{"id":1734982,"date":"2016-06-27T07:27:41","date_gmt":"2016-06-27T05:27:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=1734982"},"modified":"2018-10-29T07:47:28","modified_gmt":"2018-10-29T06:47:28","slug":"grundlage-der-eurokrise-der-reale-innere-wert-einer-waehrung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/grundlage-der-eurokrise-der-reale-innere-wert-einer-waehrung\/","title":{"rendered":"Grundlage der Eurokrise &#8211; der reale innere Wert einer W\u00e4hrung"},"content":{"rendered":"<p>Auch wenn die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Eurokrise\" target=\"_blank\">Eurokrise<\/a>, seit nunmehr fast sieben Jahren ungel\u00f6st, ein wenig aus den politischen Schlagzeilen verschwunden ist, steht vor allem Griechenland immer noch im Fokus der Kritik: Korruption, ein enorm aufgebl\u00e4hter Staatsapparat, zu spendable Politiker, aber auch die angeblich &#8222;zu faulen&#8220; Griechen selbst werden oft als Gr\u00fcnde f\u00fcr den Ausbruch der Krise angef\u00fchrt. Ebenso geht das Aufrechnen von moralischer Schuld und (Geld-)Schulden ungehemmt weiter.<\/p>\n<p><Center><a title=\"5-Euro-Banknoten von Yannick Bammert (Konstanz) [CC BY 2.0 (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/2.0)], via Wikimedia Commons\" href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3AKonstanz_(5033092277).jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"368\" alt=\"Konstanz (5033092277)\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/4\/46\/Konstanz_%285033092277%29.jpg\/512px-Konstanz_%285033092277%29.jpg\"\/><\/a><\/Center><\/p>\n<p>Doch ist das alles auch wirklich richtig so? Oder gibt es m\u00f6glicherweise noch ganz andere Fakten, die ohne den R\u00fcckgriff auf <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/saldenmechanik-und-die-frage-der-moral\/\" target=\"_blank\">emp\u00f6rende Moralit\u00e4t<\/a> die ganze Malaise erkl\u00e4ren k\u00f6nnen? Doch wo soll man da anfangen in der verwirrenden Kakophonie verschiedenster Meinungen?<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen--><\/p>\n<p>Vielleicht bei dem geringsten gemeinsamen Nenner? Demjenigen, an dem sich die ganze Krise ja angeblich entz\u00fcndete und der ihr den Namen gab? Dem Euro?<\/p>\n<p>Sehen wir uns also diesen Euro mal genauer an, nehmen einen 5-Euro-Schein in die Hand, betrachten ihn und lassen unsere Gedanken schweifen. Man k\u00f6nnte nun \u00fcber sein Aussehen philosophieren, und was da so alles auf ihm <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Eurobanknoten#Abbildungen_und_Abmessungen\" target=\"_blank\">abgebildet ist<\/a> oder mit welchen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Eurobanknoten#Sicherheitsmerkmale\" target=\"_blank\">Sicherheitsvorkehrungen er vor F\u00e4lschungen gesch\u00fctzt wird<\/a>. <\/p>\n<p>Doch das sind alles nur \u00c4u\u00dferlichkeiten, viel wichtiger erscheint dagegen die Frage, woher man wissen soll, wieviel dieser Schein eigentlich wert ist? Dumme Frage, mag man da antworten: 5 Euro, steht ja schlie\u00dflich drauf. Aber die Herstellungskosten einer solchen Banknote betragen doch nach Angaben der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Europ%C3%A4ische_Zentralbank\" target=\"_blank\">Europ\u00e4ischen Zentralbank (EZB)<\/a> nur rund <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/wirtschaft\/wertvolles-papier-was-kostet-eigentlich-ein-geldschein\/12077310.html\" target=\"_blank\">sieben Cent<\/a>, der reine Materialwert ist noch viel geringer, wie kann dann ein solcher Schein 5 Euro wert sein?