{"id":20872558,"date":"2022-06-13T10:07:12","date_gmt":"2022-06-13T08:07:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=20872558"},"modified":"2022-06-13T10:07:12","modified_gmt":"2022-06-13T08:07:12","slug":"noch-einmal-die-duale-bedeutung-des-geldes-zahlungsmittel-und-geldvermoegen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/noch-einmal-die-duale-bedeutung-des-geldes-zahlungsmittel-und-geldvermoegen\/","title":{"rendered":"Noch einmal: Die duale Bedeutung des Geldes &#8211; Zahlungsmittel und Geldverm\u00f6gen"},"content":{"rendered":"<p>Als einen notwendigen Beitrag zur volkswirtschaftlichen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Geldtheorie\" title=\"Geldtheorie \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Geldtheorie<\/a> hatte der deutsche \u00d6konom <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wolfgang_St%C3%BCtzel\" title=\"Wolfgang St\u00fctzel \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wolfgang St\u00fctzel<\/a> die von ihm entwickelte <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/volkswirtschaftliche-saldenmechanik-vergessene-grundlage-der-geldtheorie\/\" title=\"Volkswirtschaftliche Saldenmechanik \u2013 vergessene Grundlage der Geldtheorie\">Saldenmechanik<\/a> angesehen.<\/p>\n<p><center><a title=\"By Friedrich.KrombergPotograpo: W.J.Pilsak (http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bild:Euro-1_neu2.jpg) [GFDL (http:\/\/www.gnu.org\/copyleft\/fdl.html), CC-BY-SA-3.0 (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/) or Public domain], via Wikimedia Commons\" href=\"http:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3ASalaping_papel_Euro.jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"256\" src=\"\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/9\/91\/Salaping_papel_Euro.jpg\"\/><\/a><br \/>\n<em>Zahlungsmittel Euro-Geldscheine<\/em><\/center><\/p>\n<p>Ihr wesentlichstes Anwendungsgebiet in der Wirtschaftstheorie sollte dabei die Analyse von \u00c4nderungen des Nettogeldverm\u00f6gens sein.<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p><b>Begriff des Geldverm\u00f6gens<\/b><br \/>\nUm den Begriff des &#8222;Geldverm\u00f6gens&#8220; zu definieren, erkannte St\u00fctzel die grunds\u00e4tzliche Zweiteilung des Objektes &#8222;Geld&#8220; im Sinne der Geldtheorie:<\/p>\n<blockquote><p>\nIn Wirklichkeit zerfallen die Beziehungen im gegenw\u00e4rtigen Geldwesen in zwei verschiedene Ebenen: Eine Ebene der Geldverm\u00f6gensumschichtungen und eine Ebene der Zahlungsmittelumschichtungen. Infolgedessen zerf\u00e4llt das fr\u00fcher &#8230; einheitliche Objekt &#8222;Geld&#8220; in zwei verschiedene Objekte, n\u00e4mlich a) Geldverm\u00f6gen, b) Zahlungsmittelbest\u00e4nde&#8230;<\/p>\n<p><em>St\u00fctzel: &#8222;Volkswirtschaftliche Saldenmechanik\u201d (1978, S. 70)<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Um die arithmetischen Beziehungen zwischen Ver\u00e4nderungen von Geldverm\u00f6gen und Zahlungsverm\u00f6gen unterscheiden zu k\u00f6nnen, ist es wichtig, s\u00e4mtliche Gesch\u00e4ftsabschl\u00fcsse wie Kauftransaktionen, Zahlungstransaktionen und Kredittransaktionen in der Form von <b>Geldverm\u00f6gensstr\u00f6men<\/b> und <b>Zahlungsstr\u00f6men<\/b> zwischen einzelnen Wirtschaftsobjekten zu betrachten.