{"id":24350829,"date":"2025-06-12T07:00:18","date_gmt":"2025-06-12T05:00:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=24350829"},"modified":"2025-06-11T08:32:41","modified_gmt":"2025-06-11T06:32:41","slug":"vwl-alternative-wirtschaftstheorie-teil-7-die-elemente-der-kreditmechanik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/vwl-alternative-wirtschaftstheorie-teil-7-die-elemente-der-kreditmechanik\/","title":{"rendered":"VWL: Alternative Wirtschaftstheorie &#8211; Teil 7: Die Elemente der Kreditmechanik"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem wir uns in den ersten Teilen dieser Reihe (<a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/vwl-alternative-wirtschaftstheorie-teil-1-unternehmergewinn-und-beschaeftigungsvolumen\/\" title=\"Alternative Wirtschaftstheorie: Unternehmergewinn und Besch\u00e4ftigungsvolumen \u2013 Teil 1\">Teil 1<\/a> bis <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/vwl-alternative-wirtschaftstheorie-teil-6-der-beschaef-tigungspolitisch-optimale-zins\/\" title=\"Alternative Wirtschaftstheorie: der besch\u00e4ftigungspolitisch optimale Zins \u2013 Teil 6 \u203a\">Teil 6<\/a>) damit besch\u00e4ftigt haben, welches Investitionsvolumen besch\u00e4ftigungspolitisch in einer geschlossenen Volkswirtschaft w\u00fcnschenswert w\u00e4re, soll es nun um die Faktoren gehen, die den Kreditbedarf zur Finanzierung eben dieses Volumens beeinflussen.<\/p>\n<p><center><a title=\"Geldstrom\/Kreditmechanik\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Datei:Geldstrom_(Kreditmechanik).png\"><img decoding=\"async\" width=\"508\" alt=\"Geldsch\u00f6pfung\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/b\/b7\/Geldstrom_%28Kreditmechanik%29.png\"\/><\/a><\/center><br \/>\n<center><b>Volkswirtschaftlicher Kreditbedarf \/ Finanzierungsbedarf der Unternehmen<\/b><br \/>\n<em>Grafik: Wolfgang WALDNER &#038; C.G.BRANDSTETTER<\/em><\/center><\/p>\n<p>In seinem Werk &#8222;Zins, Kredit und Produktion&#8220; (1952) zeigte sich <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wilhelm_Lautenbach\" title=\"Wilhelm Lautenbach \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Wilhelm Lautenbach<\/a> \u00fcberzeugt davon, dass eine solche Feststellung der Bestimmungsgr\u00fcnde des Kreditbedarfs nur durch die theoretische Konstruktion m\u00f6glich sei. <\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Denn selbst wenn man zu einem gegebenen Zeitpunkt im Wege der Bilanzstatistik von s\u00e4mtlichen Unternehmen eine genaue Statusanalyse \u00fcber die Vorr\u00e4te an Betriebsstoffen, liquiden Mitteln sowie ihren  Produktionsplanungen und Investitionsabsichten habe, w\u00fcsste man doch nicht, wie hoch denn eigentlich ihr Kreditbedarf sei.<\/p>\n<p>Ebenso war Lautenbach der Ansicht, dass ein Vergleich mit \u00e4hnlichen Erfahrungen und Beobachtungen der Vergangenheit nicht weiterhelfen k\u00f6nne. Ohne eine genaue Kenntnis der dahinterstehenden &#8222;Kreditmechanik&#8220; sei man au\u00dferstande, die Auswirkungen der statistisch ermittelten Tatsachen auf den Kreditbedarf einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<blockquote><p><b>Diese \u00dcberlegung zeigt, dass die theoretische Konstruktion nicht, wie es den Au\u00dfenstehenden etwa scheinen mag, ein fragw\u00fcrdiges Beginnen ist, sondern dass sie allein den Zugang zur L\u00f6sung er\u00f6ffnen kann.