{"id":10829362,"date":"2019-05-06T07:01:08","date_gmt":"2019-05-06T05:01:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=10829362"},"modified":"2026-03-25T11:30:56","modified_gmt":"2026-03-25T10:30:56","slug":"vorhang-auf-fuer-das-lange-zwanzigste-jahrhundert-handel-und-empire","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/vorhang-auf-fuer-das-lange-zwanzigste-jahrhundert-handel-und-empire\/","title":{"rendered":"Vorhang auf f\u00fcr das Lange Zwanzigste Jahrhundert &#8211; Handel und Empire"},"content":{"rendered":"<p>Inwieweit die Seestreitkr\u00e4fte und Handelsflotten der gro\u00dfen europ\u00e4ischen Seem\u00e4chte und Imperien im 16., 17. und 18. Jahrhundert die industrielle Entwicklung Westeuropas pr\u00e4gten, war immer eines der am heftigsten diskutierten und letztlich ungekl\u00e4rten Themen der Wirtschaftsgeschichte. <\/p>\n<p><center><a title=\"British Library\n [CC0], via Wikimedia Commons\" href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:The_Mill_Yard_-_Ten_Views_in_the_Island_of_Antigua_(1823),_plate_V_-_BL.jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"412\" alt=\"The Mill Yard - Ten Views in the Island of Antigua (1823), plate V - BL\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/0\/01\/The_Mill_Yard_-_Ten_Views_in_the_Island_of_Antigua_%281823%29%2C_plate_V_-_BL.jpg\"><\/a><br \/>\n<em>Zuckerplantage in der britischen Kolonie Antigua, 1823<\/em><\/center><\/p>\n<p>Diese europ\u00e4ische Expansion im 16., 17. und 18. Jahrhundert stellte jedoch eine Katastrophe f\u00fcr die Regionen Westafrikas dar, in denen der Sklavenhandel seinen Ursprung hatte; f\u00fcr die Indianer der Karibik; f\u00fcr die Azteken und die Inkas, die H\u00fcgelbauer des Mississippi-Tales; und f\u00fcr die F\u00fcrsten von Bengalen und andere, die in den Nachfolgekriegen um die Gewinne des indischen Moghul-Imperiums mit der Britischen Ostindien-Kompanie konkurrierten &#8211; das ist hingegen nicht umstritten.<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Aber wie stark haben vorindustrieller Handel sowie Raub und Diebstahl die europ\u00e4ische Entwicklung beeinflusst? Dies erscheint bei weitem nicht so klar ersichtlich. <\/p>\n<p>Es ist indes eindeutig, dass bereits am Ende des 18. Jahrhunderts und in der ersten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts nicht der Handel mit Luxusg\u00fctern, sondern der mit Grund-nahrungsmitteln begann, die Geschichte tiefgreifend zu \u00e4ndern. Zum ersten Mal war der transozeanische Handel nicht nur f\u00fcr eine herrschende Elite von Bedeutung, sondern f\u00fcr die gesamte Wirtschaft. <\/p>\n<p>Der Export von Baumwolle aus dem amerikanischen S\u00fcden hatte enorm an Bedeutung gewonnen. Ohne den Appetit der britischen und neu-englischen Fabriken nach Baumwolle und der M\u00f6glichkeit, ihnen diesen Rohstoff billig zu liefern, w\u00e4ren die Sklaven des amerikanischen S\u00fcdens im Jahr 1860 genau das gewesen, was sie f\u00fcr George Washington in den 1790er Jahren bedeuteten: rund ein Viertel seines Verm\u00f6gens, das er zudem bereit war zumindest nach seinem Tod frei zu lassen, weil es als das Richtige angesehen wurde. F\u00fcr Jefferson Davis dagegen machte nicht der Landbesitz sondern seine Sklaven drei Viertel seines Verm\u00f6gens aus &#8211; und somit kam dann unvermeidlich der US-amerikanische B\u00fcrgerkrieg von 1861 bis 1865.<\/p>\n<p>Die Baumwolle des fr\u00fchen 19. Jahrhunderts erwies sich als Nachfolger dessen, was der Zucker f\u00fcr das sp\u00e4te 18. Jahrhundert dargestellt hatte. Der Export von Zucker von den karibischen Inseln und aus Lateinamerika (ebenso wie auch Tabak, Tee, Kaffee, Schokolade usw.) bedeutete, dass die europ\u00e4ische Landwirtschaft nicht ann\u00e4hernd so viel Flachs anbauen oder so viel Wolle aufbringen oder so viele Kalorien wie n\u00f6tig produzieren musste. Dies verschaffte der britischen Wirtschaft einen zus\u00e4tzlichen Vorteil: als wenn es einen zus\u00e4tzlichen Geisterarbeiter g\u00e4be, der nicht wie seine realen Kollegen zus\u00e4tzlich ern\u00e4hrt oder bezahlt werden musste.<\/p>\n<p>Aus der Sicht der Zeit von 1870 war dies ein wichtiger Punkt f\u00fcr die erweiterte inter-kontinentale Arbeitsteilung und die daraus resultierende h\u00f6here Produktivit\u00e4t in Europa.<\/p>\n<p><em>(Eigene \u00dcbersetzung eines Blogbeitrages des amerikanischen \u00d6konomen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/J._Bradford_DeLong\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Bradford DeLong<\/a>)<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Inwieweit die Seestreitkr\u00e4fte und Handelsflotten der gro\u00dfen europ\u00e4ischen Seem\u00e4chte und Imperien im 16., 17. und 18. 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