{"id":1179401,"date":"2015-06-19T07:56:46","date_gmt":"2015-06-19T05:56:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=1179401"},"modified":"2024-06-18T09:46:48","modified_gmt":"2024-06-18T07:46:48","slug":"bevor-sein-stern-aufging-adam-smith-die-ayr-bank-sein-unbekannter-rivale-und-das-verlorene-wissen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/bevor-sein-stern-aufging-adam-smith-die-ayr-bank-sein-unbekannter-rivale-und-das-verlorene-wissen\/","title":{"rendered":"Bevor sein Stern aufging &#8211; Adam Smith, die Ayr Bank, sein unbekannter Rivale und das verlorene Wissen"},"content":{"rendered":"<p>Douglas, Heron &#038; Company, im Volksmund als <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Ayr_Bank\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ayr Bank<\/a> bekannt, musste seine T\u00fcren aufgrund eines <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bank_Run\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Bank Runs<\/a> im <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Credit_crisis_of_1772\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Juni 1772<\/a> schlie\u00dfen. <\/p>\n<p><Center><a title=\"Royal Bank of Scotland St Andrew Sq. branch and former HQ by Simon Johnston [CC BY-SA 2.0 (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/2.0)], via Wikimedia Commons\" href=\"http:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3ARoyal_Bank_of_Scotland_-_geograph.org.uk_-_611815.jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"412\" alt=\"Royal Bank of Scotland - geograph.org.uk - 611815\" src=\"\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/0\/07\/Royal_Bank_of_Scotland_-_geograph.org.uk_-_611815.jpg\"\/><\/a><br \/>\n<em>Fr\u00fcheres Hauptquartier der Royal Bank of Scotland<\/em><\/Center><\/p>\n<p>Eine Handvoll lokaler Adliger und Gro\u00dfgrundbesitzer hatte sie ein paar Jahre zuvor gegr\u00fcndet, um Modernisierungen in der im S\u00fcdwesten Schottlands boomenden Leinenindustrie und im Tabakhandel finanzieren zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Allerdings waren sie dabei sehr leichtsinnig und t\u00f6richt bei der Kreditvergabe gewesen. Nachrichten, gem\u00e4\u00df denen der Agent der Bank in London sich mit Aktien der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Britische_Ostindien-Kompanie\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">East India Company<\/a> verspekuliert hatte und nach Europa geflohen war, l\u00f6sten einen Ansturm auf die Bank aus, der dar\u00fcber hinaus zu einer landesweiten Panik f\u00fchrte. <\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Das Scheitern der Ayr Bank drohte nicht nur das schottische Bankensystem, sondern auch die wichtigsten Teile der Wirtschaft von Schottland wie etwa die gro\u00dfen <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Carron_Company\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Carron-Eisenwerke<\/a> mit sich nach unten zu ziehen. Englische Kreditinstitute mussten ebenfalls schlie\u00dfen, und selbst die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bank_of_England\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Bank of England<\/a> lief offenbar Gefahr, ihre Goldreserven zu verlieren.