{"id":13453,"date":"2014-01-14T07:29:02","date_gmt":"2014-01-14T06:29:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=13453"},"modified":"2014-09-03T21:29:40","modified_gmt":"2014-09-03T19:29:40","slug":"alternative-wirtschaftstheorie-die-zusammenhaenge-zwischen-investieren-und-sparen-teil-4","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/alternative-wirtschaftstheorie-die-zusammenhaenge-zwischen-investieren-und-sparen-teil-4\/","title":{"rendered":"Alternative Wirtschaftstheorie &#8211; Teil 4: Die Zusammenh\u00e4nge zwischen Investieren und Sparen"},"content":{"rendered":"<p>In den bisherigen Beitr\u00e4gen (<a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/alternative-wirtschaftstheorie-unternehmergewinn-und-beschaeftigungsvolumen-teil-1\/\" title=\"Alternative Wirtschaftstheorie: Unternehmergewinn und Besch\u00e4ftigungsvolumen \u2013 Teil 1\">Teil 1<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/alternative-wirtschaftstheorie-unternehmergewinn-und-beschaeftigungsvolumen-teil-2\/\" title=\"Alternative Wirtschaftstheorie: Unternehmergewinn und Besch\u00e4ftigungsvolumen \u2013 Teil 2\">Teil 2<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/alternative-wirtschaftstheorie-unternehmergewinn-und-beschaeftigungsvolumen-teil-3\/\" title=\"Alternative Wirtschaftstheorie: Unternehmergewinn und Besch\u00e4ftigungsvolumen \u2013 Teil 3\">Teil 3<\/a>) wurde folgende These von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wilhelm_Lautenbach\" title=\"Wilhelm Lautenbach \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Wilhelm Lautenbach<\/a> nachvollzogen:<\/p>\n<blockquote><p><b>Die bisherigen Ausf\u00fchrungen haben erwiesen, da\u00df die Gesamtmasse des Unternehmergewinnes jeweils eindeutig bestimmt wird positiv durch den Aufwand f\u00fcr Investitionen und den Eigenverbrauch der Unternehmer, negativ durch die Ersparnisse der Nichtunternehmer. Diese Beziehung wird verwirklicht durch den Preismechanismus.<\/b> Die Preise sind unter dem Einflu\u00df dieser gegens\u00e4tzlich wirkenden Faktoren so eingestellt, da\u00df der Unternehmergewinn in der angegebenen H\u00f6he als <a href=\"http:\/\/www.wirtschaftslexikon24.com\/d\/differentialgewinn\/differentialgewinn.htm\" title=\"Differentialgewinn - Wirtschaftslexikon\" target=\"_blank\">Differentialgewinn<\/a> erzielt wird.<\/p>\n<p><em>Lautenbach: Zins, Kredit und Produktion (1952), S. 32<\/em>\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Zur Verdeutlichung dieses Sachverhaltes ziehen wir wieder das Schaubild der Kostenaufteilung der Produktion der Verbrauchsg\u00fcterindustrie zu Rate:<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/bilder\/unternehmergewinn1_c.jpg\" width=\"350\" title=\"Anteile von Faktorkosten, Abschreibungen und Unternehmergewinn an den abgesetzten Verbrauchsg\u00fctern\" alt=\"Anteile von Faktorkosten, Abschreibungen und Unternehmergewinn an den abgesetzten Verbrauchsg\u00fctern\"\/><br \/>\n<em>(Abbildung selbst erstellt)<\/em><\/center><br \/>\nDabei zeigt sich, dass die Gesamtmasse des Unternehmergewinns, der erzielt werden muss, damit die Grenzproduzenten gerade noch existieren k\u00f6nnen, abh\u00e4ngig ist von dem Verlauf der Gesamtangebotskurve. Je steiler diese ist, desto gr\u00f6\u00dfer f\u00e4llt dieser aus, je flacher, desto geringer muss der Unternehmergewinn sein.<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Ist die Leistungsf\u00e4higkeit der Grenzproduzenten ann\u00e4hernd gleich, reicht schon ein entsprechend geringerer Gewinn aus, um die Aufrechterhaltung der Wirtschaft auf dem angenommenen Stand zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<p>Im \u00e4u\u00dfersten Fall gen\u00fcgt dann schon der Eigenverbrauch der Unternehmer, um den notwendigen Gesamtgewinn zu erzeugen.