>Doch auch selbst, wenn man diesen direkten Zusammenhang dann gezwungenerma\u00dfen negiert und von einem vom Zins unabh\u00e4ngigen Sparfonds ausgeht, dessen Verwendung als Kapitalinvestition durch den Zins auf die absolute H\u00f6he dieser Ersparnisse begrenzt werde, ist diese Erkl\u00e4rung unzu-treffend.<\/p>\n<p>Lautenbach erl\u00e4uterte dies so:  <\/p>\n<blockquote><p><b>Diese Erkl\u00e4rung des Zinses ist jedoch eine Fiktion. Sie erkl\u00e4rt nicht, wie der Zins zustande kommt, wie er wirkt und was er leistet, sondern sie gibt an, was er leisten sollte oder m\u00fc\u00dfte.<br \/>\nSie beschreibt nicht die tats\u00e4chliche Wirkungsweise des Zinses und gibt auch keine Anweisung daf\u00fcr, wie denn nun praktisch etwa der Zins von den Banken festgesetzt werden soll. <\/b><\/p>\n<p><em>Lautenbach: Zins, Kredit und Produktion (1952), S. 55<\/em>\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Schon die Pr\u00e4misse dieser Theorie, die Idee eines Sparfonds, der jederzeit wie ein Warenvorrat greifbar und genau bestimmbar w\u00e4re, ist letztlich nicht haltbar. Die Menge des verf\u00fcgbaren Kapitals ist nur eine ideelle Gr\u00f6\u00dfe, die genau in dem Moment, in dem \u00fcber die H\u00f6he und die Bedingungen der Investitionen entschieden wird, \u00fcberhaupt nicht bekannt und auch nicht bestimmbar ist. <\/p>\n<p>In unserer Darstellung der Kreditmechanik haben wir gesehen, dass das Kreditvolumen zwar auto-matisch w\u00e4chst, je mehr die Nichtunternehmer sparen, es sich dabei eben aber gerade nicht um eine Funktion der Investition oder der gesamten Ersparnis handelt.<\/p>\n<p>Neben der theoretischen Feststellung hatte bereits 1936 der amerikanische \u00d6konom <em>James W. Angell<\/em> in seiner Studie <a href=\"http:\/\/www.journals.uchicago.edu\/doi\/abs\/10.1086\/254980\" title=\"The Behavior of Money: Exploratory Studies\" target=\"_blank\">The Behavior of Money<\/a> auch empirisch belegt, dass es zwischen Bankdepositen und den realen investiven Vorg\u00e4ngen in der G\u00fcterwirtschaft so gut wie keine Wechselbeziehungen gebe. <\/p>\n<p>Im Gegensatz zur klassischen Theorie aber k\u00f6nne man feststellen:<\/p>\n<blockquote><p><b>Der Grundfehler in Vorschl\u00e4gen und Leits\u00e4tzen [dieser Art] liegt in der Idee des festgegebenen Sparfonds, der Vorstellung, es m\u00fcsse erst gespart werden, damit investiert werden k\u00f6nne. In Wahrheit aber ist Ersparnis (Nettoersparnis) und Neuinvestition gesamtwirtschaftlich von Haus aus identisch.<\/p>\n<p>Investition ist der Produktionsbegriff, Ersparnis der Verteilungsbegriff, der sich auf das gleiche Ph\u00e4nomen bezieht, eben das, was wir Kapitalbildung nennen und worunter wir den realen Verm\u00f6genszuwachs, die reale Ersparnis, in Gestalt des bilanzm\u00e4\u00dfigen Zugangs an Anlagen und Vorr\u00e4ten verstehen. <\/p>\n<p>Weil Investition und Ersparnis in der geschlossenen Wirtschaft dasselbe sind und nur zwei Ausdr\u00fccke f\u00fcr ein und dieselbe Sache, kann man dem Zins theoretisch nicht die Funktion zuweisen, da\u00df er die Investition oder die Kapitalverwendung den Ersparnissen anpasse.<\/b><\/p>\n<p><em>Lautenbach: Zins, Kredit und Produktion (1952), S. 58<\/em>\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Nat\u00fcrlich begrenzt oder bestimmt der Zinssatz die Verwendung des Kapitals oder die Kreditaufnahme, er kommt dabei allerdings in ganz anderer Form zustande, als es die klassische Sicht darlegen will.<\/p>\n<p>In der realen Welt geschieht die Kapitalbildung durch die entsprechenden Disponierungen der Unter-nehmer. Diese lassen mit den vorhandenen Produktionsfaktoren (eben dem bereits vorhandenen Kapital in Form von Maschinen und anderen Anlagen sowie der Arbeit) neue Produktionsanlagen herstellen.<\/p>\n<p>Dabei handelt es sich um Maschinen, Geb\u00e4ude oder auch Verkehrsmittel, aber auch um fertige G\u00fcter, die f\u00fcr den Konsum bestimmt sind und noch nicht an die Konsumenten weitergegeben , sondern stattdessen auf Lager genommen sind.<\/p>\n<p>Um diese Dispositionen durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen, ben\u00f6tigen die Unternehmer entsprechende finanzielle Mittel. Mit diesem Geld m\u00fcssen sie die Arbeiter und sonstige Leistungen, wie die Lieferungen der Vorproduzenten bezahlen. Wenn sie dieses Geld nicht als Bankguthaben besitzen, kann es ihnen als Bankkredit im Rahmen bestimmter Grenzen zur Verf\u00fcgung gestellt werden. <\/p>\n<p>Im n\u00e4chsten Beitrag wird es um die Einhaltung dieser Grenzen gehen. Es stellt sich die Frage, wonach sich die Banken bei ihrer Kreditpolitik richten, und ob diese Kreditpolitik immer automatisch richtig und korrekt funktioniert.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit den get\u00e4tigten Schlussfolgerungen aus den ersten sieben Teilen dieser Serie stellte Wilhelm Lauten-bach die klassische Zinstheorie fundamental in Frage. 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