{"id":14617488,"date":"2020-11-28T07:00:48","date_gmt":"2020-11-28T06:00:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=14617488"},"modified":"2024-01-26T11:20:14","modified_gmt":"2024-01-26T10:20:14","slug":"greifen-sie-nach-den-sternen-aber-nur-wenn-sie-reich-sind","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/greifen-sie-nach-den-sternen-aber-nur-wenn-sie-reich-sind\/","title":{"rendered":"Greifen Sie nach den Sternen, aber nur wenn Sie reich sind&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Eine geringe soziale Mobilit\u00e4t nach oben beeintr\u00e4chtigt unsere F\u00e4higkeit, in einer fairen und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Meritokratie\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">meritokratischen<\/a> Gesellschaft zu leben.<\/p>\n<p><Center><a href=\"https:\/\/static.wixstatic.com\/media\/972bc8_93725b0efcb0400d82e88b15b872a4ab~mv2.jpg\/v1\/fill\/w_962,h_466,al_c,q_90,usm_0.66_1.00_0.01\/972bc8_93725b0efcb0400d82e88b15b872a4ab~mv2.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/static.wixstatic.com\/media\/972bc8_93725b0efcb0400d82e88b15b872a4ab~mv2.jpg\/v1\/fill\/w_962,h_466,al_c,q_90,usm_0.66_1.00_0.01\/972bc8_93725b0efcb0400d82e88b15b872a4ab~mv2.jpg\" width=\"512\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/a><\/center><\/p>\n<p>Jack Halliday wurde 1976 in eine Arbeiterfamilie in Texas geboren. Jack wuchs als eines von f\u00fcnf Kindern auf, als Sohn eines Verk\u00e4ufers, und besa\u00df daher nicht viel. Als guter Junge half er aus und arbeitete als Gep\u00e4cktr\u00e4ger in Teilzeit, um der Familie zu helfen \u00fcber die Runden zu kommen. <\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Jack arbeitete hart in der Schule und als er es aufs College schaffte war er der ganze Stolz der Hallidays. Nach vier Jahren verlie\u00df Jack das College mit einem Abschluss in Rechts-wissenschaften und begann seine Arbeit als Gro\u00dfstadt-Anwalt mit Sitz in Houston. <\/p>\n<p>Jack arbeitete weiter hart und setzte sich manchmal 60, 70 oder sogar 80 Stunden ein. Jacks Bem\u00fchungen wurden von seinen Arbeitgebern bemerkt und er durchschritt schnell die Hierarchie und wurde bereits vor seinem 30. Geburtstag Partner in der Kanzlei.<\/p>\n<p>Diese Geschichte ist leider v\u00f6llig erfunden. Sie wurde erdacht, um einen ganz bestimmten Punkt zu demonstrieren. Viele Gespr\u00e4che \u00fcber soziale Mobilit\u00e4t nach oben beginnen mit einer &#8222;Tellerw\u00e4scher -> Reichtum&#8220;-Geschichte. Diese Fantasie verbirgt allerdings die Realit\u00e4t. Statistisch gesehen sind die Chancen, dass Jack irgendwohin nach oben geht sehr gering, unabh\u00e4ngig davon wie hart er gearbeitet hat. <\/p>\n<p>Heute sind sie noch niedriger als zu Beginn unserer erfundenen Geschichte im Jahre 1976. Geschichten wie die von Jack sind bestens bekannte inspirierende Ansprachen. Tun wir nicht so, als h\u00e4tten sie \u00c4hnlichkeit mit der Realit\u00e4t und w\u00e4ren eine Grundlage f\u00fcr die Politik irgendeiner Regierung.