{"id":104752,"date":"2014-08-13T07:24:56","date_gmt":"2014-08-13T05:24:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=104752"},"modified":"2021-01-06T08:23:47","modified_gmt":"2021-01-06T07:23:47","slug":"erkenntnisse-durch-die-berechnung-von-arbeitsvolumen-und-vollzeitaequivalenten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/erkenntnisse-durch-die-berechnung-von-arbeitsvolumen-und-vollzeitaequivalenten\/","title":{"rendered":"Erkenntnisse durch die Berechnung von Arbeitsvolumen und Vollzeit\u00e4quivalenten"},"content":{"rendered":"<p>Eine Grundlage des sogenannten deutschen &#8222;Jobwunders&#8220; ist die Wahrnehmung von Arbeitsmarktdaten in der Form von Kopfzahlen der Erwerbst\u00e4tigen sowie der Erwerbs- und Arbeitslosen. Bei dieser Art der Datenerfassung geht es vor allem um Indikatoren, bei denen jede einzelne betroffene Person gleich gez\u00e4hlt wird.<\/p>\n<p><center><a href=\"http:\/\/www.sozialpolitik-aktuell.de\/files\/sozialpolitik-aktuell\/_Politikfelder\/Arbeitsmarkt\/Datensammlung\/Vorschau-Dateien\/abbIV4.png\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.sozialpolitik-aktuell.de\/files\/sozialpolitik-aktuell\/_Politikfelder\/Arbeitsmarkt\/Datensammlung\/Vorschau-Dateien\/abbIV4.png\" width=\"568\" alt=\"Jahresarbeitsvolumen und Zahl der Erwerbst\u00e4tigen 1991 - 2013\" \/><\/a><br \/>\n<em>mit freundlicher Genehmigung von <a href=\"http:\/\/www.sozialpolitik-aktuell.de\" title=\"www.sozialpolitik-aktuell.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.sozialpolitik-aktuell.de<\/a><\/em><\/center><\/p>\n<p>Doch ist eine solche Messung reiner Kopfzahlen \u00fcberhaupt noch zeitgem\u00e4\u00df, wenn sich der Arbeitsmarkt in Wirklichkeit immer weiter von der reinen Vollbesch\u00e4ftigung der Erwerbskr\u00e4fte entfernt?<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Entgegen des von vielen Medien verbreiteten einfachen Konzeptes der reinen Kopfzahlenerfassung hat die moderne &#8222;Zerkl\u00fcftung&#8220; des Arbeitsmarktes auch dazu gef\u00fchrt, vermehrt alternative Modelle zur Messung des Arbeitseinsatzes zu entwickeln. Den tats\u00e4chlichen zeitlichen Umfang geleisteter Erwerbst\u00e4tigkeit ermitteln beispielsweise die Feststellung des gesamten <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Arbeitsvolumen\" title=\"Arbeitsvolumen \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Arbeitsvolumens<\/a> oder das Prinzip der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Vollzeit%C3%A4quivalent\" title=\"Vollzeit\u00e4quivalent \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Vollzeit\u00e4quivalente<\/a>.<\/p>\n<p>In diesem Beitrag soll es nun um einen Vergleich der beiden letztgenannten Methoden untereinander sowie gegen\u00fcber dem Prinzip der Kopfzahlenerfassung gehen. Am Ende soll dann aufgrund dieses Vergleichs eine alternative Beurteilung der Entwicklungen am deutschen Arbeitsmarkt erfolgen.