{"id":14396789,"date":"2020-08-04T08:10:12","date_gmt":"2020-08-04T06:10:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=14396789"},"modified":"2026-03-26T14:58:40","modified_gmt":"2026-03-26T13:58:40","slug":"was-uns-die-covid19-pandemie-ueber-unsere-prioritaeten-unseren-planeten-und-die-degrowth-bewegung-lehrt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/was-uns-die-covid19-pandemie-ueber-unsere-prioritaeten-unseren-planeten-und-die-degrowth-bewegung-lehrt\/","title":{"rendered":"Was uns die COVID19-Pandemie \u00fcber unsere Priorit\u00e4ten, unseren Planeten und die Degrowth-Bewegung lehrt"},"content":{"rendered":"<p>Einige Umweltsch\u00fctzer haben lange Zeit argumentiert, dass das Wirtschaftswachstum zum Wohle des Planeten enden m\u00fcsse. &#8222;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wachstumskritik\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Degrowth<\/a>&#8220; wird von einem der Bef\u00fcrworter, <a href=\"https:\/\/www.greeneuropeanjournal.eu\/article-author\/riccardo-mastini\/\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Riccardo Mastini<\/a> kurz definiert als &#8222;die Abschaffung des Wirtschaftswachstums als soziales Ziel&#8220;.<\/p>\n<p><center><a title=\"Martouf \/ CC0\" href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:D%C3%A9croissance_graffiti.jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"312\" alt=\"D\u00e9croissance graffiti\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/a\/aa\/D%C3%A9croissance_graffiti.jpg\"><\/a><br \/>\n<em>Degrowth-Graffiti an einer Wand in Neuch\u00e2tel (Schweiz)<\/em><\/center><\/p>\n<p>Degrowth vertritt die Ansicht, dass eine ausreichend starke Reduzierung der Kohlen-dioxidemissionen nicht durch neue Technologien, Preisanreize oder sogar gr\u00f6\u00dfere Investitionen in Energie- und Verkehrssysteme erreicht werden kann. Das einzige, was funktionieren w\u00fcrde, w\u00e4re das dauerhafte Ende des Wirtschaftswachstums.<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Die Pandemie gibt uns einen Vorgeschmack darauf, wie ein Ende des Wachstums aus-sehen k\u00f6nnte. Welche Lektionen sollten wir also lernen?<\/p>\n<p>Die Lockdowns haben zwar die Kohlendioxidemissionen gedr\u00fcckt, doch weniger als wir erhoffen konnten. Die klimawissenschaftliche Website <a href=\"https:\/\/www.carbonbrief.org\/\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">CarbonBrief<\/a> sch\u00e4tzt, dass die Emissionen im Jahr 2020 im Vergleich zu den Emissionen des letzten Jahres voraus-sichtlich um etwa 5 bis 6 Prozent sinken werden. Das w\u00e4re der gr\u00f6\u00dfte R\u00fcckgang seit ihrem Bestehen.<\/p>\n<p>Was \u00fcberraschen k\u00f6nnte w\u00e4re die Tatsache, dass es nicht genug ist. Wenn die K\u00fcrzungen f\u00fcr den Rest des Jahrzehnts mit dieser Rate versch\u00e4rft w\u00fcrden, w\u00fcrden wir immer noch nicht den Sch\u00e4tzungen des UN-Umweltprogramms entsprechen die erforderlich w\u00e4ren um den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen. (Ein 2-Grad-Ziel w\u00e4re einfacher: F\u00fcnf Pandemien im n\u00e4chsten Jahrzehnt w\u00fcrden da schon ausreichen.)<\/p>\n<p>Offensichtlich w\u00e4re es hoffnungslos, anspruchsvolle Emissionsziele durch eine reine Roh\u00f6lreduzierung zu erreichen. Das menschliche Elend w\u00e4re immens.<\/p>\n<p>Ebenso wie die politische Gegenreaktion. In Bezug auf die langsam k\u00f6chelnde Krise des Klimawandels ist das Coronavirus lebendig und unmittelbar. Es t\u00f6tet jeden Tag Tausende von Menschen, oft in den reichsten und ber\u00fchmtesten St\u00e4dten der Welt. <\/p>\n<p>Es sollte daher eigentlich leicht sein, die Leute dazu zu bringen sich um die Idee zu versammeln, Opfer zu bringen um das Virus zu besiegen. Dennoch gibt es immer noch eine stimmgewaltige Minderheit, die sich jeglichem wirtschaftlichen Verzicht widersetzt. Das sollte jeden von uns verunsichern, der sich Sorgen \u00fcber die weitaus diffusere Bedrohung durch den Klimawandel macht.<\/p>\n<p>Verfeinerte politische Richtlinien \u00fcbertreffen normalerweise in ihrer Effektivit\u00e4t die gr\u00f6beren. Der Grund, warum wir uns f\u00fcr die H\u00e4rte eines Lockdowns entschieden haben war, dass wir keine besseren Optionen entwickelt hatten. Wir hatten keinen Impfstoff, wir hatten nicht viele M\u00f6glichkeiten der Behandlung und in vielen L\u00e4ndern konnten wir nicht einmal die Grundlagen wie Teststationen, Kontaktverfolgung und Schutzausr\u00fcstung f\u00fcr Mediziner zusammenbringen.