{"id":1312979,"date":"2015-08-07T10:34:18","date_gmt":"2015-08-07T08:34:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=1312979"},"modified":"2024-05-08T13:38:25","modified_gmt":"2024-05-08T11:38:25","slug":"fatale-irrtuemer-des-finanziellen-fundamentalismus-die-inflation-als-unbarmherzige-steuer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/fatale-irrtuemer-des-finanziellen-fundamentalismus-die-inflation-als-unbarmherzige-steuer\/","title":{"rendered":"Fatale Irrt\u00fcmer des finanziellen Fundamentalismus \u2013 die Inflation als unbarmherzige Steuer"},"content":{"rendered":"<p><Center><a title=\"Dollar-Symbol von Svilen.milev (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0) oder GFDL (http:\/\/www.gnu.org\/copyleft\/fdl.html)], via Wikimedia Commons\" href=\"http:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3ADollar_symbol.jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"312\" alt=\"Dollar symbol\" src=\"\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/b\/be\/Dollar_symbol.jpg\/512px-Dollar_symbol.jpg\"\/><\/a><\/Center><\/p>\n<p><Center><b>Eine Abhandlung \u00fcber die \u00d6konomie der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage<br \/>\nTeil 4<\/b><\/Center><\/p>\n<p><b>Irrtum Nr. 4: Inflation ist die unbarmherzigste aller Steuern<\/b><br \/>\nInflation wird allgemein gern als die &#8222;grausamste Steuer&#8220; verunglimpft. Die Wahrnehmung scheint dabei zu sein, dass, wenn nur die Preise aufh\u00f6ren w\u00fcrden zu steigen, das eigene Einkommen doch noch viel weiter reichen k\u00f6nnte, ohne jedoch indes die gleichzeitigen Auswirkungen auf die Eink\u00fcnfte Anderer zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Aktuelle Realit\u00e4t: Das Steuerelement in der erwarteten Inflation in Bezug auf den Gewinn f\u00fcr die Regierung und als Verlust f\u00fcr die Inhaber und Besitzer von Devisen und Staatsanleihen beschr\u00e4nkt sich auf die Verringerung des realen Wertes der keinen Zins abwerfenden W\u00e4hrungen (entspr\u00e4che der H\u00f6he der eingesparten Zinsrate f\u00fcr ein zinsloses Darlehen, wie es ohne die Inflation angefallen w\u00e4re), plus dem Gewinn aus der Zunahme der Inflation, die \u00fcber den zum Zeitpunkt der Schuldenaufnahme erwarteten Zinssatz hinausgeht. <\/p>\n<p>Auf der anderen Seite w\u00fcrde eine Verringerung der Inflationsrate unter die bisher angenommene Quote zu zuf\u00e4lligen Subventionen f\u00fcr die Inhaber von langfristigen Staatsanleihen und einer entsprechenden Erh\u00f6hung der realen Auswirkungen der Schulden auf den Fiskus f\u00fchren.<\/p>\n<p>In fr\u00fcheren Regimes, in denen entsprechende Vorschriften die Anrechnung der Zinsen auf Sichteinlagen untersagten, kamen die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Seigniorage\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Seigniorage<\/a>-Gewinne aus diesen Salden, die zudem noch einen durch die Inflation verst\u00e4rkten Kaufkraftverlust f\u00fcr die Anleger darstellten, nur den Banken zugute, die dann unter dem Konkurrenzdruck einen Teil dieser Gewinne als kostenlose Serviceleistungen wieder an die Kunden zur\u00fcck reichten. <\/p>\n<p>In einer \u00d6konomie, in der die meisten Gesch\u00e4fte \u00fcber Kreditkarten und Bankkonten unter Ber\u00fccksichtigung der berechneten oder gutgeschriebenen Zinsen abgewickelt werden, ist die auf den Zinsverlust f\u00fcr ausstehende Zahlungen beschr\u00e4nkte Belastung f\u00fcr die meisten Menschen trivial. Den gr\u00f6\u00dften Profit gegen\u00fcber der Regierung werden diejenigen haben, denen gro\u00dfe Mengen von Geld aus Steuerflucht oder der Aus\u00fcbung von illegalen Aktivit\u00e4ten zuflie\u00dfen, w\u00e4hrend die wenigen, die Geld unter der Matratze oder in Keksdosen halten, entsprechende Verluste erleiden.<\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dften Schwierigkeiten mit der Inflation sind in der Tat nicht die Auswirkungen der Inflation selbst, sondern die durch unpassende Bestrebungen zur Kontrolle der Inflation ausgel\u00f6ste Arbeitslosigkeit. Eigentlich kann eine unerwartete Erh\u00f6hung der Inflation das reale Defizit in Bezug auf das nominale Defizit durch eine Verringerung des realen Wertes der ausstehenden langfristigen Verbindlichkeiten reduzieren. <\/p>\n<p>Wenn auf einer Politik zur Begrenzung des nominalen Haushaltsdefizites beharrt wird, d\u00fcrfte dies aufgrund der Verringerung der effektiven Nachfrage zu weiterer \u00fcberm\u00e4\u00dfiger Arbeitslosigkeit f\u00fchren. Die Antwort darauf kann nicht eine Verringerung des nominalen Defizits sein, um die Inflation durch steigende Arbeitslosigkeit zu begrenzen, sondern muss vielmehr eine Erh\u00f6hung des nominalen Defizits zur Beibehaltung des reales Defizits sein, sowie die Kontrolle der Inflation durch direkte Mittel, die keine steigende Arbeitslosigkeit ausl\u00f6sen.<\/p>\n<p><em>(Grundlage dieser Reihe ist der Artikel <a href=\"https:\/\/www.pnas.org\/doi\/full\/10.1073\/pnas.95.3.1340\" title=\"Vickrey, William. 1996. 15 Fatal Fallacies of Financial Fundamentalism\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">15 Fatal Fallacies of Financial Fundamentalism<\/a> von <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/William_Vickrey\" title=\"William Vickrey - Wikipedia, the free encyclopedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">William Vickrey<\/a>)<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Abhandlung \u00fcber die \u00d6konomie der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage Teil 4 Irrtum Nr. 4: Inflation ist die unbarmherzigste aller Steuern Inflation wird allgemein gern als die &#8222;grausamste Steuer&#8220; verunglimpft. 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