{"id":12707,"date":"2014-01-06T08:12:35","date_gmt":"2014-01-06T07:12:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=12707"},"modified":"2016-12-07T07:47:46","modified_gmt":"2016-12-07T06:47:46","slug":"alternative-wirtschaftstheorie-unternehmergewinn-und-beschaeftigungsvolumen-teil-3","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/alternative-wirtschaftstheorie-unternehmergewinn-und-beschaeftigungsvolumen-teil-3\/","title":{"rendered":"Alternative Wirtschaftstheorie &#8211; Teil 3: Unternehmereinkommen und Unternehmergewinn"},"content":{"rendered":"<p>Den in den ersten beiden Beitr\u00e4gen (<a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/alternative-wirtschaftstheorie-unternehmergewinn-und-beschaeftigungsvolumen-teil-1\/\" title=\"Alternative Wirtschaftstheorie: Unternehmergewinn und Besch\u00e4ftigungsvolumen \u2013 Teil 1\">Teil 1<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/alternative-wirtschaftstheorie-unternehmergewinn-und-beschaeftigungsvolumen-teil-2\/\" title=\"Alternative Wirtschaftstheorie: Unternehmergewinn und Besch\u00e4ftigungsvolumen \u2013 Teil 2\">Teil 2<\/a>) festgestellten Zusammenhang zwischen Unternehmergewinn, Investitionen und Besch\u00e4ftigung hatte Lautenbach in seinem Werk Zins, Kredit und Produktion mit zwei S\u00e4ulendiagrammen dargestellt.<\/p>\n<h4>Definition des Unternehmergewinns als Soll-Einkommen<\/h4>\n<p>Die erste Grafik (siehe unten) betrachtete dabei den Teil des Bruttoinlandsproduktes, der von der Verbrauchsg\u00fcterindustrie innerhalb einer bestimmten Periode hergestellt und an die Verbraucher abgesetzt wurde, dargestellt in der linken S\u00e4ule als <b>Gesamtsumme der Herstellungskosten V<\/b>.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/bilder\/unternehmergewinn1_a.jpg\" width=\"350\" title=\"Anteile von Faktorkosten, Abschreibungen und Unternehmergewinn an den abgesetzten Verbrauchsg\u00fctern\" alt=\"Anteile von Faktorkosten, Abschreibungen und Unternehmergewinn an den abgesetzten Verbrauchsg\u00fctern\"\/><br \/>\n<em>(Abbildung selbst erstellt)<\/em><\/center><\/p>\n<p>Der Einfachheit halber ging Lautenbach davon aus, dass Produktion und Absatz an die Verbraucher gleich bleiben und auch durch die Lagerhaltung von H\u00e4ndlern und Unternehmern nicht beeinflu\u00dft werden, d. h. Zu- und Abg\u00e4nge der Depots sich insgesamt die Waage halten.<\/p>\n<p>Die f\u00fcr die Produktion notwendigen Vorprodukte sowie alle dabei entstandenen Kosten f\u00fcr die beteiligten Produktionsfaktoren (L\u00f6hne, Geh\u00e4lter, Steuern und Zinszahlungen u. a.) sind im Diagramm als <b>Faktorkosten F <\/b>bezeichnet, die durch den Verschlei\u00df der Produktionsanlagen zu veranlagenden <b>Abschreibungen mit A<\/b>.<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Der letzte Bestandteil dieser S\u00e4ule ist dann der <b>Unternehmergewinn U<\/b>, der hier allerdings einen &#8222;Soll&#8220;-Anteil darstellt, also gleich dem Betrag sein soll, der zur Erhaltung der Produktion und der Besch\u00e4ftigung auf dem vorhandenen Stand notwendig ist.<br \/>\nOder, wissenschaftlich ausgedr\u00fcckt:<\/p>\n<blockquote><p><b>Gesamtsolleinkommen der Unternehmer ist gleich dem Einkommen, das die Unternehmer erzielen w\u00fcrden, wenn die (erzielten) Preise jedes Produkts gleich den Grenzkosten der Produktion w\u00e4ren. <\/b><br \/>\nUnd um vor jeder peinlichen \u00dcberraschung sicher zu sein, f\u00fcgen wir noch als Bedingung an, da\u00df wir in der von uns betrachteten geschlossenen Wirtschaft vollst\u00e4ndige Konkurrenz auf allen Gebieten voraussetzen.<\/p>\n<p><em>Lautenbach: Zins, Kredit und Produktion (1952), S. 29<\/em>\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Die rechte S\u00e4ule \u00e4hnelt in ihrer Darstellung der linken, der Unterschied liegt nur in der Darstellung des oben definierten <b>Unternehmereinkommens U<\/b>.