{"id":1690440,"date":"2017-05-22T07:30:39","date_gmt":"2017-05-22T05:30:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=1690440"},"modified":"2017-05-22T07:34:22","modified_gmt":"2017-05-22T05:34:22","slug":"frances-coppola-staatsschulden-sind-nicht-das-was-man-glaubt-was-sie-sind","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/frances-coppola-staatsschulden-sind-nicht-das-was-man-glaubt-was-sie-sind\/","title":{"rendered":"Frances Coppola: Staatsschulden sind nicht das was man glaubt was sie sind"},"content":{"rendered":"<p>Denn die \u00f6ffentlichen Schulden sind keine Schulden im eigentlichen Sinne des Wortes. <\/p>\n<p><Center><a title=\"US-Staatsschuldenuhr in 2008 von Everyme in der Wikipedia auf Englisch [GFDL (http:\/\/www.gnu.org\/copyleft\/fdl.html) oder CC BY 3.0 (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/3.0)], via Wikimedia Commons\" href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3AUS_National_Debt_crop.jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"412\" alt=\"US National Debt crop\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/9\/91\/US_National_Debt_crop.jpg\"\/><\/a><br \/>\n<em>&#8222;Schuldenuhr&#8220; der US-Staatsverschuldung (im Jahr 2008)<\/em><br \/>\n<\/center><\/p>\n<p>Nun ja, eigentlich ist das so auch nicht ganz richtig. Lassen Sie uns das lieber gleich einwandfrei aufschl\u00fcsseln. Die Schulden der wirklich souver\u00e4nen Regierungen, die ihre eigenen W\u00e4hrungen ausgeben, \u00fcber funktionierende Zentralbanken verf\u00fcgen und die volle Kontrolle \u00fcber die Geldpolitik haben sind keine Schulden im herk\u00f6mmlichen Sinne des Wortes.<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Das alles ergibt sich aus der Natur unseres <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fiatgeld\" target=\"_blank\">Fiat-Geld<\/a>-Systems. In einem Fiat-Geld-System schaffen Regierungen Geld. Genauer gesagt, wird Geld von privaten Banken als Vertreter des Staates erschaffen, gesichert und unterst\u00fctzt von der Zentralbank, die Teil der Regierung ist.<\/p>\n<p>Die &#8222;Unabh\u00e4ngigkeit&#8220; der Zentralbanken ist eine reine Fiktion. Zentralbanken k\u00f6nnen unabh\u00e4ngig von politischer Kontrolle arbeiten &#8211; wenn die Politik es ihnen erm\u00f6glicht, &#8211; aber sie sind Teil der Regierungsmaschine ebenso wie es die Finanzministerien sind.<\/p>\n<p>Die meisten Zentralbanken &#8211; mit der bemerkenswerten Ausnahme der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Federal_Reserve_System\" target=\"_blank\">Federal Reserve<\/a> &#8211; wurden urspr\u00fcnglich geschaffen, um Regierungen zu finanzieren, aber ihre Rolle hat sich im Laufe der Jahrhunderte ver\u00e4ndert und nun haben wir die interessante Situation, dass es Zentralbanken nicht mehr erlaubt ist, Regierungen direkt zu finanzieren, obwohl sie es k\u00f6nnten, und es auch indirekt \u00fcber das Bankensystem tun. <\/p>\n<p>Aber es gibt in einem Fiat-Geld-System keinen Grund, warum eine souver\u00e4ne Regierung nicht einfach ihre Zentralbank anweisen sollte, anstatt Schuldverschreibungen Geld herauszugeben, um