{"id":23280675,"date":"2026-01-14T10:29:20","date_gmt":"2026-01-14T09:29:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=23280675"},"modified":"2026-03-11T15:32:24","modified_gmt":"2026-03-11T14:32:24","slug":"economic-history-die-erste-weltwirtschaftskrise-1857-und-ihr-schnelles-ende","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/economic-history-die-erste-weltwirtschaftskrise-1857-und-ihr-schnelles-ende\/","title":{"rendered":"Economic History: Die erste Weltwirtschaftskrise 1857 und ihr schnelles Ende"},"content":{"rendered":"<p>\u00dcber die Ursachen der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wirtschaftskrise_von_1857\" title=\"Wirtschaftskrise von 1857 \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wirtschaftskrise von 1857<\/a>, aus der schlie\u00dflich die erste echte Krise der Welt-wirtschaft erwuchs, ist im Zuge der Aufarbeitung der globalen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Weltwirtschaftskrise_ab_2007\" title=\"Weltwirtschaftskrise ab 2007 \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wirtschaftskrise seit 2007<\/a> schon einiges geschrieben worden:<\/p>\n<p><center><a title=\"Run on the Seamen's Savings' Bank during the Panic of 1857 see page for author [Public domain], via Wikimedia Commons\" href=\"http:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3A1857_panic.jpeg\"><img decoding=\"async\" width=\"512\" alt=\"1857 panic\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/8\/86\/1857_panic.jpeg\"\/><\/a><br \/>\n<em>Run auf die <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Seamen%27s_Savings_Bank\" target=\"_blank\">Seamen&#8217;s Savings Bank<\/a> w\u00e4hrend der Krise von 1857<\/em><\/center><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.woz.ch\/0732\/die-mutter-aller-krisen\/der-tickende-zusammenbruch\" title=\"Der tickende Zusammenbruch | WOZ Die Wochenzeitung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Der tickende Zusammenbruch | WOZ Die Wochenzeitung<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2007\/42\/A-Wirtschaftskrise-1857\" title=\"Weltwirtschaft: Alles ist weg | ZEIT ONLINE\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Weltwirtschaft: Alles ist weg | ZEIT ONLINE<\/a> oder sehr ausf\u00fchrlich in <a href=\"http:\/\/rspree.wordpress.com\/2011\/07\/21\/die-%E2%80%9Eerste%E2%80%9C-weltwirtschaftskrise-1857-1859\/\" title=\"Die \u201eerste\u201c Weltwirtschaftskrise 1857-1859 | Texte zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Die \u201eerste\u201c Weltwirtschaftskrise 1857-1859 | Texte zur Sozial- und Wirtschafts-geschichte<\/a>.<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>H\u00e4ufig wurde dabei auf die \u00c4hnlichkeiten zur Weltwirtschaftskrise von 2007 verwiesen. Auch damals begann alles mit einer Finanzkrise, die sich zu einer weltumspannenden Wirtschaftskrise entwickelte. \u00dcber die verschiedenen Aspekte, die schlie\u00dflich zum Ausbruch der Misere f\u00fchrten, findet man in den obigen Texten sehr detaillierte Angaben. <\/p>\n<p>Erstaunlich ist dabei allerdings, dass \u00fcber die Gr\u00fcnde, die diese Krise 1859 und in den Folgejahren doch recht z\u00fcgig beendeten, eher wenig bis nichts bekannt ist.<\/p>\n<p>So res\u00fcmiert der oben verlinkte Zeit-Artikel etwa: &#8222;Die Rezession w\u00e4hrt ein Jahr, mancherorts auch zwei. Die Arbeitslosen der Welt begn\u00fcgen sich mit kostenloser Suppe, ein paar Demonstrations-m\u00e4rschen und hier und da einer Schl\u00e4gerei mit der Polizei. <\/p>\n<p>Die Revolution bleibt aus. Irgendwann sch\u00f6pfen die Gesch\u00e4ftsleute wieder Vertrauen, die Banken bekommen wieder Kapital, die Fabrikanten wieder Kredit, die Tagel\u00f6hner wieder Arbeit.