{"id":15257,"date":"2014-02-16T00:33:57","date_gmt":"2014-02-15T23:33:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=15257"},"modified":"2026-04-22T08:36:16","modified_gmt":"2026-04-22T06:36:16","slug":"sigmar-gabriels-jahreswirtschaftsbericht-alles-wird-gut","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/sigmar-gabriels-jahreswirtschaftsbericht-alles-wird-gut\/","title":{"rendered":"Sigmar Gabriels Jahreswirtschaftsbericht: Alles wird gut?"},"content":{"rendered":"<p><center><a title=\"Sigmar Gabriel nach der Unterzeichnung des Koalitionsvertrages der 18. Wahlperiode des Bundestages von Martin Rulsch, Wikimedia Commons (Eigenes Werk) [CC-BY-SA-3.0-de (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/de\/deed.en)], via Wikimedia Commons\" href=\"http:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3AUnterzeichnung_des_Koalitionsvertrages_der_18._Wahlperiode_des_Bundestages_(Martin_Rulsch)_059.jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"412\" alt=\"Unterzeichnung des Koalitionsvertrages der 18. Wahlperiode des Bundestages (Martin Rulsch) 059\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/b\/ba\/Unterzeichnung_des_Koalitionsvertrages_der_18._Wahlperiode_des_Bundestages_%28Martin_Rulsch%29_059.jpg\"\/><\/a><\/center><\/p>\n<blockquote><p>\n<b>Gabriel erwartet Besch\u00e4ftigungsrekord<\/p>\n<p>Der deutschen Wirtschaft geht es gut und dadurch entstehen immer mehr Arbeitspl\u00e4tze. 2014 wird ein Besch\u00e4ftigungsrekord erreicht, wie Sigmar Gabriel verk\u00fcnden will.<\/b><\/p>\n<p><em><a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2014-02\/gabriel-beschaeftigungsrekord-2014\" title=\"Arbeitsmarkt: Gabriel erwartet Besch\u00e4ftigungsrekord | ZEIT ONLINE\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Arbeitsmarkt: Gabriel erwartet Besch\u00e4ftigungsrekord | ZEIT ONLINE<\/a><\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Na also, da ist die gro\u00dfe Koalition erst knapp einen Monat im Amt, schon sind die entscheidenden Weichen in Sachen Wirtschaft gestellt. Soll doch noch mal jemand sagen, die Politiker w\u00fcrden nicht liefern.<\/p>\n<p>Sigmar Gabriel zumindest, seines Zeichens neuer Bundeswirtschaftsminister, hat nun in Form des ersten Jahreswirtschaftsberichtes seiner Amtszeit geliefert. Von &#8222;Besch\u00e4ftigungsrekord&#8220;, einem Wachstum von 1,8 Prozent und dass &#8222;das Wachstum 2014 ausschlie\u00dflich von der Binnennachfrage getragen werde&#8220; ist da die Rede. Ach ja, und nat\u00fcrlich darf auch die altbekannte Floskel &#8222;der deutschen Wirtschaft geht es gut&#8220; nicht fehlen.<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Also insgesamt eine Aussicht nach dem Motto: &#8222;Wir sind auf dem besten Weg, alles wird gut und bleibt gut.&#8220; Bei so viel Optimismus ist es daher meiner Ansicht nach dringend geboten, diese Annahmen, denn um nichts anderes handelt es sich ja in diesem Bericht, anhand einiger belastbarer Daten und Statistiken zu \u00fcberpr\u00fcfen. So zum Thema Besch\u00e4ftigungsrekord:<\/p>\n<blockquote><p>\n<b>Im Januar hat sich die Arbeitslosenquote leicht erh\u00f6ht. Die Gesamtzahl liegt aber deutlich \u00fcber der Dreimillionenmarke.<br \/>\n&#8230;<br \/>\nDie Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Januar um 263.000 auf 3.136.000 gestiegen.<br \/>\n&#8230;<br \/>\nDamit liegt die Zahl der Arbeitslosen erstmals seit zehn Monaten wieder deutlich \u00fcber der Marke von drei Millionen.