{"id":21340410,"date":"2022-10-19T07:00:25","date_gmt":"2022-10-19T05:00:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=21340410"},"modified":"2022-10-17T09:03:56","modified_gmt":"2022-10-17T07:03:56","slug":"regierungen-mit-einer-eigenen-waehrung-sind-nur-durch-die-ressourcen-begrenzt-nicht-durch-die-geldmenge","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/regierungen-mit-einer-eigenen-waehrung-sind-nur-durch-die-ressourcen-begrenzt-nicht-durch-die-geldmenge\/","title":{"rendered":"Regierungen mit einer eigenen W\u00e4hrung sind nur durch die Ressourcen begrenzt, nicht durch die Geldmenge"},"content":{"rendered":"<p><strong>&#8222;Die Notwendigkeit zum Haushaltsausgleich ist ein Aberglaube&#8230;ein Mythos. Es ist wie eine religi\u00f6se Lehre, die dazu verwendet wird, um Menschen an eine bestimmte Sache glauben zu lassen.&#8220;<\/strong> (<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=-V6-GnsvcG0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Paul Samuelson<\/a>)<\/p>\n<p><Center><iframe loading=\"lazy\" width=\"440\" height=\"300\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/EeeasEyTZqo\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/Center><\/p>\n<p>Nicht nur Wahlkampfzeiten dienen oft als eine Erinnerung daran, wie schwierig es eigentlich ist, die durch popul\u00e4re Illusionen getr\u00fcbte \u00f6ffentliche Debatte zu durchdringen. <\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Versucht man es trotzdem &#8211; und das gilt dann f\u00fcr alle, die die vorherrschenden neo-liberalen Dogmen zerstreuen wollen &#8211; so wird man feststellen, dass sich die \u00f6ffentliche Wahrnehmung wenn  \u00fcberhaupt anscheinend nur qu\u00e4lend langsam ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Bei dem Versuch dies zu \u00e4ndern ist es eine besondere Herausforderung, die Kernideen einer ver\u00e4nderten Denkweise den Menschen so einfach und pr\u00e4gnant wie m\u00f6glich zu vermitteln, auch wenn sie ihnen vorher noch nie begegnet sind. <\/p>\n<p>Wenn es dabei um die Moderne Geldtheorie (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Modern_Monetary_Theory\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Modern Money Theory &#8211; MMT<\/a>) geht, so ist der einfache aber zentrale Punkt der, dass sich f\u00fcr w\u00e4hrungsemittierende Regierungen die echten politischen Zw\u00e4nge nur auf die realen Ressourcen, nicht aber das Geld beziehen. <\/p>\n<p>Es muss dabei vermittelt werden, dass nicht die Geldmenge eine Beschr\u00e4nkung darstellt, sondern im fast gleichen Atemzug der Fokus auf die reale Ressourcen gerichtet werden, wenn \u00fcber Fragen der Wirtschaftspolitik  nachgedacht wird.<\/p>\n<p>Das Denken in dieser Weise hilft sehr, den geistigen Nebel zu beseitigen, der sich sonst bilden kann, wenn man \u00fcber die \u00d6konomie nachsinnt.<\/p>\n<p>Welchen Sinn k\u00f6nnte es beispielsweise machen, in einer Zeit erheblicher Arbeitslosigkeit und Unterbesch\u00e4ftigung die \u00d6ffnungszeiten der Bibliotheken zu beschr\u00e4nken, wenn wir die Bibliothekare und die B\u00fcchereien doch eh haben? Wie sollte mit dem fr\u00fcheren Schlie\u00dfen der Bibliotheks-T\u00fcren etwas Sinnvolles zu erreichen sein? <\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnten nur in dem Fall annehmen, dass es eine vern\u00fcnftige Wahl sei, wenn wir f\u00e4lschlicherweise davon ausgehen, dass Geld das Hindernis f\u00fcr den Betrieb von \u00f6ffentlichen Bibliotheken ist. Eine nationale Regierung mit eigener W\u00e4hrungshoheit kann aber immer gew\u00e4hrleisten, dass die erforderlichen Mittel den staatlichen und lokalen Administrationen zur Verf\u00fcgung stehen in den F\u00e4llen, in denen Bibliotheken auf staatlicher und lokaler Ebene existieren.<\/p>\n<p>Wenn wir die Z\u00fcge, Schienen und Zugf\u00fchrer doch haben, was f\u00fcr einen Sinn w\u00fcrden dann Einschnitte in den Bahnverkehr haben? Keinen, es sei denn, wir sind davon \u00fcberzeugt, dass das Geld das Hindernis f\u00fcr eine angemessene Versorgung mit \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln sei.<\/p>\n<p>Wenn wir Lehrer und Schulen; \u00c4rzte und Krankenh\u00e4user; Ingenieure, Bauarbeiter und Rohstoffe haben, was erreichen wir, wenn wir Bildung, Gesundheitsversorgung  oder die physische Infrastruktur abbauen w\u00fcrden? Auch hier ist die Antwort nichts, es sei denn, wir gehen davon aus, das Geld das Problem w\u00e4re.<\/p>\n<p>Und gleiches gilt f\u00fcr sehr viele andere Aktivit\u00e4ten.