<\/p>\n<p>Hier kommt nun der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Geldwert\" target=\"_blank\"><b>Geldwert<\/b><\/a> ins Spiel, der angibt, &#8222;welche G\u00fctermenge mit einem bestimmten Geldbetrag gekauft werden kann&#8220;. Weiter geht es bei Wikipedia:<\/p>\n<blockquote><p>Der Binnenwert der W\u00e4hrung kann nur in Bezug auf bestimmte G\u00fcter gemessen werden. Dazu wird ein repr\u00e4sentativer Warenkorb zusammengestellt, der die typischen G\u00fcter enth\u00e4lt, die von einem Durchschnittshaushalt gekauft werden. Daraus wird ein sogenannter <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Preisindex\" target=\"_blank\"><b>Preisindex<\/b><\/a> f\u00fcr die Lebenshaltung ermittelt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Kaufkraft des Geldes wird also durch die Schwankungen eines Preisindexes bestimmt, die zudem in entgegengesetzter Weise Einfluss auf das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Preisniveau\" target=\"_blank\">Preisniveau<\/a> haben. Doch jeder Student der Volkswirtschaftslehre wei\u00df auch, dass in M\u00e4rkten mit einem freiem Spiel von Einzelpreisen durch die Ver\u00e4nderungen realwirtschaftlicher Knappheitsrelationen lediglich die Beziehungen zwischen den Geldpreisen der einzelnen Waren und Leistungen festgelegt werden (reziprokes = wechselseitiges Preisniveau). Demnach kostet beispiels-weise ein g\u00fcnstiger 16-Gigabyte USB-Stick (~ 5 Euro) \u00e4hnlich viel wie etwa eine Flasche Rotwein oder ein Kasten Oettinger Pils im Sonderangebot.<\/p>\n<p>Das absolute Niveau dieser Geldpreise (und damit auch der <b>wirkliche reale Wert<\/b> des Geldes) dagegen bleibt erst einmal unbestimmt. Der \u00d6konom <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wolfgang_St%C3%BCtzel\" target=\"_blank\">Wolfgang St\u00fctzel<\/a> schrieb dazu in seinem Buch <a href=\"http:\/\/books.google.de\/books\/about\/Marktpreis_und_Menschenw%C3%BCrde.html?id=TtAtSwAACAAJ&#038;redir_esc=y\" target=\"_blank\">&#8222;Marktpreis und Menschenw\u00fcrde&#8220;<\/a>, dass nach den Thesen der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Klassische_National%C3%B6konomie\" target=\"_blank\">klassischen National\u00f6konomie<\/a> dieses absolute Niveau aller Geldpreise ausschlie\u00dflich dadurch bestimmt w\u00fcrde, dass irgendjemand f\u00fcr eine wichtige G\u00fcterart selbstst\u00e4ndig festlegt, wie viele Geldeinheiten man f\u00fcr ein Gut dieser Art zuk\u00fcnftig aufwenden m\u00fcsse (also ein das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Preisniveau\" target=\"_blank\">Preisniveau<\/a> bestimmender <a href=\"http:\/\/www.wirtschaftslexikon24.com\/e\/leitpreis\/leitpreis.htm\" target=\"_blank\">Leitpreis<\/a>).<\/p>\n<p>Diese Funktion k\u00f6nnen aber weder die Preise von USB-Sticks, Rotwein oder Bierk\u00e4sten erf\u00fcllen, schlicht allein aufgrund der Tatsache, dass sie durch die Konkurrenzsituationen und sich \u00e4ndernden Knappheitsverh\u00e4ltnisse an den M\u00e4rkten h\u00e4ufigen Schwankungen ausgesetzt sind. <\/p>\n<p>Es m\u00fcssten also Preise gefunden werden, die angesichts der Umst\u00e4nde ihrer Fixierungen eher selten ver\u00e4ndert werden und daher sehr viel besser als &#8222;Leitpreise&#8220; fungieren k\u00f6nnten. <\/p>\n<p><b>Fr\u00fcher bestimmte das Edelmetall den inneren Wert einer W\u00e4hrung<\/b><br \/>\nIn den Phasen der durch Edelmetalle (Gold oder Silber) gedeckten Umlaufw\u00e4hrungen entsprach dieser Leitpreis dem Preis des W\u00e4hrungsmetalls in nationalen W\u00e4hrungs-einheiten. Dies war die Zeit des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Goldstandard\" target=\"_blank\">Gold<\/a>&#8211; oder <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Silberstandard\" target=\"_blank\">Silberstandards<\/a>, bei denen der Gesetzgeber den Leitpreis national bestimmte. So wurde beispielsweise nach der deutschen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutsche_Inflation_1914_bis_1923\" target=\"_blank\">Hyperinflation<\/a> festgelegt, dass aus einem Kilogramm Feingold 279 M\u00fcnzen als 10-Markst\u00fccke mit einem Mischungsverh\u00e4ltnis von 900 Teilen Gold und 100 Teilen Kupfer zu pr\u00e4gen seien (eine 10-Mark-M\u00fcnze also einen Metallgehalt von 1\/279 kg Gold haben sollte = <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/M%C3%BCnzfu%C3%9F\" target=\"_blank\">&#8222;M\u00fcnzfu\u00df&#8220;<\/a>).