{"id":1256808,"date":"2015-09-16T08:00:02","date_gmt":"2015-09-16T06:00:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=1256808"},"modified":"2026-03-13T08:00:25","modified_gmt":"2026-03-13T07:00:25","slug":"island-steckte-die-banker-ins-gefaengnis-anstatt-sie-zu-retten-und-es-funktionierte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/island-steckte-die-banker-ins-gefaengnis-anstatt-sie-zu-retten-und-es-funktionierte\/","title":{"rendered":"Island steckte die Banker ins Gef\u00e4ngnis anstatt sie zu retten &#8211; und es funktionierte"},"content":{"rendered":"<p>Anfang Juni k\u00fcndigte Islands Premierminister <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sigmundur_Dav%C3%AD%C3%B0_Gunnlaugsson\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Sigmundur Gunnlaugsson<\/a> <a href=\"http:\/\/www.theguardian.com\/world\/2015\/jun\/08\/iceland-to-lift-capital-controls-to-help-boost-economy\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">ein Vorhaben<\/a> an, mit dem sein Land im wesentlichen die B\u00fccher \u00fcber sein besonderes Herangehen an die Folgen der Finanzkrise schlie\u00dfen will &#8211; einem Ansatz, der stark von den Pr\u00e4ferenzen der globalen Finanzeliten abwich und dabei auch noch ganz gut gelang. <\/p>\n<p><Center><a title=\"Ausbruch eines Geysirs auf Island von Andreas Tille [GFDL (http:\/\/www.gnu.org\/copyleft\/fdl.html) or CC BY-SA 3.0 (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0)], via Wikimedia Commons\" href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3AStrokkur_geyser_eruption%2C_close-up_view.jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"412\" alt=\"Strokkur geyser eruption, close-up view\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/6\/63\/Strokkur_geyser_eruption%2C_close-up_view.jpg\"\/><\/a><br \/>\n<em> Ausbruch eines Geysirs auf Island<\/em><\/Center><\/p>\n<p>Anstatt der Orthodoxie von Bankenrettungen, <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Austerit%C3%A4t\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Austerit\u00e4t<\/a> und niedriger Inflation zu folgen, tat Island genau das Gegenteil. Und auch wenn seine Wirtschaft durch die Bankenkrise vielleicht h\u00e4rter als jede andere in der Welt getroffen wurde, erging es seinen Arbeitskr\u00e4ften nicht sehr viel schlechter, und es erlebte zudem einen eindrucksvollen Aufschwung.<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Wie gut? Nun, vergleichen wir die Entwicklung der isl\u00e4ndischen Arbeitslosenquote mit dem, was in Irland dem Mustersch\u00fcler der &#8222;Very Serious People&#8220; oder auch in den USA passierte:<\/p>\n<p><Center><iframe loading=\"lazy\" width=\"600\" height=\"325\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" src=\"https:\/\/www.google.com\/publicdata\/embed?ds=k3s92bru78li6_&amp;ctype=l&amp;strail=false&amp;bcs=d&amp;nselm=h&amp;met_y=lur&amp;scale_y=lin&amp;ind_y=false&amp;rdim=world&amp;idim=world:Earth&amp;idim=country:IS:US:IE&amp;ifdim=world&amp;tstart=1023422400000&amp;tend=1370577600000&amp;hl=en_US&amp;dl=en&amp;ind=false\"><\/iframe><\/center><\/p>\n<p>Wie hat Island das geschafft?<\/p>\n<p><b>Indem man die Banken pleite gehen lie\u00df<\/b><br \/>\nZun\u00e4chst einmal weigerte man sich, mit \u00f6ffentlichen Mitteln sicherzustellen, dass die Banken ihren verschiedenen Verpflichtungen nachkommen konnten, stattdessen lie\u00df Island die Finanzinstitute Bankrott gehen. F\u00fchrungskr\u00e4fte der wichtigsten Bank des Landes wurden als <a href=\"http:\/\/www.cnbc.com\/id\/102422785\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kriminelle angeklagt<\/a>.<\/p>\n<p><b>Und die &#8222;Sparpolitik&#8220; ablehnte<\/b><br \/>\nIsland wurde dennoch von einer sehr schweren Rezession getroffen, die die Staatsschulden im Verh\u00e4ltnis zum BIP hochschnellen lie\u00df. Aber auch nach mehreren Jahren der stetigen Verschuldungszunahme geriet die Regierung nicht in Panik. Sie priorisierte weiterhin die wirtschaftliche Erholung. Und als diese einsetzte und die Schuldenrate zu fallen begann, setzte die Regierung alles daran,  sie m\u00f6glichst sanft abzusenken.<\/p>\n<p><Center><iframe src='http:\/\/www.tradingeconomics.com\/embed\/?s=isldebt2gdp&#038;h=300&#038;w=600&#038;ref=\/iceland\/government-debt-to-gdp' height='300' width='600'  frameborder='0' scrolling='no'><\/iframe><\/center><\/p>\n<p><b>Abwerten und die Inflation akzeptieren<\/b><br \/>\nEs gibt nichts umsonst im Leben, und kein Land erholt sich von einer schweren Rezession, ohne dass einige Dinge schlecht laufen. Doch w\u00e4hrend die meisten Industriel\u00e4nder durch Jahre mit dr\u00fcckend hoher Arbeitslosigkeit gepaart mit super-niedriger Inflation gingen, tat Island das Gegenteil. Es lie\u00df den Wert seiner W\u00e4hrung fallen, was nat\u00fcrlich zu h\u00f6heren Preisen f\u00fchrte.