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr ist es allerdings erst einmal notwendig, eine Definiton f\u00fcr die bisherige konventionelle Messung der Erwebst\u00e4tigkeit darzustellen:<br \/>\nSeit 1995 gilt f\u00fcr die Erfassung der Besch\u00e4ftigten das <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Europ%C3%A4isches_System_Volkswirtschaftlicher_Gesamtrechnungen\" title=\"Europ\u00e4isches System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">&#8222;Europ\u00e4ische System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen&#8220; (ESVG)<\/a> als Leitlinie. Darin werden Erwerbst\u00e4tige als &#8222;alle Personen -Arbeitnehmer und Selbst\u00e4ndige-, die innerhalb der Produktionsgrenze des ESVG eine Produktionst\u00e4tigkeit aus\u00fcben&#8220; (ESVG 1995, Kapitel 11 &#8222;Bev\u00f6lkerung und Arbeitseinsatz&#8220;, Abschnitt 11) bezeichnet.<\/p>\n<p>Demnach gibt es keine zeitliche Grenze f\u00fcr die Erwerbst\u00e4tigkeit. Dies bedeutet, dass auch Personen als erwerbst\u00e4tig gelten, die in einem gegebenen Zeitraum nur eine Stunde gearbeitet haben. Ebenso geh\u00f6ren dazu auch Personen, die zur Zeit nicht arbeiten, aber sich in einem festen Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnis befinden. Dies betrifft z. B. Personen in Elternzeit oder auch in der Freistellungsphase der Altersteilzeit. Aber auch unentgeltlich Arbeitende wie mithelfende Familienmitglieder werden ebnso erfasst.<\/p>\n<p>Man kann also festhalten, dass die Erwerbst\u00e4tigkeit nach der Definition der ESVG (\u00fcbrigens im Einklang mit den Vorgaben der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Internationale_Arbeitsorganisation\" title=\"Internationale Arbeitsorganisation \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Internationalen Arbeitsorganisation ILO<\/a>) sehr weit ausgelegt wird. Jeder Erwerbst\u00e4tige wird genau einmal gez\u00e4hlt (es handelt sich wie bereits erw\u00e4hnt um ein Personenkonzept), ohne besondere Ber\u00fccksichtigung der tats\u00e4chlichen zeitlichen Dauer der Besch\u00e4ftigung.   <\/p>\n<p>In der amtlichen Statistik tauchen dann die Zahlen der Arbeitnehmer gem\u00e4\u00df der Erwerbst\u00e4tigenrechnung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung auf, die nach genau diesem Prinzip funktioniert. So l\u00e4\u00dft sich mit diesen Daten eine erhebliche Erfolgsgeschichte belegen: seit 2004 stieg die reine Zahl der Erwerbst\u00e4tigen von ca. 38 Millionen auf fast 42 Millionen Personen in 2013, eine Entwicklung, die auch von der Finanzkrise 2008\/2009 nicht wesentlich gebremst werden konnte. \u00dcber diesen Zeitraum ist ein deutlicher Trend zu immer mehr Beteiligung der Bev\u00f6lkerung an der Erwerbsarbeit zu beobachten.<\/p>\n<p>Doch hat diese Methode der reinen Kopfz\u00e4hlungen erhebliche Schw\u00e4chen. Sowohl die Ermittlung der Erwerbst\u00e4tigen als auch der Erwerbslosen allein \u00fcber die Anzahl der Menschen, die am Arbeitsleben beteiligt bzw. nicht beteiligt sind, sagen nichts \u00fcber den zeitlichen Umfang der geleisteten oder gesuchten T\u00e4tigkeiten aus.   <\/p>\n<p>Zwar ist das sogenannte Normalarbeitsverh\u00e4ltnis (= eine unbefristete und zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber vertraglich geregelte Vollzeitbesch\u00e4ftigung) noch immer der Regelfall f\u00fcr die meisten Erwerbst\u00e4tigen, doch die Zahl derjenigen, die in atypischen Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnissen stecken (= Teilzeitbesch\u00e4ftigung unter 20 Stunden, geringf\u00fcgig entlohnte, befristete und in Zeitarbeit geleistete Besch\u00e4ftigung), hat seit 2000 erheblich zugenommen. So befinden sich heute bereits \u00fcber 25 % der Bev\u00f6lkerung in atypischer Erwerbst\u00e4tigkeit, gegen\u00fcber nur 19 % am Anfang des Jahrtausends.   <\/p>\n<p>Dies ist die Folge dramatischer Ver\u00e4nderungen am Arbeitsmarkt. In immer mehr Branchen wurden flexible Arbeitszeiten vereinbart, h\u00e4ufig durch die Einf\u00fchrung von Arbeitszeitkonten. Zugleich hat die Teilzeitbesch\u00e4ftigung kontinuierlich zugenommen und die Entwicklung neuer Arbeitszeitmodelle erforderlich gemacht. Ein solch erheblicher Wandel innerhalb der Arbeitszeitlandschaft sorgte auch daf\u00fcr, dass eine blo\u00dfe Ermittlung der Erwerbst\u00e4tigkeit aufgrund von Kopfzahlen f\u00fcr eine wirklich umfassende Analyse der Arbeitsmarktsituation als nicht mehr ausreichend betrachtet werden kann. <\/p>\n<p>So ist es denn auch schlicht unm\u00f6glich, die Frage, ob eine h\u00f6here Anzahl von Erwerbst\u00e4tigen durch gesamtgesellschaftlich mehr geleistete Arbeit entstanden ist oder aber ob ein gleichbleibendes (oder gar sinkendes) Arbeitsvolumen von mehr Personen mit jeweils geringerer Arbeitszeit geleistet wird, nach dieser Definition tats\u00e4chlich zu beantworten.  <\/p>\n<p>Dazu ben\u00f6tigt man stattdessen eine statistische Me\u00dfzahl, mit der man den gesamtgesellschaftlichen Arbeitseinsatz feststellen kann, beispielsweise anhand des Arbeitsvolumens oder des Vollzeit\u00e4quivalents der Erwerbst\u00e4tigkeit.<\/p>\n<p>Im Unterschied zum Kopfzahlenprinzip wird beim Arbeitsvolumen die tats\u00e4chlichen geleisteten Arbeitsstunden aller Erwerbst\u00e4tigen innerhalb eines bestimmten Zeitraumes gemessen, auch Nebent\u00e4tigkeiten und \u00dcberstunden geh\u00f6ren dazu. Au\u00dfen vor bleiben dabei Wegezeiten sowie Arbeitsstunden, die zwar entgolten, aber nicht abgeleistet werden, wie z. B. Urlaub und Fehlzeiten durch Krankheit. Auch f\u00fcr Selbstst\u00e4ndige und mithelfende Familienangeh\u00f6rige gibt es eine verk\u00fcrzte Berechnung, welche die normalerweise geleisteten Arbeitsstunden mit einbezieht.<\/p>\n<p>Die aus mehr als 20 verschiedenen Statistiken (u. a. vom <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Startseite.html\" title=\"Startseite\u00a0-\u00a0Statistisches Bundesamt (Destatis)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Statistischen Bundesamt<\/a>, dem <a href=\"https:\/\/www.iab.de\/\" title=\"Institut f\u00fcr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung - Die Forschungseinrichtung der Agentur f\u00fcr Arbeit\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Institut f\u00fcr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)<\/a> und den Statistik\u00e4mtern der L\u00e4nder) bestehenden Komponentenberechnungen werden in einem Gesamtmodell zusammengef\u00fchrt und sind fester Bestandteil der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen. Auf dieser Basis lassen sich zus\u00e4zlichen wichtige Kennzahlen wie z. B. die Stundenproduktivit\u00e4t, errechnen. Damit ist eine wesentlich weiterere und intensivere Analyse des Wirtschaftsgeschehens bzw. des Arbeitsmarktes m\u00f6glich als mit der reinen Kopfzahlen-Methode.