<\/p>\n<p>Diese im <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/M%C3%BCnzgesetz_(Deutsches_Reich)\" target=\"_blank\">M\u00fcnzgesetz<\/a> des Deutschen Reiches vom 30. August 1924 festgehaltene Regelung verpflichtete die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Reichsbank\" target=\"_blank\">Reichsbank<\/a> als <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zentralbank\" target=\"_blank\">zentrale Notenbank<\/a> dazu, gegen eingereichte  Banknoten M\u00fcnzen mit dem entsprechenden Metallgehalt herauszugeben. Damals erwartete man, dass eine Ver\u00e4nderung dieses Leitpreises (also bspw. eine Verschlechterung des Verh\u00e4lt-nisses Mark je kg Gold) einen entsprechend begr\u00fcndeten Einfluss in etwa gleicher H\u00f6he auch auf alle anderen Geldpreise haben w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Doch sp\u00e4testens seit dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nixon-Schock\" target=\"_blank\">&#8222;Nixon-Schock&#8220;<\/a> am 15. August 1971 gibt es in der westlichen Welt keine feste W\u00e4hrungsverankerung dieser Art mehr. Dank des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bretton-Woods-System\" target=\"_blank\">Bretton-Woods-Systems<\/a> hatte sich die amerikanische Notenbank FED bis dahin dazu verpflichtet, gegen 35 (sp\u00e4ter 42) US-Dollar je <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Feinunze\" target=\"_blank\">Feinunze<\/a> Gold Dollar-Guthaben in Gold einzul\u00f6sen. Diese Zusage nahm der damalige US-Pr\u00e4sident <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Richard_Nixon\" target=\"_blank\">Richard Nixon<\/a> an jenem Tag zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Seitdem sind auch die W\u00e4hrungen der europ\u00e4ischen L\u00e4nder definitiv nur noch &#8222;Papierw\u00e4hrungen&#8220;, f\u00fcr Deutschland endeten jedwede Wechselkursfixierungen zu anderen W\u00e4hrungen sp\u00e4testens am 1. M\u00e4rz 1973, als die Bundesbank sich endg\u00fcltig weigerte, US-Dollar zu vorab festgelegten Interventionskursen aufzukaufen.<\/p>\n<p>Dies f\u00fchrte zu einer radikalen Ver\u00e4nderung der W\u00e4hrungssysteme. Nach dem Wegfall der Edelmetall-Bindung k\u00f6nnen inflation\u00e4re Steigerungen aller Preisniveaus in einer Volkswirtschaft nur noch durch andere &#8222;Haltepfl\u00f6cke&#8220; der Papierw\u00e4hrungen verhindert werden. Als einzig \u00fcbriggebliebene St\u00fctzpfeiler verbleiben damit alle diejenigen <b>Einzelpreise, die auch f\u00fcr k\u00fcnftige Zeiten vertraglich oder gesetzlich fixiert sind<\/b> (sogenannte temporale Preisfixierungen = Preise k\u00f6nnen \u00fcber mehrere Perioden nicht ge\u00e4ndert werden). <\/p>\n<p>Neben volkswirtschaftlich eher unwichtigen Preisen wie den Auszeichnungen in Versandhauskatalogen oder \u00f6ffentlich-rechtlichen Geb\u00fchren geh\u00f6ren dazu in erster Linie die durch Tarifvertr\u00e4ge auf den Arbeitsm\u00e4rkten fixierten Lohns\u00e4tze als die mit Abstand wichtigste Komponente. Gerade den L\u00f6hnen\/Lohneinkommen als entscheidendem Kostenanteil der Preise sowie gr\u00f6\u00dftem Bestandteil des Volkseinkommens (70 %) kommt wegen der Losl\u00f6sung aller anderen Verankerungen die Funktion der &#8222;Leitpreise&#8220; zu.  <\/p>\n<p>St\u00fctzel schrieb dazu eindeutig weiter:<\/p>\n<blockquote><p>Das weist allen f\u00fcr die Bestimmung solcher Preise zust\u00e4ndigen Stellen dieselbe Funktion zu, wie sie fr\u00fcher dem M\u00fcnzgesetzgeber zugewiesen war:<br \/>\n<b>Sie entscheiden \u00fcber den inneren Wert einer W\u00e4hrungseinheit.