ihren Ausgabeverpflichtungen nachkommen zu k\u00f6nnen. Wenn Regierungen dies machen, wird es als <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Monetarisierung\" target=\"_blank\">Monetarisierung<\/a> oder einfach nur &#8222;Geld drucken&#8220; bezeichnet &#8211; obwohl in diesen Tagen nicht mehr viel Druck daran beteiligt sein d\u00fcrfte. Es ist NICHT dasselbe wie <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Quantitative_Lockerung\" target=\"_blank\">QE (Quantitative Easing)<\/a>, welches verschiedene Formen der Staatsverschuldung in Geld eintauscht.<\/p>\n<p>Monetarisierung wird historisch mit der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hyperinflation\" target=\"_blank\">Hyperinflation<\/a> in Verbindung gebracht, und es ist nur fair zu sagen, dass die Angst vor der Inflation zumeist der Hauptgrund daf\u00fcr ist, warum die Regierungen nicht einfach Geld ausgeben, um ihren Verpflichtungen nachzukommen. Aber abgesehen von freiwilligen (und manchmal auch rechtlichen) Einschr\u00e4nkungen f\u00fcr die Monetarisierung m\u00fcssen souver\u00e4ne Regierungen, die ihre eigenen W\u00e4hrungen herausgeben, keine Kredite aufnehmen, um ihre Ausgabeverpflichtungen zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Also, wenn Regierungen in der Theorie ihre notwendigen Ausgaben vollst\u00e4ndig durch den &#8222;Druck&#8220; von Geld abdecken k\u00f6nnten, warum brauchen wir dann \u00fcberhaupt noch Staatsschulden? Viele Leute w\u00fcrden daher argumentieren, dass wir sie nicht ben\u00f6tigen. Aber dem muss man widersprechen. Tats\u00e4chlich dienen Schulden einem n\u00fctzlichen Zweck, der vom Geld allein aufgrund seiner prim\u00e4ren Funktion als Tauschmittel nicht angemessen erf\u00fcllt werden kann.<\/p>\n<p>In der Vergangenheit, als die Regierungen nicht die volle Kontrolle \u00fcber ihre eigene W\u00e4hrung hatten, weil sie an das Gold gebunden waren, mussten die Regierungen Kredite aufnehmen, um ihre Ausgaben zu finanzieren, weil sie nicht einfach Geld herausgeben konnten. Und die L\u00e4nder, die auch heute nicht \u00fcber die Kontrolle \u00fcber ihre eigenen W\u00e4hrungen verf\u00fcgen, m\u00fcssen dies ebenso. Und so gilt f\u00fcr die L\u00e4nder der Eurozone &#8211; inklusive dem m\u00e4chtigen Deutschland &#8211; dass Schulden in der Tat Schulden sind. Sie k\u00f6nnen nicht ihre eigenen W\u00e4hrungen herausgeben, und deshalb m\u00fcssen sie Kredite aufnehmen, um ihre Ausgabeverpflichtungen erf\u00fcllen zu k\u00f6nnen. Doch f\u00fcr alle anderen Staaten <strong>sind Schulden keine Schulden sondern Ersparnisse<\/strong>. <\/p>\n<p>Das Problem ist, dass wir noch nicht wirklich die Art unseres Fiat-Geld-Systems verstehen. Wir versuchen immer noch, es so wie den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Goldstandard\" target=\"_blank\">Goldstandard<\/a> zu behandeln. So bestehen wir darauf, dass die Regierungen Kredite aufnehmen m\u00fcssen, um ihren Verpflichtungen nachkommen zu k\u00f6nnen. Und wenn sie sich dann &#8222;zu viel&#8220; leihen, beginnen wir uns \u00fcber zu hohe Ausgaben und die Schuldenlast f\u00fcr