<\/p>\n<p>In &#8222;\u00f6konomischen Kreisen&#8220; &#8211; ob nun in den Universit\u00e4ten oder in der Blogosph\u00e4re, bei Facebook oder Twitter &#8211; kommt manchmal die Meinung zum Ausdruck, dass diese Ver\u00e4nderung des Fokus vom Geld hin zu den Ressourcen vom Otto Normalverbraucher als ohne praktische Bedeutung erachtet w\u00fcrde. Mit diesem Standpunkt kann man aber nicht wirklich einverstanden sein. <\/p>\n<p>Viele Spezialisten auf dem Gebiet der Wirtschaft und \u00d6konomie scheinen stattdessen eher vergessen zu haben, wie schwierig es war, einen Zugang zu diesem Thema zu bekommen, als man noch kein Fachmann f\u00fcr diesen Bereich war.<\/p>\n<p>Denn wenn die Leute denken, Geld sei die wichtigste Einschr\u00e4nkung f\u00fcr die Wirtschafts-politik der Regierung, k\u00f6nnten sie sich auch sehr leicht t\u00e4uschen lassen mit der Annahme, dass Sparen grunds\u00e4tzlich Sinn mache.<\/p>\n<p>F\u00fcr solche Menschen &#8211; und im Moment sind diese sicherlich sehr zahlreich &#8211; w\u00e4re ein grundlegendes Verst\u00e4ndnis von MMT nicht nur augen\u00f6ffnend, sondern k\u00f6nnte auch der Grund f\u00fcr ein grundlegendes Umdenken im Hinblick auf die \u00d6konomie und die Wirtschaftspolitik werden. Es k\u00f6nnte die \u00f6konomische Perspektive jeder Person auf der grundlegendsten Ebene ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>In Bezug auf das wirtschaftliche Verst\u00e4ndnis k\u00f6nnte man es durchaus riskieren zu behaupten, dass es den meisten Menschen tats\u00e4chlich besser gehen w\u00fcrde, wenn sie den Ideen der Mainstream-\u00d6konomie nie begegnet w\u00e4ren. Das hei\u00dft nicht, dass es dem Mainstream nicht an Einsicht fehlen w\u00fcrde, insbesondere nicht dem Teil davon, der im Gro\u00dfen und Ganzen aus der keynesianischen Tradition entstanden ist. <\/p>\n<p>Aber in der modernen Mainstream-\u00d6konomie, wie sie formal den Diplomanden an den Unis und informell den Verbrauchern durch die Massenmedien gelehrt wird, werden diese Einblicke durch ein Gewirr von mystifizierenden neoliberalen Vorstellungen weitgehend verkleistert. <\/p>\n<p>Hierzu z\u00e4hlen vor allem die fehlerhafte Analogie der Regierung als Einzel-Haushalt sowie die vermeintliche Attraktivit\u00e4t die Regierung wie eine Firma f\u00fchren zu wollen. Die Wirtschaft wird f\u00e4lschlicherweise als der bestimmende Faktor in der Gesellschaft betrachtet und nicht als in eben dieser Gesellschaft eingebettet gesehen. Kurz gesagt ist es die Annahme des Mythos, dass &#8222;es keine Alternative gibt&#8220;.<\/p>\n<p>F\u00fcr die gegenw\u00e4rtig im neoliberalen Dogma Gefangenen w\u00fcrde es wahrscheinlich effektiver sein, bei der Betrachtung der wirtschaftlichen Probleme einfach \u00fcber die realen Prozesse und Ressourcen innerhalb einer bestimmten Politik nachzudenken (oder nachzufragen) und deren Machbarkeit anhand dieser konkreten Bedingungen in Betracht zu ziehen.<\/p>\n<p>Sobald dieser einfache, aber wichtige Unterschied zwischen Geld und realen Ressourcen verstanden wurde, ist der Weg bereitet, ein genaueres Verst\u00e4ndnis von Geld zu entwickeln, seine Rolle in einer modernen \u00d6konomie und wie es &#8222;funktioniert&#8220;.<\/p>\n<p>Die Ver\u00e4nderung der Perspektive ist recht einfach, doch zugleich erfordert sie so etwas wie eine radikale Kehrtwendung. Vieles von dem, von dem wir bisher annahmen es verstanden zu haben, wird damit &#8222;auf den Kopf gestellt&#8220;. Es erscheint wie eine Offenbarung.<\/p>\n<p>Sobald wir es verstanden haben, erscheint es einfach und offensichtlich, und wir w\u00fcrden nie wieder zur\u00fcck wollen.<\/p>\n<p>Es gibt nichts Erschreckendes auf der anderen Seite. Die \u00c4nderung in der Perspektive muss nicht zwangsl\u00e4ufig jede unserer pers\u00f6nlichen Ansichten \u00fcber Politik oder politische Fragen in Zweifel ziehen, es sei denn, diese Ansichten waren nur aufgrund der falschen Vorstellung zustande gekommen, dass das Geld anstatt der Ressourcen die Handlungsf\u00e4higkeit einer eigenes Geld herausgebenden Regierung einschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p><em>(eigene \u00dcbersetzung eines schon \u00e4lteren <a href=\"http:\/\/heteconomist.com\/who-will-accept-it-currency-issuing-governments-are-constrained-by-resources-not-money\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Blogbeitrages<\/a> des australischen \u00d6konomen Peter Cooper, der aber an Aktualit\u00e4t leider nichts eingeb\u00fc\u00dft hat)<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Die Notwendigkeit zum Haushaltsausgleich ist ein Aberglaube&#8230;ein Mythos. 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