{"id":11343286,"date":"2020-03-08T07:00:38","date_gmt":"2020-03-08T06:00:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=11343286"},"modified":"2026-03-26T10:38:00","modified_gmt":"2026-03-26T09:38:00","slug":"die-oekonomie-des-napoleonischen-frankreichs-bis-1815","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/die-oekonomie-des-napoleonischen-frankreichs-bis-1815\/","title":{"rendered":"Die \u00d6konomie des napoleonischen Frankreichs bis 1815"},"content":{"rendered":"<p>Obwohl <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Napoleon_Bonaparte\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Napoleon Bonaparte<\/a> zum Soldaten erzogen wurde, entwickelte er ein gutes Gesp\u00fcr f\u00fcr \u00f6konomische Realit\u00e4ten wie das Schicksal der Familien, den Unterbau der Kultur und die St\u00e4rken und Schw\u00e4chen eines Staates.  <\/p>\n<p><center><a title=\"Ernest Meissonier\n [Public domain], via Wikimedia Commons\" href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Meissonier_-_1814,_Campagne_de_France.jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"412\" alt=\"Meissonier - 1814, Campagne de France\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/5\/53\/Meissonier_-_1814%2C_Campagne_de_France.jpg\"><\/a><br \/>\n<em>Napoleon und sein Stab auf dem Marsch in der N\u00e4he von Soissons,<br \/>\nFrankreich 1814<\/em><\/center><\/p>\n<p>Im Allgemeinen stellte er sich trotz des Drangs zur Regulierung auf die Seite des freien Unternehmertums, der offenen Konkurrenz und des Privateigentums. Er widmete den sozialistischen Pl\u00e4nen von Charles Fourier und anderen f\u00fcr die gemeinschaftliche Produktion von G\u00fctern und die gerechte Verteilung des Produkts wenig Aufmerksamkeit. <\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Er war sich sicher, dass in jeder Gesellschaft die f\u00e4hige Minderheit bald die Mehrheit regieren und den gr\u00f6\u00dften Teil des Reichtums aufsaugen werde; \u00fcberdies k\u00f6nne die Inspiration eines kommunistischen Ideals nicht lange die Stelle der unterschiedlichen Belohnungen bei der Vers\u00f6hnung der Menschen mit der Arbeit einnehmen. In seltener Offenheit meinte er: \u201eEs ist der Hunger, der die Welt in Bewegung bringt.\u201c  <\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus ist gemeinschaftliches Eigentum eine st\u00e4ndige Versuchung zu Nachl\u00e4ssigkeit. \u201eW\u00e4hrend ein einzelner Eigent\u00fcmer, der ein pers\u00f6nliches Interesse an seinem Eigentum hat, immer hellwach ist und seine Pl\u00e4ne verwirklicht, ist das Gemeinschaftsinteresse von Natur aus schl\u00e4frig und unproduktiv, weil das individuelle Unternehmertum eine Frage des Instinkts und das Gemeinschaftsunternehmen eine Frage des \u00f6ffentlichen Geistes darstellt, was eher selten ist.\u201c <\/p>\n<p>Also \u00f6ffnete er allen Menschen alle T\u00fcren, Karrieren, unabh\u00e4ngig von ihrem Verm\u00f6gen oder Stammbaum; und bis zu den sp\u00e4teren Jahren seiner Herrschaft genoss Frankreich einen Wohlstand, der allen Klassen Frieden brachte; es gab keine Arbeitslosigkeit, keine politische Revolte. &#8222;Niemand ist daran interessiert, eine Regierung zu st\u00fcrzen, in der alle Verdienten besch\u00e4ftigt sind.