{"id":2237209,"date":"2015-11-23T07:15:07","date_gmt":"2015-11-23T06:15:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=2237209"},"modified":"2017-02-06T15:13:40","modified_gmt":"2017-02-06T14:13:40","slug":"doch-es-gibt-tatsaechlich-so-etwas-wie-ein-free-lunch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/doch-es-gibt-tatsaechlich-so-etwas-wie-ein-free-lunch\/","title":{"rendered":"Doch, es gibt tats\u00e4chlich so etwas wie ein &#8222;Free Lunch&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend der laufenden <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pr%C3%A4sidentschaftswahl_in_den_Vereinigten_Staaten_2016\" target=\"_blank\">Kampagne zur Pr\u00e4sidentschaftswahl in den USA<\/a> haben eine Reihe von aussichtsreichen Kandidaten ihre Standpunkte zu den monet\u00e4ren Kosten von verschiedenen staatlichen Programmen dargelegt. <\/p>\n<p><Center><a title=\"Milton Friedman by The Friedman Foundation for Educational Choice (RobertHannah89) [CC0], via Wikimedia Commons\" href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3APortrait_of_Milton_Friedman.jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"256\" alt=\"Portrait of Milton Friedman\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/2\/20\/Portrait_of_Milton_Friedman.jpg\/256px-Portrait_of_Milton_Friedman.jpg\"\/><\/a><br \/>\n<em>Portrait von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Milton_Friedman\" target=\"_blank\">Milton Friedman<\/a>,<br \/>\nder den Ausspruch \u201e<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/TANSTAAFL\" target=\"_blank\">There is no such thing as a free lunch<\/a>\u201c popul\u00e4r machte<\/em><\/Center><\/p>\n<p>Einige haben dies im Rahmen einer Vorstellung der m\u00f6glichen Finanzierung ihrer eigenen Ideen getan, w\u00e4hrend andere diese Gelegenheit dazu genutzt haben zu behaupten, dass noch nicht einmal die heute bereits vorhandenen Programme bezahlbar seien. <\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>In beiden F\u00e4llen verfehlen sie jedoch einen wesentlichen Punkt: auf nationaler Ebene ist nicht das Geld das Problem, sondern die Ressourcen. Sobald dies aber deutlich wird, ist es ebenso offensichtlich, dass wir uns nicht nur alles &#8222;leisten&#8220; k\u00f6nnen, was wir gegenw\u00e4rtig haben, sondern auch noch mehr tun k\u00f6nnen. Es gibt tats\u00e4chlich so etwas wie ein &#8222;Free Lunch&#8220;, wenn wir \u00fcber ungenutzte Ressourcen verf\u00fcgen und die Menge des Geldes, welches wir besitzen, hat absolut keine Bedeutung dabei.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Einzelnen ist es \u00e4u\u00dferst wichtig, \u00fcber Geld zu verf\u00fcgen, da es einen Anspruch auf vorhandene Ressourcen darstellt. Je mehr Geld man hat, desto mehr kann man damit f\u00fcr sich beanspruchen. Es ist in etwa vergleichbar mit einem Gewinn-Los: wenn man drei Gewinnscheine besitzt, erh\u00e4lt man drei Preise; hat man keine, bekommt man auch nichts. <\/p>\n<p>F\u00fcr die Organisatoren sind die Tickets jedoch mit einem Nachsatz versehen. Der Umfang ihrer Veranstaltung wird nur durch die Anzahl der zur Verf\u00fcgung stehenden Preise begrenzt, und nicht durch die Zahl der bestehenden Anspr\u00fcche. Sie w\u00fcrden daher niemals sagen: &#8222;Wir k\u00f6nnen uns die Ausrichtung des Gewinnspiels in diesem Jahr nicht leisten, weil wir nicht gen\u00fcgend Gewinn-Lose haben!&#8220;<\/p>\n<p>Doch das ist genau das, was viele Pr\u00e4sidentschaftskandidaten behaupten. Wenn jemand sagt: &#8222;Wir k\u00f6nnen uns die Finanzierung der sozialen Absicherung nicht mehr leisten,&#8220; so meint er damit, dass wir nicht \u00fcber ausreichend Gewinnscheine verf\u00fcgen, um sie den Senioren aush\u00e4ndigen zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Okay, dann drucken wir halt ein paar mehr. Wenn dies das einzige Problem ist, dann l\u00e4sst es sich recht trivial l\u00f6sen (ungeachtet der Politik). Auf der anderen Seite, wenn wir nicht die F\u00e4higkeit besitzen, ausreichend G\u00fcter und Dienstleistungen sowohl f\u00fcr die Arbeiter als auch die Rentner zu produzieren, dann bekommen wir dagegen ein echtes Problem. <\/p>\n<p>Unsere F\u00e4higkeit eine Sozialversicherung zu gew\u00e4hrleisten, h\u00e4ngt allein von unserer Produktivit\u00e4t ab und nicht davon, wie viel Geld wir haben. Wenn das letztere ein Problem wird, kann es \u00fcber Nacht gel\u00f6st werden; ersteres dagegen eher nicht (f\u00fcr eine l\u00e4ngere Erkl\u00e4rung dieser Fragen im Zusammenhang mit der sozialen Sicherheit siehe: <a href=\"http:\/\/www.forbes.com\/sites\/johntharvey\/2011\/04\/08\/why-social-security-cannot-go-bankrupt\/\" target=\"_blank\">Warum soziale Absicherung nicht in Konkurs gehen kann<\/a>).