<\/b> <\/p>\n<p><em><a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2014-01\/arbeitslosenzahl-bundesagentur-januar\" title=\"Bundesagentur f\u00fcr Arbeit: Arbeitslosenzahl deutlich \u00fcber drei Millionen | ZEIT ONLINE\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Bundesagentur f\u00fcr Arbeit: Arbeitslosenzahl deutlich \u00fcber drei Millionen | ZEIT ONLINE<\/a><\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Andererseits steht aber auch in diesem Bericht: &#8222;Erwerbst\u00e4tigkeit und sozial-versicherungspflichtige Besch\u00e4ftigung nahmen auf Jahressicht weiter zu. So stieg die Zahl der Erwerbst\u00e4tigen nach den j\u00fcngsten Daten vom Dezember um 255.000 auf 42,06 Millionen.&#8220; Diesen Zahlen scheinen Gabriels Annahme eines m\u00f6glichen neuen Besch\u00e4ftigungsrekords zu best\u00e4tigen.<\/p>\n<p>So stehen wir vor einem seltsamen Paradoxon: W\u00e4hrend einerseits die Anzahl der Besch\u00e4ftigten steigt, steigt gleichzeitig auch die Zahl der Arbeitslosen.<\/p>\n<p>Weiterhelfen k\u00f6nnen da dann vielleicht ein paar weitergehende Daten zur Entwicklung der Anzahl der Besch\u00e4ftigten, dem gesamten Arbeitsvolumen und der Arbeitszeit je Erwerbst\u00e4tigen, wie es z. B. das Portal <a href=\"http:\/\/www.sozialpolitik-aktuell.de\/\" title=\"Sozialpolitik aktuell: Das Informationsportal zur Sozialpolitik\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Sozialpolitik aktuell<\/a> anbietet: <\/p>\n<p><center><a href=\"http:\/\/www.sozialpolitik-aktuell.de\/files\/sozialpolitik-aktuell\/_Politikfelder\/Arbeitsmarkt\/Datensammlung\/Vorschau-Dateien\/abbIV66.png\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.sozialpolitik-aktuell.de\/files\/sozialpolitik-aktuell\/_Politikfelder\/Arbeitsmarkt\/Datensammlung\/Vorschau-Dateien\/abbIV66.png\" width=\"412\" alt=\"\" \/><\/a><\/center><\/p>\n<p>Da kann man dann sehen, dass bei steigender Erwerbst\u00e4tigenzahl das Arbeitsvolumen und die Arbeitszeit je Erwerbst\u00e4tigem seit Jahren stagniert oder gar r\u00fcckl\u00e4ufig ist.<br \/>\nInteressant ist dann auch der Vergleich zwischen sozialversicherungspflichtiger Vollzeit- und Teilzeitbesch\u00e4ftigung:<\/p>\n<p><center><a href=\"http:\/\/www.sozialpolitik-aktuell.de\/files\/sozialpolitik-aktuell\/_Politikfelder\/Arbeitsmarkt\/Datensammlung\/Vorschau-Dateien\/abbIV8c.png\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.sozialpolitik-aktuell.de\/files\/sozialpolitik-aktuell\/_Politikfelder\/Arbeitsmarkt\/Datensammlung\/Vorschau-Dateien\/abbIV8c.png\" width=\"412\" alt=\"\" \/><\/a><\/center><\/p>\n<p>Hier wird dann endg\u00fcltig klar, warum gleichzeitig die Zahl der Besch\u00e4ftigten und der Arbeitslosen steigen kann: W\u00e4hrend die Anzahl der Vollzeitstellen sinkt, hat sich die Zahl der Teilzeitstellen deutlich erh\u00f6ht. Offenbar reicht aber die Zunahme im Teilzeitbereich nicht aus, um den Abbau der Vollzeit-Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse auszugleichen.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich wird keine &#8222;neue&#8220; Arbeit geschaffen, sondern nur die vorhandene von teurer Vollzeitbesch\u00e4ftigung auf billigere Teilzeit-Arbeitspl\u00e4tze umverteilt. Damit ist auch die erhebliche Zunahme von Leiharbeit, Minijobs, Werkvertr\u00e4gen und anderen schlecht bezahlten Arbeitsverh\u00e4ltnissen in den letzten Jahren erkl\u00e4rbar. Das sogenannte &#8222;Jobwunder&#8220; mutiert damit von einer vielumjubelten Erfolgsgeschichte zu schlichter Umverteilung von vorhandener Arbeit ohne die Schaffung neuer Arbeitspl\u00e4tze.   <\/p>\n<p>Weiter geht&#8217;s mit der get\u00e4tigten Annahme, das Wachstum 2014 werde ausschlie\u00dflich von der Binnennachfrage getragen. Nun, mit einem Blick auf die Entwicklung der deutschen Exporte und Importe 2013 im Vergleich zum Vorjahr muss man dieser Vermutung wohl zustimmen. Trotz aller anderslautenden Jubelmeldungen sanken die Ausfuhren um 0,2 Prozent und die Einfuhren sogar um 1,2 Prozent gegen\u00fcber 2012.