<\/p>\n<p>Selbst Notenbanken verm\u00f6gen mit all ihrer Zins- und Geldmengen-Politik die allenthalben in der Welt in Gang gekommenen Inflationsprozesse nur insoweit zu bremsen, soweit ihre Bremssignale von all denen, die \u00fcber die eigentlichen Leitpreise (oder \u201etranstemporalen Preisfixierungen\u201c) bestimmen, voran die Tarifpartner, tats\u00e4chlich respektiert werden.<\/b><\/p>\n<p><em>St\u00fctzel, Marktpreis und Menschenw\u00fcrde (1982), S. 83<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><b>Tarifpartner als funktionelle Nachfolger des M\u00fcnzgesetzgebers<\/b><br \/>\nMit dem Wegfall der W\u00e4hrungsbindungen an Edelmetalle und dem damit verbundenen \u00dcbergang zu einem System flexibler Papiergeldw\u00e4hrungen ging damit eine \u00f6konomisch sehr wichtige Aufgabe auf die Tarifpartner (Gewerkschaften und Arbeitgeber) \u00fcber.<\/p>\n<p>Sie \u00fcbernahmen eine gravierende Zwischenfunktion in einem &#8222;Preisniveau-Steuerungsmechanismus&#8220;, dessen Bedeutung eigentlich bis heute nicht hoch genug angesiedelt werden kann und doch fast v\u00f6llig vergessen ist.<\/p>\n<p>Ohne die planm\u00e4\u00dfig vorgesehene Ausf\u00fchrung dieser Funktion wird es allen staatlichen Institutionen (bspw. der Zentralbank oder dem Finanzministerium)  nahezu unm\u00f6glich gemacht, ihren verfassungsrechtlichen Auftrag der Sicherung der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Preisniveaustabilit%C3%A4t\" target=\"_blank\">Preisniveaustabilit\u00e4t<\/a> \u00fcberhaupt zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Das mag heute sehr ungewohnt klingen, ist man es doch gewohnt, die so oft beschworene unabh\u00e4ngige Tarifhoheit zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften als gro\u00dfe Errungenschaft zu feiern. Ebenso scheint es heute \u00fcblich, sich selbst in wirtschafts- wissenschaftlicher Hinsicht nur noch auf die Kostenkomponente der L\u00f6hne zu konzentrieren, und deren makro\u00f6konomische Wirkungen weitestgehend zu ignorieren. Dazu kommt die ideologische Starrheit der neoliberalen Ansicht, mit Gehaltssenkungen nahezu jede krisenhafte Konjunkturphase l\u00f6sen zu wollen.<\/p>\n<p>Wolfgang St\u00fctzel erweiterte dagegen damals diese Rolle der Gewerkschaften noch:<\/p>\n<blockquote><p>In verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig kleinen L\u00e4ndern mit sehr starker Au\u00dfenhandelsverflechtung haben Leitpreis\u2014Funktion (da sie<br \/>\n\u201eexogen determiniert\u201c sind) au\u00dfer den heimischen Nominall\u00f6hnen<br \/>\nvor allem die \u00fcber den Wechselkurs auf Inlandsw\u00e4hrung umgerechneten Auslandspreise der Ein- und Ausfuhrg\u00fcter.<\/p>\n<p><b>Prompt geraten die f\u00fcr die Tarifl\u00f6hne verantwortlichen Personen einschlie\u00dflich der Gewerkschaften in die Rolle der Instanzen, die in unserer Marktwirtschaft \u00fcber die internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit unseres Landes mitentscheiden.<\/b><\/p>\n<p><em>St\u00fctzel, Marktpreis und Menschenw\u00fcrde (1982), S. 84<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Schon vor \u00fcber 30 Jahren wies St\u00fctzel richtigerweise darauf hin, dass unter Ber\u00fccksichtigung der Tatsache, dass es l\u00e4ngst nicht mehr die Preise der Edelmetalle sondern ganz andere Preise seien, die in einem Papierw\u00e4hrungssystem die Funktion der &#8222;preisniveaubestimmenden Leitpreise&#8220; \u00fcbernommen h\u00e4tten und kein Goldstandard sondern ein <b>Lohnstandard<\/b> den inneren Wert einer W\u00e4hrungseinheit bestimmten, womit den Gewerkschaften und somit den Tarifpartnern seitdem auch eine gewichtige Mitverantwortung f\u00fcr <b>Geldwertstabilit\u00e4t und Vollbesch\u00e4ftigung<\/b> \u00fcbertragen worden ist.