&#8220;<\/p>\n<p>Bei Napoleon war es ein vorrangiges Prinzip, dass die \u201eauf einem guten Agrarsystem basierenden Staatsfinanzen niemals scheitern\u201c. Er \u00fcberwachte alles und lie\u00df nichts au\u00dfer Acht. Er sorgte daf\u00fcr, dass Schutzz\u00f6lle, eine zuverl\u00e4ssige Finanzierung und ein gepflegter Verkehr auf Stra\u00dfen und Kan\u00e4len gew\u00e4hrleistet waren und ermutigte die Bauern best\u00e4ndig zu arbeiten, Land zu kaufen, immer mehr davon zu kultivieren und seine Armeen mit robusten Jungen zu versorgen. <\/p>\n<p>Zu viele franz\u00f6sische Landwirte waren Teilhaber oder angeheuerte Landarbeiter, aber 1814 besa\u00dfen eine halbe Million von ihnen die Hektar, die sie beackerten. Eine in jenem Jahr in Frankreich reisende Engl\u00e4nderin beschrieb die Bauern als wohlhabend, was ihre Klasse in ganz Europa nicht kannte. Diese Ackerbauern betrachteten Napoleon als Garantie f\u00fcr ihre Eigentumsurkunden und blieben ihm treu selbst als ihr Land in Abwesenheit ihrer einberufenen S\u00f6hne schmachtete.<\/p>\n<p>Auch die Industrie stand bei Napoleon im Mittelpunkt des Interesses. Er machte es sich zum Ziel, Fabriken zu besuchen, Interesse an Prozessen und Produkten, an Handwerkern und Managern zu zeigen. Er strebte danach, die Wissenschaft in den Dienst der Industrie zu stellen. Er richtete Industrieausstellungen ein &#8211; 1801 im Louvre und 1806 unter riesigen Zelten auf dem Place des Invalides. Er organisierte die \u00c9cole des Arts et M\u00e9tiers und belohnte Erfinder und Wissenschaftler. Experimente mit Dampfantrieb wurden 1802 mit einem plumpen Motor auf einem Lastkahn in einem Kanal in der N\u00e4he von Paris durchgef\u00fchrt. Ihr Erfolg war nicht \u00fcberzeugend, aber sie spornten weitere Anstrengungen an. <\/p>\n<p>Im Jahr 1803 bot Robert Fulton einen Plan zur Anwendung von Dampfkraft f\u00fcr die Schifffahrt an; Napoleon \u00fcbergab es dem Institut National, wo es nach zweimonatigem Experiment als undurchf\u00fchrbar abgelehnt wurde. Die franz\u00f6sische Industrie entwickelte sich langsamer als die britische mit weniger M\u00e4rkten, weniger Kapital und weniger Maschinen. Joseph-Marie Jacquard stellte jedoch 1801 seinen neuen Webapparat aus; 1806 kaufte die franz\u00f6sische Regierung die Erfindung und vertrieb sie; die franz\u00f6sische Textilindustrie wurde daraufhin wettbewerbsf\u00e4hig gegen\u00fcber den Briten. <\/p>\n<p>Die Seidenindustrie in Lyon, die 1800 3.500 Webst\u00fchle besa\u00df, besch\u00e4ftigte 1808 10.720 Arbeiter; und 1810 arbeiteten schon elftausend Besch\u00e4ftigte f\u00fcr einen einzigen Textilunternehmer in seinen Fabriken. W\u00e4hrenddessen sahen sich franz\u00f6sische Chemiker weiterhin mit dem britischen Boykott von Zucker, Baumwolle und Indigo konfrontiert, sie machten Zucker aus Roter Bete, Farbstoffe aus F\u00e4rberwaid und Leinen, welches der Baumwolle \u00fcberlegen war, und verwandelten Kartoffeln in Brandy.