{"id":17761226,"date":"2021-08-15T07:00:25","date_gmt":"2021-08-15T05:00:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=17761226"},"modified":"2022-06-28T09:05:03","modified_gmt":"2022-06-28T07:05:03","slug":"noch-immer-aktuell-der-enge-zusammenhang-zwischen-den-lohnstueckkosten-und-der-inflation","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/noch-immer-aktuell-der-enge-zusammenhang-zwischen-den-lohnstueckkosten-und-der-inflation\/","title":{"rendered":"Noch immer aktuell: der enge Zusammenhang zwischen den Lohnst\u00fcckkosten und der Inflation"},"content":{"rendered":"<p>Im internationalen Vergleich der Volkswirtschaften sind nicht die tats\u00e4chlichen L\u00f6hne, sondern die gesamtwirtschaftlichen Lohnst\u00fcckkosten (d. h. die L\u00f6hne im Verh\u00e4ltnis zur Produktivit\u00e4t) die entscheidenden Faktoren. <\/p>\n<p><center><a href=\"http:\/\/www.diekriseverstehen.net\/C1_grafik_Lohnstueckkosten_preise.png\" title=\"Zusammenhang zwischen Lohnst\u00fcckkosten und Inflation\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.diekriseverstehen.net\/C1_grafik_Lohnstueckkosten_preise.png\" width=\"508\" alt=\"Lohnst\u00fcckkosten und Inflation\" \/><\/a><\/center><br \/>\n<center><strong>Zusammenhang zwischen Lohn- und Preisentwicklung (Flassbeck 2012)<\/strong><br \/>\n<em>mit freundlicher Genehmigung von <a href=\"http:\/\/www.diekriseverstehen.net\/\" title=\"die Krise verstehen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">diekriseverstehen.net<\/a><br \/>\nGrafik urspr\u00fcnglich aus Flassbeck, H. (2012): Zehn Mythen der Krise, Berlin.<\/em><\/center><\/p>\n<p>Und seit 60 bis 70 Jahren gibt es einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Lohnst\u00fcckkostenwachstum und der Inflationsrate (der allerdings ebenso lange von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Neoliberalismus\" title=\"Neoliberalismus \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Neoliberalen<\/a>, <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Monetarismus\" title=\"Monetarismus \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Monetaristen<\/a>, <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/%C3%96sterreichische_Schule\" title=\"\u00d6sterreichische Schule \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00d6sterreichern<\/a>, aber auch vielen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Keynesianismus\" title=\"Keynesianismus \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Keynesianern<\/a> beharrlich ignoriert wird).<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Obiges Schaubild zeigt eindeutig, dass die Inflation langfristig den nominellen Lohnst\u00fcckkosten folgt. Diesen Nachweis kann man \u00fcbrigens auch f\u00fcr Deutschland, Frankreich, die USA und Japan f\u00fchren. <\/p>\n<p>Kurzfristige Ph\u00e4nomene steigender Inflation wie jetzt im Zuge der Corona-Krise \u00e4ndern \u00fcbrigens an diesem Zusammenhang nichts. Sie sind durch die Knappheit bestimmter G\u00fcter aufgrund der St\u00f6rung der Produktionsketten erkl\u00e4rbar, aber <a href=\"https:\/\/www.businessinsider.de\/wirtschaft\/finanzen\/warum-die-geldpolitik-in-der-corona-krise-langfristige-folgen-fuer-die-inflation-haben-koennte\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">entgegen den Ansichten mancher \u00d6konomen<\/a> wirken sie sich langfristig nur dann aus, wenn auch die Lohnst\u00fcckkosten steigen w\u00fcrden. Doch damit ist nach den Erfahrungen der letzten Jahre nicht wirklich zu rechnen.<\/p>\n<p>Die realwirtschaftliche Erkl\u00e4rung dieses Zusammenhangs ist dann auch zwingend: Der Wettbewerb auf den G\u00fcterm\u00e4rkten n\u00f6tigt die Unternehmen \u00fcber kurz oder lang dazu, dass Kostenersparnisse an die Verbraucher weitergegeben werden, d. h. niedrigere Lohnst\u00fcckkosten sorgen auch f\u00fcr eine sinkende Inflation und umgekehrt. <\/p>\n<p>Gesamtwirtschaftlich geht die Bedeutung der Lohnst\u00fcckkosten weit \u00fcber die der Kapitalkosten hinaus, da der gr\u00f6\u00dfte Teil des produktiven &#8222;Kapitalstocks&#8220;, also z. B. Maschinen, Fabrikhallen, aber auch B\u00fcros und andere Produktionsst\u00e4tten haupts\u00e4chlich unter dem Einsatz von Lohnarbeit errichtet worden sind. Dies gilt ebenso f\u00fcr die Investitionsg\u00fcter, mit deren Hilfe wiederum dieses Sachkapital urspr\u00fcnglich hergestellt wurde.