<\/b><\/p>\n<p><em>Lautenbach: Zins, Kredit und Produktion (1952), S. 43<\/em>\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Erst durch die theoretische Konstruktion sei es m\u00f6glich, die \u00f6konomische Funktion des Kredites, sein Volumen und seine <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Liquidit%C3%A4t\" title=\"Liquidit\u00e4t \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Liquidit\u00e4t<\/a> klar und allgemein verst\u00e4ndlich darlegen zu k\u00f6nnen, da das Wesen der Theorie vor allem in der Verallgemeinerung und Vereinfachung komplexer Zusammenh\u00e4nge bestehe.<\/p>\n<p>Um das Problem des Kreditbedarfs mittels theoretischer Analyse zu l\u00f6sen, vereinfachte Lautenbach die Fragestellung auf die elementarsten Faktoren:<\/p>\n<p><b>Die Elemente der Kreditwirtschaft<\/b><br \/>\nDaher ging er davon aus, dass es zun\u00e4chst einfacher sei, anstelle des Kreditbedarfes den Finanzbedarf an sich zu ermitteln. In seinem Modell war es daher Grundvoraussetzung, dass kein Unternehmer \u00fcber liquide Mittel verf\u00fcgte. Der Kreditbedarf ist aber der Finanzbedarf minus eigene Mittel. <\/p>\n<p>So nahm er an, dass nach einer W\u00e4hrungsreform keine Liquidit\u00e4t mehr vorhanden sei, weil Geld, Bankguthaben und sonstige Geldforderungen nicht mehr vorhanden seien. Der Kreditbedarf w\u00e4re demnach gleich dem Finanzbedarf.<\/p>\n<p>Um das Modell noch weiter zu vereinfachen, lie\u00df Lautenbach nur ein einziges Finanzierungsinstrument, n\u00e4mlich den Bankenkredit, zu und vereinigte die Konten aller Banken in einer einzigen Bank, einer General<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bankguthaben\" title=\"Bankguthaben \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">depositen<\/a>bank.<\/p>\n<p>Mit einem solchen Modell hatte bereits 1920 der Bankier und \u00d6konom <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/L._Albert_Hahn\" title=\"L. Albert Hahn \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Albert Hahn<\/a> in seinem Buch &#8222;Volkswirtschaftliche Theorie des Bankkredits&#8220; (T\u00fcbingen 1920, 3. Aufl. T\u00fcbingen 1930) gearbeitet.<\/p>\n<p>Grundlage der \u00dcberlegungen in diesem Modell sind die sogenannten Bankdebitoren, d. h. Unternehmen, die sich verschulden m\u00fcssen, um ihre Produktions- und Investitionspl\u00e4ne durchzuf\u00fchren. Dabei geht es vor allem um Dispositionen, durch die \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum Mittel gebunden werden, wie die Errichtung und Erweiterung von Produktionsanlagen oder die Bereitstellung von Warenbest\u00e4nden als Vorprodukte.<\/p>\n<p>Dabei stehe zu erwarten, dass der Finanzbedarf f\u00fcr solche Dispositionen sehr eng mit den Investitionen zusammenh\u00e4nge bzw. deren Umfang ma\u00dfgeblich f\u00fcr den Kreditbedarf sei. Doch Lautenbach macht deutlich, dass man zwar bisweilen die Banken als &#8222;unersch\u00f6pfliche Kreditquellen&#8220; ansehe, doch es letztlich auch die Kreditoren sind, die \u00fcber das Volumen der Bankkredite mitbestimmen.<\/p>\n<p>Gesamtwirtschaftlich werde das Bankkreditvolumen begrenzt durch die Summe der Bankkreditoren. Logischerweise k\u00f6nnten die Banken nicht mehr ausleihen, als sie Einlagen erhielten. Doch dieser Satz beziehe sich nur auf die Identit\u00e4t der Gr\u00f6\u00dfen. Er sage aber nichts aus \u00fcber einen Vorrang einer der Seiten der Bankbilanz.