<\/p>\n<p>Napoleon half der franz\u00f6sischen Industrie mit Schutzz\u00f6llen und der Kontinentalblockade, \u00fcberwand finanzielle Schwierigkeiten mit Krediten zu g\u00fcnstigen Konditionen, erschloss in seinem expandierenden Reich neue M\u00e4rkte f\u00fcr franz\u00f6sische Produkte und nahm durch umfangreiche \u00f6ffentliche Arbeiten jede Besch\u00e4ftigungsl\u00fccke auf. <\/p>\n<p>Einige davon waren Denkm\u00e4ler f\u00fcr den Ruhm Napoleons und seiner Armeen, wie die Vend\u00f4me-S\u00e4ule, die Madeleine und die Triumphb\u00f6gen von Carrousel und de l&#8217;\u00c9toile; einige waren milit\u00e4rische Befestigungen oder Einrichtungen, wie die Festung, der Deich und der Hafen von Cherbourg; einige waren Gebrauchsgegenst\u00e4nde, die k\u00fcnstlerisch entworfen wurden, wie die B\u00f6rse, die Bank von Frankreich, das Generalpostamt, das Th\u00e9\u00e2tre de l\u2019Od\u00e9on, sogar die Halles des Bl\u00e9s oder des Vins &#8211; die stattlichen Handelsh\u00e4user f\u00fcr Mais oder Wein (1811). <\/p>\n<p>Einige waren Beihilfen f\u00fcr die Landwirtschaft, wie die Entw\u00e4sserung von S\u00fcmpfen; andere f\u00fcr den Transport und den Handel. Dazu geh\u00f6rten die Er\u00f6ffnung neuer Stra\u00dfen in Paris, wie der Rues de Rivoli, der Castiglione, der Paix und zwei Meilen von Quais, wie der Quai d&#8217;Orsay entlang der Seine; wichtiger aber war, dass es in Frankreich 53.000 km neue Stra\u00dfen und unz\u00e4hlige Br\u00fccken gab, darunter die Ponts d&#8217;Austerlitz und d&#8217;I\u00e9na in Paris; die Vertiefung der Flussbetten und die Erweiterung des pr\u00e4chtigen franz\u00f6sischen Kanalsystems. Wichtige Kan\u00e4le wurden gegraben, um Paris mit Lyon und Lyon mit Stra\u00dfburg und Bordeaux zu verbinden. Napoleon st\u00fcrzte, bevor zwei andere Systeme fertiggestellt werden konnten: Kan\u00e4le, die den Rhein mit der Donau und der Rhone verbinden, und Venedig mit Genua.<\/p>\n<p>Die Arbeiter, die die Kan\u00e4le ausbauten, die Triumphb\u00f6gen errichteten und die Fabriken bemannten durften allerdings nicht streiken oder Gewerkschaften gr\u00fcnden, um bessere Arbeitsbedingungen oder h\u00f6here L\u00f6hne zu erzielen. Die Regierung Napoleons sorgte jedoch daf\u00fcr, dass die L\u00f6hne mit den Preisen Schritt hielten, dass die B\u00e4cker, Metzger und andere Hersteller staatlich reguliert wurden und dass &#8211; insbesondere in Paris &#8211; die Lebensgrundlagen reichlich vorhanden sein sollten. Bis zu den letzten Jahren der Herrschaft Napoleons stiegen die L\u00f6hne schneller als die Preise, und das Proletariat, das bescheiden am allgemeinen Wohlstand teilnahm und stolz auf Napoleons Siege war, wurde patriotischer als die Bourgeoisie. Es gab b\u00fcrgerlichen Liberalen die Freiheit predigten kaum Geh\u00f6r.<\/p>\n<p>Trotzdem gab es Quellen und Stimmen der Unzufriedenheit. Als das freie Unternehmertum die Schlaueren zunehmend bereicherte, erkannten einige M\u00e4nner, dass die Gleichheit unter der Freiheit schwand und eine Laissez-Faire-Regierung die Konzentration des Reichtums zulie\u00df, um so die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung von den Fr\u00fcchten der Erfindung und den Gnaden der Zivilisation auszuschlie\u00dfen. <\/p>\n<p>Im Jahr 1808 ver\u00f6ffentlichte Fran\u00e7ois-Marie Fourier seine Th\u00e9orie des quatre mouvements et des destin\u00e9es g\u00e9n\u00e9rales &#8211; den