<\/p>\n<p>Au\u00dfer dem eher geringen Anteil importierter Vorleistungen sind demnach alle Produktionsmittel Endprodukte anderer Unternehmen, die diese unter dem Einsatz von Arbeit herstellen lie\u00dfen. Daher stecken in s\u00e4mtlichen Produkten (auch den inl\u00e4ndischen Vorleistungen) ganze Lohnhistorien, von der Planung bis zur Endkonstruktion. <\/p>\n<p>Deshalb m\u00fcssen im Laufe der Zeit (also weit \u00fcber die Bilanzierungszeitr\u00e4ume der einzelnen Unternehmen hinweg) die Bildung des gesamtwirtschaftlichen Preisniveaus und die Entwicklung der Lohnst\u00fcckkosten mehr oder weniger eng zusammenh\u00e4ngen. Aus genau diesen Gr\u00fcnden stellen damit die Lohnst\u00fcckkosten den makro\u00f6konomisch wichtigsten Faktor f\u00fcr den Verlauf der Inflation dar. <\/p>\n<p>Dies ist dann gleichzeitig der statistische und realwirtschaftliche Nachweis, dass der <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/warum-eigentlich-sollte-die-inflation-in-der-euro-zone-in-die-lohnerhohungen-mit-einfliesen\/\" title=\"Warum sollte die Inflation in der EURO-Zone in die Lohnerh\u00f6hungen mit einflie\u00dfen?\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">in diesem Beitrag<\/a> behauptete Satz: &#8222;L\u00f6hne und Lohnst\u00fcckkosten bestimmen definitiv die Preise&#8220; stimmt. <a href=\"http:\/\/www.flassbeck-economics.de\/welche-preissteigerungsrate-ist-wirtschaftspolitisch-relevant\/\" title=\"Welche Preissteigerungsrate ist wirtschaftspolitisch relevant? | flassbeck-economics\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Heiner Flassbeck und Friederike Spiecker<\/a> haben diese Abh\u00e4ngigkeit in einer Forschungsarbeit und einem gemeinsamen Buch (Das Ende der Massenarbeits-losigkeit, Verlag Westend, 2007) \u00fcberzeugend erkl\u00e4rt und nachgewiesen. Einen Foliensatz dazu gibt es <a href=\"http:\/\/www.flassbeck-economics.de\/folien-zum-vortrag-von-heiner-flassbeck-auf-einladung-des-deutschen-gewerkschaftsbundes-in-braunschweig-am-16-mai-2013\/\" title=\"Folien zum Vortrag von Heiner Flassbeck auf Einladung des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Braunschweig am 16. Mai 2013 | flassbeck-economics\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>Weitere Details siehe auch unter <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/zusammenhang-lohne-produktivitat-lohnstuckkosten-und-inflation\/\" title=\"Zusammenhang L\u00f6hne, Produktivit\u00e4t, Lohnst\u00fcckkosten und Inflation \u203a \u00d6konomie und Sport\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zusammenhang L\u00f6hne, Produktivit\u00e4t, Lohnst\u00fcckkosten und Inflation<\/a>. Diesen Mechanismus in Bezug auf die Entstehung der Eurokrise habe ich in diesem <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/die-eurokrise-vorlaeufiger-hoehepunkt-des-transferproblems-teil-3\/\" title=\"Die Eurokrise \u2013 vorl\u00e4ufiger H\u00f6hepunkt des Transferproblems \u2013 Teil 3 \u203a \u00d6konomie und Sport\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Beitrag<\/a> ausgef\u00fchrt. <\/p>\n<p>Leider stellt dieser Automatismus auch heute immer noch einen schwarzen Fleck in den Ansichten vieler Politiker und Wirtschaftswissenschaftler dar. Und solange man der Ideologie folgt, dass zwar die Inflationsentwicklung Sache der gemeinsamen Institutionen der Staatengemeinschaft wie etwa den Zentralbanken sei, die Lohnst\u00fcckkosten (und damit auch die L\u00f6hne) aber weiter in der Verantwortung der einzelnen L\u00e4nder fallen, wird sich daran nichts \u00e4ndern. <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im internationalen Vergleich der Volkswirtschaften sind nicht die tats\u00e4chlichen L\u00f6hne, sondern die gesamtwirtschaftlichen Lohnst\u00fcckkosten (d. h. die L\u00f6hne im Verh\u00e4ltnis zur Produktivit\u00e4t) die entscheidenden Faktoren. 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