{"id":16596391,"date":"2021-05-04T07:00:06","date_gmt":"2021-05-04T05:00:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=16596391"},"modified":"2025-02-11T09:22:39","modified_gmt":"2025-02-11T08:22:39","slug":"die-falsche-erinnerung-an-die-weimarer-republik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/die-falsche-erinnerung-an-die-weimarer-republik\/","title":{"rendered":"Die falsche Erinnerung an die Weimarer Republik"},"content":{"rendered":"<p>Die historischen Wurzeln des geldpolitischen Diskurses in Deutschland richtig und historisch korrekt zuordnen:<br \/>\n<center><a title=\"Wkloot, CC BY-SA 4.0 &lt;https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/4.0&gt;, via Wikimedia Commons\" href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Unemployment_weimar.jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"412\" alt=\"Unemployment weimar\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/d\/d6\/Unemployment_weimar.jpg\"><\/a><br \/>\n<em>Arbeitslosigkeit w\u00e4hrend der Weimarer Republik<\/em><\/center><br \/>\nViele Deutsche stehen der Geldpolitik der EZB der letzten Jahre sehr skeptisch gegen\u00fcber. Um diese Skepsis zu erkl\u00e4ren, verweisen Experten h\u00e4ufig auf die kollektive Erinnerung an die Hyperinflation in den fr\u00fchen 1920er Jahren in Deutschland.<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Basierend auf neuen Umfragedaten zeigt <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/337438697_Misremembering_Weimar_unpacking_the_historic_roots_of_Germany%27s_monetary_policy_discourse\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">dieses Strategiepapier<\/a>, dass die Erinnerungen tats\u00e4chlich zutiefst fehlerhaft sind. Angesichts dieses historischen Missverst\u00e4ndnisses untersch\u00e4tzen viele Deutsche heute das Risiko einer Deflation und nehmen Massenarbeitslosigkeit und Hyperinflation f\u00e4lschlicherweise als zwei Seiten derselben Medaille wahr. <\/p>\n<p>Viele Analysten verweisen auf die deutsche Geschichte, wenn sie die deutsche Skepsis gegen\u00fcber einer lockeren Geldpolitik erkl\u00e4ren. Die verheerenden Auswirkungen der grassierenden Inflation auf die junge Weimarer Republik werden oft als tief im deutschen kollektiven Ged\u00e4chtnis verankert bezeichnet. <\/p>\n<p>Als herausragendes Exponat f\u00fcr diese Art des Denkens erkl\u00e4rte der damalige Wirtschaftsminister Rainer Br\u00fcderle w\u00e4hrend einer Bundestagsdebatte 2011: \u201eEine Lehre aus der Geschichte lautet: Wenn Geld wertlos wird, wird alles wertlos. Wir haben dies in der deutschen Geschichte erlebt: von der Hyperinflation \u00fcber die Massenarmut bis hin zum Krieg und den fatalen Verirrungen in Deutschland.\u201c <\/p>\n<p>Angesichts dieser Lekt\u00fcre ihrer eigenen Geschichte sollen die Deutschen weiterhin tief besorgt sein \u00fcber jede Form von expansiver Geldpolitik, auch in einem potenziell deflation\u00e4ren Umfeld.<\/p>\n<p>Entgegen dem obigen Zitat liefert die \u00d6konomiegeschichte der Weimarer Republik jedoch kaum ein starkes Argument f\u00fcr das strenge Mantra der Geldzur\u00fcckhaltung. Tats\u00e4chlich \u00fcbernahmen die Nazis erst mehr als 10 Jahre nach dem Ende der Hyperinflation (1923) die Macht (am <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Machtergreifung\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">30.01.1933<\/a>). <\/p>\n<p>Die Massenarmut, auf die Rainer Br\u00fcderle anspielte, war nicht das Ergebnis einer Hyperinflation, sondern das Nebenprodukt von Massenarbeitslosigkeit, tiefer Rezession und fallenden Preisen w\u00e4hrend der Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre. Hitler kam nach einer Zeit der Deflation an die Macht, nicht nach der Hyperinflation!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die historischen Wurzeln des geldpolitischen Diskurses in Deutschland richtig und historisch korrekt zuordnen: Arbeitslosigkeit w\u00e4hrend der Weimarer Republik Viele Deutsche stehen der Geldpolitik der EZB der letzten Jahre sehr skeptisch gegen\u00fcber. 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