<\/p>\n<p>Kaum 60 Jahre waren vergangen, seit die Parlamente von England und Schottland im Jahre <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Act_of_Union_1707\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">1707<\/a> unter der Monarchie des <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Haus_Stuart\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Hauses Stuart<\/a> zugestimmt hatten, das Vereinigte K\u00f6nigreich von Gro\u00dfbritannien zu bilden. <\/p>\n<p>Zu diesem Zeitpunkt neigte Schottland tendenziell dazu, seine ehrgeizigsten Banker ins Ausland zu senden &#8211; <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/John_Law\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">John Law<\/a> nach Paris, wo er die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mississippi-Kompanie\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Mississippi Company<\/a> gr\u00fcndete; <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/William_Paterson_(Kaufmann)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">William Patterson<\/a> nach London, wo er in den 1690er Jahren an Pl\u00e4nen f\u00fcr die Bank of England arbeitete und ein Organisator des <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dari%C3%A9n-Projekt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Darien-Projekts<\/a> wurde, eines verh\u00e4ngnisvollen Versuchs, in einem Sumpf auf der Landenge von Panama eine schottische Kolonie zu etablieren. <\/p>\n<p>Dank des Darien-Fiaskos vermieden schottische Banker die noch gr\u00f6\u00dferen Verluste, die London in der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/S%C3%BCdseeblase\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">South Sea Bubble<\/a> von 1720 erlitten hatte. Nun hatten die Banker gute Gr\u00fcnde, zu Hause zu bleiben, weil f\u00fcr Schottland der Eintritt in das englische Handelssystem nach vielen Jahren der Not die Hoffnung auf Wohlstand bedeutete. <\/p>\n<p>Ein gro\u00dfer Boom war in West-Schottland nach dem <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jakobiten#Der_Zweite_Jakobitenaufstand_.28the_Forty-Five.29\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">&#8222;Forty Five&#8220;<\/a> ausgebrochen, dem letzten Versuch, die katholische Stuart-Monarchie wiederherzustellen, die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Glorious_Revolution\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">1688 abgesetzt<\/a> worden war. Dieser endete damit, dass <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Charles_Edward_Stuart\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Bonnie Prince Charlie<\/a> seinen Marsch auf London in Derby aufgeben und schlie\u00dflich nach einer gro\u00dfen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schlacht_bei_Culloden\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Schlacht bei Culloden<\/a> im Nordwesten von Schottland in die Flucht geschlagen wurde. <\/p>\n<p>Glasgows Warenaustausch mit Nordamerika expandierte rasch, vor allem der Leinenexport- und Tabakimporthandel. Gewinne aus dem Sklavenhandel ergossen sich nach Gro\u00dfbritannien. Neue Ideen hingen in der Luft &#8211; f\u00fcr Kan\u00e4le, Stra\u00dfen und H\u00e4fen. Edinburgh schloss sich Amsterdam, Antwerpen, Hamburg, Stockholm und London als Finanzzentren an. Bis Mitte des Jahrhunderts waren schottischen Banken wahrscheinlich die innovativsten der Welt.<\/p>\n<p>Die erste schottische Bank au\u00dferhalb von Edinburgh er\u00f6ffnete 1749 in Aberdeen; in Glasgow etablierte sich die <a href=\"https:\/\/www.theglasgowstory.com\/image\/?inum=TGSB00078\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ship Bank<\/a> im n\u00e4chsten Jahr. Bald wurden neue Banken auch in Provinzst\u00e4dten gegr\u00fcndet &#8211; sechs allein 1763 in Perth. In Glasgow machten die Ship Bank, die Arms Bank und die <a href=\"https:\/\/archiveshub.jisc.ac.uk\/search\/archives\/42d14977-6d45-3961-803d-c92f3a5d97af\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Thistle