<\/p>\n<p>Diese Transaktionen k\u00f6nnen volkswirtschaftlich innerhalb von Unternehmen, Banken, privaten Haushalten und dem Staat eingeteilt werden in Vorg\u00e4nge, die auf <em>Leistungskonten<\/em> oder auf <em>Zahlungskonten<\/em> erscheinen.<\/p>\n<p>Dabei bilden die Leistungskonten die tats\u00e4chlichen Waren- und Dienstleistungsstr\u00f6me sowie die Arbeitsleistungen ab. Die Zahlungskonten hingegen stellen den Zahlungsverkehr in Form von Bargeldkassen, Bankguthaben, Pfandbriefe, Forderungen aus Warenlieferungen u. a., aber auch als Darlehensverbindlichkeiten, Hypothekenschulden oder Verbindlichkeiten gegen\u00fcber Lieferanten dar.   <\/p>\n<p><b>Geldverm\u00f6genswirksame und geldverm\u00f6gensneutrale Transaktionen<\/b><br \/>\nSo wird dann das Geldverm\u00f6gen eines Wirtschaftsobjekts folgenderma\u00dfen ermittelt:<\/p>\n<blockquote><p>Den (positiven oder negativen) Saldo der Konten der Zahlungsreihe (einschlie\u00dflich aller Finanzkonten, Fremdkapital usw.) auf einen bestimmten Stichtag (Zeitpunkt) bezeichnet man als &#8222;Geldverm\u00f6gen&#8220;. Die Gr\u00f6\u00dfe des Geldverm\u00f6gens wird also durch eine bilanzm\u00e4\u00dfige Zusammenstellung der Best\u00e4nde auf den Konten der Zahlungsreihe (Zahlungskontenbilanz) ermittelt.<\/p>\n<p><em>St\u00fctzel: &#8222;Volkswirtschaftliche Saldenmechanik\u201d (1978, S. 60\/61)<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Dieser jeweilige Saldo wird gebildet aus der Formel &#8222;Kasse + Forderungen .\/. Verbindlichkeiten&#8220;. Mit dieser definitorischen Festlegung des Ausdrucks &#8222;Geldverm\u00f6gen&#8220; kann man nun recht einfach &#8222;reine Finanztransaktionen&#8220; von anderen Transaktionen unterscheiden.<\/p>\n<p>So kann man feststellen, dass sich bei manchen Transaktionen zwischen zwei Wirtschaftsobjekten der oben genannte Saldo <em>ver\u00e4ndert<\/em>, w\u00e4hrend er bei anderen Transaktionen <em>gleich<\/em> bleibt. <\/p>\n<p>Bei der ersten Gruppe handelt es sich um &#8222;geldverm\u00f6genswirksame Transaktionen&#8220; wie Warenk\u00e4ufe, Lohnausgaben, Steuerzahlungen, Zinsleistungen, Tributzahlungen, Forderungserlasse oder auch Geschenke. Diese sind, wenn sie das Geldverm\u00f6gen verringern, Ausgaben und wenn sie es vergr\u00f6\u00dfern, Einnahmen.<\/p>\n<p>Die zweite Gruppe bilden dann &#8222;geldverm\u00f6gensneutrale Transaktionen&#8220;, also blo\u00dfe Finanztransaktionen, zu denen die Bezahlung von Schulden jeglicher Art (z. B. Waren- oder Steuerschulden), Tilgungen von Darlehen und die Gew\u00e4hrung von Krediten geh\u00f6ren. Diese Transaktionen wirken sich nur in Form einer Bilanzverl\u00e4ngerung oder -verk\u00fcrzung auf die &#8222;Zahlungskontenbilanz&#8220; aus, deren Saldo, also das &#8222;Geldverm\u00f6gen&#8220; wird dadurch <b>nicht<\/b> ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p><b>Nur bei einem Bareinkauf<\/b> (oder Barverkauf) fallen somit beide Transaktionsarten (Einnahme bzw. Ausgabe und Zahlungseingang bzw. -ausgang) <b>zuf\u00e4llig gleichzeitig<\/b> an. Bei allen anderen Ausgaben fallen die Zahlungsverpflichtungen (z. B. durch den &#8222;Kauf&#8220; einer Ware) zu einem anderen Zeitpunkt an als die Zahlungen (durch F\u00e4lligkeit des Kaufpreises oder der eigentlichen Bezahlung) als Finanztransaktionen geleistet werden.