<\/p>\n<p>Nach den Ergebnissen des IAB wurden 2010 in Deutschland ca. 57 Millionen Arbeitsstunden geleistet. Im Gegensatz dazu lag dieses Volumen 1991 noch bei etwa 60 Millionen Stunden. Der starke Trend zur Teilzeitarbeit wird f\u00fcr das langfristige Zur\u00fcckgehen des Arbeitsvolumens im Wesentlichen verantwortlich gemacht. 1991 lag die Arbeitszeit je Erwerbst\u00e4tigen im Durchschnitt noch bei 1.545 Stunden, 2010 waren es nur noch 1.405 Stunden, 2013 noch 1.388 Stunden. Im gleichen Zeitraum ist die Teilzeitquote von 15 Prozent auf fast 35 Prozent gestiegen.<br \/>\nDemgegen\u00fcber hat sich die durchschnittliche Jahresarbeitszeit in Vollzeit zwischen 1991 und 2010\/2013 kaum ver\u00e4ndert.  <\/p>\n<p><center><a href=\"http:\/\/www.sozialpolitik-aktuell.de\/files\/sozialpolitik-aktuell\/_Politikfelder\/Arbeitsmarkt\/Datensammlung\/Vorschau-Dateien\/abbIV3.png\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.sozialpolitik-aktuell.de\/files\/sozialpolitik-aktuell\/_Politikfelder\/Arbeitsmarkt\/Datensammlung\/Vorschau-Dateien\/abbIV3.png\" width=\"568\" alt=\"Arbeitsstunden pro Jahr je Erwerbst\u00e4tigen 1970 - 2013\" \/><\/a><br \/>\n<em>mit freundlicher Genehmigung von <a href=\"http:\/\/www.sozialpolitik-aktuell.de\" title=\"www.sozialpolitik-aktuell.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.sozialpolitik-aktuell.de<\/a><\/em><\/center><\/p>\n<p>Der R\u00fcckgang der durchschnittlichen Jahresarbeitszeit ist daher auch nicht das Ergebnis allgemeiner Arbeitszeitverk\u00fcrzungen, sondern vor allem eine Folge von struktuellen Ver\u00e4nderungen der Erwerbst\u00e4tigkeit durch die Zunahme des Teilzeitarbeitsvolumens.<\/p>\n<p>Somit kann man konstatieren, dass sich das Arbeitsvolumen und die Zahl der Besch\u00e4ftigten in den letzten 20 Jahren eher gegens\u00e4tzlich entwickelt haben. So gibt es heute mehr Erwerbst\u00e4tige, die aber insgesamt weniger Arbeitsstunden ableisten. So hat diese Art der Feststellung des Arbeitsvolumens zu einer Erkenntnis gef\u00fchrt, die man bei einer blo\u00dfen Betrachtung der Kopfzahlen auf dem Arbeitsmarkt \u00fcbersehen w\u00fcrde: H\u00f6here Erwerbst\u00e4tigenzahlen m\u00fcssen nicht zu einem gleich hohen Anstieg des Arbeitsvolumens f\u00fchren, wenn sich die Besch\u00e4ftigtenstruktur beziehungsweise die durchschnittlichen Arbeitszeiten \u00e4ndern und sich das Arbeitsvolumen auf mehr K\u00f6pfe verteilt.<\/p>\n<p>Bei der sogenannten Vollzeit\u00e4quivalente handelt es sich dagegen um eine hypothetische Gr\u00f6\u00dfe, die dazu benutzt wird, zu berechnen, wie hoch die Zahl der Erwerbst\u00e4tigen ausfallen w\u00fcrde, wenn jeder von ihnen eine Vollzeitstelle h\u00e4tte. Im schon oben zitierten ESVG 1995 wird die Vollzeit\u00e4quivalente als &#8222;Zahl der auf Normalarbeitszeit umgerechneten Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse&#8220; (ESVG 1995, Kapitel 11, Abschnitt 32) definiert.   <\/p>\n<p>Da die Ergebnisse der Berechnungen mit Vollzeit\u00e4quivalenten \u00e4hnlich ausfallen wie die Ermittlung der Arbeitsvolumen (auch hier f\u00fchrt die zunehmende Bedeutung der Teilzeitbesch\u00e4ftigung zu einem Auseinanderdriften der absoluten Zahl der Erwerbst\u00e4tigen und der Erwerbst\u00e4tigen in Vollzeit\u00e4quivalenten), hat man sich auf europ\u00e4ischer Ebene im ESVG 1995 auf die Vorgabe festgelegt, demnach \u201edas Arbeitsvolumen der beste Me\u00dfwert f\u00fcr den Arbeitseinsatz ist\u201c (ESVG 1995, Kapitel 11, Abschnitt 34).