Bank<\/a> Gebrauch von einer &#8222;freiwilligen Klausel&#8220;, nach der sie Zahlungen in Gold oder Silber nach eigenem Gutd\u00fcnken suspendieren konnten, wodurch sie nat\u00fcrlich wesentlich einfacher Kredite vergeben und eigene Banknoten ausgeben konnten. <\/p>\n<p>Die beiden \u00f6ffentlich-rechtlichen Banken, die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bank_of_Scotland\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Bank of Scotland<\/a> und die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Royal_Bank_of_Scotland\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Royal Bank of Scotland<\/a>, forderten daraufhin London zum rigorosen Durchgreifen auf, indem ihnen entweder eine Monopolstellung gew\u00e4hrt werden solle oder von den Privatbanken das Halten von Reserven verlangt w\u00fcrde. <\/p>\n<p>Die Regierung antwortete mit einer wohlklingenden Erkl\u00e4rung zur Lehre vom freien Banking, basierend auf der \u00dcberzeugung, dass das Banking ein Gesch\u00e4ft wie jedes andere sei: &#8222;Das Recht der Banken ist keine Frage der Bevorzugung der \u00f6ffentlichen Belange, sondern das generelle Recht eines jeden einzelnen Subjekts&#8220; (<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Adam_Smith\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Adam Smith<\/a>, ein Jugendfreund des zust\u00e4ndigen k\u00f6niglichen Kommissars, mag in dieser Sache angeh\u00f6rt worden sein, befand er sich zu dieser Zeit doch in London).<\/p>\n<p>Die Hinterm\u00e4nner der Ayr Bank verwirklichten daraufhin ihre Pl\u00e4ne. Ab dem Tag ihrer Er\u00f6ffnung im Jahre 1769 aber war die Kreditvergabe der Bank viel zu leichtsinnig. So gro\u00df war die Begeisterung f\u00fcr neue Unternehmen, dass ihre eigenen Gr\u00fcnder Kredite aufnahmen, noch bevor sie das versprochene Kapital \u00fcberhaupt eingezahlt hatten. <\/p>\n<p>Die beiden gro\u00dfen nationalen Banken nahmen ihre Kreditvergabe und Banknotenausgabe dagegen stark zur\u00fcck und gingen nicht in den Wettbewerb mit dem unbeschwerten Empork\u00f6mmling. Innerhalb von ein paar Jahren bildeten Ayrs Banknoten, also ihre Zahlungsversprechen, angeblich schon zwei Drittel der W\u00e4hrung des Landes. Trotzdem wurde der Empork\u00f6mmling sorgf\u00e4ltig von den Etablierten ignoriert.<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchjahr 1772 war der f\u00fcnfundzwanzigj\u00e4hrige Boom zu Ende. Die Gesch\u00e4fts- bedingungen wurden  immer ungewisser, Banknoten-Inhaber wollten daher lieber Silberm\u00fcnzen f\u00fcr ihre Papiere. Das Ger\u00fccht kam auf, dass die Ayr Bank 8 Prozent Zinsen und Provisionen f\u00fcr die Anlieferung des Silbers aus London zahlen musste, um die zahlreichen Anspr\u00fcche gegen sie erf\u00fcllen zu k\u00f6nnen. Im Mai waren umfangreiche Abschl\u00fcsse einer Londoner Bank mit Ayr gescheitert, ihr Inhaber floh nach Europa. Als diese Neuigkeiten Edinburgh erreichten, musste auch die Ayr Bank ihre Tore schlie\u00dfen. Schon bald befand sich der Rest von Schottlands Private-Banking-System ebenfalls in der Krise.<\/p>\n<p>Die Panik erreichte die Londoner Banken; die meisten von ihnen hielten zumindest eine paar Ayr-Papiere. Selbst die Bank of England galt als in einem gewissen Grade bedroht. <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/David_Hume\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">David Hume<\/a> schrieb zu dieser Zeit an seinen Freund Adam Smith \u00fcber die Krise:<\/p>\n<blockquote><p><b>&#8230;die kontinuierlichen Konkurse, der universale Kreditverlust, und der endlose Argwohn &#8230;. Auch die Bank of England ist nicht ganz frei von Verdacht. Diejenigen von Newcastle, Norwich und Bristol sollen gestoppt worden sein; die Thistle Bank, so wurde berichtet, sei im gleichen Zustand; die Carron Company taumelt, welches eine der gr\u00f6\u00dften Katastrophen des Ganzen ist; gab sie doch fast 10.000 Menschen Arbeit. Beeinflussen diese Ereignisse in irgendeiner Weise Deine Theorien?