<\/p>\n<p>Damit stellte St\u00fctzel f\u00fcr die moderne Volkswirtschaft fest:<\/p>\n<blockquote><p>Es herrschen Kreditbeziehungen. Als Zahlungsmittel werden haupts\u00e4chlich monetarisierte Forderungen verwendet. <em><b>Die Ver\u00e4nderung der Zahlungsmittelbest\u00e4nde h\u00e4ngt von ganz anderen Beziehungen ab als die Ver\u00e4nderung der Geldverm\u00f6gensbest\u00e4nde.<\/b><\/p>\n<p>St\u00fctzel: &#8222;Volkswirtschaftliche Saldenmechanik\u201d (1978, S. 64)<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><b>H\u00f6he des Geldverm\u00f6gens einer Volkswirtschaft<\/b><br \/>\nDie Summe der Geldverm\u00f6gen ist gesamtwirtschaftlich nach Abzug aller monetarisierten Metallbest\u00e4nde (Metallwert der Geldm\u00fcnzen als <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kursm%C3%BCnze\" title=\"Kursm\u00fcnze \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kursm\u00fcnzen<\/a> oder <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Scheidem%C3%BCnze\" title=\"Scheidem\u00fcnze \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Scheidem\u00fcnzen<\/a>) genau gleich <b>null<\/b>, da sich alle Forderungen und Verbindlichkeiten innerhalb einer Volkswirtschaft gegeneinander aufrechnen (siehe Grafik:)<br \/>\n<center><a title=\"By Alex1011 [CC-BY-SA-3.0 (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0) or GFDL (http:\/\/www.gnu.org\/copyleft\/fdl.html)], via Wikimedia Commons\" href=\"http:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3ANettogeldverm%C3%B6gen.PNG\"><img decoding=\"async\" width=\"412\" alt=\"Nettogeldverm\u00f6gen\" src=\"\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/0\/06\/Nettogeldverm%C3%B6gen.PNG\/512px-Nettogeldverm%C3%B6gen.PNG\"\/><\/a><br \/>\n<em>Nettogeldverm\u00f6gen in Deutschland zwischen 1991 und 2011<\/em><\/center><\/p>\n<p>Unter Ber\u00fccksichtigung globaler Beziehungen wird zu dieser Summe noch der Saldo der Bilanz aller au\u00dfenwirtschaftlichen Verschuldungsverh\u00e4ltnisse hinzugerechnet. W\u00e4hrend einer bestimmten Periode kann das Geldverm\u00f6gen einer Volkswirtschaft daher nur durch eine Ver\u00e4nderung des Saldos der au\u00dfenwirtschaftlichen Leistungsbilanz und\/oder des Saldos inl\u00e4ndischer M\u00fcnzpr\u00e4gung bzw. -einziehung steigen oder sinken.<\/p>\n<p>Das bedeutet auch, dass durch die sogenannte <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/saldenmechanische-erklaerung-der-geldschoepfung\/\" title=\"Saldenmechanische Erkl\u00e4rung der Geldsch\u00f6pfung\">&#8222;Giralgeldsch\u00f6pfung&#8220;<\/a> das Geldverm\u00f6gen einer Volkswirtschaft summa sumarum nicht ver\u00e4ndert wird, ebenso wenig wie durch Kapitalexport oder -import.<\/p>\n<p>In beiden F\u00e4llen handelt es sich n\u00e4mlich nur um eine Zahlungsmittelvermehrung bzw. -verminderung, die Gr\u00f6\u00dfe der Geldverm\u00f6gen aber h\u00e4ngt einzel- und auch gesamt-wirtschaftlich nur von Leistungstransaktionen und nicht von reinen Finanztransaktionen ab.  <\/p>\n<p><b>Begriff der gesamtwirtschaftlichen Zahlungsmittel<\/b><br \/>\nNicht so eindeutig definierbar ist, was man unter dem Begriff <em>Zahlungsmittel<\/em> einer Volkswirtschaft verstehen kann. Dabei erfolgt die Festlegung von Forderungen als &#8222;monetarisierte&#8220; Forderungen (= Zahlungsmittel) oder als &#8222;sonstige&#8220; Forderungen oft \u00e4u\u00dferst willk\u00fcrlich. <\/p>\n<p>Auch muss beachtet werden, dass der Begriff Zahlungsmittel ein <em>relativer<\/em> Begriff ist, da er