k\u00fcnftige Generationen sowie die Kosten f\u00fcr die Zinszahlungen zu \u00e4rgern und was \u00fcberhaupt die M\u00e4rkte dar\u00fcber denken werden, wenn immer mehr Menschen unsere Schulden kaufen, daher w\u00e4re es besser, die Ausgaben zur\u00fcckzufahren und so das Defizit unter Kontrolle zu bringen. Diese Panik-Spirale ist v\u00f6llig unn\u00f6tig und ergibt sich aus einem grundlegenden Missverst\u00e4ndnis \u00fcber die Rolle des \u00f6ffentlichen Schuldenstandes in einem Fiat-Geld-System.<\/p>\n<p><strong>Schulden bieten eine sichere Wertanlage f\u00fcr die B\u00fcrger des Landes.<\/strong> Sie \u00e4hneln sehr versicherten Einlagen bei Banken. Wie Spareinlagen werden Schulden verzinst. Und im Moment profitieren Schulden von einer 100%-igen Garantie der Regierung, w\u00e4hrend die Einlagen-Sicherungen begrenzt sind. Sie besitzen zudem eine hohe Liquidit\u00e4t und sind damit auch eher zug\u00e4nglich als viele zeitlich befristete Geldkonten. <\/p>\n<p>Schulden sind auch voll \u00fcbertragbar: Sie k\u00f6nnen beispielsweise ihrem Sohn zu seinem 21. Geburtstag <a href=\"http:\/\/www.wirtschaftslexikon24.com\/d\/gilts\/gilts.htm\" target=\"_blank\">Gilts<\/a> schenken, aber kein eigenes Sparkonto. Nun, als B\u00fcrger Gro\u00dfbritanniens k\u00f6nnten sie das schon. Sie k\u00f6nnten f\u00fcr ihn ein <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/National_Savings_and_Investments\" target=\"_blank\">staatliches Sparkonto<\/a> auf seinem Namen er\u00f6ffnen lassen, Geld darauf einzahlen und ihm einen Beleg \u00fcber die Hinterlegung dieser Mittel geben. Damit h\u00e4tten sie genau dasselbe getan, als wenn sie ihm Gilts \u00fcber den gleichen Wert gekauft h\u00e4tten. Tats\u00e4chlich sind Gilts nichts anderes als Einlagezertifikate. Wenn Sie also Staatsanleihen kaufen, hinterlegen sie ihr Geld auf einem 100%-ig staatlich abgesicherten und verzinsten Sparkonto. <a href=\"http:\/\/www.coppolacomment.com\/2013\/01\/when-governments-become-banks.html\" target=\"_blank\">Regierungen sind in Wirklichkeit Banken<\/a>.<\/p>\n<p>Aber was ist mit den Schuldzinsen? Na ja, im Gegensatz zum Geld waren Staatsanleihen schon immer verzinst, was das etwas h\u00f6here Risiko von Schulden widerspiegelt. Dies liegt daran, dass Schulden im Gegensatz zum Geld zeitlich begrenzt sind: wenn sie f\u00e4llig werden, m\u00fcssen sie zur\u00fcckgezahlt oder refinanziert werden, und es besteht immer die Gefahr, dass die Regierung nicht in der Lage ist, das Geld daf\u00fcr zu finden. Das ist zumindest das, was die Leute dar\u00fcber denken. Doch das ist falsch: souver\u00e4ne, eigene W\u00e4hrungen ausstellende Regierungen finden IMMER das Geld, um ihre Schulden zu refinanzieren, weil sie es selbst herausgeben. Es gibt daher auf Dauer bei den Schulden souver\u00e4ner w\u00e4hrungsemittierender Regierungen kein Risiko.