{"id":17145,"date":"2014-04-01T06:08:34","date_gmt":"2014-04-01T05:08:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=17145"},"modified":"2026-03-30T14:58:17","modified_gmt":"2026-03-30T12:58:17","slug":"saekulare-stagnation-und-die-vermoegensungleichheit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/saekulare-stagnation-und-die-vermoegensungleichheit\/","title":{"rendered":"S\u00e4kulare Stagnation und die Verm\u00f6gensungleichheit"},"content":{"rendered":"<p>Der amerikanische \u00d6konom <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Alvin_Hansen\" title=\"Alvin Hansen \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Alvin Hansen<\/a> f\u00fchrte den Begriff der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stagnation_(Wirtschaft)\" title=\"Stagnation (Wirtschaft) \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">&#8222;s\u00e4kularen Stagnation&#8220;<\/a> in den 1930er Jahren ein. Seine Hypothese wurde von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lawrence_Summers\" title=\"Lawrence Summers \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Lawrence Summers<\/a> im November 2013 w\u00e4hrend einer Konferenz des <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Internationaler_W%C3%A4hrungsfonds\" title=\"Internationaler W\u00e4hrungsfonds \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">IWF<\/a> wieder <a href=\"http:\/\/larrysummers.com\/imf-fourteenth-annual-research-conference-in-honor-of-stanley-fischer\/\" title=\"IMF Fourteenth Annual Research Conference in Honor of Stanley Fischer | Lawrence H. Summers\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">zur Sprache gebracht<\/a>. <\/p>\n<p><center><a title=\"Lawrence Summers in Davos by World Economic Forum from Cologny, Switzerland (World Economic Forum Annual Meeting Davos 2007) [CC-BY-SA-2.0 (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/2.0)], via Wikimedia Commons\" href=\"http:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3ALawrence_Summers%2C_Davos.jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"256\" alt=\"Lawrence Summers, Davos\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/8\/85\/Lawrence_Summers%2C_Davos.jpg\"\/><\/a><br \/>\n<em>Lawrence Summers 2007 in Davos<\/em><\/center><\/p>\n<p>Summers&#8216; Rede erzeugte eine heftige Diskussion, und das aus einem gutem Grund. Seiner Ansicht nach war die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Weltwirtschaftskrise\" title=\"Weltwirtschaftskrise \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Gro\u00dfe Rezession<\/a> symptomatisch f\u00fcr ein l\u00e4ngerfristiges Problem:<br \/>\n<b>eine nachweisbare, trotz niedriger Realzinsen permanent unzureichende gesamtwirtschaftliche Nachfrage<\/b><\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Die Grundidee und ihre Auswirkungen wurden von vielen \u00d6konomen konkretisiert:<br \/>\nSo z. B. von <a href=\"http:\/\/www.economist.com\/blogs\/freeexchange\/2013\/11\/secular-stagnation\" title=\"Secular stagnation: The solution that cannot be named\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ryan Avent<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.newyorker.com\/news\/john-cassidy\/is-larry-summers-right-about-secular-stagnation\" title=\"Is Larry Summers Right About 'Secular Stagnation'? : The New Yorker\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">John Cassidy<\/a> und Paul Krugman. Eine kurze Zusammenfassung der Hypothese lautet in etwa so: <\/p>\n<p>Eine eigentlich normal funktionierende Wirtschaft w\u00fcrde angesichts geringer werdender Nachfrage nach G\u00fctern und Dienstleistungen die Zinsen senken, um Haushalte und Unternehmen dazu zu bewegen, mehr Kredite aufzunehmen und mehr zu verbrauchen.<\/p>\n<p>Wenn in einer normal funktionierenden Wirtschaft die Zinsen fallen, leihen sich Haushalte Geld, um Autos zu kaufen oder ihre K\u00fcchen zu renovieren, weshalb es sich dann auch f\u00fcr die Unternehmen wieder lohnt, zu investieren. Ein niedrigerer Zinssatz hilft also die Nachfrage zu steigern.