immer nur f\u00fcr einen bestimmten Kreis von Zahlungsempf\u00e4ngern definierbar sein kann. So ist im allgemeinen ein Sichtguthaben oder eine Kreditlinie bei einer Bank im Inlands-verkehr ein voll anerkanntes Zahlungsmittel, w\u00e4hrend f\u00fcr Banken untereinander oder gegen\u00fcber einer Zentralbank in einem anderen W\u00e4hrungsraum oft ganz andere Vorrausetzungen gelten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Oder einfacher: Banknoten einer W\u00e4hrung werden nicht unbedingt immer in anderen W\u00e4hrungsr\u00e4umen als Zahlungsmittel akzeptiert und anerkannt.<\/p>\n<p>Diese Einsch\u00e4tzung des Zahlungsmittelbestandes \u00e4hnelt \u00fcbrigens sehr dem heute gebr\u00e4uchlichen Konzept der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Geldmenge\" title=\"Geldmenge \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Geldmenge<\/a> mit ihren Einteilungen M0 bzw. M1 bis M3. Auch f\u00fcr die Geldmenge gilt \u00fcbrigens die oben gemachte Feststellung, dass sie ein relativer Begriff und international nicht einheitlich definiert ist. <\/p>\n<p>Daher ist es auch logisch, dass sich \u00fcber die Gr\u00f6\u00dfe des vorhandenen Zahlungsmittelbestandes einer Volkswirtschaft nicht ann\u00e4hernd so genaue Aussagen machen lassen k\u00f6nnen wie etwa f\u00fcr das Geldverm\u00f6gen. W\u00e4hrend dieses ja bekanntlich gleich 0 ist (abgesehen von monetarisierten Metallbest\u00e4nden = M\u00fcnzen), sind die Summen von Zahlungsmitteln als monetarisierten Forderungen dagegen <b>stets positiv<\/b>.<\/p>\n<p>Einzelwirtschaftlich betrachtet ist der Zahlungsmittelbestand eines Wirtschaftsobjektes dabei immer gleich der H\u00f6he seines Geldverm\u00f6gens abz\u00fcglich bzw. zuz\u00fcglich des Saldos des Abzuges der gesamten offenen Verbindlichkeiten dieses Wirtschaftsobjekts von denjenigen Forderungen, denen man die Zahlungsmitteleigenschaft <em>nicht<\/em> zuschreiben kann oder m\u00f6chte.  <\/p>\n<p><b>Ver\u00e4nderung der Zahlungsmittelbest\u00e4nde einer Volkswirtschaft<\/b><br \/>\nTrotz der oben angef\u00fchrten Zweifel an einer allgemein g\u00fcltigen Abgrenzung, welche Forderungen man als Zahlungsmittel anerkennen kann oder will, ist es f\u00fcr h\u00e4ufig gesuchte Probleml\u00f6sungen zu Verf\u00fcgbarkeiten von Zahlungsmitteln v\u00f6llig ausreichend, wenn man nur Banknotenbest\u00e4nde (einschl. Geldm\u00fcnzen) sowie Sichtforderungen von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nichtbank\" title=\"Nichtbank \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nichtbanken<\/a> bei Banken als Zahlungsmittelbest\u00e4nde von Nichtbanken bezeichnet (auch hier zeigt sich, dass das Geldmengen-Prinzip mit \u00e4hnlichen Parametern arbeitet). <\/p>\n<p>Unter Nichtbeachtung von Auslandsbeziehungen lassen sich dann folgende Grunds\u00e4tze zur Ver\u00e4nderung dieser Zahlungsmittelbest\u00e4nde feststellen:<\/p>\n<blockquote><p>Die Summe der Zahlungsmittelbest\u00e4nde der Nichtbanken w\u00e4chst, sobald Zahlungen, durch die der Zahlende seine Bankschulden vermehrt oder seine l\u00e4ngerfristigen Forderungen an Banken vermindert, an Zahlungsempf\u00e4nger gehen, die sie weder zur R\u00fcckzahlung von Bankschulden verwenden noch in l\u00e4ngerfristigen Guthaben bei Banken anlegen (sogenannte <b>Geldsch\u00f6pfung<\/b>).