<\/p>\n<p>In dieser S\u00e4ule muss man sich die Kostenaufteilung in Faktorkosten plus Abschreibungen sowie den Unternehmergewinn als schmale Streifen f\u00fcr jedes einzelne Unternehmen nebeneinander vorstellen.<br \/>\nDabei sollen rechts alle Betriebe mit den h\u00f6chsten Selbstkosten als Grenzproduzenten eingesetzt werden, nach links folgen dann stufenweise die Produzenten mit den jeweils niedrigeren Selbstkosten und den entsprechend steigenden Gewinnen.<br \/>\nAm linken Rand befinden sich dann die Unternehmen mit den geringsten Kosten und h\u00f6chsten Gewinnen.<\/p>\n<p>Bei einer sehr gro\u00dfen Anzahl an Betrieben (was normalerweise in einer Volkswirtschaft der Fall ist) erh\u00e4lt man dann eine kontinuierliche Kurve, die in etwa den Angebotskurven der einzelnen Waren entspricht.<\/p>\n<p><b>So ist zumindest in der Theorie das Soll-Einkommen der Unternehmer gem\u00e4\u00df obiger Definiton eindeutig bestimmbar.<\/b><\/p>\n<h4>Gleichheit von Angebot und Nachfrage einschlie\u00dflich des Unternehmergewinns?<\/h4>\n<p>Mit dem zweiten Diagramm ging Lautenbach der Frage nach, inwieweit das <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Saysches_Theorem\" title=\"Saysches Theorem \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Saysche Theorem<\/a> der Gleicheit der volkswirtschaftlichen Gr\u00f6\u00dfen Angebot und Nachfrage \u00fcberhaupt f\u00fcr die dargestellte Verbrauchsg\u00fcterindustrie mit ihren Kostenanteilen einschlie\u00dflich des Unternehmergewinns g\u00fcltig sein k\u00f6nne.  <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/bilder\/verbrauchsgueter_c.jpg\" width=\"700\" title=\"Anteile von Faktorkosten, Abschreibungen und Unternehmergewinn an den abgesetzten Verbrauchsg\u00fctern\" alt=\"Anteile von Faktorkosten, Abschreibungen und Unternehmergewinn an den abgesetzten Verbrauchsg\u00fctern\"\/><br \/>\n<em>(Abbildung selbst erstellt)<\/em><\/center><br \/>\nAuch in diesem Diagramm stellt die linke S\u00e4ule wieder das Angebot der Verbrauchsg\u00fcterindustrie als Gesamtsumme der Herstellungskosten dar, aufgeteilt nach den bereits oben definierten Kostenarten.<\/p>\n<p>Nun aber kommt die von der Produktion dieser Verbrauchsg\u00fcter selbst erzeugte Nachfrage nach Verbrauchsg\u00fctern ins Spiel, die aufgrund der Einkommen aller an der Produktion Beteiligten entsteht.<br \/>\nDiese Nachfrage ist aber <b>in jedem Fall geringer als der Gesamtkostenaufwand<\/b>, da die Geh\u00e4lter zu den Faktorkosten geh\u00f6ren und daher nur einen bestimmten Teil der gesamten Kosten betreffen.<br \/>\nDazu werden die Einkommen auch nicht komplett f\u00fcr den Erwerb von Verbrauchsg\u00fctern verwendet, sondern ein Teil wird als Ersparnisse zur\u00fcckgehalten.<\/p>\n<p>In der zweiten S\u00e4ule ist diese Nachfrage als Verbrauchsausgaben der Verbrauchsg\u00fcterindustrie grau dargestellt.<\/p>\n<p>Der fehlende Anteil der Nachfrage nach Verbrauchsg\u00fctern wird dann abgedeckt, wenn neben den Verbrauchsg\u00fctern auch noch andere G\u00fcter produziert werden, die nicht f\u00fcr den sofortigen &#8222;Verzehr&#8220; gedacht sind.<br \/>\nDiese Herstellung von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Investitionsgut\" title=\"Investitionsgut \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Investitionsg\u00fctern<\/a> erzeugt nat\u00fcrlich auch aufgrund der dabei gezahlten Geh\u00e4lter eine entsprechende Nachfrage nach Verbrauchsg\u00fctern. <\/p>\n<p>Geht man davon aus, dass die Kosten- und Einkommensaufteilung bei der Erzeugung von Investitionsg\u00fctern \u00e4hnlich der in der Verbrauchsg\u00fcterindustrie ist, so kann man diese Werte in gleicher Weise als kleinere S\u00e4ulen rechts im Diagramm darstellen.<br \/>\nDabei ist vor allem wichtig, dass auch in der Investitionsg\u00fcterindustrie die Gesamtkosten immer h\u00f6her als die erzeugten Einkommen (und die Ersparnisse von Unternehmern und Nichtunternehmern) sind. <\/p>\n<p>Deshalb <b>muss<\/b> auch die Menge an produzierten Investitionsg\u00fctern <b>entsprechend gr\u00f6\u00dfer sein<\/b> als die fehlende Nachfrage nach Verbrauchsg\u00fctern. W\u00fcrde weniger investiert, w\u00e4re das dabei erzeugte Verbrauchseinkommen nicht ausreichend, um diese Nachfragel\u00fccke zu schlie\u00dfen.