<\/b><\/p><\/blockquote>\n<p>Sie haben es in der Tat &#8211; immerhin lang genug, um die Ver\u00f6ffentlichung von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_Wohlstand_der_Nationen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">&#8222;Der Wohlstand der Nationen&#8220;<\/a> um einige Monate zu verz\u00f6gern. Adam Smith&#8216; Sch\u00fctzling, der junge <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Henry_Scott,_3._Duke_of_Buccleuch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Herzog von Buccleuch<\/a>, geh\u00f6rte auch zu den Gr\u00fcndern der Ayr Bank. Es ist zudem sehr wahrscheinlich, dass Smith selbst in London angeh\u00f6rt wurde, als das Parlament die Einw\u00e4nde der \u00f6ffentlich-rechtlichen Nationalbanken \u00fcberstimmte, um den freien Zutritt von Privatbanken in das Gesch\u00e4ft der Kreditvergabe  zu genehmigen.<\/p>\n<p>Buccleuch und Smith waren zwei Jahre auf Reisen in Frankreich und der Schweiz gewesen. Sie kehrten 1766 zur\u00fcck. Jetzt war der J\u00fcngling, f\u00fcr den Smith als Lehrer angestellt worden war, ernsthaft in Gefahr, die meisten oder sogar alle seine L\u00e4ndereien und Besitzt\u00fcmer zu verlieren. Und die schottische Wirtschaft litt unter den Auswirkungen eines gro\u00dfen Absturzes.<\/p>\n<p>Im Laufe der n\u00e4chsten Monate f\u00fcgte Smith seinem Werk mehrere Abs\u00e4tze \u00fcber die ausf\u00fchrlichen Diskussionen um Geld, Banking und Kredit hinzu, die er in Buch Zwei des &#8222;Wohlstands der Nationen&#8220; versteckte. Es entspr\u00e4che der Wahrheit, musste Smith zudem einr\u00e4umen, dass die Ayr Bank liberaler war als jede andere schottische Bank es jemals gewesen sei. &#8222;Das Design war gro\u00dfz\u00fcgig, aber die Ausf\u00fchrung war unvorsichtig, und die Ursachen f\u00fcr die Not, die es zu lindern galt wurden vielleicht nicht gut verstanden.&#8220; <\/p>\n<p>Ayrs Preisgabe habe es den gro\u00dfen nationalen Banken erm\u00f6glicht, den &#8222;fatalen Kreislauf&#8220; der Spekulation zu beenden, den seiner Ansicht nach die gro\u00dfen Banken selbst eingeleitet h\u00e4tten. Zumindest Ayr habe &#8222;gute&#8220; Darlehen vergeben; w\u00e4re sie dagegen von den Politikern betrieben worden, h\u00e4tte das Ergebnis noch schlimmer kommen k\u00f6nnen. So entstand eine grandiose Legende. <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Sydney_Checkland\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Sydney Checkland<\/a> von der <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/University_of_Glasgow\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">University of Glasgow<\/a> beschrieb diese Episode viele Jahre sp\u00e4ter als &#8222;eine an Gaunerei grenzende Naivit\u00e4t&#8220;. Die ausgel\u00f6ste Panik wurde damit recht erfolgreich unter den Teppich gekehrt.<\/p>\n<p>Hinter den Kulissen half Smith dagegen mit, eine staatliche Rettungsaktion seines G\u00f6nners und der anderen Aktion\u00e4re zu arrangieren, die auf gewaltigen Verlusten sitzengeblieben waren. Buccleuch und sein Freund, der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Charles_Douglas,_3._Duke_of_Queensberry\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Herzog von Queensbury<\/a> allein waren von der Bank of England auf \u00a3 300.000 verklagt worden, eine damals erstaunlich hohe Summe. Smith schrieb einem alten Freund im Parlament, der sich wie Hume nach der Krise erkundigte: &#8222;Ich habe selbst kein Interesse an den \u00f6ffentlichen Kalamit\u00e4ten, doch einige der Freunde, f\u00fcr die ich mich am meisten interessiere, sind deswegen tief besorgt; und meine Aufmerksamkeit wurde \u00fcberwiegend daf\u00fcr ben\u00f6tigt, die geeignetste Methode zu finden, sie davon zu befreien.