{"id":13064370,"date":"2020-02-03T07:00:36","date_gmt":"2020-02-03T06:00:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=13064370"},"modified":"2026-03-24T09:30:29","modified_gmt":"2026-03-24T08:30:29","slug":"eine-parabel-fuer-die-neue-dekade","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/eine-parabel-fuer-die-neue-dekade\/","title":{"rendered":"Eine Parabel f\u00fcr die neue Dekade&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>\u201eEines Abends an einem Februartag 2020 sind mehrere Observatorien des Inter-nationalen Asteroidenwarnnetzwerks verbl\u00fcfft, als sie eine Ansammlung sich n\u00e4hernde Asteroiden von massiven Dimensionen entdecken. In den n\u00e4chsten Wochen best\u00e4tigen andere Observatorien den Befund. <\/p>\n<p><center><a title=\"Don Davis (work commissioned by NASA) [Public domain]\" href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Planetoid_crashing_into_primordial_Earth.jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"412\" alt=\"Planetoid crashing into primordial Earth\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/0\/05\/Planetoid_crashing_into_primordial_Earth.jpg\"><\/a><br \/>\n<em>Darstellung eines Einschlags eines sehr gro\u00dfen Asteroiden auf die Erde.<\/em><\/center><\/p>\n<p>Eine sorgf\u00e4ltige digitale Analyse zeigt eine 97%ige Wahrscheinlichkeit einer Kollision mit unserem Planeten Erde am 24. Dezember 2030 &#8211; fast genau zehn Jahre in der Zukunft. <\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Berechnungen und technische Projektionen, die von den Weltraumministern (MOS) koordiniert wurden lassen darauf schlie\u00dfen, dass der Asteroidencluster, der jetzt (nat\u00fcrlich) &#8222;Armageddon&#8220; genannt wird, durch koordiniertes Abfeuern von 3.000 nuklearen Laserkanonen aufgel\u00f6st und umgeleitet werden kann. <\/p>\n<p>Die Kosten f\u00fcr die Entwicklung, Herstellung, Erprobung und Bereitstellung jeder Atomkanone werden auf 6 Milliarden US-Dollar veranschlagt, was Gesamtkosten von 18 Billionen US-Dollar ergibt. Mit anderen Worten, um die Asteroiden abzulenken und unseren Planeten zu retten, muss einer sehr gro\u00dfen, konzentrierten und koordinierten Gruppe von Menschen und Unternehmen eine sehr gro\u00dfe Summe an Geld gezahlt werden, um die spezifischen erforderlichen Aufgaben zu erledigen. <\/p>\n<p>Vorausgesetzt, wir wollen \u00fcberleben lautet die n\u00e4chste Berechnung: Sind die Ressourcen f\u00fcr den Bau und den Einsatz der erforderlichen Atomkanonen auf dem Planeten Erde verf\u00fcgbar? Wenn diese Ressourcen &#8211; Arbeitskr\u00e4fte, technisches Wissen und K\u00f6nnen, exotische Materialien und Raketentreibstoffe usw. &#8211; nicht existieren ist die Frage offenkundig unstrittig und wir m\u00fcssen unser Schicksal ausleben und die Weihnachtsfeiern bis zur allerletzten herunterz\u00e4hlen. <\/p>\n<p>Zur gro\u00dfen Erleichterung aller stellen die Minister f\u00fcr Ressourcen (MOR) fest, dass gen\u00fcgend Arbeitskr\u00e4fte, Technologien und Materialien f\u00fcr die Herstellung und den Einsatz von 3000 Nuklearlaserkanonen zur Verf\u00fcgung stehen. Wenn es schnell gehen soll, kann die Arbeit in sieben Jahren erledigt werden &#8211; drei Jahre vor der geplanten Kollision. Das sorgt nat\u00fcrlich f\u00fcr gro\u00dfe Schlagzeilen und Feste! &#8222;DIE WELT KANN GERETTET WERDEN!&#8220;<\/p>\n<p>Die Frage ist nur noch: Woher kommen die 18 Billionen US-Dollar, um das Material zu erwerben und die Lohn- und Gehaltsforderungen f\u00fcr die Entwicklung, Produktion, Pr\u00fcfung und Bereitstellung der Laserkanonen zu erf\u00fcllen? Die Finanzminister (MOF) werden konsultiert. Die MOF sagen aber sofort, dass ein Problem vorliegt. <\/p>\n<p>Die Schwierigkeit bestehe darin, dass die Investition in H\u00f6he von 18 Billionen US-Dollar keine finanzielle Rendite bringen werde: Niemand werde die Laserkanonen kaufen, sobald sie hergestellt seien. Investoren k\u00f6nnten ihr Kapital nicht zur\u00fcckerhalten, geschweige denn einen Gewinn erzielen. Die Laserkanonen werden von niemandem an Ort und Stelle gemietet. Es gibt keinen Sekund\u00e4rmarkt f\u00fcr die Kanonen, da sie notwendigerweise durch die explosive Interaktion mit den Asteroiden zerst\u00f6rt werden. <\/p>\n<p>Der Bau und Einsatz der Laserkanonen ist also nicht nur finanziell unrentabel, sondern auch ein Totalverlust. Deshalb, so erkl\u00e4ren die MOF, werden die gewinnorientierten Finanzierungsmechanismen privater Unternehmen, die andernfalls die 18 Billionen US-Dollar in einem Herzschlag erzeugen k\u00f6nnten nicht funktionieren!