<\/p>\n<p>Raffinierte Entscheidungen sind auch f\u00fcr den Klimawandel besser. Wir k\u00f6nnten nat\u00fcrlich unsere Lebensgrundlagen zerst\u00f6ren um den Zusammenbruch des \u00d6kosystems zu verhindern, genauso wie wir sie zur\u00fcckgefahren haben um den Massentod durch Covid-19 zu verhindern. Doch auch das w\u00e4re nur ein letzter Ausweg, als das Eingest\u00e4ndnis, dass wir keine Alternativen h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Wir besitzen aber in der Tat viele Alternativen, obwohl wir gez\u00f6gert haben sie zu nutzen: Forschungssubventionen f\u00fcr gr\u00fcne Technologie; Unterst\u00fctzung f\u00fcr die intelligenten Netze, die zur Nutzung immer billigerer Solar- und Windenergie erforderlich sind; nicht zuletzt eine CO2-Preisgestaltung. Das letztere war politisch eine harte Nuss, doch man k\u00f6nnte darauf wetten, dass es besser abschneidet als eine tiefgr\u00fcne Permadepression.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend viele Umweltsch\u00fctzer zusammen mit Greta Thunberg zu der Einsch\u00e4tzung vom \u201eM\u00e4rchen des ewigen Wirtschaftswachstums\u201c nicken w\u00fcrden, m\u00fcssten die meisten trotzdem nat\u00fcrlich anerkennen, dass die Priorit\u00e4t nicht darin besteht das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts auf Null oder darunter zu reduzieren, sondern stattdessen die Emissionen zu reduzieren, nat\u00fcrliche \u00d6kosysteme widerherzustellen und menschliche Bl\u00fcte und Freiheiten zu erhalten.<\/p>\n<p>So weit so gut. Wenn die Beendigung des Wachstums jedoch nicht das Ziel, sondern das Mittel zum Zweck ist, k\u00f6nnte man vielleicht auch erkennen, dass es kein sehr wirksames Mittel ist? &#8222;Wirtschaftswachstum abschaffen&#8220; ist ein radikaler politischer Slogan, aber wenn wir nach politischen Hebeln suchen, die wir daf\u00fcr bewegen k\u00f6nnen, kehren wir zu bestimmten Steuern, Subventionen, \u00f6ffentlichen Investitionen und Vorschriften zur\u00fcck. Warum h\u00f6ren wir nicht auf \u00fcber Degrowth zu sprechen, und konzentrieren uns auf die besonderen Richtlinien, die sich mit Umweltzerst\u00f6rung befassen k\u00f6nnten?<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnten feststellen, dass diese Politik, angewandt mit ausreichender Kraft um den Planeten zu retten, tats\u00e4chlich den Nebeneffekt hat das Wirtschaftswachstum zum Stillstand zu bringen. Man kann das bezweifeln. Doch der Weg, dies herauszufinden besteht darin, es zu versuchen. Wir k\u00f6nnten angenehm \u00fcberrascht sein, wie flexibel wirtschaftliche Aktivit\u00e4ten sein k\u00f6nnen und wie viel Spa\u00df wir alle haben k\u00f6nnten, wenn wir die Grenzen unseres Planeten einhalten.<\/p>\n<p>Doch auch hier bringt die Pandemie es auf den Punkt. Da wir uns kurzfristig nur wenige Optionen gelassen haben, haben wir den Virus mit Lockdowns bek\u00e4mpft. Diese Ausgangssperren haben das Wachstum besch\u00e4digt. Es gibt jedoch keine \u201eDegrowth-Epidemiologen\u201c, die argumentieren, dass die Drosselung der Wirtschaftst\u00e4tigkeit eher das Ziel als die unerw\u00fcnschte Nebenwirkung ist und dass Impfstoffe und Kontaktverfolgung M\u00e4rchen sind, die von neoliberalen \u00d6konomen vertrieben werden.<\/p>\n<p>Das Virus hat uns gelehrt, dass unsere Lebensweise anf\u00e4lliger ist als wir es vielleicht erhofften. Es hat uns gelehrt, wie wichtig es ist jetzt Opfer zu bringen, um sich auf vorhersehbare Risiken in der Zukunft vorzubereiten. Es hat uns vielleicht sogar daran erinnert, dass es nicht immer notwendig ist zur Arbeit zu fahren oder f\u00fcr ein Meeting um die halbe Welt zu fliegen, und an die Freude, durch ruhige Stra\u00dfen zu gehen oder Rad zu fahren.<\/p>\n<p>Diese Lektionen k\u00f6nnen uns helfen, mit der Bedrohung durch den Klimawandel umzugehen, die immer noch \u00fcber uns schwebt. Aber unsere Freunde in der Umwelt-bewegung sollten sich noch eine Lektion zu Herzen nehmen: Wenn Degrowth die einzige L\u00f6sung ist, die wir f\u00fcr unsere Probleme finden k\u00f6nnen, haben wir vielleicht nicht genau genug nachgedacht.<\/p>\n<p><em>(Eigene \u00dcbersetzung eines <a href=\"https:\/\/timharford.com\/2020\/07\/what-the-pandemic-teaches-us-about-our-priorities-our-planet-and-the-degrowth-movement\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Blogbeitrages<\/a> des britischen \u00d6konomen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tim_Harford\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Tim Harford<\/a>)<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einige Umweltsch\u00fctzer haben lange Zeit argumentiert, dass das Wirtschaftswachstum zum Wohle des Planeten enden m\u00fcsse. &#8222;Degrowth&#8220; wird von einem der Bef\u00fcrworter, Riccardo Mastini kurz definiert als &#8222;die Abschaffung des Wirtschaftswachstums als soziales Ziel&#8220;. 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