<\/p>\n<p>Sie schrumpft, sobald Zahlungen den umgekehrten Weg gehen, also von Wirtschaftssubjekten, die durch diese Zahlungen weder ihre Bankschulden vermehren noch ihre l\u00e4ngerfristigen Bankguthaben vermindern, zu Zahlungsempf\u00e4ngern, die sie zur R\u00fcckzahlung von Bankkrediten und\/oder Bildung l\u00e4ngerfristiger Bankguthaben verwenden (sogenannte <b>Geldvernichtung<\/b>). <\/p>\n<p><em>St\u00fctzel: &#8222;Volkswirtschaftliche Saldenmechanik\u201d (1978, S. 69)<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Die Gesamtsumme dieser Zahlungsmittelbest\u00e4nde (der Nichtbanken) ist demnach <em>ann\u00e4hernd<\/em> gleich der Summe der Bankkredite abz\u00fcglich l\u00e4ngerfristiger Bankguthaben bzw. -einlagen.<\/p>\n<p>Insgesamt kann man dann zusammenfassen: Nur durch die Pr\u00e4gung bzw. Einziehung von Metallm\u00fcnzen werden <b>sowohl<\/b> die Zahlungsmittelbest\u00e4nde als auch die Geldverm\u00f6gen in gleichem Ma\u00dfe ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Ansonsten aber ist die Summe der inl\u00e4ndischen Geldverm\u00f6gen ausschlie\u00dflich vom Saldo der Leistungsbilanz abh\u00e4ngig, w\u00e4hrend die Summe der Zahlungsmittelbest\u00e4nde inl\u00e4ndischer Nichtbanken vom Zahlungsbilanzsaldo sowie den Ver\u00e4nderungen des Bankkreditvolumens und den l\u00e4ngerfristigen Bankeinlagen bestimmt wird. <\/p>\n<p>Schon Wolfgang St\u00fctzel hat diese Beziehungen im Geldwesen als sehr bedeutend angesehen. So schrieb er weiter \u00fcber die Zweideutigkeit des Geldes: <\/p>\n<blockquote><p>&#8230;man kann nicht mehr von &#8222;Geldstr\u00f6men&#8220; reden, ohne sofort die gr\u00f6\u00dften Konfusionen heraufzubeschw\u00f6ren, sondern mu\u00df s\u00e4uberlich zwischen a)Geldverm\u00f6gensstr\u00f6men (Einnahmen und Ausgaben) und b)Zahlungsstr\u00f6men unterscheiden, \u00e4hnlich auch zwischen a)Vermehrung der Geldverm\u00f6gen und b)Vermehrung der Zahlungsmittelbest\u00e4nde.<\/p>\n<p><em>St\u00fctzel: &#8222;Volkswirtschaftliche Saldenmechanik\u201d (1978, S. 70\/71)<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Wer die heutige Situation in der deutschen, europ\u00e4ischen und der Weltwirtschaft kritisch betrachtet, wird feststellen, dass sich an dieser geldpolitischen Verwirrtheit bis in die Gegenwart leider nicht viel ge\u00e4ndert hat.<\/p>\n<p>Ganz im Gegenteil, die Beispiele der Austerit\u00e4tspolitik der Europ\u00e4ischen Union, der allgemeinen Schuldenhysterie sowie der manischen Angst mancher Zeitgenossen vor &#8222;zuviel Geld&#8220; zeugen eher von weiter steigender Unwissenheit zu aktuellen \u00f6konomischen Problemstellungen.  <\/p>\n<p><b>Eine Volkswirtschaft kann nicht sparen<\/b><br \/>\nWenn man n\u00e4mlich den Erkenntnissen von Wolfgang St\u00fctzel zu Zahlungsmitteln und Geldverm\u00f6gen folgt, wird schnell klar, wie gro\u00df die wirtschaftspolitische Konfusion zum Beispiel auch beim Thema des gesamtwirtschaftlichen Sparens selbst heute noch ist.