&#8220; <\/p>\n<p>Der einzige Weg, auf dem sie hoffen konnten ihre Schulden ohne den Verkauf der meisten ihrer L\u00e4ndereien abzubauen, war die Aufnahme l\u00e4ngerfristiger Kredite durch die Ausgabe von Anleihen und Renten. Das w\u00e4re auf Dauer sehr teuer geworden, aber zu gegebener Zeit genehmigte das Parlament diese Ma\u00dfnahmen und garantierte die Schulden. So wurde Adam Smith der Autor einer historischen Bankenrettung. Sobald diese Anordnung in Kraft trat, wurde der junge Herzog 1774 als Gouverneur der Royal Bank of Scotland installiert, obwohl er die schottische Wirtschaft ein paar Jahre zuvor in die Luft gesprengt hatte. Erst 1832 wurden die letzten Verpflichtungen der Ayr-Banker vollst\u00e4ndig erlassen.<\/p>\n<p>Smiths Verachtung f\u00fcr einen Rivalen kann seine Ansichten entsprechend beeinflusst haben. Sir <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/James_Steuart_(economist)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">James Steuart<\/a> ist heute nahezu unbekannt, doch zu Smiths Zeiten war er eine prominente und umstrittene Figur, der Sekret\u00e4r von <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Charles_Edward_Stuart\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Prinz Charles<\/a>, dem Anw\u00e4rter auf den Thron, der den Aufstand 1745 anf\u00fchrte. Steuart verbrachte die n\u00e4chsten 20 Jahre mit Reisen in die Finanz-Hauptst\u00e4dte Europas; dabei entwickelte er ein gutes Gesp\u00fcr f\u00fcr die j\u00fcngsten Entwicklungen in den schnell wachsenden Volkswirtschaften in einem gro\u00dfen Bereich von Gro\u00dfbritannien bis Europa. Im Jahre 1767 hatte Steurt eine ehrgeizige Abhandlung, <a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/reference\/subject\/economics\/steuart\/index.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201eAn Enquiry into the Principles of Political Economy\u201c<\/a> (dt: Eine Untersuchung \u00fcber die Prinzipien der politischen \u00d6konomie) mit eher m\u00e4\u00dfigem Erfolg ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Steuart war nicht das, was Smith als merkantilistisch bezeichnet h\u00e4tte. Er war als Schotte zu umsichtig, um zu glauben, dass die Regierung den Handel richten sollte. Er war jedoch ein genauer Beobachter der Marktbedingungen, vor allem auf dem Kontinent. Im Grunde war er das, was wir heute einen Reformer nennen w\u00fcrden, ein Verfechter der staatlichen Interventionen der verschiedensten Arten, einschlie\u00dflich der Besch\u00e4ftigungspolitik, des Kinderschutzes in der Industrie und nat\u00fcrlich der Bankenaufsicht. <\/p>\n<p>Sein Buch enthielt als warnendes Beispiel eine detaillierte und allgemein mitf\u00fchlende Beschreibung des kometenhaften Aufstiegs und katastrophalen Zusammenbruchs der Bank von John Law in der ber\u00fchmten &#8222;Mississippi Bubble&#8220; von 1719. Nach Steuarts Ansicht w\u00e4re eine &#8222;Staatsmann&#8220;, also ein Regulierer erforderlich, um den Bankensektor zu \u00fcberwachen, um seine Struktur zu beaufsichtigen und sich mit den gelegentlichen Paniken zu befassen, die zwangsl\u00e4ufig entstanden, wenn Banker sich regelm\u00e4\u00dfig mitrei\u00dfen lie\u00dfen. <\/p>\n<p>Dazu aber bemerkte Hume privat zu Smith: &#8222;Die \u00dcberlegenheit, die England  derzeit gegen\u00fcber der ganzen Welt hat, w\u00e4re undenkbar ohne den Ausschluss der Politiker aus den exekutiven Teilen der kommerziellen Unternehmen.