<\/p>\n<p>Doch nun, da Banken Zinsen auf staatlich abgesicherte Einlagekonten und Zentralbanken Zinsen auf \u00dcberschussreserven gew\u00e4hren, bringt das meiste Geld Zinsertr\u00e4ge. Und die Zinsen f\u00fcr die Staatsanleihen von hoch angesehenen w\u00e4hrungsemittierenden Regenten sind auf einem historischen Tiefstand. Wie schon erw\u00e4hnt, bedeutet die liquide Natur der Staatsverschuldung, dass jeder Unterschied zwischen den Zinsen auf Einlagen und den Ertr\u00e4gen aus der Verschuldung rasch ausgeglichen werden. Deshalb sind die Zinskosten f\u00fcr Geld und Schulden nahezu gleich. Den Regierungen steht es daher frei die Ausgabeform zu w\u00e4hlen, die den Bed\u00fcrfnissen der Wirtschaft nach Ersparnissen oder Ausgaben am ehesten entspricht.<\/p>\n<p>Zurzeit, da die Pr\u00e4ferenzen eher auf das Sparen als aufs Ausgeben ausgerichtet sind und dies einen b\u00f6sen R\u00fcckgang der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage verursacht hat, sollte die Ausgabe von Geld anstelle von Schulden bevorzugt werden, denn Geld ist ein Tauschmittel in der Realwirtschaft und wir wollen damit Ausgaben anregen &#8211; obwohl nat\u00fcrlich auch Geld ein verzinstes sicheres Asset darstellt, zus\u00e4tzliches Geld kann Menschen dazu ermutigen es zu bunkern, wenn ihre Pr\u00e4ferenz auf dem Sparen liegt. <\/p>\n<p>Aber wenn das Problem zu hohe Ausgaben sind und die Regierung das Sparen f\u00f6rdern will, kann sie w\u00e4hlen, mehr Schulden und weniger Geld herauszugeben, womit die Geldmenge in der Realwirtschaft verringert wird und gleichzeitig aber die Liquidit\u00e4t im Finanzsystem erhalten bleibt (seitdem die Zinsen f\u00fcr Geld und Staatsverschuldung nahezu gleichwertig sind). <\/p>\n<p>Das ist dann eine Art Gleichgewicht. Beachten Sie, dass dieses dynamischen Aussteuern der monet\u00e4ren und fiskalischen Instrumente die Zusammenarbeit von Zentralbanken und Finanzministerien erforderlich macht. Damit das funktioniert, k\u00f6nnen sie nicht wirklich unabh\u00e4ngig voneinander arbeiten, doch wenn die Zentralbank f\u00fcr die Inflationssteuerung verantwortlich w\u00e4re, w\u00fcrde es wahrscheinlich sinnvoll sein, sie damit auf den Fahrersitz zu lassen. Vielleicht ist es an der Zeit zu erkennen, dass die Zentralbank das Recht haben sollte, das Finanzministerium ANZUWEISEN, wann es Schulden machen soll!<\/p>\n<p>Beachten Sie dabei auch, dass hier immer noch nicht \u00fcber QE gesprochen wird. Wertpapierk\u00e4ufe sind daran nicht beteiligt. Dieses Geld ist das, was Friedman als &#8222;Helicopter Money&#8220; bezeichnete &#8211; von der Zentralbank ausgegebenes und direkt in die Wirtschaft gestecktes Geld. Und von Seiten des Finanzministeriums sollten Staatsschulden in erster Linie nur an die Einwohner und nicht an Ausl\u00e4nder ausgegeben werden. Dies vor allem wegen der Natur der Schuldzinsen.<\/p>\n<p>Die meisten Menschen, die die Regierung auffordern, die Ausgabe von Schuldverschreibungen zu stoppen &#8211; sei es, weil sie wollen, dass die Regierung ihre Ausgabeverpflichtungen durch Geldausgabe erf\u00fcllen, oder einfach nur eine starke Steuersenkungen wollen, um &#8222;das Defizit unter Kontrolle&#8220; zu halten &#8211; tun dies, weil sie glauben, dass die Zinszahlungen zu Wohlstandsverlusten f\u00fchren. Sie liegen falsch. Wenn die Staatsverschuldung von den Bewohnern gehalten wird, sind die gezahlten Zinsen keine Kosten. Es sind <b>Steuergutschriften<\/b> &#8211; und wenn die Regierung wollte, k\u00f6nnte sie sie durch die Erhebung von Verrechnungssteuern zur\u00fcckholen.