<\/p>\n<p>Also muss man bei stagnierendem Au\u00dfenhandel nat\u00fcrlich seine Hoffnungen auf den Binnenmarkt setzen. Doch auch der tut Gabriel nicht unbedingt den Gefallen, mit soliden Wachstumszahlen zu gl\u00e4nzen und so seiner positiven Annahme gerecht zu werden. \u00dcber die unterschiedlichen Aufassungen vom angeblichen &#8222;Konsumrausch&#8220; im Einzelhandel hatte ich ja bereits in einem fr\u00fcheren <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/konsumrausch-endet-mal-wieder-als-neujahrs-kater\/\" title=\"\u201cKonsumrausch\u201d endet (mal wieder) als Neujahrs-Kater\">Artikel<\/a> geschrieben.<\/p>\n<p>Schon erstaunlich, wie das Bundeswirtschaftsministerium aus solchen Daten einen derartigen Optimismus generieren kann und bei eigentlich stagnierender Wirtschaftst\u00e4tigkeit ein Wachstum von fast 2 Prozent f\u00fcr dieses Jahr prognostiziert. Viel naheliegender w\u00e4re stattdessen die Annahme, dass es auch 2014 (wenn \u00fcberhaupt) nur f\u00fcr eine leichte Steigerung im Bereich von ein paar Zehntelprozent reichen wird. <\/p>\n<p>Noch erstaunlicher ist aber vor allem auch die Tatsache, wie schnell Sigmar Gabriel die eigentlich verschm\u00e4hte Politik der schwarz-gelben Vorg\u00e4nger-Regierung \u00fcbernommen hat und in das gleiche Horn st\u00f6\u00dft. Denn es d\u00fcrfte nat\u00fcrlich jedem klar sein, dass nach 30 Tagen Regierungs\u00fcbernahme noch l\u00e4ngst nicht die Rede davon sein kann, dass hier bereits die Arbeit der gro\u00dfen Koalition sp\u00fcrbar wird. <\/p>\n<p>Die eigentlichen SPD-Projekte &#8222;Mindestlohn&#8220; und &#8222;strengere Regeln f\u00fcr Zeitarbeit und Werkvertr\u00e4ge&#8220; sind ja dank der Koalitionsverhandlungen noch in so weite Ferne ger\u00fcckt, dass man unm\u00f6glich mit positiven Auswirkungen dieser Ma\u00dfnahmen schon in 2014 rechnen kann. Stattdessen lobt Gabriel mit diesem Bericht die Arbeit seines Vorg\u00e4ngers und f\u00fchrt diese fort.<\/p>\n<p>Vor nicht allzu langer Zeit h\u00f6rte sich das noch ganz anders an: Da war noch die Rede von einem &#8222;Politikwechsel&#8220; und einem Umschwung hin zu mehr &#8222;sozialem Zusammenhalt, damit nicht die Reichen immer reicher und alle anderen immer \u00e4rmer werden&#8220;. Doch warum sollte die gro\u00dfe Koalition mehr Wert auf sozialdemokratische Inhalte setzen, wenn die einfache Fortf\u00fchrung der eigentlich von der SPD abgelehnten Politik von Schwarz-Gelb doch so erfolgreich ist?<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gabriel erwartet Besch\u00e4ftigungsrekord Der deutschen Wirtschaft geht es gut und dadurch entstehen immer mehr Arbeitspl\u00e4tze. 2014 wird ein Besch\u00e4ftigungsrekord erreicht, wie Sigmar Gabriel verk\u00fcnden will. Arbeitsmarkt: Gabriel erwartet Besch\u00e4ftigungsrekord | ZEIT ONLINE Na also, da ist die gro\u00dfe Koalition erst<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[40,18],"class_list":["post-15257","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-oekonomie","tag-mindestlohn","tag-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15257","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15257"}],"version-history":[{"count":50,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15257\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2554601,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15257\/revisions\/2554601"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15257"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15257"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15257"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}