<\/p>\n<p><Center><iframe src='http:\/\/www.tradingeconomics.com\/embed\/?s=iccpiyoy&#038;d1=20080101&#038;d2=20151231&#038;h=300&#038;w=600&#038;ref=\/iceland\/inflation-cpi' height='300' width='600'  frameborder='0' scrolling='no'><\/iframe><\/center><\/p>\n<p>Aber als Folge gewann die Exportindustrie des Landes schnell an Boden in den internationalen M\u00e4rkten. Die Arbeitslosigkeit stieg zuerst, doch nach einem H\u00f6hepunkt von bescheidenen 7,6 Prozent sank sie auf ein sehr niedriges Niveau. In den USA und Europa lag die Priorit\u00e4t stattdessen auf niedriger Inflation, um die Verm\u00f6genswerte der Reichen zu sch\u00fctzen. Island priorisiert dagegen den Erhalt von Arbeitspl\u00e4tzen, und es funktionierte.<\/p>\n<p><b>Vor\u00fcbergehende Kapitalverkehrskontrollen einf\u00fchren<\/b><br \/>\nAngesichts von Bankenpleiten und einer abst\u00fcrzenden W\u00e4hrung hielt es die Regierung f\u00fcr notwendig, eine zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahme zu verh\u00e4ngen &#8211; Kapitalverkehrskontrollen, mit denen die F\u00e4higkeit der isl\u00e4ndischen B\u00fcrger, ihr Geld aus dem Land zu bringen, eingeschr\u00e4nkt wurden. Diese stellen eigentlich eine schwere Verletzung des Glaubens an die freien M\u00e4rkte dar. Noch gravierender k\u00f6nnen aber ihre Folgen f\u00fcr das Leben der einfachen Menschen sein, zudem sind sie ein m\u00f6gliches Hindernis f\u00fcr die Gr\u00fcndung neuer Unternehmen. In einigen L\u00e4ndern wie Argentinien wurden Kapitalverkehrskontrollen zu einer Brutst\u00e4tte der Korruption und anderen Unfugs.<\/p>\n<p>Diese Gr\u00fcnde f\u00fchren oft dazu, dass viele Menschen glauben, egal wie gut heterodoxe Politiker auch wirtschaftlich arbeiten m\u00f6gen, sie schlie\u00dflich doch zum politischen Scheitern verurteilt sind.<\/p>\n<p>Island zeigt, dass das nicht der Fall sein muss. Diese Politik richtig anzuwenden ist schwierig, aber es kann geschafft werden. Und die Auswirkungen, wenn man alles auf den Kopf stellt, um das Richtige zu tun &#8211; die W\u00e4hrung massiv abwerten, dann imponierende Kapitalverkehrskontrollen einf\u00fchren, um den Niedergang in Grenzen zu halten, und schlie\u00dflich das Ende der Kontrollen, sobald sich die Wirtschaft erholt &#8211; k\u00f6nnen enorm sein. Island hat eine harte Zeit in den letzten sieben oder acht Jahre erlebt, aber vielen anderen L\u00e4ndern erging es auch nicht besser. Die Dinge sind dort nun auf dem Wege der Besserung, da die F\u00fchrer des Landes die Weisheit und den Mut hatten, die Elemente der selbstzufriedenen konventionellen Lehre, die sich anderswo als so sch\u00e4dlich erwiesen haben, zur\u00fcckzuweisen.<\/p>\n<p><em>(eigene \u00dcbersetzung eines <a href=\"http:\/\/www.vox.com\/2015\/6\/9\/8751267\/iceland-capital-controls\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Artikels<\/a> von <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Matthew_Yglesias\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Matthew Yglesias<\/a>)<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anfang Juni k\u00fcndigte Islands Premierminister Sigmundur Gunnlaugsson ein Vorhaben an, mit dem sein Land im wesentlichen die B\u00fccher \u00fcber sein besonderes Herangehen an die Folgen der Finanzkrise schlie\u00dfen will &#8211; einem Ansatz, der stark von den Pr\u00e4ferenzen der globalen Finanzeliten<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[47,34,27,32,29,18],"class_list":["post-1256808","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-oekonomie","tag-austeritaet","tag-inflation","tag-investition","tag-schulden","tag-sparen","tag-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1256808","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1256808"}],"version-history":[{"count":28,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1256808\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6272432,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1256808\/revisions\/6272432"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1256808"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1256808"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1256808"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}