<\/p>\n<p>So w\u00fcrde idealerweise eine souver\u00e4ne w\u00e4hrungsemittierende Regierung seine Ausgabeverpflichtungen durch die Emission sowohl von Geld, welches als Tauschmittel in der Realwirtschaft verwendet wird, und einer ausreichend verzinsten Staatsverschuldung verschiedenster Herkunft erf\u00fcllen, um es seinen B\u00fcrger zu erm\u00f6glichen, sicher in etwas anderem als dem Tauschmittel zu sparen. Sie bezahlt die Zinsen f\u00fcr diese Schulden aus Steuereinnahmen, und sie nimmt die Zinssteuergutschriften, die bestimmte Personen (z. B. Besserverdiener) nicht erhalten sollen, durch Steuern wieder ein. <\/p>\n<p>So weit, so gut. Es ist ein sch\u00f6nes geschlossenes System, und sofern die Regierung verantwortlich handelt, sollte es nicht inflation\u00e4r wirken. Doch das alles geht schief, wenn Ausl\u00e4nder anfangen sich zu engagieren. Denn dann wird sichere Staatsverschuldung riskant, und die Aufrechterhaltung dieser Sicherheit auch eine Kostenfrage.<\/p>\n<p>Ausl\u00e4ndische Inhaber der Staatsverschuldung haben keinen direkten Einfluss in die Art und Weise, wie Regierungen ihre Wirtschaft verwalten. Sie haben kein Mitbestimmungsrecht. So ist es f\u00fcr sie eine Tatsache, dass keine Kontrolle eine Gefahr f\u00fcr sie bedeutet. <\/p>\n<p>Die B\u00fcrger des Landes k\u00f6nnten eine Regierung w\u00e4hlen, die Auslandsbeteiligungen an ihren Schulden zur\u00fcckweist oder die Wirtschaft so ungeschickt verwaltet, dass der Wert der Schulden erodiert. Daher verwenden ausl\u00e4ndischen Gl\u00e4ubiger indirekte Mittel zur Beeinflussung der Art und Weise, wie Regierungen ihr Wirtschaftssystem verwalten. Sie fordern Sparma\u00dfnahmen und fiskalische Austerit\u00e4t, um die Staatsausgaben aus Angst vor einer Staatspleite niedrig zu halten und lehnen die Monetarisierung aus Furcht vor der Inflation ab. Und sie drohen damit, ihre Beteiligungen zu verkaufen, wenn die Regierungen ihre Forderungen nicht erf\u00fcllen. <\/p>\n<p>F\u00fcr Regierungen, die nicht ihre eigenen W\u00e4hrungen ausgeben k\u00f6nnen, stellt dies ein echtes Problem dar &#8211; wie wir es beispielsweise momentan in der Eurozone sehen. Wenn sie ihre Steuereinnahmen nicht genug erh\u00f6hen k\u00f6nnen, um ihre Ausgabeverpflichtungen zu erf\u00fcllen, k\u00f6nnte ein K\u00e4uferstreik daf\u00fcr sorgen, dass sie pleite gehen. Doch das kann keiner souver\u00e4nen w\u00e4hrungsemittierenden Regierung passieren, denn sie ist immer in der Lage Geld zu drucken, um ihre Schulden zu bezahlen oder sie zur\u00fcckzukaufen. Die Gefahr ist daher gar nicht vorhanden &#8211; aber trotzdem reagieren wir alle immer noch auf sie. <\/p>\n<p>Wie oft h\u00f6rt man Leute sagen, dass das Vereinigte K\u00f6nigreich seine Schulden unter Kontrolle bekommen muss oder es wird wie Griechenland enden? Nein, wird es nicht. Das Vereinigte K\u00f6nigreich hat eine Zentralbank und eine eigene W\u00e4hrung. Griechenland nicht. Das ist der Grund, warum Griechenland wirklich pleite gehen kann und Gro\u00dfbritannien nicht. Das hei\u00dft nicht, dass Gro\u00dfbritannien nicht ernsthafte wirtschaftliche Probleme h\u00e4tte, und niemand bef\u00fcrwortet ernsthaft Steuerverschwendung. Aber f\u00fcr W\u00e4hrungsemittenten ist das Risiko die Inflation, nicht die Insolvenz.