ersten Klassiker des utopischen Sozialismus. Er schlug vor, dass diejenigen, die mit der bestehenden Organisation der Industrie unzufrieden waren, sich zu Genossenschaften (Phalangen) zusammenschlie\u00dfen sollten, die jeweils aus etwa vierhundert Familien bestehen und in einer Phalansterie oder einem gemeinsamen Geb\u00e4ude zusammenlebten. <\/p>\n<p>Alle Mitglieder sollten einen Teil des Arbeitstages in der Landwirtschaft verbringen (kollektiv organisiert), einen Teil in der h\u00e4uslichen Industrie oder in der Gruppen-industrie, einen Teil in Freizeitaktivit\u00e4ten oder kulturellen Besch\u00e4ftigungen, so dass jeder Einzelne eine Vielzahl von Aufgaben ausf\u00fchren und gelegentlich seinen Beruf wechseln konnte; und dass jeder Einzelne gleicherma\u00dfen an den Produkten oder Gewinnen der Phalanx teilhaben sollte. <\/p>\n<p>Jede Phalanx sollte zudem ein Gemeindezentrum, eine Schule, eine Bibliothek, ein Hotel und eine Bank haben. Dieser Plan inspirierte Idealisten in beiden Hemisph\u00e4ren, und Brook Farm in der N\u00e4he von Boston war nur eine von mehreren utopischen Gemeinschaften, die jedoch bald vom nat\u00fcrlichen Individualismus der Menschen zerschlagen wurden.<\/p>\n<p>Napoleon selbst mochte den Kapitalismus nicht sehr. Er nannte die Amerikaner &#8222;blo\u00dfe Kaufleute&#8220;, die &#8222;ihre ganze Ehre in das Geldverdienen stecken&#8220;. Er f\u00f6rderte den franz\u00f6sischen Handel durch die Vermehrung und Aufrechterhaltung aller Verkehrs- und Handelswege sowie durch die Versorgung und Best\u00e4ndigkeit des Geldes, aber er entmutigte ihn auch durch die tausend und eine Verordnung zur Kontinentalblockade. Schlie\u00dflich gab er Beschwerden nach und erteilte (1810\u201311) Lizenzen f\u00fcr den Export bestimmter Waren nach Gro\u00dfbritannien sowie f\u00fcr den Import von Zucker, Kaffee und anderen ausl\u00e4ndischen Produkten. <\/p>\n<p>Diese Lizenzen wurden von ihm in Rechnung gestellt, und eine Menge G\u00fcnstlings-wirtschaft und Korruption gingen in ihrer Ausgabe auf. Kleinunternehmer schnitten in Frankreich besser ab als Gro\u00dfh\u00e4ndler, w\u00e4hrend die Industrie wuchs. Die Gesch\u00e4fte waren mit franz\u00f6sischen G\u00fctern gut gest\u00fcckt, da Landwirtschaft, Industrie und Verkehr zunahmen und frequentierte Stra\u00dfen erbl\u00fchten voller bunter Boutiquen; aber die gro\u00dfen Hafenst\u00e4dte &#8211; Marseille, Bordeaux, Nantes, Le Havre, Antwerpen und Amsterdam &#8211; waren im Verfall begriffen und die Kaufleute wandten sich gegen Napoleon und seine Blockade.<\/p>\n<p>Sein gr\u00f6\u00dfter Erfolg als Administrator stellte sich im Finanzbereich ein. Seltsamerweise brachten seine Kriege bis 1812 in der Regel mehr ein, als sie kosteten; er legte seinen Feinden die Verantwortung f\u00fcr die Kriegshandlungen auf; und als er sie besiegte, verlangte er hohe Strafen &#8211; und Alte Meister &#8211; f\u00fcr diese Lektionen. Einen Teil dieser Gewinne behielt er als au\u00dfergew\u00f6hnlicher Herrscher unter seiner pers\u00f6nlichen Kontrolle. Er prahlte 1811 mit 300 Millionen Goldfranken in den Verlie\u00dfen der Tuileries. <\/p>\n<p>Er nutzte diesen Fonds, um die Schulden im Finanzministerium