<\/p>\n<p>Erst eine Betrachtung der <a href=\"http:\/\/www.saldenmechanik.info\/index.php\/kreditmechanik\" title=\"Kreditmechanik - Saldenmechanik\" target=\"_blank\">Kreditmechanik<\/a> in Form einer Untersuchung des Kreditprozesses best\u00e4tigt die G\u00fcltigkeit dieser Aussage f\u00fcr den gesamten volkswirtschaftlichen Kreditbedarf.<\/p>\n<p><b>Die Kreditmechanik<\/b><br \/>\nDem bisherigen Modellaufbau entsprechend gibt es in einer geschlossenen \u00d6konomie keinerlei Geld, kein Bargeld, kein Buchgeld, und wie bei einer <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/W%C3%A4hrungsreform\" title=\"W\u00e4hrungsreform \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">W\u00e4hrungsreform<\/a> sind eventuell vorhandene Banknoten nicht mehr g\u00fcltig. Auch die Generaldepositenbank startet ihre T\u00e4tigkeit mit leeren Konten. <\/p>\n<p>Trotzdem kann sie Zahlungen per Gutschriften leisten, f\u00fcr die sie als einzige Vorraussetzung eine Lastschrift ben\u00f6tigt. Da es aber keine Guthaben gibt, aus denen jemand zahlen k\u00f6nnte, ist nur derjenige liquide, dem die Bank eine Kreditlinie einr\u00e4umt. Damit sind diese Kreditlinien das erste (und einzige) Finanzierungmittel, welches zur Verf\u00fcgung steht, sie sind zugleich auch &#8222;wirksames Geld&#8220;.<\/p>\n<p>Um einen Wirtschaftskreislauf \u00fcberhaupt fortsetzen zu k\u00f6nnen, muss die Bank allen Unternehmern, die ihre Betriebe weiterf\u00fchren wollen, in der H\u00f6he ihrer f\u00e4lligen Zahlungen an Nichtunternehmer (wie z. B. L\u00f6hne, Geh\u00e4lter, Zinsen, Renten und Steuern) Kredite einr\u00e4umen.<\/p>\n<p>W\u00e4ren diese Zahlungen alle zu einem gleichen Termin, etwa zum Monatsanfang oder -ende f\u00e4llig, so m\u00fcssten die Konten der Unternehmer dann erstmals mit dem Gesamtbetrag dieser Auszahlungen belastet werden, w\u00e4hrend gleichzeitig die Empf\u00e4nger (Arbeiter, Angestellte, Rentenempf\u00e4nger usw.) in gleicher H\u00f6he Gutschriften erhielten. <\/p>\n<p>Ginge man weiter davon aus, dass auch alle von der \u00f6ffentlichen Hand zu leistenden Geh\u00e4lter und sonstige Zahlungen gleichzeitig f\u00e4llig w\u00e4ren, so w\u00fcrden die Konten des Staates dementsprechend in deren H\u00f6he ebenso zu belasten. Durch die f\u00e4lligen Steuer- und Abgabenzahlungen w\u00fcrden aber die Schulden der \u00f6ffentlichen Hand getilgt werden, so dass (theoretisch) kein Sonderkreditbedarf des Staates entstehen w\u00fcrde. <\/p>\n<p>Ebensowenig m\u00fc\u00dfte man einen besonderen Kreditbedarf innerhalb der Gruppe der Unternehmen ansetzen, da man davon ausgehen k\u00f6nne, dass die Mehrheit der Betriebe in der Regel durch die verausgabten Zahlungen an L\u00f6hnen und Geh\u00e4ltern sowie f\u00fcr Vorprodukte aber auch durch den eigenen Konsum tief im Debit stehen w\u00fcrden. <\/p>\n<p>Daher werde auch das Bankkreditvolumen insgesamt nicht ausgeweitet, wenn ein Unternehmer an einen anderen eine Zahlung leiste, da es sich dabei nur um eine Ver\u00e4nderung der Schulden handele, d. h. das Plus am Debit des Einen durch ein entsprechendes Minus am Debit des Anderen kompensiert werde.    <\/p>\n<p>F\u00fcr die weitere theoretische Erkenntnis bliebe festzuhalten, wie Lautenbach es formulierte:<\/p>\n<blockquote><p><b>Solange die Unternehmer allesamt oder in der Mehrzahl Debitoren sind, w\u00fcrden Ums\u00e4tze in der Unternehmersph\u00e4re nur sich kompensierende Ver\u00e4nderungen debitorischer Konten bewirken, also nicht die Gesamtkreditsumme oder den Gesamtkreditbedarf per saldo erh\u00f6hen.