<\/p>\n<p>Aber was passiert, wenn die H\u00f6he des Zinssatzes, der n\u00f6tig w\u00e4re, um eine ausreichende Nachfrage zu erzeugen, negativ sein m\u00fcsste? Mit anderen Worten, was ist, wenn die Wirtschaft die Menschen eigentlich daf\u00fcr bestrafen m\u00fcsste, wenn sie in risikolose Anlagen wie US-Staatsanleihen investieren, um sie dadurch zum Konsum zu animieren? <\/p>\n<p>Viele finden diese Idee intuitiv widerspr\u00fcchlich: die Realzinsen sind im Grunde Null, aber dieser These nach sind sie immer noch zu hoch.<\/p>\n<p>Warum aber w\u00fcrden die Zinsen trotzdem auf einem zu hohen Niveau bleiben? Warum k\u00f6nnen sie nicht negativ werden? <\/p>\n<p>Die Nominalzinsen k\u00f6nnen nie negativ sein, da die US-Regierung eine nominale Rendite von 0 % jedem versprechen muss, der Bargeld h\u00e4lt. Und daher w\u00fcrde auch niemand einen Nominalzins von unter 0 % f\u00fcr jedes andere von der Regierung besicherte Wertpapier akzeptieren. <\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich k\u00f6nnen die Realzinsen negativ werden, wenn wir eine h\u00f6here Inflation haben. Aber die Inflation zu steigern kann schwierig werden, vor allem, wenn eine Notenbank sich einen besonderen Ruf in der Bek\u00e4mpfung der Inflation aufgebaut hat. <\/p>\n<p>Wenn die Realzinsen negativ sein m\u00fcssten, um die Nachfrage zu steigern, aber die geltenden Zinss\u00e4tze noch immer um Null liegen, dann haben wir noch zu viele Ersparnisse in risikofreien Anlagen &#8211; was Paul Krugman als Liquidit\u00e4tsfalle bezeichnet. In einer solchen Situation wird die Wirtschaft dann gezwungen, ihren Bedarf stark einzuschr\u00e4nken.<\/p>\n<p>Die These der Liquidit\u00e4tsfalle hilft zu erkl\u00e4ren, warum Rezessionen so schwerwiegend sein k\u00f6nnen. Aber die Argumentation von Summers geht noch dar\u00fcber hinaus. Er legt dar, dass wir uns in einem langfristigen &#8222;Gleichgewichtszustand&#8220; befinden, in dem die Realzinsen eigentlich negativ sein m\u00fcssten, um noch eine ausreichende Nachfrage generieren zu k\u00f6nnen. Ohne negative Realzinsen sind wir dagegen zu wirtschaftlicher Stagnation verurteilt.<\/p>\n<p>Wie die meisten provokanten Ideen basiert auch diese bei ihrer Einf\u00fchrung auf einer abstrakten informellen Modellierung. Es gibt daher kaum Zweifel, dass \u00d6konomen, die der Idee von nachfrageorientierten Wirtschaftszyklen skeptisch gegen\u00fcber stehen, diese erst einmal zur\u00fcckweisen werden. Deshalb ist es sehr wahrscheinlich, dass die Forscher diese Idee mit weiterer Modellierung und weiteren Tests noch mehr konkretisieren werden. Dies ist absolut notwendig und wird hoffentlich auch fruchtbar sein.<\/p>\n<p>Aus Sicht der beiden Autoren fehlt bei der These von der s\u00e4kularen Stagnation die entscheidende Rolle der stark ungleichen Verm\u00f6gensverteilung. Wer genau spart zuviel? Es sind sicherlich nicht die unteren 80 % in der Verm\u00f6gensverteilung, da diese fast keine finanziellen Assets halten.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem wird ein Teil der Ersparnisse der Wohlhabenden, die diese in das Finanzsystem investieren, auch in den H\u00e4nden der weniger verm\u00f6genden privaten Haushalte enden, wenn diese eine Hypothek oder ein Darlehen f\u00fcr eine Autofinanzierung aufnehmen. <\/p>\n<p>Aber diese Finanzierungen der weniger verm\u00f6genden Haushalte erfolgen fast immer durch Schuldvertr\u00e4ge. Damit aber werden einige potenzielle Probleme geschaffen. Schulden f\u00fchren zur Blasenbildung, wenn die Wirtschaft w\u00e4chst, und Schuldvertr\u00e4ge zwingen die Kreditnehmer, die durch einen R\u00fcckgang der Wirtschaftst\u00e4tigkeit erzeugten Verluste allein zu tragen.<\/p>\n<p>Diese beiden Auswirkungen von Schulden sind wichtige Implikationen f\u00fcr die Hypothese der s\u00e4kularen Stagnation. <\/p>\n<p><em>(eigene \u00dcbersetzung eines Artikels von Atif Mian und Amir Sufi &#8211; House of Debt)<\/em> <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der amerikanische \u00d6konom Alvin Hansen f\u00fchrte den Begriff der &#8222;s\u00e4kularen Stagnation&#8220; in den 1930er Jahren ein. Seine Hypothese wurde von Lawrence Summers im November 2013 w\u00e4hrend einer Konferenz des IWF wieder zur Sprache gebracht. 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