zu lindern, gef\u00e4hrliche Wendungen an der B\u00f6rse zu korrigieren, \u00f6ffentliche Arbeiten oder st\u00e4dtische Verbesserungen zu finanzieren und besondere Dienste zu belohnen sowie K\u00fcnstler und Schriftsteller zu unterst\u00fctzen, angeschlagene Industrien zu retten, einen Freund oder einen Feind zu bestechen und f\u00fcr seine Geheimpolizei zu bezahlen. Es blieb genug \u00fcbrig, um sich auf den n\u00e4chsten Krieg vorzubereiten und die Steuern weit unter ihrem Niveau von Ludwig XVI. oder w\u00e4hrend der Revolution zu halten.<\/p>\n<p>&#8222;Vor 1789 zahlte der b\u00e4uerliche Eigent\u00fcmer bei einem Nettoeinkommen von 100 Franken 14 an den F\u00fcrsten, 14 an den Klerus, 53 an den Staat und behielt nur 18 oder 19 f\u00fcr sich. Nach 1800 zahlte er nichts von seinen 100 Franken Einkommen an den F\u00fcrsten oder den Klerus; er zahlte wenig f\u00fcr den Staat, nur 25 Franken f\u00fcr die Gemeinde und das Departement und beh\u00e4lt 70 f\u00fcr seine Tasche.\u201c Vor 1789 hatte der Arbeiter zwischen zwanzig und neununddrei\u00dfig Arbeitstage pro Jahr gearbeitet, um seine Steuern zu bezahlen; nach 1800 nur noch sechs bis neunzehn Tage. <\/p>\n<p>\u201eDurch die fast vollst\u00e4ndige Befreiung [von Steuern] derjenigen, die kein Eigentum haben, liegt die Last der direkten Steuern fast ausschlie\u00dflich bei denen, die Eigentum haben.\u201c Es gab jedoch viele \u201e\u00e4u\u00dferst moderate\u201c indirekte Steuern oder Verkaufssteuern, die bei allen Personen gleich anfielen und daher f\u00fcr die Armen schwerer wogen als f\u00fcr die Reichen. Gegen Ende des kaiserlichen Regimes \u00fcbertrafen die Kosten des Krieges seine Renditen bei weitem; Steuern und Preise stiegen, und die \u00f6ffentliche Unzufriedenheit breitete sich aus.<\/p>\n<p>Eine Finanzkrise im Jahr 1805 veranlasste Napoleon, die Bank von Frankreich, die 1800 unter privater Leitung gegr\u00fcndet worden war neu zu organisieren. W\u00e4hrend er in Marengo um sein politisches \u00dcberleben k\u00e4mpfte, sicherte sich eine Gruppe von Spekulanten unter der F\u00fchrung von Gabriel-Julien Ouvrard die Kontrolle \u00fcber die Versorgung der Armee. <\/p>\n<p>Sie stie\u00dfen auf Schwierigkeiten und baten die Bank um einen betr\u00e4chtlichen Kredit. Um dieses Geld aufzubringen, gab die Bank mit Erlaubnis des Finanzministeriums ihre eigenen Schuldverschreibungen als gesetzliche W\u00e4hrung aus. Diese gewannen aber keine Akzeptanz bei Finanztransaktionen und fielen auf neunzig Prozent ihres Nennwerts; das Unternehmen und die Bank standen vor dem Bankrott. <\/p>\n<p>Bei seiner R\u00fcckkehr nach Paris rettete Napoleon die Bank mit einem Teil der von \u00d6sterreich erhaltenen Entsch\u00e4digungen, bestand jedoch darauf, dass sie fortan \u201eunter staatlicher Kontrolle, aber nicht zu sehr\u201c stehe. Am 22. April 1806 unterstellte er sie einem Gouverneur und zwei von der Regierung ernannte Vize-Gouverneure sowie f\u00fcnfzehn von den Aktion\u00e4ren gew\u00e4hlte Regenten. <\/p>\n<p>Diese neue Banque de France er\u00f6ffnete Niederlassungen in Lyon, Rouen und Lille und begann eine lange Karriere im Dienste der franz\u00f6sischen Wirtschaft und des Staates. Die Regierung besitzt nach wie vor nur eine Minderheit der Anteile der Bank.