<br \/>\nGleichzeitig erhellt hieraus, dass der Gesamtkreditbedarf gerade dann minimal ist, wenn alle Unternehmer Debitoren sind&#8230;<\/b><\/p>\n<p><em>Lautenbach: Zins, Kredit und Produktion (1952), S. 48<\/em>\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Unter der Bedingung, das fast alle Unternehmer Debitoren, also Schuldner seien, reduziert sich ihr Gesamtkreditbedarf auf den monatlich zu leistenden Betrag, wenn alle Lohn- und Gehaltsempf\u00e4nger ihre Einnahmen jeweils innerhalb einer Periode komplett wieder ausgeben. Damit ist dieser Kredit ein reiner <b>&#8222;Zirkulationskredit&#8220;<\/b>.<\/p>\n<p>Wenn die Nichtunternehmer aber ihre Einkommen nicht komplett wieder ausgeben, also sparen, w\u00e4chst das Kreditvolumen entsprechend. Deshalb entsteht der Kreditbedarf der Unternehmer also gerade dadurch, dass Private und\/oder die \u00f6ffentliche Hand weniger ausgeben.<\/p>\n<p>Dieser Kreditbedarf, der \u00fcber den reinen Zirkulationskredit hinausgeht, bezeichnet Lautenbach als <b>Investitions- und Anlagekredit<\/b>. Dieser sei dadurch zu erkennen, dass einige oder viele Debitorenkonten auch zum Zeitpunkt der h\u00f6chsten Entlastung nicht wieder auf Null zur\u00fcckgehen.<\/p>\n<p><b>Der Bedarf an Zirkulationskredit<\/b><br \/>\nIm Gegensatz zum Investitionskredit l\u00e4\u00dft sich der Bedarf an Zirkulationskrediten (wohlgemerkt immer noch in einer geschlossenen bargeldlosen Wirtschaft) recht einfach vorausberechnen. Dabei bilden die Auszahlungen an Geh\u00e4ltern, L\u00f6hnen, Steuern, Zinsen usw. die Grundlage der Berechnung, da sie ja immer zu bestimmten Terminen fest zu leisten sind. Daher w\u00fcrden bei einheitlichen Zahlungsterminen und -perioden (monatliche Zahlungen vorausgesetzt) die Monatssummen auch den Kreditbedarf insgesamt bestimmen.<\/p>\n<p>Etwas schwieriger geriete die Berechnung bei unterschiedlichen Zahlungsterminen, doch auch dann w\u00e4re die Feststellung des Gesamtkredits lediglich eine mathematische Aufgabe.<\/p>\n<p><b>Der Bedarf an Anlage- und Investitionskredit<\/b><br \/>\nIm Gegensatz zum Zirkulationskredit l\u00e4\u00dft sich der Bedarf an Anlagekrediten nie vorausberechnen. Man kann nur die Bedingungen ermitteln und angeben, von denen die Kreditaufnahme abh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>In diesem Modell entsteht der Bedarf dadurch, dass auf verschiedenen Konten <a href=\"http:\/\/www.wirtschaftslexikon24.com\/d\/depositen\/depositen.htm\" title=\"Depositen - Wirtschaftslexikon\" target=\"_blank\">Depositen<\/a> oder <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sichteinlagen\" title=\"Sichteinlage \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Sichteinlagen<\/a> bei der Bank nicht wieder ausgegeben werden und daher dort verbleiben. <\/p>\n<p>Diese Einlagen k\u00f6nnen entstehen durch Sparen von Nichtunternehmen, und zwar in Form von Versorgungssparen, Ausgabezur\u00fcckhaltung in der Erwartung von Preissenkungen und als \u00dcbersch\u00fcsse der \u00f6ffentlichen Hand.<\/p>\n<p>Dazu z\u00e4hlen aber auch die liquiden \u00dcbersch\u00fcsse der Unternehmer. Dabei ist zu beachten, dass diese \u00dcbersch\u00fcsse umso niedriger ausfallen, je gleichm\u00e4\u00dfiger die Unternehmen investieren. Es geht daher weniger um den Gesamtbetrag, den die Firmen einsetzen, sondern um die Verteilung der Investitionen auf die einzelnen Unternehmen.