{"id":173360,"date":"2014-09-02T07:25:44","date_gmt":"2014-09-02T05:25:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=173360"},"modified":"2020-03-17T07:32:11","modified_gmt":"2020-03-17T06:32:11","slug":"die-lehren-aus-der-weltwirtschaftskrise-fuer-die-eurozone","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/die-lehren-aus-der-weltwirtschaftskrise-fuer-die-eurozone\/","title":{"rendered":"Die Lehren aus der Weltwirtschaftskrise f\u00fcr die Eurozone"},"content":{"rendered":"<p><em>Meine \u00dcbersetzung eines Beitrags von <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Simon_Wren-Lewis\" title=\"Simon Wren-Lewis - Wikipedia, the free encyclopedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Simon Wren-Lewis<\/a> aus seinem Blog <a href=\"http:\/\/mainlymacro.blogspot.ch\/2014\/08\/lessons-of-great-depression-for-eurozone.html\" title=\"mainly macro: Lessons of the Great Depression for the Eurozone\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">mainly macro<\/a>, der die momentanen wirtschaftspolitischen Fehler in der Eurozone kurz aber sehr treffend darlegt:<\/em><\/p>\n<p>Es erscheint mir einfacher, die Probleme der Eurozone zuerst durch die Vorstellung der EU als eine Einheit zu erfassen, ehe man \u00fcber die Verteilung zwischen den L\u00e4ndern nachdenkt. In beiden F\u00e4llen allerdings macht die Eurozone heute genau die gleichen Fehler, die auch in der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Great_Depression\" title=\"Great Depression \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Gro\u00dfen Depression der 1920er\/30er Jahre<\/a> gemacht wurden. <\/p>\n<p>Die Eurozone leidet derzeit unter einem chronischen Mangel bei der Gesamtnachfrage. Nach einer Sch\u00e4tzung der OECD existierte 2013 in der Eurozone eine <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Produktionsl%C3%BCcke\" title=\"Produktionsl\u00fccke \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Produktionsl\u00fccke<\/a> von fast 3,5%. Da die Geldpolitik entweder nicht in der Lage oder nicht willens ist, dagegen viel zu unternehmen, ist eine staatliche Konjunkturankurbelung notwendig. Dies ist die erste Lehre aus der Weltwirtschaftskrise, die strikt ignoriert wird. Stattdessen wurde den L\u00e4ndern der EU mit dem <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stabilit%C3%A4ts-_und_Wachstumspakt\" title=\"Stabilit\u00e4ts- und Wachstumspakt \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Stabilit\u00e4ts- und Wachstumspakt (SWP)<\/a> striktes Sparen und Austerit\u00e4t auferlegt. <\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Innerhalb der Eurozone haben wir zudem das Problem, dass so ziemlich jede andere Volkswirtschaft in dem Zeitraum 2000-2007 von Deutschland unterboten wurde. Ich behaupte nicht, dass es sich dabei um eine bewusste Politik handelt, aber die Folgen wurden von den Regierungen der anderen Staaten damals zumeist nicht erkannt. Seit 2007 hat es da einige Korrekturen gegeben, die aber nur unvollst\u00e4ndig waren. Die zweite Lehre aus der Weltwirtschaftskrise und dem Ende des <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Goldstandard\" title=\"Goldstandard \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Goldstandards<\/a> ist die, dass der Versuch einer Korrektur \u00fcber die Senkung der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lohnst%C3%BCckkosten\" title=\"Lohnst\u00fcckkosten \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Lohnst\u00fcckkosten<\/a> mittels <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deflation\" title=\"Deflation \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Deflation<\/a> sehr hart und vor allem unn\u00f6tig schmerzhaft ist. <\/p>\n<p>Die L\u00f6sung in den 1920er\/30er Jahren war letztlich eine Reihe von Abwertungen (durch das Verlassen des Goldstandards). Das ist innerhalb der Eurozone nicht m\u00f6glich. Allerdings w\u00e4re eine Anpassung viel weniger kostspielig, wenn sie durch entsprechende Preiserh\u00f6hungen in dem Land, welches zu konkurrenzf\u00e4hig ist, erreicht w\u00fcrde, anstatt durch Preissenkungen in den nicht wettbewerbsf\u00e4higen Staaten. In der Praxis sprechen wir hier nur von geringen \u00c4nderungen: eine <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Inflation\" title=\"Inflation \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Inflation<\/a> von etwa 3% in Deutschland und gleichzeitig etwas \u00fcber 1% in den anderen L\u00e4ndern sollte ausreichend sein. Stattdessen haben wir jetzt in Deutschland eine Geldentwertung von 1% und in dem Rest der Eurozone ist sie nur wenig \u00fcber Null. <\/p>\n<p>An dieser Stelle verdr\u00e4ngt zumeist eine Art von moralischer Entr\u00fcstung die wirtschaftliche Logik in der Debatte. Viele Deutsche wollen nicht unter 3% Inflation leiden, um damit denen zu helfen, die eine unverantwortliche Politik betrieben haben. Das aber ist unlogisch, weil es die Inflation unter dem Durchschnitt der Eurozone als eine Tugend und nicht als S\u00fcnde ansieht. Ein Land in einer W\u00e4hrungsunion, welches seine Inflation st\u00e4ndig unter dem Durchschnitt h\u00e4lt (wie es Deutschland sei den fr\u00fchen 2000er Jahren durchgehend machte), ist nicht etwa besonders tugendhaft, sondern ein Anzeichen f\u00fcr ein Problem, ebenso wie andere Unionsmitglieder, die den Durchschnitt dauernd \u00fcberschreiten. <\/p>\n<p>Ein Land kann seine Konkurrenten nicht andauernd unterbieten. Jedes Land mit einer Inflation unter dem Durchschnitt der Eurozone sollte davon ausgehen, dass dem irgendwann eine Phase \u00fcberdurchschnittlicher Inflation folgen muss. Wenn die Eurozone eine durchschnittlichen Inflationsrate von 2% in den n\u00e4chsten Jahren erreichen soll, so hat die Inflation in Deutschland 3% zu betragen &#8211; das ist Teil des Euro-Vertrages. In dem Ma\u00dfe, in dem die deutschen Politiker versuchen, auf die Einhaltung dieses Vertrages entweder durch eine Verhinderung der unkonventionellen EZB-Politik zur Erreichung des 2% Inflationsziels oder durch das Beharren auf der Aufrechterhaltung des deflation\u00e4ren SWPs zu pochen, sind sie direkt f\u00fcr die Misere, welche die Eurozone derzeit durchmacht, voll verantwortlich. <\/p>\n<p>An keiner Stelle habe ich \u00fcbrigens bisher \u00fcber die Problematik der Staatsverschuldung oder die Forderungen nach weiteren Strukturreformen gesprochen, da beide lediglich zur Ablenkung von den aktuellen Schwierigkeiten durch die unzureichende Nachfrage und die unter dem vereinbarten Zielwert liegende Inflation dienen. Sie sind nur insofern von Bedeutung, als dass sie es der Politik erlauben, die Aufmerksamkeit von den grundlegenden Fragen abzulenken. Zwei der wichtigsten Lehren aus der Gro\u00dfen Depression sind dagegen die Anwendung staatlicher Konjunkturprogramme, um der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Liquidit%C3%A4tsfalle\" title=\"Liquidit\u00e4tsfalle \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Liquidit\u00e4tsfalle<\/a> zu entkommen, und die Erkenntnis, dass es viel zu schmerzhaft ist, darauf zu bestehen, dass die nicht wettbewerbsf\u00e4higen L\u00e4nder s\u00e4mtliche Kosten der Umstellung allein zu tragen haben. <\/p>\n<p>Die Eurozone hat es schlicht vers\u00e4umt, beide Lektionen zu lernen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine \u00dcbersetzung eines Beitrags von Simon Wren-Lewis aus seinem Blog mainly macro, der die momentanen wirtschaftspolitischen Fehler in der Eurozone kurz aber sehr treffend darlegt: Es erscheint mir einfacher, die Probleme der Eurozone zuerst durch die Vorstellung der EU als<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[47,33,34,14,16,32,29,18],"class_list":["post-173360","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-oekonomie","tag-austeritaet","tag-deflation","tag-inflation","tag-lohn","tag-lohnstueckkosten","tag-schulden","tag-sparen","tag-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/173360","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=173360"}],"version-history":[{"count":25,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/173360\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13568626,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/173360\/revisions\/13568626"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=173360"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=173360"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=173360"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}