<\/p>\n<p>Eine Volkswirtschaft kann eben nicht sparen wie ein einzelnes Wirtschaftsobjekt, da immer nur Geldverm\u00f6gen (= Konsumanspr\u00fcche) zwischen den verschiedenen Sektoren verschoben werden k\u00f6nnen. W\u00e4hrend ein einzelner versuchen kann, sich durch Konsumverzicht (&#8222;Sparen&#8220;) heute Konsumanspr\u00fcche von morgen zu kaufen, k\u00f6nnen das nicht alle gleichzeitig tun. <\/p>\n<p>Es ist dabei f\u00fcr die Volkswirtschaft als ganzes sowohl in der Gegenwart als auch in der Zukunft belanglos, ob die Menschen sich untereinander Konsumanspr\u00fcche ausleihen, lediglich die Eigentumsrechte verschieben sich dabei. <\/p>\n<p>Oder, um es in den Worten von St\u00fctzel auszudr\u00fccken:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Sparen&#8220; im Sinne der Bildung eines Einnahme\u00fcberschusses ist ein Partialbegriff. Was f\u00fcr den einzelnen sich als &#8222;Sparen&#8220; in diesem Sinne darstellt, ist beim Blick \u00fcber die Gesamtwirtschaft lediglich eine Geldverm\u00f6gensumschichtung von der Komplement\u00e4rgruppe zu den Sparern.<\/p>\n<p><em>St\u00fctzel: &#8222;Volkswirtschaftliche Saldenmechanik\u201d (1978, S. 74)<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Dieses gesamtwirtschaftliche Ph\u00e4nomen bezeichnete bereits der ber\u00fchmte \u00d6konom <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/John_Maynard_Keynes\" title=\"John Maynard Keynes \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">John Maynard Keynes<\/a> als <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sparparadoxon\" title=\"Sparparadoxon\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sparparadoxon<\/a>. Das Beispiel Griechenland zeigte vor einigen Jahren sehr eindr\u00fccklich, dass volkswirtschaftliches Sparen unm\u00f6glich ist.<\/p>\n<p><b>Inflation entsteht nicht einfach nur durch &#8222;mehr&#8220; Geld<\/b><br \/>\nDie Unterscheidung zwischen Geldverm\u00f6gen und Zahlungsmitteln hilft auch dabei, das Ph\u00e4nomen Inflation besser zu verstehen. Entgegen h\u00e4ufig vertretener Ansichten ist n\u00e4mlich nicht allein das vermehrte &#8222;Sch\u00f6pfen&#8220; von Zahlungsmitteln per Kredit daf\u00fcr verantwortlich. <\/p>\n<p>Erst durch die Verwendung dieser Zahlungsmittel zum Kauf realer G\u00fcter kann es \u00fcberhaupt zu Preissteigerungen kommen, wenn die Kapazit\u00e4ten der Volkswirtschaft voll ausgelastet sind und die L\u00f6hne stark steigen.  <\/p>\n<p>Im Gegenzug bedeutet daher das Horten von Geldverm\u00f6gen durch Konsumverzicht, niedrigen Lohnzahlungen und geringen Investitionen bei nicht voll ausgelasteten Kapazit\u00e4ten eine immer gr\u00f6\u00dfer werdende Deflationsgefahr und den drohenden wirtschaftlichen Abschwung, unabh\u00e4ngig davon, wie hoch die Zahlungsmittelbest\u00e4nde sein m\u00f6gen. <\/p>\n<p>Damit wird dann aber auch klar, dass die Geldmenge als Indikator f\u00fcr den Zahlungs-mittelbestand <b>kein geeigneter Ma\u00dfstab<\/b> f\u00fcr die Inflationsrisiken sein kann, wie es von Vertretern der klassischen Wirtschaftstheorie immer wieder behauptet wird. <\/p>\n<p>Die Ursachen der momentanen Preisentwicklung sollte man deshalb um Fehler bei deren Bek\u00e4mpfung zu vermeiden besser woanders suchen. <a href=\"https:\/\/www.relevante-oekonomik.com\/2022\/05\/02\/die-preise-und-die-marktwirtschaft\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Heiner Flassbeck<\/a> hat beispielsweise vor kurzem explizit auf die verschiedenen Angebotsschocks hingewiesen, die bei uns f\u00fcr den Anstieg der Inflation verantwortlich sind.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als einen notwendigen Beitrag zur volkswirtschaftlichen Geldtheorie hatte der deutsche \u00d6konom Wolfgang St\u00fctzel die von ihm entwickelte Saldenmechanik angesehen. 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