&#8220; Smith selbst schrieb einem Freund: &#8222;Ich habe die gleiche Meinung zu dem Buch von James Steuart wie du auch. Ohne es besonders zu erw\u00e4hnen, schmeichle ich mir selbst, indem jedes falsche Prinzip darin eine klare und deutliche Widerlegung von mir erhalten wird.&#8220; Smiths Ansicht wurde als das freie Banking bekannt &#8211; mit der Freiheit der Banken, eigene Papierw\u00e4hrungen herauszugeben, mit nicht mehr Regulierung als in anderen Branchen und ohne eine Staatsbank, die als <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lender_of_last_resort\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kreditgeber der letzten Instanz<\/a> dienen sollte.<\/p>\n<p>Der &#8222;Wohlstand der Nationen&#8220; erschien schlie\u00dflich unter erheblichem Beifall im Jahre 1776. Die Bedeutung dieser Leistung machte es sehr leicht, vorangegangene Peinlichkeiten zu \u00fcbersehen. Smiths Darstellung der Arbeitsteilung, die wir heute als Preissystem bezeichnen, wurde routinem\u00e4\u00dfig mit den Arbeiten von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Isaac_Newton\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Isaac Newton<\/a> verglichen. So wie Newton zum Meister der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Royal_Mint\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Royal Mint<\/a> gemacht wurde, sorgte jetzt der Herzog von Buccleuch f\u00fcr Smiths Ernennung zum obersten schottischen Zollkommissar. Er ist seitdem als der Begr\u00fcnder der modernen \u00d6konomie in Erinnerung geblieben. Steuarts Ruf litt dagegen sehr unter seiner geflissentlichen Ignorierung. Er starb vollkommen entmutigt im Jahre 1780.<\/p>\n<p>Und so wurde die Geschichte von der Ayr Bank vergessen &#8211; vergessen von allen au\u00dfer den Bankern. Sie verstanden den Schaden, den die eingegangenen Risiken gegen\u00fcber ihrem Wohlstand, der schottischen Wirtschaft und etwas weniger deutlich auch an einer sinnvollen Politik angerichtet hatten. Die M\u00f6glichkeiten der Zentralbank wurden dagegen ohne gr\u00f6\u00dferes Aufsehen (&#8222;ohne auch nur einmal zu erw\u00e4hnen, dass&#8230;&#8220;) aus dem Zust\u00e4ndigkeitsbereich der politischen \u00d6konomie generell ausgeschlossen. <\/p>\n<p>Die gegenteiligen Ansichten mussten sich nach und nach m\u00fchsam den Weg in das kollektive Ged\u00e4chtnis wieder zur\u00fcck erk\u00e4mpfen, zuerst in der Praxis, allm\u00e4hlich als historische Tatsache und schlie\u00dflich auch in der Theorie. Es dauerte bis 1962, bevor die Zentralbanken wieder in den Mittelpunkt dessen r\u00fcckten, was fortan als &#8222;Makro\u00f6konomie&#8220; bekannt wurde. <\/p>\n<p>Die beiden Essays, aus denen David Warsh die wichtigsten Fakten dieser Geschichte zusammensuchte &#8211; Douglas Vickers&#8216; &#8222;Adam Smith and the Status of the Theory of Money&#8220; sowie &#8222;Adam Smith and the Bankers&#8220; von <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Sydney_Checkland\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Sydney Checkland<\/a> &#8211; erschienen in einem Band von Essays zur Zweihundertjahrfeier von Adam Smith, herausgegeben von <a href=\"http:\/\/www.heraldscotland.com\/comment\/obituaries\/andrew-skinner.15985500\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Andrew Skinner<\/a>, damals Lektor f\u00fcr Wirtschaftswissenschaften an der Universit\u00e4t von Glasgow. Er wurde 