<\/p>\n<p>Bankgl\u00e4ubiger werden einige Unternehmen nur dadurch, dass sie weniger investieren als sie an \u00dcbersch\u00fcssen realisieren. Diese &#8222;Liquidit\u00e4t&#8220; dieser Firmen reicht dann schon als Bedingung, um festzustellen, dass andere Unternehmer logischerweise illiquide sein m\u00fcssen. Umgekehrt hei\u00dft das, dass die \u00dcbersch\u00fcsse einiger Unternehmer nur entstehen k\u00f6nnen, weil andere \u00fcber ihre Mittel hinaus investieren, also Kreditbedarf haben.<\/p>\n<p>So stellte Lautenbach fest:<\/p>\n<blockquote><p><b>W\u00fcrden alle Unternehmer investieren und sich dabei gewisserma\u00dfen im Gleichschritt und in einer Reihe bewegen, ohne da\u00df einer vorprellt oder ein anderer zur\u00fcckbleibt, dann w\u00e4re der Kreditbedarf f\u00fcr die Investition vollkommen beschr\u00e4nkt auf die Ersparnisse der Nichtunternehmer und er w\u00e4re, wenn diese nicht sparten, gleich null, mag noch so viel investiert werden.<\/b><\/p>\n<p><em>Lautenbach: Zins, Kredit und Produktion (1952), S. 50<\/em>\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Daher ist es erforderlich, wenn man den gesamten Anlagekreditbedarf vorausberechnen will, festzustellen, ob und in welchem Ausma\u00df die Unternehmer &#8222;im Gleichschritt&#8220; vorgehen.<\/p>\n<p><b>Der Einfluss des Firmen- und Lieferantenkredits<\/b><br \/>\nMit dem Modell der bargeldlosen \u00d6konomie mit nur einer Depositenbank konnte analysiert werden, dass der Zirkulationskredit nur die Summe aller an bestimmten Terminen zu entrichtenden Zahlungen an Nichtunternehmer umfasst. <\/p>\n<p>Ferner wurde festgestellt, dass die Zahlungen zwischen den Unternehmungen selbst keinen weiteren Kreditbedarf erzeugen, soweit es sich nur um Ums\u00e4tze zwischen Schuldnern handelt. Doch auch wenn nicht alle Firmen Debitoren sind, gilt dieser Satz weitestgehend.  <\/p>\n<p>Daher ist zu beachten, dass unter diesen Bedingungen Unternehmen nur dann Gl\u00e4ubiger werden k\u00f6nnen, wenn sie mehr verdienen als sie verbrauchen, ohne diese \u00dcbersch\u00fcsse in die eigenen Betriebe zu investieren. Logischerweise m\u00fcssen dann aber auch andere Firmen mehr als ihren Gewinn investieren, d. h. ihre Ausgaben m\u00fcssen h\u00f6her sein als ihre Einnahmen.<\/p>\n<p>Bankguthaben innerhalb der Gruppe der Unternehmen sind also immer die Folge von Investitionen anderer, die dem entsprechende Kredite aufgenommen haben.<\/p>\n<p>L\u00e4sst man nun neben der Kreditvermittlung durch die Generaldepositenbank auch die Kreditvergabe zwischen den Unternehmern, also den Lieferantenkredit zu, so erh\u00f6ht sich \u00fcberraschenderweise der Bedarf an Zirkulationskredit. Dies ist dadurch bedingt, dass Unternehmen ihren \u00dcberschuss zwar anderen Firmen zur Verf\u00fcgung stellen, und damit eigentlich das Bankkreditvolumen verringern w\u00fcrden; da es sich bei diesen Vorg\u00e4ngen aber um Investitionen (oder Konsumfinanzierungen) handelt, sind dies keine echten Zirkulationskredite.