<br \/>\nAllerdings m\u00fc\u00dfte dann auch die Neuinvestition so hoch sein wie die Ersparnisse der Nichtunternehmer.<\/p>\n<p>Sollte mehr investiert werden als die Nichtunternehmer sparen, w\u00fcrden die Preise der Konsumg\u00fcter \u00fcber die Grenzkosten steigen und die Unternehmer insgesamt einen gr\u00f6\u00dferen Gewinn erzielen, als er notwendig w\u00e4re um den Besch\u00e4ftigungsgrad zu halten.<br \/>\nG\u00e4be es dann noch ungenutzte Produktionsfaktoren wie nicht ausgelastete Kapazit\u00e4ten oder unbesch\u00e4ftigte Arbeiter, so w\u00fcrde die Produktion entsprechend ausgedehnt werden.<\/p>\n<p>Kurz gesagt bedarf es also immer eines bestimmten Aufwandes an Investitionen, um die Volkswirtschaft in den Bereich der Vollbesch\u00e4ftigung zu bringen.<br \/>\nDieser Bedarf ist, wie oben bereits ausgef\u00fchrt, abh\u00e4ngig von der Neigung der Angebotskurve und dem Verbrauch der Unternehmer sowie den Ersparnissen der Nichtunternehmer.<br \/>\nDabei d\u00fcrfte klar sein, dass die Neigung der Kostenkurve von den Produktionsbedingungen bestimmt wird und damit als gegeben hingenommen werden muss.<\/p>\n<p>So bleibt dann letztlich die Erkenntnis, dass das Investitions-Soll umso h\u00f6her sein muss, je mehr die Nichtunternehmer sparen und je weniger die Unternehmer selbst verbrauchen.<\/p>\n<p>Die Paradoxit\u00e4t des Begriffs &#8222;Sparen&#8220; in Bezug auf die Unternehmer im einzelnen und als Gesamtheit hat Lautenbach dabei wie folgt dargestellt:<\/p>\n<blockquote><p><b>Wenn man will, kann man eine Haltung der Unternehmer, die sich dadurch charakterisiert, da\u00df sie sich bem\u00fchen, wenig zu verbrauchen, als Sparsamkeit bezeichnen; aber es w\u00e4re nicht richtig von Sparen und Ersparnissen der Unternehmer zu sprechen, wenn man die Unternehmer insgesamt betrachtet.<\/b><\/p>\n<p><em>Lautenbach: Zins, Kredit und Produktion (1952), S. 33<\/em>\n<\/p><\/blockquote>\n<p>F\u00fcr die Nichtunternehmer dagegen ergebe dieser Begriff Sinn:<br \/>\nSparen bedeute, \u00fcber ein entsprechendes Einkommen verf\u00fcgen zu k\u00f6nnen und dabei so zu verfahren, dass ein Teil davon eben nicht ausgegeben sondern gespart wird.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Gesamtheit der Unternehmer sehe das allerdings anders aus:<br \/>\nWenn sie weniger verbrauchen, sind nicht ihre Ersparnisse h\u00f6her, sondern ihre Einkommen um den Betrag geringer, den sie weniger ausgegeben haben.<\/p>\n<p>Dabei muss man allerdings beachten, dass dies nur f\u00fcr die Unternehmer insgesamt gilt.<br \/>\nF\u00fcr den einzelnen Produzenten verh\u00e4lt es sich so wie f\u00fcr die Nichtunternehmer, wenn er von dem Verhalten der anderen Unternehmer abweicht. <\/p>\n<p>Verbraucht ein Unternehmer mehr, w\u00e4hrend alle anderen gerade dies nicht tun, so spart er tats\u00e4chlich weniger im Verh\u00e4ltnis zu den anderen.<br \/>\nSteigern sie aber alle gleichzeitig ihren Verbrauch, so w\u00fcrde das keineswegs f\u00fcr den einzelnen oder die Gesamtheit einen geringeren Verm\u00f6genszuwachs bedeuten, sondern ist dann davon auszugehen, dass sie insgesamt eine Erh\u00f6hung ihres Verm\u00f6gens erreichen w\u00fcrden.   <\/p>\n<p>Aufgrund der allgemeinen Verbrauchssteigerung der Unternehmer k\u00e4me es n\u00e4mlich zu einer Preissteigerung, welche die Nichtunternehmer, deren Einkommen dadurch verringert w\u00fcrden, dazu veranlassen k\u00f6nnte, mehr f\u00fcr ihren Konsum auszugeben, um ihren Lebensstandard auf dem bisherigen Level zu halten.