<\/p>\n<p>Neben der Verw\u00e4sserung der fiskalischen und monet\u00e4ren Kontrolle f\u00fchren ausl\u00e4ndische Beteiligungen an Schuldverschreibungen des Staates zu einem anderen Problem. Zinszahlungen an die Inhaber von Auslandsschulden sind echte Kosten &#8211; Kosten, die die heimische Wirtschaft tats\u00e4chlich verlassen. <\/p>\n<p>Ja, m\u00f6glicherweise kommen sie irgendwann zur\u00fcck in Form von Export-K\u00e4ufen, doch das kann Jahre dauern. In der Zwischenzeit stehen sie f\u00fcr produktive Investitionen in das ausstellende Land nicht zur Verf\u00fcgung. Und weil sie aus Steuereinnahmen bezahlt werden, bedeuten sie einen fiskalischen Transfer von inl\u00e4ndischen Steuerpflichtigen zu ausl\u00e4ndischen Einwohnern. Je mehr die Staatsverschuldung von Ausl\u00e4ndern gehalten wird, desto weniger wirkliche Kontrolle hat die Finanz- und Geldpolitik und umso gr\u00f6\u00dfer sind die tats\u00e4chlichen Kosten f\u00fcr die Steuerzahler.<\/p>\n<p>Also warum geben w\u00e4hrungsemittierende Regierungen dann \u00fcberhaupt Schuldtitel an Ausl\u00e4nder? Die einfache Antwort lautet: Handel. Bewohner aus \u00dcbersee ben\u00f6tigen Fremdw\u00e4hrung, um Exporte zu bezahlen, aber wie Inl\u00e4nder ziehen sie es vor, ihre Devisenersparnisse in etwas anderem als dem Tauschmittel zu halten &#8211; und in der Tat, wenn sie das nicht tun w\u00fcrden, k\u00f6nnte es Probleme mit der Liquidit\u00e4t in der Finanzierung des internationalen Handels geben. So erscheint es durchaus ratsam, einen gewissen &#8222;Verlust&#8220; von Staatsschulden an ausl\u00e4ndische Gl\u00e4ubiger zuzulassen. <\/p>\n<p>Probleme entstehen dann, wenn die Beteiligungen von Ausl\u00e4ndern an der Staats-verschuldung die R\u00fcckzahlungsf\u00e4higkeit der Volkswirtschaft \u00fcberfordern und die Interessen der ausl\u00e4ndischen Investoren die der nationalen B\u00fcrger \u00fcbertrumpfen. Damit entsteht ein gef\u00e4hrliches Ungleichgewicht, welches zu allen Arten von dysfunktionaler Wirtschaftspolitik und schlie\u00dflich zu Nationalismus, Balkanisierung und politische Unruhen f\u00fchren kann. Wir wissen nicht, welches Niveau an ausl\u00e4ndischen Beteiligungen an den Staatsschulden dieses Missverh\u00e4ltnis hervorruft, doch es ist bemerkenswert, dass Japan, welches das h\u00f6chste Schulden\/BIP-Verh\u00e4ltnis der Welt hat und weithin als ein &#8222;sicherer Hafen&#8220; f\u00fcr Investitionen angesehen wird, nur sehr niedrige Auslands-beteiligungen an seinen Schulden hat. Die \u00fcberwiegende Mehrheit geh\u00f6rt seinen eigenen B\u00fcrgern.