<\/p>\n<p><b>Gesamtwirtschaftliche Bedeutung der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lohnst%C3%BCckkosten\" target=\"_blank\">Lohnst\u00fcckkosten<\/a><\/b><br \/>\nWenn man aber nun in der volkswirtschaftlichen Betrachtung letzten Endes der Ansicht Wolfgang St\u00fctzels folgt und die L\u00f6hne aufgrund obiger Analyse als den zentralen Faktor anerkennt, der neben der Fixierung der &#8222;Leitpreise&#8220; auch \u00fcber die Produktionskosten bestimmt, dann ergibt sich bei einem starken Wettbewerb zwischen den Unternehmen die Entwicklung der Angebotspreise aus dem Zusammenspiel von <a href=\"http:\/\/www.flassbeck-economics.de\/kann-die-unabhaengige-lohnpolitik-nichts-fuer-handelsungleichgewichte\/\" target=\"_blank\">Lohnentwicklung und Produktivit\u00e4tsentwicklung<\/a>, also aus dem <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/zusammenhang-lohne-produktivitat-lohnstuckkosten-und-inflation\/\" target=\"_blank\">Zuwachs der <b>Lohnst\u00fcckkosten<\/b><\/a>. <\/p>\n<p>Hier sei dann an dieser Stelle auch noch einmal kurz auf die Bedeutung der gesamtwirtschaftlichen Lohnst\u00fcckkosten f\u00fcr die gesamtwirtschaftliche Inflationsrate hingewiesen, diesen Zusammenhang hatte ich schon in einem <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/warum-eigentlich-sollte-die-inflation-in-der-euro-zone-in-die-lohnerhohungen-mit-einfliesen\/\" target=\"_blank\">fr\u00fcheren Beitrag<\/a> versucht zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Oben verlinkter Artikel von flassbeck-ecomomics erl\u00e4utert auch den Zusammenhang zwischen der Lohnentwicklung und der Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Unternehmen eines Landes sowie deren Relevanz f\u00fcr den Au\u00dfenhandel und den Saldo der Handelsbilanz eines Staates. <\/p>\n<p>Ferner weist dieser Beitrag auf die Folgen verschiedener Entwicklungen der volkswirtschaftlichen Lohnst\u00fcckkosten in einer W\u00e4hrungsunion hin und definiert diese als den wichtigsten Faktor, wenn es darum geht, anhand von Handels\u00fcbersch\u00fcssen und -Defiziten die tats\u00e4chlichen Gr\u00fcnde f\u00fcr die Eurokrise zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Doch am Ende noch einmal zur\u00fcck zum Anfang: was definiert denn nun den tats\u00e4chlichen inneren Wert einer W\u00e4hrung? Was legt das absolute Niveau aller Geldpreise in einer Volkswirtschaft denn nun fest?<\/p>\n<p>Es ist die H\u00f6he der L\u00f6hne, gemessen im Verh\u00e4ltnis zur Produktivit\u00e4t eines Landes. Eine W\u00e4hrungseinheit entspricht demnach also nichts anderem als dem in Lohnst\u00fcckkosten ausgedr\u00fcckten korrespondierenden Anteil am Bruttosozialprodukt, also quasi dem durchschnittlichen Wert der G\u00fcter, die f\u00fcr einen der W\u00e4hrungseinheit entsprechenden Lohn produziert wurden.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch wenn die Eurokrise, seit nunmehr fast sieben Jahren ungel\u00f6st, ein wenig aus den politischen Schlagzeilen verschwunden ist, steht vor allem Griechenland immer noch im Fokus der Kritik: Korruption, ein enorm aufgebl\u00e4hter Staatsapparat, zu spendable Politiker, aber auch die angeblich<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[48,42,34,14,16,37,44,18],"class_list":["post-1734982","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-oekonomie","tag-geldtheorie","tag-gewerkschaft","tag-inflation","tag-lohn","tag-lohnstueckkosten","tag-stuetzel","tag-volkswirtschaftslehre","tag-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1734982","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1734982"}],"version-history":[{"count":44,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1734982\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9699436,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1734982\/revisions\/9699436"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1734982"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1734982"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1734982"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}