<\/p>\n<p><b>Die soziale Mobilit\u00e4t ist schlecht und wird immer schlimmer<\/b><br \/>\nSoziale Mobilit\u00e4t wird durch die F\u00e4higkeit der Menschen definiert die soziale Leiter zu erklimmen, insbesondere in Bezug auf Wohlstand und Einkommen. In einer gerechten Gesellschaft haben Menschen, die im unteren F\u00fcnftel geboren wurden eine Chance von 20% das obere F\u00fcnftel zu erreichen. Die <a href=\"https:\/\/www.worldbank.org\/en\/topic\/poverty\/publication\/fair-progress-economic-mobility-across-generations-around-the-world\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Realit\u00e4t sieht aber ganz anders aus<\/a>. <\/p>\n<p>Es wird erwartet, dass der Sohn eines Vaters mit hohem Einkommen in den USA, Gro\u00df-britannien, Vietnam und Italien etwa 50% mehr verdient als ein Vater mit niedrigem Einkommen. Die verf\u00fcgbaren Daten beziehen sich auf M\u00e4nner, was allerdings problematisch ist. <\/p>\n<p>Geringe Mobilit\u00e4t ist weltweit ein Problem, insbesondere aber in Entwicklungsl\u00e4ndern. Soziale Mobilit\u00e4t ist wichtig, weil sehr viel von dem, was wir f\u00fcr gerecht halten mit der Idee zusammenh\u00e4ngt, dass jeder es nach oben schaffen kann.<\/p>\n<p>Eine hohe Aufw\u00e4rts-\/Vertikalmobilit\u00e4t ist von zentraler Bedeutung f\u00fcr eine faire und meritokratische Gesellschaft. Wir denken gerne, dass Menschen die hart arbeiten und ihre Talente unter Beweis stellen erfolgreich sein werden. Eine geringe soziale Mobilit\u00e4t stellt diesen Begriff aufs Sch\u00e4rfste in Frage. <\/p>\n<p>Wenn der Wohlstand nur von einer Generation zur n\u00e4chsten \u00fcbergeht und die besten Arbeitspl\u00e4tze in einem engen Netzwerk verteilt werden funktioniert die Gesellschaft nicht mehr fair. Selbst wenn zwei Personen gleiche Talente haben, kann es f\u00fcr den einen schwieriger sein die Leiter hinauf zu steigen als f\u00fcr den anderen. Der Status ist ein Treiber des Erfolgs, unabh\u00e4ngig von den F\u00e4higkeiten, was als \u00e4u\u00dferst unmeritokratisch angesehen werden muss.<\/p>\n<p>Eine geringe Mobilit\u00e4t ist insofern heimt\u00fcckisch, weil sie m\u00f6glicherweise nicht aus einer Auswahl direkt vor unseren Augen hervorgeht (wie z. B. bei der Wahl zwischen zwei Bewerbern). Sie wirkt eher als Hindernis f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Ver\u00e4nderungen. Das wird normalerweise viel sichtbarer, wenn man sich Statistiken und das Gro\u00dfe Ganze ansieht.<\/p>\n<p>Die soziale Mobilit\u00e4t verschlechtert sich mit der Zeit, da die zunehmende Ungleichheit die Mobilit\u00e4t weiter verringert. Es gibt daf\u00fcr eine eindeutige Erkl\u00e4rung. In Armut geborene Kinder investieren weniger in ihre Entwicklung und Bildung als Kinder wohlhabenderer Eltern, was zu schlechteren Ergebnissen f\u00fchrt, die sich dann wieder auf ihre Kinder auswirken. <\/p>\n<p>Die Mobilit\u00e4t bleibt somit also im Laufe der Zeit gering. Die <a href=\"https:\/\/obamawhitehouse.archives.gov\/blog\/2013\/06\/11\/what-great-gatsby-curve\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Gatsby-Kurve<\/a> zeigt diese Beziehung zwischen Mobilit\u00e4t und Ungleichheit. Progressive Nationen versuchen sicherzustellen, dass das Einkommen der Eltern kein allzu gro\u00dfer Faktor f\u00fcr den wirtschaftlichen Erfolg ist und investieren in gerechte Bildungseinrichtungen um gleiche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen.<\/p>\n<p><b>Chancengleichheit ist f\u00fcr die soziale Mobilit\u00e4t von wesentlicher Bedeutung<\/b><br \/>\nDie Gesellschaft kann die Mobilit\u00e4t durch Ma\u00dfnahmen verbessern, die Chancengleichheit schaffen. Chancengleichheit bezieht sich auf die Gleichstellung der Wettbewerbs-bedingungen, sodass Faktoren wie Status und Hintergrund keine wichtige Rolle spielen. Es geht darum, allen den gleichen Startschuss zu geben. Es gibt zahlreiche praktische M\u00f6glichkeiten, dies zu erreichen. <\/p>\n<p>Ein gut ausgestattetes \u00f6ffentliches Bildungssystem unabh\u00e4ngig vom geografischen Gebiet, Erbschaftssteuern, um die Vorteile des elterlichen Erfolgs f\u00fcr zuk\u00fcnftige Generationen zu verringern, Rekrutierungsrichtlinien f\u00fcr Unternehmen, nach denen das Unternehmen auf den Markt gehen muss, anstatt den Freund des CEO zu rekrutieren. Es gibt sehr viele M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p>Die Gleichheit der Ergebnisse ist eine andere Sache. Gleichheit der Ergebnisse bezieht sich auf Menschen, die einen weitgehend \u00e4hnlichen wirtschaftlichen Erfolg erzielen. Selbst wenn die Menschen die gleichen Chancen haben, sollten wir nicht erwarten, dass sie v\u00f6llig die gleichen Ergebnisse erzielen.<\/p>\n<p>Das Vorhandensein von Disparit\u00e4t bedeutet nicht automatisch, dass das System ungerecht ist. Der Zufall und das Talent eines Individuums spielen ebenfalls eine wesentliche Rolle. Wir k\u00f6nnen nicht alles voraussehen, was den individuellen Erfolg beeinflusst hat, und beurteilen, ob dies fair ist. Bestenfalls k\u00f6nnen wir die gro\u00dfen Faktoren verstehen und kontrollieren. <\/p>\n<p>Das Streben nach Gleichheit der Ergebnisse beeintr\u00e4chtigt die Meritokratie dahingehend, dass diejenigen, die in einer Position hervorragende Leistungen erbringen \u00fcbergangen werden k\u00f6nnten. Die Talente des Einzelnen sollten anerkannt werden. Ein fairer Anteil ist nicht gleichbedeutend mit einem gleichen Anteil.<\/p>\n<p>Abgesehen davon sind die Wirtschaftssysteme zu weit abgedriftet, um &#8222;Leistungen&#8220; zu belohnen- jedoch nicht gesellschaftliche Verdienste. Die Leistung wird je nach Gesch\u00e4ftsfeld viel zu h\u00e4ufig in verzerrten marktbasierten Begriffen definiert. Eine marktm\u00e4\u00dfig definierte Meritokratie ist insofern problematisch, als selbst destruktive Aktivit\u00e4ten eine \u00f6konomische Belohnung erhalten &#8211; denken Sie an Zigaretten, Betrug oder Umweltzerst\u00f6rung. <\/p>\n<p>Die Schaffung eines Arzneimittels, welches die Menschheit retten k\u00f6nnte hat nur einen begrenzten Wert, wenn ein Unternehmen es nicht rechtzeitig patentieren l\u00e4sst. Wir m\u00fcssen vorsichtig sein, was wir uns w\u00fcnschen, wenn wir uns f\u00fcr meritokratische Systeme einsetzen und sicherstellen, dass auch die Schaffung gleicher Wettbewerbsbedingungen im Mittelpunkt steht.<\/p>\n<p>Es ist vern\u00fcnftig, ein Gleichgewicht zwischen den wirtschaftlichen Verdiensten der Menschen anzustreben, um eine gr\u00f6\u00dfere Chancengleichheit zu erreichen. Das hei\u00dft, die Gleichheit der Ergebnisse sollte priorisiert werden, damit ein System \u00fcberhaupt meritokratisch sein kann. Die Menschen verdienen einen fairen Start und das Gl\u00fcck der Geburt sollte keine wichtige Rolle f\u00fcr den individuellen Erfolg spielen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine geringe soziale Mobilit\u00e4t nach oben beeintr\u00e4chtigt unsere F\u00e4higkeit, in einer fairen und meritokratischen Gesellschaft zu leben. Jack Halliday wurde 1976 in eine Arbeiterfamilie in Texas geboren. 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