{"id":12575,"date":"2013-12-22T12:56:03","date_gmt":"2013-12-22T11:56:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=12575"},"modified":"2020-03-17T08:16:09","modified_gmt":"2020-03-17T07:16:09","slug":"alternative-wirtschaftstheorie-unternehmergewinn-und-beschaeftigungsvolumen-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/alternative-wirtschaftstheorie-unternehmergewinn-und-beschaeftigungsvolumen-teil-2\/","title":{"rendered":"Alternative Wirtschaftstheorie &#8211; Teil 2: Unternehmergewinn und Besch\u00e4ftigungsvolumen &#8211; mathematische Formeln"},"content":{"rendered":"<p>Den <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/alternative-wirtschaftstheorie-unternehmergewinn-und-beschaeftigungsvolumen-teil-1\/\" title=\"Alternative Wirtschaftstheorie: Unternehmergewinn und Besch\u00e4ftigungsvolumen \u2013 Teil 1\">ersten Teil dieser Reihe<\/a> beendete ich mit der Feststellung, dass aufgrund der Unm\u00f6glichkeit, im Vorhinein das Gesamteinkommen der Unternehmer der H\u00f6he nach festzulegen, eine Aussteuerung der Volkswirtschaft auf einen Gleichgewichtspunkt undurchf\u00fchrbar sei.<\/p>\n<p>Diese Erkenntnisse hatte <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wilhelm_Lautenbach\" title=\"Wilhelm Lautenbach \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wilhelm Lautenbach<\/a> passend in einem nur scheinbar paradoxen Satz zusammengefa\u00dft: <\/p>\n<blockquote><p><b>Die Nachfrage der Unternehmer ist nicht eine Funktion ihres Einkommens, sondern umgekehrt, ihr Einkommen ist eine Funktion ihrer Nachfrage.<\/b><\/p>\n<p><em>Lautenbach: Zins, Kredit und Produktion (1952), S. 24<\/em>\n<\/p><\/blockquote>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Will man diesen Satz nun in mathematischer Form darstellen, wie das ja in den Modell-Annahmen der \u00d6konomie oft gemacht wird, so ben\u00f6tigen wir folgende Variablen:<\/p>\n<p>E<sub>U<\/sub> = das Unternehmereinkommen,<br \/>\nE<sub>N<\/sub> = das Einkommen der Nichtunternehmer (also aller anderen Wirtschaftssubjekte),<br \/>\nE = das volkswirtschaftliche Gesamteinkommen,<br \/>\nP = Wert des Sozialprodukts (BIP);<br \/>\nI = Wert der Investitionen (Gesamtheit aller in einer Periode hergestellten G\u00fcter, die nicht an die Verbraucher abgesetzt wurden)<br \/>\nS<sub>N<\/sub> = Ersparnis der Nichtunternehmer,<br \/>\nV<sub>N<\/sub> = Verbrauch der Nichtunternehmer,<br \/>\nV<sub>U<\/sub> = Verbrauch der Unternehmer,<br \/>\nV = Wert der von allen Verbrauchern &#8222;verbrauchten&#8220; Waren.<\/p>\n<p>So ergibt sich dann f\u00fcr eine geschlossene Volkswirtschaft logischerweise folgende Gleichung:<br \/>\n<center><\/p>\n<h4><em><b>E = E<sub>U<\/sub> + E<sub>N<\/sub> = P = I + V<\/b><\/em><\/h4>\n<p><\/center><\/p>\n<p>Da nun aber das Einkommen der Nichtunternehmer durch die H\u00f6he der L\u00f6hne und Geh\u00e4lter direkt mit der Produktion als gegeben betrachtet werden kann, w\u00e4hrend das Unternehmereinkommen dagegen erst am Markt festgelegt wird, also w\u00e4hrend der Produktion noch unbestimmt ist, so ist es sinnvoll, diese obige Gleichung nach E<sub>U<\/sub> aufzul\u00f6sen:<br \/>\n<center><\/p>\n<h4><em><b>E<sub>U<\/sub> = I + V + E<sub>N<\/sub> <\/b><\/em><\/h4>\n<p><\/center><br \/>\nDa das Einkommen der Nichtunternehmer gleich dem Sparen plus dem Verbrauch der Nichtunternehmer ist (also E<sub>N<\/sub> = S<sub>N<\/sub> + V<sub>N<\/sub>), k\u00f6nnen wir die Formel entsprechend erweitern:<br \/>\n<center><\/p>\n<h4><em><b>E<sub>U<\/sub> = I + V &#8211; S<sub>N<\/sub> &#8211;  V<sub>N<\/sub><\/b><\/em><\/h4>\n<p><\/center><br \/>\nLogischerweise ist der Verbrauch der Unternehmer gleich dem Gesamtverbrauch der Volkswirtschaft abz\u00fcglich dem Verbrauch der Nichtunternehmer (V -V<sub>N<\/sub> = V<sub>U<\/sub>).<\/p>\n<p>Also kann man die obige Gleichung verk\u00fcrzt auch so darstellen:<br \/>\n<center><\/p>\n<h4><em><b>E<sub>U<\/sub> = I + V<sub>U<\/sub>  &#8211; S<sub>N<\/sub> <\/b><\/em><\/h4>\n<p><\/center><\/p>\n<p><b>Das Einkommen der Unternehmer ist demnach gleich dem Wert der Investitionen plus Wert des Unternehmerverbrauchs minus der Ersparnisse der Nichtunternehmer.