<\/p>\n<p>Dies bringt die Autorin elegant zur\u00fcck zu einem eigenen Vorschlag f\u00fcr sichere Assets. Seit dem Scheitern der &#8222;sicheren&#8220; Verm\u00f6genswerte des privaten Sektors im Jahr 2008 und dem anschlie\u00dfenden Versagen der &#8222;sicheren&#8220; Staatsanleihen der Eurozone hat sich das Finanzsystem bei Sicherheiten und gefahrlosen Anlagen auf die Schulden souver\u00e4ner w\u00e4hrungsausgebender Regierungen verlassen. Doch es gibt einen gravierenden Mangel an sicherer Staatsverschuldung. <a href=\"http:\/\/www.coppolacomment.com\/2013\/01\/safe-assets-and-triffins-dilemma.html\" target=\"_blank\">Frances Coppola<\/a> h\u00e4lt es f\u00fcr unvern\u00fcnftig zu erwarten, dass ein oder zwei L\u00e4nder ausreichend sichere Anlagen f\u00fcr das gesamte globale Finanzsystem schaffen sollen. Die ungleiche Belastung durch die Produktion gen\u00fcgend sicherer Verm\u00f6genswerte f\u00fcr das gesamte System w\u00fcrde diese L\u00e4nder h\u00f6chstwahrscheinlich letztlich \u00fcberfordern. Doch warum sollten die Regierungen \u00fcberhaupt sichere Anlagem\u00f6glichkeiten f\u00fcr dieses System bereitstellen?<\/p>\n<p>Das globale Finanzsystem am Laufen zu halten ist wichtig f\u00fcr den reibungslosen Ablauf des internationalen Handels. Es gibt sicherlich viel an diesem System, was man selbsts\u00fcchtig und, um Adair Turner zu zitieren, &#8222;sozial nutzlos&#8220; nennen kann. Aber das ist nicht alles, und in dem Ma\u00dfe, wie gefahrlose Sicherheiten und Liquidit\u00e4t notwendig sind, um die Handelsfinanzierung und Kapitalstr\u00f6me zu unterst\u00fctzen, w\u00e4re es f\u00fcr die Regierungen sinnvoll, diese als letztes Mittel bereitzustellen. <\/p>\n<p>Das Streben nach absoluter Sicherheit <a href=\"http:\/\/www.coppolacomment.com\/2012\/11\/the-illusion-of-safety.html\" target=\"_blank\">ist zum Scheitern verurteilt<\/a>, und lenkt nur von den eigentlichen Zielen der Investitionen ab, die die produktive Entwicklung der Realwirtschaft finanzieren sollen. Der Finanzsektor sollte stattdessen viel intensiver versuchen, Verm\u00f6genswerte zu schaffen, die, obwohl sie nicht v\u00f6llig risikolos sein k\u00f6nnen, auch nach einem Schuldenschnitt noch als Sicherheiten akzeptabel erscheinen. Und die Regierungen und Regulierungsbeh\u00f6rden sollten die Aufsichtsnormen \u00fcberdenken, die die Nachfrage nach Staatsanleihen durch die globalen Banken und Investoren erh\u00f6hen. Vor allem aber m\u00fcssen die Investoren aus ihren Bunkern kommen und wieder anfangen Risiken zu akzeptieren. Bis sie das tun, wird die Welt weiterhin in einer deflation\u00e4ren Baisse verharren.<\/p>\n<p><em>(eigene \u00dcbersetzung eines schon \u00e4lteren, aber immer noch sehr aktuellen <a href=\"http:\/\/www.coppolacomment.com\/2013\/01\/government-debt-isnt-what-you-think-it.html\" target=\"_blank\">Blogbeitrages<\/a> der britischen Finanzexpertin <a href=\"http:\/\/www.coppolacomment.com\/p\/about-this-blog.html\" target=\"_blank\">Frances Coppola<\/a>)<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Denn die \u00f6ffentlichen Schulden sind keine Schulden im eigentlichen Sinne des Wortes. &#8222;Schuldenuhr&#8220; der US-Staatsverschuldung (im Jahr 2008) Nun ja, eigentlich ist das so auch nicht ganz richtig. Lassen Sie uns das lieber gleich einwandfrei aufschl\u00fcsseln. 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