1994 ihr Adam Smith Professor. <\/p>\n<p>Es war Skinner, der eine sechsb\u00e4ndige Ausgabe von Smiths Werken zur  Zweihundertjahrfeier in Druck brachte. Er w\u00e4re daher auch der letzte gewesen, der die Aufmerksamkeit von dem, was in den 1970er Jahren, einer Zeit der besonderen Pr\u00fcfungen f\u00fcr die Volkswirtschaftslehre, im wesentlichen als die Wiederentdeckung der Forschungsergebnisse eines gro\u00dfen \u00d6konomen galt, abgelenkt h\u00e4tte. <\/p>\n<p>Doch es war auch Skinner, der in einem Interview 1976 in New York Warsh vorschlug, die beiden B\u00e4nde \u00fcber Steuart, die er f\u00fcr die Scottish Economic Society herausgegeben hatte, g\u00fcnstig zu kaufen, bevor sie vergriffen w\u00e4ren. Was dieser auch tat. Die stattlichen B\u00e4nden verstaubten auf seinem Regal, bis ihn die Krise 2008 dazu veranlasste, auf Smiths Ansichten \u00fcber Bankenkrisen zur\u00fcckzugreifen. Dort fand er auch den von Skinner, Checkland und Vickers sorgf\u00e4ltig markierten Weg zur\u00fcck zu Steuart.<\/p>\n<p>Im Jahr 1982 schrieb Skinner \u00fcber Steuart im Scottish Journal of Political Economy als den &#8222;Autor eines Systems&#8220; und empfahl ihn aufgrund seiner &#8222;unverminderten Relevanz f\u00fcr die Ungereimtheiten, die sich aus einem Vergleich von zwei sehr unterschiedlichen Sichtweisen auf den Wirtschaftsprozess ergeben&#8220; parallel zu Smith zu studieren. (Skinner starb 2011 mit 76 Jahren). <\/p>\n<p>Die Geschichte der Ayr Bank ist in der heutigen Zeit wichtig, da sie ein Schlaglicht auf die Strategien wirft, die \u00d6konomen seit 1776 verfolgt haben, bevor sie dank Smith mit Scheuklappen ausgestattet wurden. Die Geschichte vom Niedergang des &#8222;ganz anderen&#8220; Blicks auf \u00f6konomische Prozesse des katholischen Steuart durch den evangelischen Smith ist wieder etwas anderes &#8211; aber so aktuell wie neulich die Schlagzeile auf der Titelseite der Sonntagsausgabe der New York Times: &#8222;Papst-Fokus auf die Armut belebt verschm\u00e4hte Theologie&#8220;<sup><a id=\"anker1\" title=\"Zur Erl\u00e4uterung\" href=\"#fn1\">[1]<\/a><\/sup>. <\/p>\n<p>Die gute Nachricht ist, dass <a href=\"http:\/\/www.stern.nyu.edu\/faculty\/bio\/richard-sylla\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Richard Sylla<\/a>, der seit kurzem im Ruhestand befindliche Henry Kaufman Professor f\u00fcr die Geschichte der Finanzinstitute und M\u00e4rkte an der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/New_York_University\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">New York University<\/a>, ein Buch \u00fcber Steuart zu schreiben plant. Die wichtigsten Unterschiede zwischen Smith und seinem Rivalen wurden von den \u00d6konomen f\u00fcr eine sehr lange Zeit \u00fcbersehen.<\/p>\n<p><em>(Eigene \u00dcbersetzung eines Essays<sup><a id=\"anker2\" title=\"Zur Erl\u00e4uterung\" href=\"#fn2\">[2]<\/a><\/sup> des Journalisten <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/David_Warsh\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">David Warsh<\/a>)<\/em><\/p>\n<ol>\n<li id=\"fn1\"><a href=\"#anker1\">[1]<\/a>Vgl. http:\/\/www.nytimes.com\/2015\/05\/24\/world\/europe\/popes-focus-on-poor-revives-scorned-theology.html (Zugriff 19.05.2015)<\/li>\n<li id=\"fn2\"><a href=\"#anker2\">[2]<\/a>Vgl. http:\/\/www.economicprincipals.com\/issues\/2015.05.31\/1747.html (Zugriff 19.05.2015)<\/li>\n<\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Douglas, Heron &#038; Company, im Volksmund als Ayr Bank bekannt, musste seine T\u00fcren aufgrund eines Bank Runs im Juni 1772 schlie\u00dfen. 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