<br \/>\nDamit w\u00fcrde dann auch die H\u00f6he ihrer Ersparnisse verringert. <\/p>\n<p>Dieses Ph\u00e4nomen ist allgemein als das <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Konkurrenzparadoxon\" title=\"Konkurrenzparadoxon \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Konkurrenzparadoxon<\/a> bekannt und wurde von mir bereits in der <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/saldenmechanik-erklaerende-und-vertiefende-beispiele\/\" title=\"Saldenmechanik \u2013 erkl\u00e4rende und vertiefende Beispiele\">Serie \u00fcber die Saldenmechanik<\/a> behandelt.<\/p>\n<p>Mit dieser Darstellung des Zusammenhanges zwischen Investieren und Sparen stellte sich Lautenbach bewu\u00dft gegen die Annahmen der klassischen Theorie.<br \/>\nGing diese davon aus, dass Investitionen zwingend ein vorheriges Sparen notwendig machten, so bewies er das Gegenteil.<br \/>\nSeine Ansicht war, dass die Ersparnis durch die Investition bestimmt werde und erst mit dieser eintrete; sie entspreche ihr dabei genau in der gesamten Gr\u00f6\u00dfe, ohne aber dasselbe zu sein.<br \/>\nEinfacher gesagt wird also die Ersparnis durch die Investitionen und nicht umgekehrt die Investitionen durch die Ersparnisse festgelegt.<\/p>\n<p>So vertrat er dann auch folgerichtig die Meinung, dass es sich beim Sparen um einen reinen Verteilungsbegriff handele:<\/p>\n<blockquote><p><b>Das Sparen entscheidet nicht \u00fcber die Gesamtgr\u00f6\u00dfe der Investitionen sondern nur \u00fcber den Anteil der Wirtschaftssubjekte an dem Verm\u00f6genszuwachs den die Volkswirtschaft durch die Investition erf\u00e4hrt.<\/b><\/p>\n<p><em>Lautenbach: Zins, Kredit und Produktion (1952), S. 34<\/em>\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Weiter geht es <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/alternative-wirtschaftstheorie-zins-investition-und-beschaeftigung-teil-5\/\" title=\"Alternative Wirtschaftstheorie: Zins, Investition und Besch\u00e4ftigung \u2013 Teil 5\">im n\u00e4chsten Beitrag<\/a> mit der Ausweitung des bisher verwendeten volkswirtschaftlichen Modells einer geschlossenen \u00d6konomie auf die Einfl\u00fcsse eines unabh\u00e4ngig gegebenen Zinssatzes auf die Investitionen und damit auch auf das Besch\u00e4ftigungsvolumen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den bisherigen Beitr\u00e4gen (Teil 1, Teil 2 und Teil 3) wurde folgende These von Wilhelm Lautenbach nachvollzogen: Die bisherigen Ausf\u00fchrungen haben erwiesen, da\u00df die Gesamtmasse des Unternehmergewinnes jeweils eindeutig bestimmt wird positiv durch den Aufwand f\u00fcr Investitionen und den<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[27,36,28,29,18],"class_list":["post-13453","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-oekonomie","tag-investition","tag-lautenbach","tag-saldenmechanik","tag-sparen","tag-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13453","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13453"}],"version-history":[{"count":32,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13453\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":180601,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13453\/revisions\/180601"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13453"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13453"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13453"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}