{"id":16465526,"date":"2021-03-11T07:00:07","date_gmt":"2021-03-11T06:00:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=16465526"},"modified":"2026-03-27T10:14:21","modified_gmt":"2026-03-27T09:14:21","slug":"wie-ein-nicht-existierendes-land-die-grossen-banken-zum-narren-hielt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wie-ein-nicht-existierendes-land-die-grossen-banken-zum-narren-hielt\/","title":{"rendered":"Wie ein nicht existierendes Land die gro\u00dfen Banken zum Narren hielt"},"content":{"rendered":"<p>Als Investor in Schwellenl\u00e4ndern im S\u00fcdamerika des 19. Jahrhunderts war es schwierig heraus-zufinden, was damals wirklich geschah. <\/p>\n<p><center><a title=\"National Numismatic Collection,National Museum of American History, Public domain, via Wikimedia Commons\" href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Bank_of_Poyais-1_Hard_Dollar_(1820s)_SCAM.jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"456\" alt=\"Bank of Poyais-1 Hard Dollar (1820s) SCAM\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/b\/b6\/Bank_of_Poyais-1_Hard_Dollar_%281820s%29_SCAM.jpg\"><\/a><br \/>\n<em>&#8222;One Dollar&#8220; der Bank von Poyais<\/em><\/center><\/p>\n<p>Aktuelle Nachrichten hatten bestenfalls eine dreimonatige Reise hinter sich. Selbst bei gutem Wind dauerte die Hin- und R\u00fcckfahrt zwischen London und S\u00fcdamerika sechs Monate.<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Die Informationsverz\u00f6gerung war jedoch nicht die einzige Ursache f\u00fcr einen finanziellen Absturz, der auch heute so passieren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><b>Der Schwindel<\/b><br \/>\n<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gregor_MacGregor\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Gregor MacGregor<\/a> war 25 Jahre alt, als er 1811 nach S\u00fcdamerika segelte. Der aus Schottland stammende, baldige General MacGregor schloss sich Venezuelas Kampf f\u00fcr die Freiheit von Spanien an. Als der Konflikt endete, half er anderen mittel- und s\u00fcdameri-kanischen L\u00e4ndern die spanische Herrschaft abzusch\u00fctteln. Sein Besuch endete, als er Landbesitz in der N\u00e4he des heutigen Nicaragua erh\u00e4lt.<\/p>\n<p>MacGregor tauchte bald in London auf und sagte allen, er sei der Prinz von Poyais, wo es Gold in den Bergen und Mahagoni und Zeder in den W\u00e4ldern gab. Das heutige Nicaragua sei in der N\u00e4he:<br \/>\n<center><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/econlife.com\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Crisis_Chronicles__The_Panic_of_1825_and_the_Most_Fantastic_Financial_Swindle_of_All_Time_-Liberty_Street_Economics.jpg\" width=\"250\" alt=\"\" \/><\/center><\/p>\n<p>MacGregor beschrieb die Plantagen, auf denen angeblich Baumwolle, Kaffee, Zucker und Indigo bl\u00fchten, ebenso wie seltene Fr\u00fcchte, exotische V\u00f6gel und riesige Tierherden existierten. Wie obiges Bild zeigt hatte Poyais sogar eine eigene W\u00e4hrung, die in Schottland gedruckt wurde. <\/p>\n<p>Es ben\u00f6tigte halt nur noch ein paar hunderttausend Pfund f\u00fcr die weitere Entwicklung. Im Jahr 1822 brachte die Londoner B\u00f6rse eine Anleihe in Umlauf, mit der sich MacGregor dieses Geld lieh.<\/p>\n<p>DOCH POYAIS WAR VOLLST\u00c4NDIG ERFUNDEN.<\/p>\n<p>Peru, Mexiko, Chile, Kolumbien und Argentinien waren dies jedoch nicht. Sie brauchten wirklich Geld f\u00fcr die Entwicklung der Infrastruktur. Obwohl keiner die Steuereinnahmen hatte, um die Schulden zur\u00fcckzahlen zu k\u00f6nnen, machten ihre hochrentierlichen Anleihen sie f\u00fcr britische Investoren des fr\u00fchen 19. Jahrhunderts attraktiv. <\/p>\n<p>Entsprechend dem gleichen spekulativen Geist stiegen die Aktien eines englischen Bergbauunter-nehmens mit s\u00fcdamerikanischen Investitionen innerhalb eines Monats von 33 auf 158 Pfund Sterling.<\/p>\n<p>Unsere Geschichte endete 1825 wie alle spekulativen Blasen. Als die Aktien- und Rentenm\u00e4rkte zusammenbrachen und sich der Preis f\u00fcr lateinamerikanische Anleihen halbierte, griff die Krise schnell auf die Finanzinstitute \u00fcber, denen diese kollabierenden Wertpapiere geh\u00f6rten. <\/p>\n<p>Zehn Prozent der Banken in England und Wales gingen insolvent. Zu diesem Zeitpunkt musste die englische Zentralbank als Kreditgeber der letzten Instanz einspringen. Das System brauchte mehr Geld und nur die Bank of England konnte es bereitstellen.<\/p>\n<p>MacGregor kehrte nach einem Aufenthalt im Gef\u00e4ngnis nach Venezuela zur\u00fcck.<\/p>\n<p><b>Das heutige Fazit zu den Emerging Markets<\/b><br \/>\nDer <a href=\"https:\/\/libertystreeteconomics.newyorkfed.org\/2015\/04\/crisis-chronicles-the-panic-of-1825-and-the-most-fantastic-financial-swindle-of-all-time-.html\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Liberty Street-Blog<\/a> der New Yorker Fed berichtete, dass Gregor MacGregor Teil der ersten Finanzkrise in den Schwellenl\u00e4ndern war. <\/p>\n<p>In seinem Weltwirtschaftsausblick unterscheidet der IWF zwischen Schwellenl\u00e4ndern, Entwicklungs-l\u00e4ndern und fortgeschrittenen Volkswirtschaften. Seine Kriterien beziehen sich auf das Pro-Kopf-Einkommen, die Diversifizierung der Exporte und die Teilnahme am globalen Finanzsystem. <\/p>\n<p>W\u00e4hrend die wichtigsten Schwellenl\u00e4nder heute China und Indien sind, ist die Liste aber insgesamt noch viel l\u00e4nger. Ungef\u00e4hr 35 L\u00e4ndern geh\u00f6ren dazu, unter anderem Argentinien, Brasilien, Chile, Indonesien, Malaysia, Peru, die Philippinen, S\u00fcdafrika, Thailand und Vietnam. <\/p>\n<p><em>(eigene \u00dcbersetzung eines <a href=\"https:\/\/econlife.com\/2021\/02\/emerging-markets-crisis\/\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Blogbeitrages<\/a> der amerikanischen \u00d6konomin <a href=\"https:\/\/econlife.com\/author\/elaine2\/\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Elaine Schwartz<\/a>)<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Investor in Schwellenl\u00e4ndern im S\u00fcdamerika des 19. 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