<br \/>\nDies w\u00fcrde zu sinkenden Preisen bei den Verbrauchsg\u00fctern f\u00fchren und die Produktion m\u00fcsste gedrosselt werden, was mit Entlassungen und einem schrumpfendem Besch\u00e4ftigungsvolumen einhergehen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Umgekehrt w\u00fcrden st\u00e4rkere Investitionen h\u00f6here Verbrauchseinkommen erzeugen und damit auch eine Ausweitung der Produktion an Verbrauchsg\u00fctern aufgrund steigender Preise bewirken. Dies w\u00fcrde zus\u00e4tzlich auch zu einer insgesamt h\u00f6heren Besch\u00e4ftigung in der Volkswirtschaft f\u00fchren. <\/p>\n<p>Mit diesem Modell konnte Wilhelm Lautenbach \u00e4hnlich wie John Maynard Keynes gewaltig an der immer wieder von der orthodoxen Lehrmeinung vorausgesetzten zwingenden Gleichheit von Angebot und Nachfrage r\u00fctteln. Allein diese Darstellung stellte alle Behauptungen darauf basierender Gleichgewichtsmechanismen grunds\u00e4tzlich in Frage.<\/p>\n<p>Nach Lautenbach gibt es daher kein automatisches Erzeugen von G\u00fcternachfrage allein aufgrund der Erh\u00f6hung des Angebots. Und s\u00e4mtliche damit begr\u00fcndete Annahmen wie die Negierung unfreiwilliger Arbeitslosigkeit und die Ablehnung staatlicher Eingriffe zur Stabilisierung der Nachfrage sind demnach schlicht unzutreffend.<\/p>\n<p>Ebenso wird klar, warum eine Volkswirtschaft \u00fcber die get\u00e4tigten Investitionen wachsen muss, um das vorhandene Besch\u00e4ftigungsvolumen zumindest halten zu k\u00f6nnen.<br \/>\nWird n\u00e4mlich nur so viel investiert, wie zur Schlie\u00dfung der Nachfragel\u00fccke notwendig ist, sorgen gerade die zur\u00fcckgehaltenen Ersparnisse der Verbraucher und Unternehmer f\u00fcr niedrigere Einkommen und sinkende Nachfrage mit entsprechenden Arbeitsplatzverlusten.    <\/p>\n<p>\u00dcber die H\u00f6he des Unternehmergewinns insgesamt f\u00fchrte Lautenbach aus:<\/p>\n<blockquote><p><b>Die bisherigen Ausf\u00fchrungen haben erwiesen, da\u00df die Gesamtmasse des Unternehmergewinnes jeweils eindeutig bestimmt wird positiv durch den Aufwand f\u00fcr Investitionen und den Eigenverbrauch der Unternehmer, negativ durch die Ersparnisse der Nichtunternehmer. Diese Beziehung wird verwirklicht durch den Preismechanismus.<\/b> Die Preise sind unter dem Einflu\u00df dieser gegens\u00e4tzlich wirkenden Faktoren so eingestellt, da\u00df der Unternehmergewinn in der angegebenen H\u00f6he als <a href=\"http:\/\/www.wirtschaftslexikon24.com\/d\/differentialgewinn\/differentialgewinn.htm\" title=\"Differentialgewinn - Wirtschaftslexikon\" target=\"_blank\">Differentialgewinn<\/a> erzielt wird.<\/p>\n<p><em>Lautenbach: Zins, Kredit und Produktion (1952), S. 32<\/em>\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Im <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/alternative-wirtschaftstheorie-die-zusammenhaenge-zwischen-investieren-und-sparen-teil-4\/\" title=\"Alternative Wirtschaftstheorie: Die Zusammenh\u00e4nge zwischen Investieren und Sparen \u2013 Teil 4\">vierten Beitrag<\/a> geht es weiter mit einer genaueren Darstellung des Zusammenhangs zwischen Investieren und Sparen und dessen Einflu\u00df auf die H\u00f6he des gesamtwirtschaftlichen Unternehmergewinns.<\/p>\n<p>Danach wird das bisher entwickelte Modell um die Auswirkungen des Zinses auf die Investitionen und das Besch\u00e4ftigungsvolumen erweitert.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den in den ersten beiden Beitr\u00e4gen (Teil 1, Teil 2) festgestellten Zusammenhang zwischen Unternehmergewinn, Investitionen und Besch\u00e4ftigung hatte Lautenbach in seinem Werk Zins, Kredit und Produktion mit zwei S\u00e4ulendiagrammen dargestellt. 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