<\/p>\n<p>Zusammenfassend ist es ganz nat\u00fcrlich und logisch, sich auf das Geld als verpflichtende Beschr\u00e4nkung auf der individuellen Ebene zu konzentrieren, aber es unlogisch, es auch als solche auf der Makroebene zu sehen. <\/p>\n<p>Eine andere Einschr\u00e4nkung existiert allerdings (n\u00e4mlich die  der Ressourcen), und so ist es daher immer noch m\u00f6glich, dass ein Kandidat den richtigen Bezug auf unsere F\u00e4higkeit oder Unf\u00e4higkeit, ein bestimmtes Programm zu erhalten, herstellen kann. Die Einzelheiten k\u00f6nnten nat\u00fcrlich unterschiedlich sein, aber als allgemeine Regel kann man folgendes dazu sagen:<\/p>\n<p>1. Wenn die Wirtschaft vollbesch\u00e4ftigt ist, dann k\u00f6nnen wir uns neue Aktivit\u00e4ten (entweder im privaten oder \u00f6ffentlichen Sektor) tats\u00e4chlich nicht ohne Abz\u00fcge in unserem bisherigen Handeln leisten. Es gibt dann kein &#8222;Free Lunch&#8220;.<\/p>\n<p>2. Wenn aber die Volkswirtschaft nicht voll ausgelastet ist und Arbeitslosigkeit herrscht, dann ist es durchaus m\u00f6glich, neue Aktivit\u00e4ten (entweder im privaten oder \u00f6ffentlichen Sektor) ohne Einsparungen an anderer Stelle zu starten. Es gibt dann tats\u00e4chlich so etwas wie ein &#8222;Free Lunch&#8220;.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges sank die US-Arbeitslosenquote auf einen historisch niedrigen Stand von 1,9%, so nahe an der Vollbesch\u00e4ftigung, wie es realistischerweise \u00fcberhaupt wohl erreichbar sein k\u00f6nnte. Unter diesen Umst\u00e4nden war es daher tats\u00e4chlich unm\u00f6glich, mehr in einem Bereich zu investieren ohne an anderer Stelle weniger zu tun. <\/p>\n<p>Doch im Jahr 2010 hatten die Vereinigten Staaten fast 15 Millionen Amerikaner, die unfreiwillig arbeitslos waren (das entsprach einer Gesamtrate von 9,6%). Die Kapazit\u00e4tsauslastung der Industrie betrug im selben Jahr nur 74%. Es gab jede Menge &#8222;Free Lunches&#8220; zu haben.<\/p>\n<p>Weil aber die Menschen (darunter auch die Politiker) irrt\u00fcmlich  Geld auch als eine verbindliche Einschr\u00e4nkung auf der Makroebene betrachten, sind es genau die Situationen wie 2010, in denen sie denken, &#8222;das k\u00f6nnen wir uns nicht leisten.&#8220; <\/p>\n<p>Sie interpretieren den durch das niedrige Niveau der gesamtwirtschaftlichen Aktivit\u00e4t verursachten Umsatzr\u00fcckgang in der gleichen Weise wie einen Abschwung in ihren pers\u00f6nlichen Finanzen. Aber das genaue Gegenteil ist der Fall! In Wirklichkeit verschafft  die hohe Arbeitslosigkeit &#8222;Free Lunches&#8220; in H\u00fclle und F\u00fclle, und zwar genau dann, wenn wir sie auch tats\u00e4chlich ben\u00f6tigen. Wir k\u00f6nnen, sollten und m\u00fcssen daher unter diesen Umst\u00e4nden mehr anstatt weniger tun.<\/p>\n<p>Die neuesten Arbeitslosenzahlen lassen vermuten, dass fast acht Millionen Amerikaner ohne Arbeit sind (5% der Erwerbst\u00e4tigen). F\u00fcgen wir noch die Unterbesch\u00e4ftigung und die entmutigten Arbeitnehmer hinzu, liegt diese wesentlich h\u00f6her (fast 10% der Belegschaft). Die Situation in Europa ist noch viel schlimmer. <\/p>\n<p>Logischerweise sollte dies uns sagen, dass die Regierungen enorme Spielr\u00e4ume besitzen, um Programme aufzulegen, mit denen sie diese Individuen wieder in Arbeit bringen und gleichzeitig den privaten Sektor stimulieren und so Umsatz und Gewinn wiederherstellen k\u00f6nnten. <\/p>\n<p>Doch da dieser Sachverhalt so nicht verstanden wird, bringt der weltweite Wirtschafts- einbruch die Regierungen dazu, ihre \u00f6konomischen Aktivit\u00e4ten zu reduzieren anstatt sie auszuweiten (auch bekannt als Austerit\u00e4t). Sie glauben einfach nicht, dass sie gen\u00fcgend Gewinn-Lose besitzen, um das zu tun, was wirklich gemacht werden m\u00fcsste. Dies ist aber v\u00f6llig unlogisch und hat katastrophale wirtschaftliche, soziale und politische Folgen.<\/p>\n<p>Es gibt viele &#8222;Free Lunches&#8220; zu haben, aber wir lassen die Menschen hungern. Es existiert keine Rechtfertigung daf\u00fcr. \u00dcberhaupt gar keine.<\/p>\n<p><em>(eigene \u00dcbersetzung eines <a href=\"http:\/\/www.forbes.com\/sites\/johntharvey\/2015\/11\/06\/yes-there-is-a-free-lunch\/\" target=\"_blank\">Blogbeitrages<\/a> des in England geborenen amerikanischen \u00d6konomen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/John_T._Harvey\" target=\"_blank\">John T. Harvey<\/a>)<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend der laufenden Kampagne zur Pr\u00e4sidentschaftswahl in den USA haben eine Reihe von aussichtsreichen Kandidaten ihre Standpunkte zu den monet\u00e4ren Kosten von verschiedenen staatlichen Programmen dargelegt. 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