{"id":1235410,"date":"2015-07-26T00:03:36","date_gmt":"2015-07-25T22:03:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=1235410"},"modified":"2016-09-21T07:05:42","modified_gmt":"2016-09-21T05:05:42","slug":"die-gesamtwirtschaftlichen-herausforderungen-an-die-gewerkschaften-teil-2-schutzwall-gegen-menschenunwuerdige-unterbietungskonkurrenz","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/die-gesamtwirtschaftlichen-herausforderungen-an-die-gewerkschaften-teil-2-schutzwall-gegen-menschenunwuerdige-unterbietungskonkurrenz\/","title":{"rendered":"Die gesamtwirtschaftlichen Herausforderungen an die Gewerkschaften &#8211; Teil 2: Schutzwall gegen menschenunw\u00fcrdige Unterbietungskonkurrenz"},"content":{"rendered":"<p>In <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/die-gesamtwirtschaftlichen-herausforderungen-an-die-gewerkschaften-teil-1-festlegung-der-lohnsaetze-und-arbeitszeiten\/\" target=\"_blank\">Teil 1<\/a> dieser Serie \u00fcber die volkswirtschaftlichen Aufgaben der Gewerkschaften identifizierten wir anhand des Buches <a href=\"http:\/\/books.google.de\/books\/about\/Marktpreis_und_Menschenw%C3%BCrde.html?id=TtAtSwAACAAJ&#038;redir_esc=y\" target=\"_blank\">&#8222;Marktpreis und Menschenw\u00fcrde&#8220;<\/a> von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wolfgang_St%C3%BCtzel\" target=\"_blank\">Wolfgang St\u00fctzel<\/a> die Beschr\u00e4nkung der Individualkonkurrenz der Arbeitnehmer untereinander als eine fundamentale Basis ihrer ordnungspolitischen Legitimation.   <\/p>\n<p><Center><a title=\"Verdi-Transparent gegen Sozialabbau vor dem N\u00fcrnberger Gewerkschaftshaus von Steffen Pr\u00f6\u00dfdorf (Eigenes Werk) [GFDL (http:\/\/www.gnu.org\/copyleft\/fdl.html) oder CC BY-SA 3.0 de (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/de\/deed.en)], via Wikimedia Commons\" href=\"http:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3AN%C3%BCrnberg_verdi_Stepro.jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"412\" alt=\"N\u00fcrnberg verdi Stepro\" src=\"\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/3\/37\/N%C3%BCrnberg_verdi_Stepro.jpg\/512px-N%C3%BCrnberg_verdi_Stepro.jpg\"\/><\/a><\/Center><\/p>\n<p>Sicherlich waren es zun\u00e4chst die Gesetzgeber, die mit entsprechenden Arbeitszeitregeln Schutzvorkehrungen gegen die Gnadenlosigkeit der unmenschlichen Unterbietungs- konkurrenz einrichteten. Doch nach der \u00c4chtung der M\u00f6glichkeiten zum Mehrangebot an Arbeitszeit blieb es den konkurrierenden Arbeitnehmern jedoch selbst \u00fcberlassen, etwas gegen die n\u00e4chste Eskalationsstufe bei der Vermeidung der Erwerbslosigkeit zu unternehmen.<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Diese n\u00e4chste &#8222;Waffe&#8220; war n\u00e4mlich nichts anderes als der Versuch, die anderen Arbeitnehmer durch die direkte Unterbietung der geforderten Lohnzahlung auszustechen. Doch dies f\u00fchrte dann sowohl die Besch\u00e4ftigten als auch die Unternehmen selbst direkt in die n\u00e4chste <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rationalit%C3%A4tenfalle\" target=\"_blank\">Rationalit\u00e4tenfalle<\/a>. <\/p>\n<p>Um nicht als Arbeitsloser zu enden, hatte nach der Arbeitszeitbeschr\u00e4nkung jeder Arbeitnehmer ja nur noch die M\u00f6glichkeit, freiwillig auch bereit zu sein, f\u00fcr einen etwas niedrigeren Stundensatz zu arbeiten. Und nahm dann ein Unternehmer viele solcher Dumpinglohn-Angebote gn\u00e4digerweise an, so blieb aufgrund dieser kosteng\u00fcnstigen Vorteile f\u00fcr den Faktor Arbeit in dessen Betrieb seinen Mitbewerbern, wenn sie nicht aus dem Felde geschlagen werden wollten, nicht anderes \u00fcbrig, als ihren eigenen Arbeitnehmern ebenso die M\u00f6glichkeit einzur\u00e4umen, f\u00fcr einen geringeren Lohn zu arbeiten, um damit auch die eigene Erwerbslosigkeit zu vermeiden. <\/p>\n<p>Unter Ber\u00fccksichtigung dieser Zusammenh\u00e4nge kam St\u00fctzel zu folgender &#8222;Zentralfunktion von Gewerkschaften in einer Marktwirtschaft&#8220;:<\/p>\n<blockquote><p><b> Sie \u00fcben als Arbeitsangebots-Preiskartelle die menschlich eminent wichtige Funktion aus, den Arbeitnehmern die M\u00f6glichkeit abzuschneiden, sich gegenseitig durch Lohnunterbietung in die Rationalit\u00e4tenfalle gnadenloser Verelendungskonkurrenz hineinzuman\u00f6vrieren.