&#8220;<\/p>\n<p>Noch platter ist die Beschreibung in der Schweizer Wochenzeitung: &#8222;Mitte Dezember 1857, nach einer Pause von nur 59 Tagen, \u00f6ffnen die meisten New Yorker Banken wieder ihre Schalter &#8211; als sei nichts geschehen. Das kindliche Vertrauen der Menschen in Fortschritt und Kapitalismus ist nicht nur in den USA bald wiederhergestellt.&#8220;<\/p>\n<p>Doch zum Gl\u00fcck gibt es ein schon \u00e4lteres Werk des Historikers <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hans_Rosenberg_(Historiker)\" title=\"Hans Rosenberg (Historiker) \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Hans Rosenberg<\/a>: <em>Die Weltwirtschafts-krise 1857\u20131859<\/em>, Vandenhoeck &#038; Ruprecht, 2. Auflage G\u00f6ttingen 1974 (1. Auflage Stuttgart 1932), in dem er sich auch sehr ausf\u00fchrlich mit dem Ende der Krise befasste.<\/p>\n<p>Und dort finden wir dann einige Aussagen, die besonders im Bezug auf die momentan vor allem in Europa vorherrschende <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Angebotspolitik\" title=\"Angebotspolitik \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Angebotspolitik<\/a> mit ihren L\u00f6sungsans\u00e4tzen der flexiblen Arbeitsm\u00e4rkte und dem Gebot von Lohnzur\u00fcckhaltung\/-k\u00fcrzung in den Krisenl\u00e4ndern etwas befremdlich anmuten. <\/p>\n<p>So gab es damals zwar eine ganze Anzahl von erbittert gef\u00fchrten Arbeitsk\u00e4mpfen, da die Produzenten die nach dem Ende der Spekulation wieder sinkenden Warenpreise in Form von drastischen Lohnsen-kungen an ihre Arbeitnehmer weitergeben wollten. Doch offenbar ist dies in gr\u00f6\u00dferem Umfang nicht erfolgreich gewesen: <\/p>\n<blockquote><p><b>Innerhalb der Faktorenreihe, die die \u00dcberwindung der Krise erleichtert, bzw. \u00fcberhaupt erst m\u00f6glich gemacht hat, ist der Tatsache entscheidende Bedeutung beizumessen, da\u00df auf der Wertseite der Wirtschaft der Preisverfall den Grad der erst allm\u00e4hlich auf ihn folgenden Lohnsenkung erheblich \u00fcbertroffen hat. <\/p>\n<p>Trotz aller Versuche, die L\u00f6hne zu dr\u00fccken und dem niedrigen Preisstande anzupassen, hat das Lohnniveau eine bemerkenswerte Stabilit\u00e4t behauptet, d\u00fcrfte doch, im gro\u00dfen Durchschnitt gesehen, in den kapitalistischen L\u00e4ndern die Nominallohnsenkung kaum mehr als 10 % betragen haben.<\/p>\n<p>In nicht wenigen Branchenzweigen und Wirtschaftsbezirken ist es zudem \u00fcberhaupt nicht zu einer Lohnsenkung, sondern lediglich zu einer Abschw\u00e4chung der aufsteigenden Lohn-bewegung gekommen.<\/b><\/p>\n<p><em>Hans Rosenberg: Die Weltwirtschaftskrise 1857\u20131859, S. 181\/182<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>So waren es vor allem die Vollbesch\u00e4ftigten (auch damals gab es \u00fcbrigens schon bemerkenswerte und heute wenig bekannte Staatseingriffe in Form von Kurzarbeitssystemen einzelner L\u00e4nder) und die Arbeitnehmer mit fester Besoldung (die Beamten, Angestellten und Rentenbezieher), die aufgrund der relativ unver\u00e4nderten Lohn- und Gehaltszahlungen gut durch die Krisenjahre kamen.<\/p>\n<p>Die Tragweite dieser nicht erfolgten Lohnzur\u00fcckhaltungen in den meisten betroffenen Staaten war nach Rosenberg einschneidend f\u00fcr den weiteren Verlauf der Krise: <\/p>\n<blockquote><p><b>F\u00fcr diese Verbraucherschichten hat die Krise nicht allein durch Senkung der Lebenshaltungskosten einen Gewinn bedeutet, sie hat hier auch eine zus\u00e4tzliche Kaufkraft geschaffen, die in dem Augenblick eine konjunktur-ankurbelnde Wirkung \u00fcben musste, wo der Preissturz und damit auch die Kaufzur\u00fcckhaltung ihr Ende gefunden hatten.