<\/p>\n<p>Napoleon hatte wenig Respekt vor den M\u00e4nnern, die Vorr\u00e4te an seine Armee und seine Ministerien verkauften. Er hielt es f\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich, dass jeder Auftragnehmer seine Rechnungen auff\u00fcllte und dass einige von ihnen minderwertiges Material zu erstklassigen Preisen anboten. <\/p>\n<p>Er wies seine Beauftragten an, alle ihnen vorgelegten Rechnungen genau zu pr\u00fcfen, und manchmal tat er dies selbst. &#8222;Alle Bauunternehmer&#8220;, sagte er zu Bourrienne, &#8222;alle Provisionsagenten sind Schurken. Sie besitzen Millionen, w\u00e4lzen sich in frechem Luxus, w\u00e4hrend meine Soldaten weder Brot noch Schuhe haben. Davon will ich nichts mehr sehen!\u201c <\/p>\n<p>1809 erhielt er in Wien Beschwerden wegen mangelhafter Kleidung und Ausr\u00fcstung, die an seine Armee verkauft worden waren; er ordnete eine Untersuchung an, aus der hervorging, dass die Auftragnehmer bei diesen Verk\u00e4ufen \u00fcberm\u00e4\u00dfige Gewinne erzielt hatten. Er ordnete ein Kriegsgericht an, welches die Unterschlagenden zum Tode verurteilte. Jeder Einfluss wurde geltend gemacht, um sie zu retten, aber Napoleon verweigerte die Begnadigung und das Urteil wurde vollstreckt.<\/p>\n<p>Im Gro\u00dfen und Ganzen, wie selbst feindliche Kritiker zustimmen mussten, bescherten die ersten dreizehn Jahre Napoleons Frankreich den gr\u00f6\u00dften Wohlstand, den es je erlebt hatte. Als Las Cases, ein betitelter und verziehener Emigrant, 1805 von einer Tournee durch sechzig Departements zur\u00fcckkehrte, berichtete er, dass \u201eFrankreich zu keinem Zeitpunkt seiner Geschichte m\u00e4chtiger, bl\u00fchender, besser regierter und gl\u00fccklicher erschien.\u201c <\/p>\n<p>1813 behauptete der Graf de Montalivet, Innenminister, dieser anhaltende Wohlstand sei auf die Unterdr\u00fcckung von Feudalismus, Titeln, Leibeigenschaft und M\u00f6nchsorden zur\u00fcckzuf\u00fchren; zugunsten einer gleichm\u00e4\u00dfigeren Verteilung des Reichtums, f\u00fcr die Klarheit und Vereinfachung der Gesetze.\u201c <\/p>\n<p>Im Jahr 1800 lebten in Frankreich etwa 28 Millionen Menschen. 1813 waren es 30 Millionen. Es scheint keine \u00fcberraschende Erkenntnis zu sein, aber wenn die gleiche Wachstumsrate (auch ohne Aufschl\u00e4ge) bis 1870 andauerte, h\u00e4tte Napoleons Neffe 50 Millionen M\u00e4nner gehabt, um sich der Herausforderung von Bismarcks Deutschland zu stellen.<\/p>\n<p><em>(Eigene \u00dcbersetzung eines <a href=\"https:\/\/erenow.net\/modern\/the-age-of-napoleon-a-history-of-european-civilization-from-1789-1815\/63.php\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Beitrages<\/a> von <a href=\"https:\/\/erenow.net\/\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Erenow.net<\/a>)<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Obwohl Napoleon Bonaparte zum Soldaten erzogen wurde, entwickelte er ein gutes Gesp\u00fcr f\u00fcr \u00f6konomische Realit\u00e4ten wie das Schicksal der Familien, den Unterbau der Kultur und die St\u00e4rken und Schw\u00e4chen eines Staates. 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