<\/p>\n<p>Nehmen also einzelne Unternehmen eine Doppelrolle als Bankkreditoren und Warenkreditoren ein, so kann dies durchaus einerseits betriebswirtschaftlich rationell sein (es werden Kredite ausgegeben von denjenigen, die die Verh\u00e4ltnisse der Schuldner am besten beurteilen k\u00f6nnen), andererseits aber wird dadurch am Ende das Bankkreditvolumen trotzdem weiter ausgedehnt, da die Lieferanten diese gew\u00e4hrten Warenkredite wiederum bei der Bank refinanzieren m\u00fcssen. <\/p>\n<p>Insgesamt kann man konstatieren, dass es zweierlei Arten von Direktkrediten zwischen Unternehmern gibt: soweit es echte Zirkulationskredite sind, gehen sie einher mit kompensierenden Bankkrediten, die zusammen nur eine Doppelbuchung darstellen und daher das Kreditvolumen erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Verbleibt aber bei einem Bankgl\u00e4ubiger ein Guthaben ohne Kompensation durch Warenschulden, so stellt es damit einen echten und dauerhaften \u00dcberschuss dar, der gesamtwirtschaftlich als ein Teil des volkswirtschaftlichen Sachkapitals betrachtet werden muss, wenn es sich dabei nicht um Konsumfinanzierung oder staatliche Verschuldung handelt. <\/p>\n<p>Diesem \u00dcberschuss steht an letzter Stelle ein Schuldner gegen\u00fcber, der keine Forderungen hat, sondern seine Betriebsmittel und Anlagen \u00fcber seine eigenen Mittel hinaus erweitert hat.<\/p>\n<blockquote><p><b>Das nat\u00fcrliche Ende solcher liquiden \u00dcbersch\u00fcsse ist entweder Verwendung zu eigener Investition in einem sp\u00e4teren Zeitpunkt oder Kapitalbeteiligung an anderen Unternehmungen oder allgemeiner gesagt, Anlage in Wertpapieren, die ein Bankdebitor zur Fundierung seiner kurzfristigen Bankschulden emittiert.<\/b><\/p>\n<p><em>Lautenbach: Zins, Kredit und Produktion (1952), S. 54<\/em>\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Durch die Anlage der \u00dcbersch\u00fcsse in Wertpapieren oder Beteiligungen verschwinden die Kredit- und Schuldpositionen dann irgendwann wieder aus den Bankb\u00fcchern.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck bleibt damit die schlichte Erkenntnis, dass der gesamte Kreditbedarf f\u00fcr die Investitionen letztlich wie weiter oben bereits festgestellt vollkommen beschr\u00e4nkt ist auf die Ersparnisse der Nichtunternehmer, da sich Schulden und Guthaben innerhalb der Unternehmersph\u00e4re langfristig entweder kompensieren oder in reale Investitionen in Anlagekapital m\u00fcnden.<\/p>\n<p>Weiter geht es im n\u00e4chsten Teil mit einer fr\u00fchen Lautenbachschen Kritik an der klassischen Zinstheorie.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem wir uns in den ersten Teilen dieser Reihe (Teil 1 bis Teil 6) damit besch\u00e4ftigt haben, welches Investitionsvolumen besch\u00e4ftigungspolitisch in einer geschlossenen Volkswirtschaft w\u00fcnschenswert w\u00e4re, soll es nun um die Faktoren gehen, die den Kreditbedarf zur Finanzierung eben dieses<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[27,36,28,44,18],"class_list":["post-24350829","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-oekonomie","tag-investition","tag-lautenbach","tag-saldenmechanik","tag-volkswirtschaftslehre","tag-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24350829","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=24350829"}],"version-history":[{"count":6,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24350829\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":24355739,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24350829\/revisions\/24355739"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=24350829"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=24350829"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=24350829"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}