<\/p>\n<p>Die verbleibenden Optionen f\u00fcr die Bereitstellung der 18 Billionen US-Dollar sind laut MOF im wesentlichen die folgenden drei: Erstens k\u00f6nnte eine neue Steuer auf B\u00fcrger und Unternehmen erhoben werden, die im Prinzip die 18 Billionen US-Dollar aus ihren zuk\u00fcnftigen Einkommen und Profiten f\u00fcr die Rettung des Planeten beansprucht. <\/p>\n<p>Zweitens k\u00f6nnten die philanthropischen Organisationen der Welt einen gro\u00dfen Teil ihres Verm\u00f6gens &#8211; einschlie\u00dflich der bereits angesammelten Gewinne nach Steuern &#8211; f\u00fcr die Sache aufbringen und spenden. Drittens k\u00f6nnten sich die souver\u00e4nen Regierungen 18 Billionen US-Dollar aus dem vorhandenen Kapital (Ersparnisse) privater Unternehmen leihen. Wenn nicht genug verf\u00fcgbares Kapital vorhanden ist um Kredite aufzunehmen, w\u00fcrden die Privatunternehmen gerne mehr schaffen, sofern garantiert ist, dass die Kredite mit Zinsen zur\u00fcckgezahlt werden.<\/p>\n<p>Weitere Schlagzeilen lauten: &#8222;VORGESCHLAGENE NEUE STEUER SENKT DIE EINKOMMEN UM DIE H\u00c4LFTE!&#8220; &#8222;WOHLT\u00c4TIGE STIFTUNGEN HABEN NICHT GENUG DOLLARS!&#8220; &#8222;VERDOPPELUNG DER STAATSVERSCHULDUNG RUINIERT UNSERE ENKEL!&#8220;<\/p>\n<p>Jetzt fangen die Leute an sich \u00e4ngstlich zu f\u00fchlen. Durch die Berechnungen und Debatten \u00fcber die 18 Billionen Dollar ist schon ein Jahr vergangen &#8211; und die Arbeiten an den Nuklearlaserkanonen haben noch nicht einmal begonnen! Einige beginnen sich zu fragen, ob die Asteroiden tats\u00e4chlich existieren oder ob es einen Fehler in den Berechnungen gibt &#8211; oder ob die Wissenschaftler von der Laserkanonenindustrie bezahlt werden! <\/p>\n<p>Gleichzeitig bleiben nur noch zwei Jahre, um die Atomkanonen zu bauen und einzusetzen. Was k\u00f6nnen wir tun? Sind wir bereit, unsere Einkommen zu halbieren? Werden wir wirklich unsere Enkelkinder in eine solch schw\u00e4chende Staatsverschuldung zwingen? Vielleicht sollten wir die Berechnungen noch einmal wiederholen. <\/p>\n<p>Vielleicht sollten wir ein gr\u00f6\u00dferes Teleskop bauen, um den Asteroidenhaufen genauer zu betrachten. Vielleicht kommt ein weiterer Asteroid, der mit dem Haufen kollidiert, bevor dieser in die Erde einschl\u00e4gt. Vielleicht m\u00fcssen wir neue Minister w\u00e4hlen, um diese Entscheidungen zu treffen. Und jetzt, bevor wir es genau wissen, ist wieder ein weiteres Jahr vergangen, w\u00e4hrend die Debatte weitergeht\u2026\u201c<\/p>\n<p>Wenn wir den Asteroidenhaufen unserer Parabel durch die Bedrohung des globalen Klimawandels ersetzen haben wir heute eine n\u00fctzliche Beschreibung unseres realen Dilemmas: Es geht nur ums Geld. <\/p>\n<p>Es geht nicht darum, ob Arbeitskraft, Technologie und Know-how vorhanden sind, um eine Billion Tonnen Kohlenstoff aus der Atmosph\u00e4re zu gewinnen und zu binden &#8211; und dabei auf eine CO2-freie Wirtschaft umzusteigen. Es geht darum woher das Geld kommt, um diese Arbeitskraft, Technologie und dieses Know-how zu bezahlen &#8211; und wessen Geld es sein wird und ob wir infolge der Ausgaben unter Schulden und in inflation\u00e4rem Chaos zusammenbrechen werden.<\/p>\n<p><em>(Eigene \u00dcbersetzung eines <a href=\"http:\/\/neweconomicperspectives.org\/2019\/12\/parable-for-the-new-decade.html\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Blogbeitrages<\/a> des amerikanischen Architekten und wirtschaftswissen-schaftlichen Quereinsteigers J.D. Alt)<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eEines Abends an einem Februartag 2020 sind mehrere Observatorien des Inter-nationalen Asteroidenwarnnetzwerks verbl\u00fcfft, als sie eine Ansammlung sich n\u00e4hernde Asteroiden von massiven Dimensionen entdecken. In den n\u00e4chsten Wochen best\u00e4tigen andere Observatorien den Befund. 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