<\/b><\/p>\n<p>Dabei muss festgehalten werden, dass \u2014 anders als kraft vieler unpr\u00e4ziser Darstellungen dieser zentralen Gewerkschaftsfunktion vielfach vermutet wird \u2014 der eigentliche Gegner und prim\u00e4re Adressat des zentralen tarifvertraglichen lmperativs, nicht unter Tariflohn zu gehen, gar nicht die Unternehmer sind, sondern die jeweils \u00fcbrigen Arbeitnehmer. Ihnen soll die Waffe der Lohnunterbietung nicht mehr zu Gebote stehen.<\/p>\n<p><em>St\u00fctzel, Marktpreis und Menschenw\u00fcrde (1982), S. 80<\/em> <\/p><\/blockquote>\n<p>Automatisch sch\u00fctze dieses angebotsseitige &#8222;Preiskartell&#8220; der Arbeitnehmer auch die Unternehmer davor, ihrerseits ebenfalls &#8222;in den Teufelskreis einer auch f\u00fcr sie unangenehmen Rationalit\u00e4tenfalle zu geraten&#8220;. Die Gewerkschaften w\u00fcrden damit die Betriebe von dem Marktzwang befreien, im Konkurrenzkampf selbst mit unmenschlichen Ma\u00dfnahmen Druck auf die H\u00f6he der Stundenlohns\u00e4tze machen zu m\u00fcssen. <\/p>\n<p>St\u00fctzel schrieb weiter, &#8222;h\u00e4tten ja auch nur einige Unternehmer Zugang zu dieser Waffe, so m\u00fcssten die anderen, um zu \u00fcberleben, zur selben Waffe greifen. Genau das aber bleibt ihnen dank des gewerkschaftlichen Arbeitsangebots-Preiskartells erspart&#8220;. <\/p>\n<p>Der prim\u00e4re Adressat dieser zentralen Funktion der Gewerkschaften, der Verhinderung der Arbeit unter Tariflohn, seien dabei allerdings gar nicht die Unternehmen, sondern die jeweils anderen Arbeitnehmer. Sie sollen die &#8222;Waffe der Lohnunterbietung&#8220; nicht mehr einsetzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Zur Auswirkung auf die Unternehmen zitierte St\u00fctzel dazu G\u00fcnter Triesch, damals Leiter der Abteilung \u201eUnternehmerische Politik&#8220; im arbeitgebernahen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Institut_der_deutschen_Wirtschaft\" target=\"_blank\">Institut der deutschen Wirtschaft K\u00f6ln<\/a> mit den Worten:<\/p>\n<blockquote><p><b>Gleichartige Arbeits- und Entlohnungsbedingungen f\u00fcr eine Branche sichern auch die Unternehmen vor einer Konkurrenz zu Lasten der Arbeitnehmer.<\/b><\/p><\/blockquote>\n<p>Letztendlich stellte St\u00fctzel abschlie\u00dfend fest, dass er in dieser wichtigen Aufgabe keineswegs einen dogmatischen Gegensatz zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern in der Form des oft gepredigten Klassenkampfes erkennen k\u00f6nne, sondern im Kontrast dazu eine f\u00fcr beide Seite sehr n\u00fctzliche Einrichtung \u00e4hnlich einer &#8222;Friedensordnung&#8220; oder einer &#8222;Abr\u00fcstungsvereinbarung&#8220; sehe, die den &#8222;zul\u00e4ssigen Waffengebrauch&#8220; zum Vorteil beider Parteien entscheidend einschr\u00e4nke. <\/p>\n<p>Heute, drei\u00dfig Jahre sp\u00e4ter und nach dem Siegeszug des Neoliberalismus erscheinen solche damals durchaus ernstgemeinten Worte eines der FDP nahestehenden Volkswirtes sowie eines Interessenvertreters der Wirtschaft arg befremdlich, zeigen sie doch eindeutig, wie sehr sich das Verh\u00e4ltnis zwischen Gewerkschaften und Unternehmern ver\u00e4ndert hat.<\/p>\n<p>Weiter geht es in <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/die-gesamtwirtschaftlichen-herausforderungen-an-die-gewerkschaften-teil-3-haltepfloecke-von-papier-waehrungen-bei-freien-wechselkursen\/\" target=\"_blank\">Teil 3<\/a> mit einem heute nahezu vergessenen Thema, der Rolle der Gewerkschaften als <b>&#8222;Haltepfl\u00f6cke von Papier-W\u00e4hrungen bei freien Wechselkursen&#8220;<\/b>.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Teil 1 dieser Serie \u00fcber die volkswirtschaftlichen Aufgaben der Gewerkschaften identifizierten wir anhand des Buches &#8222;Marktpreis und Menschenw\u00fcrde&#8220; von Wolfgang St\u00fctzel die Beschr\u00e4nkung der Individualkonkurrenz der Arbeitnehmer untereinander als eine fundamentale Basis ihrer ordnungspolitischen Legitimation. 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