<\/p>\n<p>Anhand der obigen Ausf\u00fchrungen sollte gezeigt werden, dass vor allem das Arbeitsvolumen als Ergebnis der Arbeitszeitrechnung ein notwendiges und besseres Ma\u00df des Arbeitseinsatzes ist, um die Entwicklung der Erwerbst\u00e4tigenzahlen zu interpretieren und weitere Erkenntnisse abzuleiten.<br \/>\nDiese Notwendigkeit zeigt die Entwicklung der Erwerbst\u00e4tigkeit in Deutschland seit den 1990er Jahren: W\u00e4hrend die Zahl der Erwerbst\u00e4tigen in diesem Zeitraum insgesamt deutlich anstieg, ging die Zahl der gesamtwirtschaftlich geleisteten Arbeitsstunden zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Oder anders gesagt: entgegen den Jubelges\u00e4ngen vieler Medien wurde nicht das Volumen der Arbeit insgesamt erweitert, sondern die vorhandene Arbeit lediglich auf mehr Schultern verteilt. Nimmt man nun noch die bekannte Lohn- und Gehaltsentwicklung der vergangenen Jahrzehnte hinzu, so ist es nicht schwer, sich die Probleme dieses Prozesses vor Augen zu f\u00fchren. <\/p>\n<p>Zeitgleich mit dieser Entwicklung haben unsichere und schlecht bezahlte T\u00e4tigkeiten zugenommen, laut OECD stieg in Deutschland die Niedriglohnbesch\u00e4ftigung im Vergleich aller Industriestaaten am st\u00e4rksten an, gerade die \u00fcblichen Teilzeitbesch\u00e4ftigen wie Minijobber, Leiharbeiter, Jugendliche und befristet Besch\u00e4ftigte sind hiervon besonders betroffen.<\/p>\n<p>Zudem hat sich die alte Verkn\u00fcpfung von wirtschaftlicher Effizienz und gesellschaftlicher Solidarit\u00e4t \u2013 eigentlich ein Kennzeichen der sozialen Marktwirtschaft &#8211; aufgel\u00f6st. Niedrige Einkommen und Besch\u00e4ftigungsunsicherheit haben dagegen erheblich zugenommen. Neu ist dabei auch, dass sich prek\u00e4re Arbeit, also Besch\u00e4ftigung deutlich unter den \u00fcblichen sozialen Standards, nicht mehr auf atypische Besch\u00e4ftigungsformen beschr\u00e4nkt, sondern tief ins Normalarbeitsverh\u00e4ltnis eingedrungen ist.<\/p>\n<p>\u00dcber die sonstigen Auswirkungen der deutschen Arbeitsmarktentwicklung, insbesondere in der Form von sinkenden L\u00f6hnen im Verh\u00e4ltnis zu volkswirtschaftlichen Produktivit\u00e4t, also den sogenannten Lohnst\u00fcckkosten, die als eine der Hauptursachen f\u00fcr die Eurokrise angesehen werden, ist in diesem Blog schon oft geschrieben worden. <\/p>\n<p>Und dabei ist entgegen den gern gepflegten Mythen vom &#8222;Aufschwung&#8220;, &#8222;Boom&#8220; und &#8222;Jobwunder&#8220; gar keine neue Arbeit geschaffen worden, sondern nur die vorhandene neu umverteilt worden. Auch das wird erst sichtbar, wenn man die \u00fcbliche Betrachtungsweise der Besch\u00e4ftigtenzahlen hinterfragt und mit der Bestimmung des Arbeitsvolumens neue Wege beschreitet. <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Grundlage des sogenannten deutschen &#8222;Jobwunders&#8220; ist die Wahrnehmung von Arbeitsmarktdaten in der Form von Kopfzahlen der Erwerbst\u00e4tigen sowie der Erwerbs- und Arbeitslosen. 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