<\/b> <\/p>\n<p>Problematisch ist an dieser Formel allerdings noch die Festlegung der Ausdr\u00fccke <em>Wert<\/em> der Investition und <em>Wert<\/em> des Verbrauchs der Unternehmer, da ja diese Werte ebenso wie das Einkommen der Unternehmer erst durch die Preisbildung aufgrund der Gesamtnachfrage am Markt ermittelt werden k\u00f6nnen und demnach das gesuchte Ergebnis der Formel ebenso wie diese beiden Variablen in der Produktion selbst noch unbestimmt sind.<\/p>\n<p>Wandelt man die Formel allerdings leicht um, so ergibt sie aber wieder einen Sinn:<br \/>\nDas Einkommen der Unternehmer ist gleich dem <em>Aufwand<\/em> f\u00fcr Investitionen (einschl. Lagerzug\u00e4nge) + <em>Aufwand<\/em> f\u00fcr den Verbrauch (einschl. Entnahmen aus dem Betrieb) &#8211; Ersparnisse der Nichtunternehmer.<\/p>\n<p>Diese drei Gr\u00f6\u00dfen sind dann gleichrangig w\u00e4hrend der Produktion feststellbar und bestimmbar.    <\/p>\n<p>Damit bekommt diese Formel einen besonderen Wert f\u00fcr jede alternative Wirtschaftstheorie, sie deckt n\u00e4mlich einen Zusammenhang auf, der in der orthodoxen \u00d6konomie immer unber\u00fccksichtigt bleibt:<\/p>\n<blockquote><p><b>Der Aufwand f\u00fcr Investitionen bestimmt das Preisniveau der Konsumg\u00fcter und das Einkommen der Konsumgutproduzenten.<\/b><\/p>\n<p><em>Lautenbach: Zins, Kredit und Produktion (1952), S. 27<\/em>\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Das Einkommen der Unternehmer ist also um so h\u00f6her, je gr\u00f6\u00dfer der Aufwand f\u00fcr Investitionen ist und je gr\u00f6\u00dfer der Verbrauch der Unternehmer ist und je weniger die Nichtunternehmer sparen. <\/p>\n<p>Oder anders herum:<br \/>\nDie Auswirkungen des Sparens der Nichtunternehmer ohne erfolgreiche Investitionen und Verschuldung sind eine sinkende Nachfrage und entsprechende Kapazit\u00e4tsverringerungen der Unternehmen, die in der Folge zu Arbeitslosigkeit und damit zu weiterer Schw\u00e4chung der Nachfrage f\u00fchren. <\/p>\n<p>Damit verringern sich auch die Einkommen der Unternehmer, denen dann weniger Gewinn und letztlich auch weniger Mittel f\u00fcr Investitionen zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<p>Wohl gemerkt, dies gilt erst einmal f\u00fcr die geschlossene Volkswirtschaft. <\/p>\n<p>Lautenbach beschreib diesen Zusammenhang wiederum treffend:<\/p>\n<blockquote><p><b><br \/>\nDie Investitionen sind also praktisch die entscheidende Bedingung f\u00fcr die Realisierung des Unternehmergewinnes und sie bestimmen damit das Besch\u00e4ftigungsvolumen in der Wirtschaft bei gegebenen Produktionsbedingungen, d. h. bei gegebenen Angebotskurven der einzelnen Unternehmer f\u00fcr die einzelnen Produkte.<\/b><\/p>\n<p><em>Lautenbach: Zins, Kredit und Produktion (1952), S. 27<\/em>\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Weiter geht es in <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/alternative-wirtschaftstheorie-unternehmergewinn-und-beschaeftigungsvolumen-teil-3\/\" title=\"Alternative Wirtschaftstheorie - Teil 3: Unternehmereinkommen und Unternehmergewinn\">Teil 3<\/a> mit einer genaueren Darstellung des gesamtwirtschaftlichen Unternehmereinkommens und des Unternehmergewinns sowie deren Zusammenhang mit Investitionen und Besch\u00e4ftigung.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den ersten Teil dieser Reihe beendete ich mit der Feststellung, dass aufgrund der Unm\u00f6glichkeit, im Vorhinein das Gesamteinkommen der Unternehmer der H\u00f6he nach festzulegen, eine Aussteuerung der Volkswirtschaft auf einen Gleichgewichtspunkt undurchf\u00fchrbar sei. Diese Erkenntnisse hatte Wilhelm Lautenbach passend in<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[27,36,18],"class_list":["post-12575","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-oekonomie","tag-investition","tag-lautenbach","tag-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12575","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12575"}],"version-history":[{"count":41,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12575\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13569289,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12575\/revisions\/13569289"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12575"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12575"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12575"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}