<\/b><\/p>\n<p><em>Hans Rosenberg: Die Weltwirtschaftskrise 1857\u20131859, S. 182<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Und so stellte Rosenberg schon 1932 erstaunlich n\u00fcchtern und eindeutig die Wirkung einer <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nachfragepolitik\" title=\"Nachfragepolitik \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">nachfrageorientierten Wirtschaftspolitik<\/a> am Beispiel der Konsolidierung nach der Krise 1859 fest:<\/p>\n<blockquote><p><b>Und da letzten Endes der \u201eKonsum der Konsumenten&#8220; den Produktionsumfang bestimmt, so haben schlie\u00dflich nach dem Aufschwung der auf den wirtschaftlichen Gesamt-organismus zur\u00fcckwirkenden Verbrauchsg\u00fcterindustrien auch die kapitalproduzierenden Industrien sich wieder zu erholen vermocht. <\/p>\n<p>Mit dem Steigen der Nachfrage nach erzeugten Fertigg\u00fctern und dem Wiederanziehen der Preise ist der Boden f\u00fcr die Wendung von der Schrumpfungs- und Stagnierungs- zur Anstiegstendenz bereitet worden.<\/b><\/p>\n<p><em>Hans Rosenberg: Die Weltwirtschaftskrise 1857\u20131859, S. 183<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Rosenbergs Fazit wirkt aus heutiger Sicht erstaunlich aktuell und modern. <\/p>\n<p>Seine Feststellung, dass trotz vorherigen \u00dcberschiessens (die L\u00f6hne und Geh\u00e4lter waren in allen Industriestaaten w\u00e4hrend des Wirtschaftsaufschwungs der 1850er Jahre erheblich gestiegen) es vor allem die Tatsache war, dass die L\u00f6hne w\u00e4hrend und nach der Krise <b>eben nicht<\/b> in gleichem Ma\u00dfe dem Absinken der vorher spekulationsbedingt hohen Preise folgten oder gar diese noch unterboten, wesent-lich zur raschen Erholung der realen Wirtschaft beigetragen hatte, liest sich wie ein modernes Bekenntnis zu keynesianischer Wirtschaftspolitik. <\/p>\n<p>Es ist gleichzeitig auch ein fr\u00fches Pl\u00e4doyer f\u00fcr die Einhaltung der &#8222;goldenen Lohnregel&#8220;:<\/p>\n<p>Der Lohnzuwachs sollte demnach m\u00f6glichst immer dem Produktivit\u00e4tszuwachs einer Volkswirtschaft plus der Preissteigerungsrate folgen, nicht nur, um der arbeitenden Bev\u00f6lkerung eine gerechte Betei-ligung an dem erwirtschafteten Wohlstand zu erm\u00f6glichen, sondern auch um in einer Depression oder Krise ein deflation\u00e4re Abw\u00e4rtsentwicklung durch sinkende L\u00f6hne und dadurch schrumpfender Nachfrage zu verhindern. <\/p>\n<p>Gerade in Deutschland, wo die Mehrheit der \u00d6konomen immer noch und vielen empirischen gegen-s\u00e4tzlichen Nachweisen zum Trotz der Angebotspolitik anh\u00e4ngen, w\u00e4re es an der Zeit, des \u00f6fteren auch aus der Historie die richtigen ideologiefreien Schl\u00fcsse zu ziehen.  <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber die Ursachen der Wirtschaftskrise von 1857, aus der schlie\u00dflich die erste echte Krise der Welt-wirtschaft erwuchs, ist im Zuge der Aufarbeitung der globalen Wirtschaftskrise seit 2007 schon einiges geschrieben worden: Run auf die Seamen&#8217;s Savings Bank w\u00e4hrend der Krise<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[33,24,43,14,29,44,18],"class_list":["post-23280675","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-oekonomie","tag-deflation","tag-globalisierung","tag-keynes","tag-lohn","tag-sparen","tag-volkswirtschaftslehre","tag-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23280675","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=23280675"}],"version-history":[{"count":15,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23280675\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":24398630,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23280675\/revisions\/24398630"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23280675"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23280675"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23280675"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}